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Thema: Ich kann nicht mit der Trauer umgehen (Triggergefahr)

  1. #1
    Roman Verfasser Avatar von Cailynn
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    Standard Ich kann nicht mit der Trauer umgehen (Triggergefahr)

    Hallo zusammen,

    gestern morgen ist meine geliebte Oma gestorben. Es war total kurios... wir wohnen in der gleichen Straße. Ich lag noch im Bett und bin aus dem Schlaf hochgeschreckt weil ich zwei kurz aufeinander folgende Blaulichtsirenen gehört habe. Und iwie hatte ich sofort eine Intuition das was mit meiner Oma nicht stimmt.
    Die letzten Jahre waren der reinste Kampf für sie. Sie hatte mehrere Schlaganfälle, eine Herz OP, bekam nur ganz schlecht Luft und hatte zähen Schleim den sie zum Schluss kaum noch abhusten konnte. In den letzten drei Tagen ging es ihr rapide schlechter und ich hatte sofort ein ganz komisches Gefühl.
    Ich bin dann in Schlafsachen auf die Straße und habe geschaut. Von meinem Zuhause aus kann ich die Einfahrt zum Haus meiner Oma sehen. Und als ich dort einen Krankenwagen und einen Notarzt stehen sah war mir sofort klar, jetzt ist sie tot.
    Das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Ich hatte zu meiner Oma eine ganz besondere Bindung. Als kleines Mädchen war ich fast jeden Tag da. Für mich ist sie wie eine Mutter gewesen und obwohl ich wusste es kann nicht mehr allzu lange dauern war das gestern ein Schock für mich.
    Ich habe dann meinen Onkel angerufen (er wohnt im Vorderhaus bei Oma) und hab gefragt ob der Notarzt bei denen in der Einfahrt steht (blöde Frage!! Ich hab es doch selbst gesehen. Ich weiß auch nicht warum ich das gemacht hab). Und er hat mir dann sehr betroffen gesagt das die Oma gerade gestorben ist

    Ich bin dann zu meiner Schwester gegangen, wollte nicht alleine sein. Um 11 Uhr durften wir rüber kommen und uns von ihr verabschieden. Mein Opa hat so schlimm geweint, das hat mir das Herz zerrissen. Sie lag da in ihrem Bett und es war total komisch sie so zu sehen. Meine Oma ist der erste Sterbefall in unserer Familie. Ich hatte vorher nie direkt damit zu tun und sie ist auch die erste Tote die ich gesehen und berührt habe. Ich kann den Anblick nicht mehr vergessen. Sie war ganz weiß und eiskalt. Ich wusste das ist meine Oma aber gleichzeitig war sie es auch nicht mehr.

    Mein Opa hat erzählt das sie sich die Nacht davor wohl ganz schlimm gequält hat. Sie hatte starke Herzschmerzen und kurz bevor sie starb hatte sie wohl furchtbare panische Angst, weil sie nicht wusste was "danach" kommt. Wo sie hin geht. Das macht mich besonders unglücklich und tut mir im Herzen weh. Dass das letzte was sie gedacht und gefühlt hat Angst war.
    Die Rettungssanitäter haben wohl versucht sie zu reanimieren bis der Notarzt da war. Und mein Opa stand wohl hilflos daneben mit der Patientenverfügung in der Hand, denn meine Oma wollte nie zurück geholt werden. Aber in Deutschland scheinen die gesetzlich dazu verpflichtet zu sein zu reanimieren solange noch kein Notarzt da ist, trotz Patientenverfügung.

    Ich bin auf der einen Seite sehr froh und erleichtert das sie es nun gepackt hat. Denn ich weiß jetzt leidet sie nicht mehr und es geht ihr besser. Auf der anderen Seite bin ich so unglaublich traurig. Meine Oma war mein Leben lang da und war auch eine Art mütterlicher Anker für mich (das Verhältnis zu meiner leiblichen Mutter ist nicht so gut). Und es macht mich so traurig das sie so qualvoll gestorben ist und solche Angst dabei hatte. Der Gedanke ist für mich so quälend. Vorhin habe ich den Leichenwagen in der Einfahrt gesehen. Sie wird jetzt noch 3 oder 4 Tage in einem Trauerraum aufgebahrt bevor sie verbrannt wird. Den Leichenwagen zu sehen war schrecklich. Zu wissen das meine Oma da jetzt drin liegt und aus ihrem Zuhause weggeholt wird. Das sie nicht mehr da ist wenn ich dort hin gehe. Einfach weg...für immer. Und wie schlimm muss das für meinen Opa nur sein. Die beiden kannten sich seit sie Kinder waren und waren 56 Jahre verheiratet.

    Ich komme mit dem Verlust nicht klar. Ich versuche für meinen Opa stark zu sein aber hier Zuhause kann ich mich kaum halten vor Schmerz. Ich kann nicht essen und auch nicht schlafen. Habe nachts Panikattacken gehabt. Und ich habe Phasen. Entweder ich weine die ganze Zeit oder ich fühle mich so leer das ich gar nichts fühle. Und ich weiß nicht wie ich die Beerdigung überstehen soll. Und wie die Zeit danach wird. Und ich habe Angst um meinen Opa dass er so leidet das er sich vielleicht was antut.

    Es ist so komisch... obwohl wir alle wussten sie schafft es nicht mehr lange sitzt der Schock bei uns allen tief. Und ich weiß nicht mehr wo mir der Kopf steht
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  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Cailynn für den sinnvollen Beitrag:

    wnddowclev (18.08.2016)

  3. #2
    Moderator Avatar von siddhi
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    Liebe Cailynn,

    Mein herzliches Beileid! Ja, traurig, wenn jemand geht, der einem so am Herzen liegt. Gib Dir/Euch Zeit.
    Ich bin sicher, dass es ihr jetzt gut geht. Die Zeit kurz davor ist vermutlich für keinen einfach.
    Für Deinen Opa ist es sicher hart, zurückzubleiben. Das einzige, was ich Dir im Moment noch geben kann:

    Als der Regenbogen verblasste
    da kam der Albatross
    und er trug mich mit sanften Schwingen
    weit über die sieben Weltmeere.
    Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts.
    Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
    Ich habe euch nicht verlassen,
    ich bin euch nur ein Stück voraus.

    (Verfasser unbekannt)

    Fühl Dich gedrückt!
    siddhi
    Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus. (Demokrit)

  4. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei siddhi für den sinnvollen Beitrag:

    Cailynn (10.08.2016),wnddowclev (18.08.2016)

  5. #3
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    Herzliches Beileid. Es ist schwer einen geliebten Menschen zu verlieren.
    Ich glaube der Tod ist etwas schreckliches und ist nicht angenehm. Doch wir Menschen sollten uns die Frage stellen "was kommt danach?" Ich glaube das nach dem Tode nicht alles aus ist. Ich glaube an gott und glaube fest das es danach etwas gibt. Die Bibel spricht von ewigen Leben. Jesus selber sagt "wer an mich glaubt hat ewiges Leben !. Es ist entscheidend wichtig sich mit dem Thema auseinanderzusetzten, weil diese Frage alle Menschen angeht. Die Frage " wer bin ich, und woher komme ich und wohin gehe ich". In diesem Leben geht einmal alles vorbei, dessen sollten wir uns bewusst sein. Selbst Alexander der Große sagte "wenn ihr mich begrabt, so soll eine Hand aus dem Sarge hängen, damit jeder sehen kann das ich nichts mitnehmen kann. Wir müssen alle einmal von dieser Welt gehen ob wir wollen oder nicht, Ich glaube das das einzige was wichtig ist ist ob wir Gott gekannt haben. Gott reicht uns Menschen seine Hand durch Jesus Christus und bietet uns ewiges Leben an. Jeder Mensch der glaubt das jesus für seine Sünden gestorben hat und sich zu Jesus wendet der hat ewiges Leben. In johannes 3.16 steht "denn also hat Gott diw welt geliebt das er seinen eingeborenen Sohn uns gab. auf das jeder der an ihn glaubt ewiges Leben hat". Vielleicht will Gott dich durch diese Situation erinnern das du dich mit ihm beschäftigen solltest. In der bibel (Psalm 39 ) steht "Lehre uns bedenken das wir sterben müssen auf das wir klug werden". Der Tod soll uns belehren und uns zum nachdenken bringen.

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei sam32 für den sinnvollen Beitrag:

    Fisch1999 (17.08.2016),wnddowclev (18.08.2016)

  7. #4
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    Hallo Cailynn,

    ich möchte dir mein Beileid aussprechen.

    Für den Tod gibt es letztlich keine Worte.
    Gib dir selber einfach Zeit. Es ist normal, das du dich leer fühlst, denn deine Oma ist ja erst gestern verstorben.
    Du brauchst Zeit, vielleicht möchtest du eine Kerze an zünden oder wenn du magst, könntest du einen Altar errichten wo du jeder zeit mit ihr reden kannst. Lass deine Trauer einfach zu.

    Ich wünsche dir viel Kraft

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Tessy für den sinnvollen Beitrag:

    Cailynn (10.08.2016)

  9. #5
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    Danke euch für eure tröstenden Worte. Es ist gerade eine schwere Zeit für mich. Für alle engen Familienmitglieder.
    Ich habe Phasen. Mal geht es mir ganz okay und ich denke mir, für meine Oma war es das Beste so. Und dann habe ich wieder Tage an denen ich so traurig bin das ich denke ich halte es nicht mehr aus. Vor allem Stille kann ich im Moment nicht aushalten. Ich kann deswegen auch nicht mehr in meinem Bett schlafen.
    Ich muss immer Stimmgewusel um mich haben, schlafe vor den Fernseher. Am 16.8. ist die Beerdigung (bzw. die Vertreuung in Luxemburg).
    Das wird noch sehr schlimm

    LG Cailynn

    PS: Gott oder Jesus... das ist so ziemlich das letzte was ich jetzt hören möchte. Sorry Sam!
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  10. #6
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    Liebe Cailynn
    Auch von mir mein herzliches Beileid an Dich! Man liest, wie sehr dich der Tod deiner Oma bis ins Innerste erschüttert. Auch von mir ein kleiner Spruch, den ich für Dich ausgesucht habe:

    Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling.
    Laotse

  11. #7
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    Hallo Cailynn,

    auch von mir herzliches Beileid und ein großes Kraftpaket für die nächste Zeit.
    Möchte dir gerne eine da lassen wenn ich darf.

    LG cats

  12. #8
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    Vielen Dank euch nochmal für eure tröstenden Worte. Vor allem der Spruch von der Raupe und dem Schmetterling hat mir sehr gut gefallen. Wie der Zufall es will hat der Bestatter (meine Oma wollte keine kirchliche Feier) genau dieses Beispiel mit in die Trauerzeremonie eingebaut.

    Der Tag gestern war für uns alle nochmal sehr schlimm. Die ganze Familie kam aus allen Ecken Deutschlands und Ländern zusammen (der engste Familienkreis sind schon um die 40 Leute...meine Großeltern haben 9 Kinder...+Partner+uns Enkel...der Bestatter hat nicht schlecht gestaunt über den "engsten Familienkreis").
    Meine Oma hatte den Wunsch, auf einer Wiese verstreut zu werden. Wir waren in einem Krematorium in Luxemburg. Da war dann eine kleine Trauerzeremonie in einer sehr schönen Halle. Mein Opa hat ein Lied ausgesucht. Und dann durfte man sich vorne an ihrer Urne nochmal verabschieden wenn man wollte. Dann sind wir raus gegangen, zu einer Wiese mit kleinen Bäumen. Eine Mitarbeiterin ist über eine Brücke gegangen, auf diese Wiese, wir durften leider nicht mit...mussten vor der Wiese stehen bleiben. Da hat sie dann mit einer Streuurne (ich weiß nicht wie man die Gefäße nennt...sah aus wie ein Weihrauchgefäß in der Kirche nur als Urne) die Asche auf der Wiese verteilt und wir durften Blumen und Blüten auf die Brücke legen.

    Es war ein schreckliches Bild. So surreal, so unfassbar. Mein erster Gedanke war, dass das aber ganz schön viel Asche ist. Wie viel Asche ein ganzer Mensch doch ist...
    Aber es hatte auch sowas makaberes. Diese Asche war mal meine Oma. Ein Mensch den ich mein Leben lang kannte. Der mich als kleines Kind im Arm gehalten hat, mir Küsse gegeben hat, mich zugedeckt hat wenn ich bei Oma schlafen durfte. Ein Mensch den ich umarmen konnte, mit dem ich so vieles erlebt habe.
    Und das einzige was von diesem Menschen und seiner Liebe zu mir/uns übrig bleibt ist ein grauer Aschefleck auf einer Wiese. Die Wiese war grau eingefärbt. Das war so makaber und unfassbar das ich es nicht ausgehalten hab. Den Anblick meine ich. Dass das meine Oma ist...nur noch ein Fleck auf der Wiese.

    Später bei der Trauerfeier (sie fand im Garten meiner Großeltern statt, so wie Oma es wollte) hat mein Opa mir den Stein gezeigt, der mit bei Oma im Sarg lag als sie verbrannt wurde. Und dann zeigt er mir die dunklen Rußflecken und erklärt mir dass die von den Flammen kommen :S ich wollte das nicht hören. Ich will mir nicht vorstellen wie meine Oma verbrannt ist. Das ist schrecklich..
    Am liebsten wäre es mir, sie würde für immer so aussehen wie ich sie kenne, nur schlafend. Aber das geht natürlich nicht. Der Stein liegt jetzt jedenfalls in der Hand einer Buddhastatue im Garten meiner Großeltern. Meine Oma liebte im Alter Buddhas und das war ihr Lieblingsort im Garten. Da kommt noch ein Messingschild hin mit ihrem Namen. Unsere eigene "Trauerstätte".

    Obwohl man geliebte Menschen immer im Herzen trägt und im Prinzip immer und überall an sie denken/mit ihnen sprechen kann, ist es doch iwie für alle wichtig einen offiziellen Ort zu haben, wo man hingehen kann. Verrückt nicht?
    Ich würde gerne wissen wo meine Oma jetzt ist. Ob sie uns von dort aus sehen kann, wie es ihr geht. Ob sie sich alleine fühlt oder alles weiß (z.B. wann wir mal sterben). Ich hasse dieses Gedankenkarussel aus religiösen Sinnfragen, die mir ja doch niemand beantworten kann :S

    LG Cailynn
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  13. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Cailynn für den sinnvollen Beitrag:

    siddhi (18.08.2016)

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