Hallo liebe Psychologiegemeinde,
Wie der Titel schon vermuten lässt habe ich (m/23) ein Problem mit meiner Person.
Ich war immer ein sehr geselliger Typ, wenn auch introvertiert, das ist kein Wiederspruch, ich meine damit, dass ich gerne in Gesellschaft war aber anderen das Ruder überlassen habe bei Gesprächsführung und so.
Ich war auch immer ein sehr guter Zuhörer und nicht nur weil ich wenig redete, sondern weil ich mich sehr gut in andere hineinversetzen konnte, ich konnte Gefühle an der Mimik erkennen und auch worauf jemand hinaus will der um etwas herumredete, will sagen, ich habe mich mit meinen Mitmenschen liebevoll auseinandergesetzt und versucht ihnen zu helfen.
Das war allerdings eine Einbahnstrasse für mich, ich selbst bin/war verschlossen habe/hatte Probleme mit meinem Selbstbewusstsein.
Also ich war nicht unglücklich aber ich fand mich selbst eher belanglos, meine Zukunft lag im dunkeln und das war mir auch ganz recht.
In der Schule war mein Motto immer höflich sein, hier und da mal einen Witz machen, Anstrengungen vermeiden und bloß nicht negativ auffallen.
Ich konnte der Schule auch nichts abgewinnen, für mich war sie wohl ein Übel, dass man einfach ertragen muss.
Ich trickste auch so gut ich konnte, also dass man Unterschriften fälscht und so was, Hausaufgaben abschreibt etc.
Ich blieb 2 mal sitzen und wechselte am Ende auf die Realschule, als die abgeschlossen war, ging ich auf ein Wirtschaftsgymnasium und das habe ich dann auch verbockt bzw. habe einfach nichts dafür getan und am Ende schon sehr oft geschwänzt.
Privat hatte ich immer eine Menge Spaß und weil ich nichts ernst nahm, hatte ich auch keine Angst vor der Zukunft, ich dachte irgendwie es würde immer so weiter gehen. Auf prophetische Warnungen reagierte ich mit Abwertung oder Galgenhumor. Mir war offengesagt einfach egal was aus mir werden würde.
Naja jetzt bin ich 23, arbeitslos und ein verkiffter Lutscher, der absolut nicht mehr klarkommt.
Die Schule war für mich nie ein Indikator für Begabung oder so. Mir taten die einsamen Kinder Leid, die immer alles perfekt machen wollten und dann anfingen zu weinen wenn es in Mathe eben doch nur eine 2 wurde.
(mein großer Bruder war so einer)
Mein Selbstbewusstsein zog ich aus meiner Freizeit.
Ich hatte viele Freunde und Bekannte, wirklich sehr viele also auf den umliegenden Käffern kannte ich fast jeden in meinem Alter, ausserdem war ich ein guter Sportler, ein ganz passabler Sänger und ziemlich lustig wenn ich wollte.
Soll heissen ich war ein Versager in der Schule aber ich fühlte mich deswegen nicht schlecht oder so, manchmal sah ich es sogar als Vorteil, weil Gleichaltrige darauf oft positiv reagierten.
Also aus meiner naiven Sicht lief alles soweit ganz gut vor sich hin.
Dann flog ich vom WG und der ganze Ärger nahm seinen Lauf, damals war ich 19.
Von einem Tag auf den anderen gingen mir alle auf den Sack und ich meine wirklich alle meine Bezugspersonen.
Die dachten offenbar mein Leben sei bisher gut verlaufen, dass ich seit 10 Jahren keinen Finger mehr krumm gemacht hatte, war wohl den Wenigsten aufgefallen.
Ich sagte immer nur ich gehe noch zur Schule, doch damit war es jetzt vorbei.
Also antwortete ich auf die Standart-Frage:Und was machst du so? Ich bin Arbeitslos.....
Tja, ich war es gewohnt beliebt zu sein oder zumindest freundlich ignoriert zu werden und plötzlich schoss mir ständig diese Mischung aus Mitleid und Ekel entgegen.
(Mag sein, dass ich es mir auch hier und da nur eingebildet habe)
Also habe ich mich innerlich zurückgezogen. Karriere war nie ein Thema für mich, ich war eher so leicht links orientiert, nicht radikal, aber ich fand sehr viele Dinge wichtiger als Geld.
Ich konnte nicht verstehen warum mich alle so anders behandelten auf einmal.
Ich stellte auf Stur und sagte sehr vielen, auch guten Freunden, dass sie mich mal sonstwo könnten und wurde ziemlich einsam und deprimiert.
Also das ging über einen langen Zeitraum, fast 3 Jahre und wurde immer schlimmer.
Ich begann Ausbildungen zum Koch, Bürokaufmann und Landschaftsgärtner.
Wurde aber nach einer Weile immer depressiv bis ich irgendwann einen Cut machte und die Ausblidungen immer nach ca. einem Jahr abbrach.
Und ich meine damit, dass ich von Heute auf Morgen nicht mehr kam und mich auch nie wieder dort gemeldet habe.
Ich fand einfach keinen Sinn darin, obwohl ich meistens freundliche Kollegen hatte und die Arbeitgeber immer mit mir zufrieden waren fand ich es furchtbar trostlos zu arbeiten, manchmal geradezu erbärmlich.
Ich zerbreche mir oft den Kopf über das Leben im allgemeinen, ob es einen Sinn hat und was das wohl sein könnte.
Eben Dinge die Niemand verstehen kann und die einen irgendwie verrückt machen können, gerade weil sie alles in Frage stellen was als gegeben akzeptiert wird.
Das Gras hat meine Birne denke ich noch zusätzlich weich gemacht, jedenfalls hatte/habe ich immer weniger Nerven für andere Menschen und deren Weltbild.
Ich habe den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen, obwohl ich immer ein gutes Verhältnis zu ihm hatte, konnte ich ihm irgendwie nicht mehr in die Augen sehen.
Ich habe eigtl. nur noch zu meiner Mutter Kontakt, nicht mal meine Geschwister interessieren mich noch.
Von meinen alten Freunden habe ich nur noch einen wirklich guten, aber auch mit dem entfremde ich mich immer mehr.
Oft sehe ich einfach keinen positiven Aspekt mehr wenn es um gesellschaftliche Interaktion geht, weil ich seit Jahren kaum noch Etwas positives erlebt habe.
Manchmal habe ich auch schlicht Angst vor Menschen, ich fühle mich jedem unterlegen, moralisch und ethisch bzw. glaube deren Meinung über mich sofort zu erkennen.
Man könnte sagen mein bester Freund ist im Moment mein Hund, der stellt keine Erwartungen an mich.
Bei Familienfesten mache ich mich früh aus dem Staub und habe auch keine Liebe mehr für diese Menschen.
Im Grunde weis ich, dass ich nur einen Job bräuchte um wieder akzeptiert zu werden bzw. mich nicht mehr so ´´nackt´´ zu fühlen aber ich bin zu stur dafür, das käme irgendwie einer Niederlage gleich in meinem Weltbild.
Alle stressen mich und wenn ich nachgebe ist das schwach, denn die Welt ist wie sie ist, weil die meisten irgendwann nachgeben, oder?
Ich habe einen neuen Freundeskreis wo eigtl. immer nur gekifft wird Abends.
(keine Ahnung wann ich das letzte mal am Wochende weggegangen bin)
Naja diese Leute kenne ich auch teilweise schon ewig, ist irgendwie so das letzte Grüppchen, das den Absprung verpasst hat, während alle anderen sich aufmachen in die weite Welt wenn man so will.
Früher habe ich die noch ausgelacht, weil sie so fertig waren und jetzt sind das die einzigen Leute, die mich noch zu verstehen scheinen.
Schon lustig wie sich das manchmal so entwickelt.
Irgendwie habe ich es geschafft mein Leben ganz gründlich zu versauen und genau das zu werden, was ich nie werden wollte.
Ein einsamer, schlecht gelaunter, psychisch labiler Versager, der weder Freunde noch Familie hat aber sich trotzdem nur verdammt selten eingestehen kann, dass das alles irgendwie selbstverschuldet ist,
mit Komplexen und Psychosen zusammenhängt.
Wie finde ich wieder einen Lebenssinn?
Wie kann ich meine Vergangenheit vergessen?
Wie kann ich neu anfangen?
Wie kann ich meine Arbeitseinstellung ändern?
Woher nehme ich die Kraft all diesen Leuten die ich verprellt habe wieder gegenüber zu treten?
Sollte ich vlt. eine Therapie machen/ Pillen nehmen?
Versteht mich Irgendjemand oder bin ich einfach nur komplett daneben?
Sry für den langen Text aber diese Sache beschäftigt mich schon sehr.


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