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Thema: Ich muss ein anderer Mensch werden

  1. #1
    Neuling
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    Standard Ich muss ein anderer Mensch werden

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin durch Google auf dieses Forum gestoßen, da ich ein wenig über mein "Problem" googlen wollte. Ich muss mir das einfach mal alles von der Seele schreiben.

    Ich hab oft das Gefühl, das ich ein völlig neuer Mensch werden muss. Ich schildere mal kurz meine Vergangenheit. Ich war so ungefähr 3 als mein Vater uns verließ, als ich 5 war starb meine Oma, als ich 8 war dann mein Opa, meine Uroma und einige Jahre später eine Tante von mir und eine gute Freundin. Ich habe noch nie darüber geredet. Man hat nur gemerkt das ich starke Verlustängste hatte, auf ärztliche Empfehlung haben wir uns dann einen Hund gekauft.

    Soviel zur Vorgeschichte. Ich würde schon fast behaupten, ich haben Angst vor dem Leben. Jeden Tag stehe ich morgens vor dem Spiegel und denke: Kannst du das jetzt anziehen? Was werden die anderen wohl denken? Ich habe meine eigene Meinung und lasse mir diese nicht verbieten, aber ich hab große Probleme damit wenn andere Leute was an mir auszusetzen haben. Wenn ich neue Klamotten kaufe, nehm ich immer mindestens 1-2 Leute mit um zu wissen ob das auch gut aussieht, nicht das mich dann irgendjemand auslacht. Anstatt ich kaufe was mir gefällt . Ich schminke mich nicht, wenn ich das Haus verlasse, da ich Angst habe, das irgendjemand was dazu sagt, egal ob positiv oder negativ. Ich ändere nicht mal meine Frisur, z.B lasse mir einen Pony schneiden, da ich Angst habe das jemand drüber reden würde.

    Dazu kommt, das ich total arrogant bin. Wenn mich jemand was fragt, reagiere ich total arrogant. Ich habe auch einen total arroganten Blick drauf, der mir schon oft zum Verhängnis geworden ist. Ich gebe meistens nur patzige antworten. Ich denke mal, das ich dadurch versuche meine Unsicherheit zu überspielen. Ich möchte eigentlich gar nicht so arrogant sein, bisschen Arroganz ist ja immer gut, aber ich bin schon echt grenzwertig.

    Ich traue mich noch nichtmal, in einen Laden zu gehen und mir eine Monatskarte für den Bus zu kaufen. Bevor ich jemanden Anrufe, sitze ich mindestens eine halbe Stunde vor dem Telefon und habe Angst. Da ich durch solche Sachen, total viel Zeit verschwende und nur am nachdenken bin, vergesse ich darüber oft meine Haustiere, die mir echt geholfen haben und hier ist es oft unordentlich.

    Ich habe schon viel probiert, aber ich schaffe es einfach nicht mein Selbstbewusstsein zu stärken. Ich möchte mich auch ändern, aber jeder Versuch ist gescheitert. Alle erwarten von mir das ich morgen wenn ich aufstehe ein neuer Mensch bin, das setzt mich sehr unter Druck.

    Ich hoffe darauf, hier vielleicht Leute zu finden die in einer ähnlichen Situation stecken oder mir Tipps geben können.

    lg

  2. #2
    Painter
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    Hi Arrogant,

    Angst vor dem Leben
    gibt es als Buch von Alexander Lowen.

    Also wenn ich das richtig verstehe, ist um dich rum alles verstorben und anstatt dir zu erzählen was es mit dem Tod auf sich hat und dich zu trösten, hat man dir einen Hund gekauft...

    Wütend darüber?

    Zu dem anderen: Wer erwartet von Dir etwas? und wie bemisst du das?

  3. #3
    Neuling
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    Also wenn ich das richtig verstehe, ist um dich rum alles verstorben und anstatt dir zu erzählen was es mit dem Tod auf sich hat und dich zu trösten, hat man dir einen Hund gekauft...
    Man hat's mit schon kindgerecht erklärt. Alle dachten eben: "Ach die kleine wird das schon gut wegstecken". Ich hab ja auch keine wirkliche Trauer gezeigt, eben versucht anders zu verarbeiten. Als dann die Verlustängste kamen, hat man dann eben den Hund gekauft und damit war die Sache dann gegessen.

    Zu dem anderen: Wer erwartet von Dir etwas?
    Ich hab das Gefühl, alle Leute um mich rum, erwarten von mir das ich heute ins Bett gehe und morgen als neuer Mensch aufstehe. Eben das Gegenteil was ich jetzt bin. Wenn man dann aber eben merkt, das ich immer noch so bin wie vor 2 Tagen kommt immer: Änder dich doch endlich mal, Ich dachte du wolltest dich ändern, irgendwann stehst du alleine da, mach was sonst ist der Rest auch bald weg ... Nicht sehr motivierend.

    lg

  4. #4
    Neuling
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    Wir wärs mit einem Tagebuch wo du deine Gefühle aufschreibst und somit ein wenig verarbeitest ? Schon mal versucht ?

  5. #5
    Painter
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    Anstatt damals diese Ängste zu verarbeiten, wurden sie mit einem Hund gedeckelt...

    Wenn ich das richtig verstehe hast du also die Verlustängste die dich daran hindern zwischenmenschlich zu handeln...?
    Hast du mal versucht zu handeln und versucht Dir klar zu machen das es egal ist, was die anderen von dir denken?
    Hast du dir mal all die amnderen Menschen angeschaut, die sich kaum von dir unterscheiden?
    Hast du mal versucht einfach jemanden anzurufen (ohne vorher lange darüber nachzudenken, was du sagst)?

    Einen arroganten Menscheninteressiert es nicht ob er Fehler macht...
    Ein arroganter Mensch macht Fehler und gibt vll. anderen die Schuld, nicht aber sich selber...

    Du erscheinst mir nicht arrogant, sondern du versuchst eher etwas Schutz mit einem gekünzelten Benehmen zu erreichen?

  6. #6
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Hi Arrogant, Du steckst mitten in einer sozialen Phobie. Der innere Druck hat mittlerweile solche Dimensionen angenommen dass es nicht mehr zum Aushalten
    ist. Bevor ich Dir meine Einschätzung angedeihen lasse noch ein wichtiger Hinweis:

    Wenn jemand (ebenfalls) auf Krawall gebürstet ist könnte es passieren dass ihm
    Deine brüskierenden Blicke willkommen sind und er mit Dir einen Kräfteaustausch
    (ungefragt) beginnt. Deine "Sicherheitsvorkehrungen" sehen alle Möglichkeiten
    von A bis Z vor, hast Du jemals auch solche fatalen Folgen bedacht ?

    Was Deine Verhaltensweisen fremdbestimmtes Leben, Kontrollzwänge usw. anbelangt könnte man grundsätzlich sagen: alles was als fragwürdiges Verhalten
    erlernt wurde kann sich auch vermutlich durch bewusstes Verlernen wieder verlieren.

    Mit einem simsalabim wird das nicht zu schultern sein. Greife Dir erst e i n e
    Verhaltensweise auf, versuche auf Wochen gesehen diese zu unterbinden. Wie
    erwähnt, Du brauchst jetzt einen verdammt langen Atem, wenn Dir nach einer
    Anlaufzeit Zweifel kommen solltest Du die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch
    nehmen.
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  7. #7
    Neuling
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    Wir wärs mit einem Tagebuch wo du deine Gefühle aufschreibst und somit ein wenig verarbeitest ? Schon mal versucht ?
    Jap, schonmal versucht. In Form von Tagebuch, Blogs im Internet ( nur zugänglich für bestimmte Leute ) und auch Geschichten ... Hat mir irgendwie nicht wirklich geholfen, kurz nach dem aufschreiben gings mir besser, aber einige Minuten später ist alles so wie vorher.

    Wenn ich das richtig verstehe hast du also die Verlustängste die dich daran hindern zwischenmenschlich zu handeln...?
    Ich bin mir selber nicht sicher, damals hatte ich sehr starke Verlustängste, Verlustängste habe ich heute nicht mehr so wirklich, allerdings denke ich schon, das die Vergangenheit noch eine große Rolle spielt.

    Manchmal denke ich mir ja: Eigentlich ist es ja egal was die anderen von mir denken, ich mach das was mir gefällt und nicht was andere sagen/denken. Ich reagiere auch oft neidisch und eifersüchtig auf Leute, die z.B plötzlich eine neue Frisur haben und denke mir dann: Wenn die das kann, kann ich das auch. Aber irgendwie holt mich meine "alte" Meinung dann doch wieder ein.

    Schonmal jemanden angeruft ohne vorher nachzudenken ... nicht wirklich. Ich bin aber auch nicht so, das ich das Gespräch plane und mir die Sätze zurecht lege, ich sitze einfach da und habe Angst.

    Therapeut ist so eine Sache ...

    lg

  8. #8
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    Hallo, wenn ich so lese, was Du schreibst, dann habe ich gar nicht den Eindruck, dass Du nun unbedingt morgen ein neuer Mensch sein musst, jedenfalls nicht für andere. WAS genau wollen die von Dir? Ich empfinde auch keine Arroganz beim Lesen, ich sehe nur den Versuch eines Selbstschutzes, der ja auf jeden Fall seine Berechtigung hat oder hatte.

    Es gibt ein paar Ding an Dir, die DU selbst gern ändern möchtest, weil sie Dich am Leben hindern. DORT sehe ich einen Grund. Du lebst vollkommen fremdbestimmt, kaufst Sachen, die anderen gefallen(?), machst, was Du denkst, dass die anderen das von Dir so wollen und weißt nicht mal, ob es dann auch wirklich so ist. Fang an, Dich selbst auszuprobieren, überleg Dir, was eigentlich DU willst, was eigentlich DIR gefällt und dann los auf die Menschheit. Du wirst sehen, sie gewöhnen sich schneller dran als Du selbst. Klar, wird anfangs jemand sagen, guck mal die da. So sind Menschen. Das macht Dich aber nicht schlechter. Genauso wie es Dich besser macht, wenn Du nur Klamotten trägst, die andere für gut befinden. Und vor allem macht Dich nicht glücklich, im Korsett der fremden Meinungen zu laufen.

    Wen verlierst Du, wenn Du als Du selbst auftrittst? Und wenn es so ist, welchen Wert hatte derjenige dann für Dich? Ist er wertvoller in seiner Oberflächlichkeit als Dein eigenes Glück? Versuch, Dich mal auszuprobieren, schau mal, wer wirklich zu Dir steht und Dich unterstützen kann. Erst mal nur eine Kleinigkeit. Man kann übrigens auch zugeben, wenn man sich nicht sicher fühlt. Oft macht das symphatischer als ewiges "Drüberstehen".

    Lieben Gruß, waiting

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei waiting für den sinnvollen Beitrag:

    Lilli 2010 (28.05.2010)

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