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Thema: Ich suche meine Mutter in jede liebe, intelligente weibliche Person...

  1. #1
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    Unglücklich Ich suche meine Mutter in jede liebe, intelligente weibliche Person...

    Hallo liebe Mituser, ich weiß nicht in welchen unterforum meine Frage zugeordnet werden sollte. Mein Problem, für das ich keine Lösung finde ist folgendes: ich bin ohne mütterliche Liebe aufgewachsen und dachte, als ich mit 18 von zu Hause ging, dass ich eine solche gar nicht mehr brauche, mich neuschaffen könne und einst mich zu dem Menschen entwickeln könnte, den ich immer sein wollte - einen gesunden, selbstbewussten und daher erfolgreichen. Das konkrete Problem ist, dass ich, seit ich in der Uni bin, es merke, dass ich mich immer wieder in meine weiblichen Lehrkräfte "verliebe", nicht körperlich, aber seelisch. Das ganze fängt ganz harmlos mit der Bewunderung, die ich für diese Personen empfinde, an, und entwickelt sich allmählich zu einer Art Sucht. Ich muss zwanghaft immer an die Person denken, die sich in meiner Seeligkeit, in meinen Gedanken, in mein Tun und Lassen, sesshaft gemacht hat. Es stört mich. Nicht selten komme ich mir wie ein Verbrecher, wie ein Usurpator vor, der nach etwas strebt, worauf er nicht den geringsten Anspruch hat...In meinen Auftritten vor diesen Personen, schwanke ich mit meinem ganzen Wesen zwischen einem Danke und einem Sorry, zwischen Liebe und Schuldgefühle... Ich leide darunter, erfinde mir allerhand Vorwände, um in Kontakt mit der Person zu treten, schreibe inhaltlose, weitläufige E-mails, um ein nur beiläufiges, nebensächliches Anliegen mit Ihr abzuklären und fühle, wie ich mich allmählich lächerlich mache, wie sich die betroffenen Personen (momentan ist es eine Literaturdozentin) Fragen zu stellen beginnen, was mit mir los sein könnte. Kann mich jemand aufklären, was das für ein psychisches Defizit sein konnte, bzw. wie es sich formulieren lässt, und eventuell wie zu verwinden? Also, kann mir jemand sagen, an was für einen Psychologen ich mich wenden soll, um dem ein für alle male ein Ende zu setzen? Danke euch herzlich im voraus!

    LG: nore
    Geändert von nore (07.02.2011 um 19:05 Uhr)

  2. #2
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    Hallo nore,

    da hast Du schon sehr viel erkannt von Dir, finde ich. Du bist noch jung und Du siehst etwas bei Dir, was viele Menschen ihr ganzes Leben lang nicht sehen können und deswegen immer wieder auf die Nase fallen in ihren Beziehungen und Freundschaften.

    Was Du beschreibst ist die Bedürftigkeit des Kindes das Du mal warst und das jetzt noch sucht. Die fehlende mütterliche Liebe hinterläst ein Loch in der Seele und Du versuchst dieses Loch jetzt zu füllen mit Beziehungen zu Frauen, die Dir mütterlich erscheinen. Eine große Sehnsucht und eine Einsamkeit. Ich kenne das von mir selber sehr gut. Nur habe ich sehr viele Jahr gebraucht um das mit dem Kopf zu kapieren. Und dann noch mal viele Jahre, um es auch mit dem Herzen zu verstehen. Ich glaube, diese große Wunde aus der Vergangenheit (die heute noch weh tut), kann keine Beziehung heilen. Weil die mütterliche Liebe zu einer Zeit gebraucht wurde, als Dein Gehirn und Dein Gefühlsleben sich erst entwickelten. Die Liebe zwischen Erwachsenen ist auch eine andere Liebe als die vorbehaltlose Liebe der Mutter die ein Kind braucht um zu wachsen.

    Das Erkennen von Wiederholungen bei der Partnerwahl bzw. bei Freundschaften war der erste Schritt. Das Eingestehen und Fühlen, dass die mütterliche Liebe wirklich gefehlt hat war der schwerste Schritt für mich. Der Zwang weiter zu suchen nach dem, was niemals mehr möglich ist, hat sich dann abgemildert und ich möchte mir und den Frauen nicht mehr Schaden, indem ich etwas versuche, was aussichtslos ist und nur über Illusionen (Selbstbetrug) funktioniert.

    Ich wünsche Dir weiterhin so viel klare Sicht auf Dein Leben. Es ist ein wenig so, als würde man mit einem angebrochenen Bein auf eine Wanderung gehen und sich ständig wundern, warum andere so gut voran kommen. Aber wenn man weiß was da weh tut und warum es weh tut, dann kann man doch schon viel besser auf sich aufpassen und man muss sich nicht schuldig fühlen, wenn man nicht immmer so gut laufen kann.

    Viele Grüße

    Sysiphos
    Geändert von Sysiphos (10.02.2011 um 12:35 Uhr) Grund: "Freundschaften" zugefügt

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sysiphos für den sinnvollen Beitrag:

    nore (11.02.2011)

  4. #3
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    Danke dir Sysiphos! Du hast völlig recht in allem, was du gesagt hast, und ja, ich komme mir nicht selten verwundet vor, und komme nur sehr langsam in all meinem Treiben voran...Bin übrigens fast 33 Jahre, das Kind in mir konnte ich nie gründlich vertreiben, wirklich Erwachsen und emotionell emanzipiert werden...hoffe, dass sich mit der Zeit alles einrenken wird. Vorerst wünsche ich mir, dass meine Literaturdozentin, wenn auch nicht die erste, doch wenigstens die letzte Göttin sein wird, die je mein Inneres dominierte und regierte. Wünsche dir auch alles Gute und danke noch mal!

    LG: nore
    Geändert von nore (11.02.2011 um 20:09 Uhr)

  5. #4
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    Hallo
    aber wie soll er nun das loch in seinem herzen stopfen?
    Durch eine Therapie oder rengt scih das ganze irgendwann mit dem richtiigem partner ein?
    Lg

  6. #5
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    Hallo nore, Hallo Lichthand,

    ich glaube, man sollte das, was man als Kind nicht bekommen hat und das was jetzt noch danach sucht (einige nennen das das "innere Kind") nicht unterdrücken, vertreiben oder sonst wie nicht ernst nehmen. Ganz im Gegenteil: genau hinhören und versuchen zu verstehen.

    Wenn man sich wirklich gut kennt in seiner Geschichte und eben auch in seinem Defizit, dann braucht man seine Kraft nicht mehr für die Unterdrückung dieses Wissens und der Gefühle. Viele Schwierigkeiten der Gegenwart sind dann auch erklärbar. Auch begreife ich dann die Sinnlosigkeit vieler Bemühungen, die eigentlich darauf gerichtet sind das Defizit aufzulösen oder es nicht fühlen zu müssen.

    Wie das Loch füllen? Da bin ich doch selber ganz am Anfang und ich habe nur eine Ahnung. Ich glaube, dass geht durch mich selber. Dann, wenn ich mich aus meiner Geschichte verstehe und mir meine Schwierigkeiten damit auch verzeihen kann, wenn ich meine Situation als Kind fühlen kann und wenn ich beginnne mich zu beschützen, so dass ich nicht mehr unter falschen Hoffnungen und damit einem erneuten Selbstbetrug leiden muss.

    Vielleicht ist es die Verantwortungsübernahme. Ich mag das Wort nicht so gerne in diesem Zusammenhang. Verantwort kann man ja nur für etwas übernehmen, was man genau kennt (und das braucht viel Zeit) und sie ist in der Beziehung zu sich selbst auch allein als Willensakt nicht nachhaltig. Ich meine, der Wunsch nach Verantwortung für sich selber kommt eher aus der wachsenden Selbstachtung die mit dem schrittweisen Verstehen der Vergangenheit verbunden ist. Als ganz natürliche Folge. Das hoffe ich jedenfalls.

    Liebe Grüße

    S.

  7. #6
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    Hallo Sysiphos, hallo Lichthand,

    ich pflichte Sysiphos bei: Gefühle, die unübersehebar da sind, unterspielen oder verdrängen zu wollen bringt zu nichts, oder wenigstens zu nichts gutes. Ich erinnere mich an einen Fall, als ich noch glücklich verheiratet war, wo ich trotz aller Liebe und Pathos, die ich für meinen Ex-Mann empfand und aller Zärtlichkeit, die ich von ihm empfing, mich nichtsdestotrotz in meine damalige beste Freundin, welche sogar ein paar Jahre junger war als ich, "verliebte" und sie ihm ohne weiteres bevorzugte: die Nacht gehörte ihm, der Tag ihr. Er muss sich vernachlässigt gefühlt haben, murrte, dass ich mich um meine Freundinnen reiße, während ich für ihn nur formal da sei. Als meine Freundin sich irgendwann neuen Freundschaften zuwandte und mich nach und nach außer acht ließ, litt ich fürchterlich. Ich war wie gelähmt, konnte mich auf nichts konzentrieren, alles erschien mir gleichgültig, unbedeutend, leer. Ich wusste beileibe nicht, was in mir vorging, war über Wochen am Boden zerstört. Er war gütig, versuchte mich zu trösten, mich zu verstehen, wo ich mich selbst nicht verstand, schüttelte fassungslos den Kopf... Kurzum, ich glaue nicht, dass ein Mann mich jemals daraus helfen konnte, so sehr ich auch an meine Partner gehängt habe, dieses seelische "Loch" konnte keiner füllen...

    LG: nore
    Geändert von nore (12.02.2011 um 22:56 Uhr)

  8. #7
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    Hallo Nore,

    das "verrückte" dabei ist doch, dass Du mit Deinem Mann tatsächlich glücklich warst und er Dich auch geliebt hat. Er hat sogar versucht Deine Not in der ganzen Verstrickung zu verstehen und Dich zu trösten. Und dennoch war da die Sehnsucht nach einem anderen Menschen.

    Ich höre ja oft von Menschen, die sehr viele Jahre zusammen sind und da war wirklich nie etwas zwischen ihnen, was falsch gewesen wäre. Und plötzlich verliebt sich einer der Partner und verlässt den anderen. Einige sagen dann, dass da dann doch etwas in der Beziehung nicht in Ordnung war. Aber das ist oft gar nicht so. Es ist manchmal so, dass in der Begegnung mit einem anderen Menschen in jemanden seine längst begrabenen und nie verstandene Hoffnungen auf einen Menschen der einen voll und ganz versteht mit großer Macht hoch kommen. Ich meine, es sind die unerfüllten kindlichen Bedürfnisse nach so einem Menschen und seiner vorbehaltlosen Liebe. Und so wird die reifere Beziehung geopfert für eine Illusion. Das ist sehr tragisch für alle Beteiligten und hinterläst enorme Verwirrung. Mir wäre das beinahe auch passiert und ich bin sehr froh, dass ich da raus gekommen bin. Aber auch nur, weil die Frau mich plötzlich fallen lies und ich über den Verlust (der Illusion) richtig krank wurde und damit die Notwendigkeit gegebn war, das alles so weit wie möglich verstehen zu müssen.

    Liebe Grüße

    S.
    Geändert von Sysiphos (13.02.2011 um 10:59 Uhr) Grund: Letzten Satz hinzugefügt

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sysiphos für den sinnvollen Beitrag:

    nore (13.02.2011)

  10. #8
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    Hey (:

    Na endlich habe ich hier jemanden gefunden, dem es ähnlich geht, wie mir: Ich habe von meiner Mutter auch nur selten und wenn, dann als eine Art "Belohnung" Liebe erfahren. Vor etwa 3 1/2 Jahren habe ich mich auch in eine Lehrerin "verliebt". Ich wollte ihr nahe sein, einfach nur mit ihr sprechen. Als ich aber nicht genügend Aufmerksamkeit von ihr bekam (jedenfalls nicht genug, dass ich glücklich damit gewesen wäre), fing ich an, mich zu ritzen. Als ich ihr die Narben zeigte, hat sie mich zum Psychologen geschickt. Ein herber Rückschlag. Ich wollte ja IHRE Aufmerksamkeit! Vor 2 Jahren habe ich dann die Schule gewechselt, aus verschiedenen, anderen Gründen. Und was mache ich als erstes? Suche mir ein neues "Opfer". Diesmal aber nicht aus der Schule, sondern eine Frau, die ich privat, durch Freunde kennengelernt habe. Ich habe gesehen, dass sie auch Narben an den Armen hat und schon war ich wieder dabei, mich in sie zu "verlieben" (und mit "verlieben" meine ich ein schreckliches Verlangen nach Aufmerksamkeit von dieser einen Frau!). Super, ich habe herausgefunden, dass sie Borderline hat/te und habe jetzt mega Schuldgefühle, dass ich sie wieder voll reingezogen habe. Aber natürlich bin ich da auch wieder an eine Wand geprallt. Sie hat mich auch zum Psychologen geschickt (bzw. gesagt, ich solle einen aufsuchen). Wundervoll. Seit ein paar Wochen bin ich nun hinter meiner Sportlehrerin her. Ich deute (wenn nur sie sie sehen kann) meine Narben an, die ich sonst vor allen (sogar meiner besten Freundin) verstecke!
    Was ist das nur????
    We say goodbye in the pouring rain
    And I break down as you walk away

    'Cause all my life I've felt this way
    But I could never find the words to say

    Liebe Grüße,
    Stay (:

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