Hallo, ich bin neu hier. Habe ein bisschen gestöbert in dem Forum und mir gedacht, dass es vielleicht gut tut, meine Geschichte aufzuschreiben. Ich hatte den positiven Eindruck, dass die Leute hier zum größten Teil nicht vorschnell urteilen oder alles in Schubladen einteilen.
Es ist nicht so, dass es mir so schlecht geht. Aber ich bin verwirrt und weiß, dass bei mir was schief läuft. Nur nicht genau was...
Sorry, das wird lang und wahrscheinlich erstmal wirr. Falls es jemand tatsächlich interessiert, kann ich ja erläutern...
Angefangen hat meine Geschichte wie eine typische Onlineromanze vor über einem Jahr. Nicht ganz typisch. Ich war auf einer Social Network Seite unterwegs, mir ging es nicht ganz so gut, weil ich mich in meinem Urlaub ein bisschen in jemand verguckt habe und na ja, ein bisschen zuviel reininterpretiert hatte. Eigentlich war ich dort nur am Schauen, ob sich vielleicht mal ein Date in meiner Nähe ergeben würde, so zum Spaß. Dann bekam ich eine email von jemand mit einem angehängten Video, den ich erstmal sehr misstrauisch geöffnet hatte. In dem Video war ein Typ, der einen kleinen Vortrag hielt. Über Väter, die eigentlich nicht da sind, so die Richtung. Die Rede hat bei mir völlig ins Schwarze getroffen, der hätte auch über meine Familie sprechen können. Der Typ sah unglaublich gut aus, ich hab dann ein bisschen weitergestöbert und viele von diesen Motivationsvideos gefunden. Über Liebe, über Drogen, über Gott, all das. Ich bin nicht wirklich so schnell zu beeindrucken und fand das schon etwas schräg. Viele finden es wohl gut, aber ich habs nicht so mit dem Missionieren.
Mein erster Eindruck war, dass er entweder Drogen nimmt oder Drogen genommen hat und versucht, hier was wieder gutzumachen. Ich habe auf dem Gebiet selbst Erfahrung und mir klargemacht, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass er aktuell welche nimmt und diese Videos macht. Das hätte keinen Sinn gemacht. Also habe ich zurückgeschrieben, weil mich dieses Video so berührt hat und war von Anfang an sehr offen. Es kam auch gleich was zurück. Mein Freund ist Amerikaner und ursprünglich aus New York.
Dieses missionarische und spirituelle ist nicht meine Welt, aber ich weiß, dass die Amis da etwas anders ticken, besonders die schwarzen. Obwohl wir völlig verschieden aufgewachsen sind, stellte sich schnell raus, dass wir in vielem ähnlich sind. ******kindheit, Drogen, bestimmte persönliche Verhaltensweisen. Und nun, ich war auch völlig hin und weg von dem schönen Mann, den ich da sah, muss ich zugeben :-). So fing die Sache an.
Am Anfang war ich ziemlich agressiv. Es war komisch. Seine Arbeit, seine Einstellung, sein Narzismus, alles hat mich genervt. Allerdings nicht so, dass ich einfach den Kontakt abgebrochen hätte, ich wollte mich streiten. Mein Vertrauen war und ist nicht sehr groß, weil mir völlig klar ist dass er mir nicht immer die Wahrheit sagt und außerdem es außer mir bestimmt viele Ladies im Netz und auch im realen Leben gibt. Trotzdem ging die Sache weiter.
Wir hatten dann oberflächlich über ein Treffen gesprochen und plötzlich brach er den Kontakt mit mir ab. Ich war verletzt und sauer und nach einem Monat schrieb ich eine Mail in der ich mir alles von der Seele redete. Das ich denke, dass er Frauen ausnutzt, manipuliert und noch mehr nette Sachen. Für mich war klar, da kommt sowieso nichts und ich wollte einfach meine Enttäuschung loswerden. Da hatte ich mich getäuscht. Er schrieb zurück und danach fing unsere Freundschaft eigentlich erst an. Natürlich hat er alles abgestritten, aber in anderer Art hat er mir sehr geholfen. Nämlich als er darauf hinwies, dass ich meine Enttäuschung und meinen Schmerz in Wut verpacke und andere verletze, was mich kein bisschen weiterbringt. Das war völlig korrekt und ein Teil von mir, den ich seitdem sehr überdenke.
Seitdem läuft das. Wir haben ständig geschrieben und wenn es gut ist, dann ist es gut. Ich kann dem Mann Dinge von mir erzählen, für die ich mich sonst schäme. Weil egal was ich gemacht habe, er kennt die Sachen. Er ist in einem Ghetto großgeworden, hat 17 Jahre Crack genommen und alles überlebt. Hat ein Buch und andere Sachen geschrieben, ist ein guter Künstler und hält Vorträge für Jugendliche über Drogen, weil er helfen will. Dieser Teil ist wahr und ich hab viel Respekt dafür. Aber er ist auch sehr schwierig und hat diese andere Seite. Außerdem hinterlässt so ein langer Crackkonsum seine Spuren, da ist es völlig klar, dass es irgendwelche Schäden gibt.
Also wir schreiben uns, wir hatten sogar geplant uns zu sehen. Wir streiten, weil ich kein Vertrauen habe und mir einiges komisch vorkommt (was es auch ist). Wir sind uns auch ziemlich ähnlich, nur dass ich offener bin. Ich komm an den Mann nicht ran, denn alle diese Schwierigkeiten sind ja "mein" Problem. Und wenn ich seine anspreche oder auch mein Misstrauen, dann ignoriert er es einfach. Er ist was Telefonieren oder Skype angeht, nicht sehr aktiv, ich hab oft das Gefühl, er will einfach nur schreiben.
Ich kann nicht alles erzählen, dass ist zuviel :-). Wir haben über diese ganze Schreiberei eine Verbindung aufgebaut und damit komme ich nicht klar. Es ist doch nicht natürlich was ich da mache. Wir kennen uns nicht. Ich bin nicht einsam und hab sogar einen netten Freund, mit dem ich Dinge unternehme und der an mir interessiert ist. Nur ich bin völlig blockiert und das macht mich traurig, dass ich so bin.
Dann haben wir wieder darüber gesprochen, dass er mich besuchen kommt. Er hat nicht viel Geld und fragte auch, ob ich das Ticket vorfinanzieren kann und er gibt mir was dazu. Horror. Das geht völlig gegen meine Prinzipien was solche Sachen angeht. Inzwischen ist mir klar, dass es bestimmt nicht um Betrug geht oder so etwas, das wäre einfach absurd. Aber ich denke, das macht er nicht zum erstenmal und Frauen werden es ihm einfach machen. Er findet das auch ziemlich selbstverständlich dass ich das tue und versteht nicht, was mein Problem dabei ist. Wobei ich nicht mal denke, es geht um bewusstes Ausnutzen, er ist halt brotloser Künstler. Er blickt es einfach nicht, weil es ihm wahrscheinlich immer zu leicht gemacht wurde.
Ich hätte es wahrscheinlich auch gemacht, aber dann wurde mir das zuviel. Zu wissen, dass ich bestimmt nicht alles weiß, was ich wissen sollte, seine ständige Abwehr mich an ihn ranzulassen indem er immer versucht, mir zu erzählen, was an mir alles nicht stimmt, meine enttäuschten Erwartungen. Und dass ich mich nicht frei fühle, weil mich das ständig beschäftigt und ich das völlig krank fühle. Ich denke, dass mit mir was nicht stimmt, weil ich es nicht schaffe, eine "reale" Beziehung aufzubauen und stattdessen solch eine Blase schaffe in der ich mich bewege. Das ist doch nicht normal.
Vor einem Monat habe ich wieder den Kontakt abgebrochen, ganz offiziell. Und jetzt hat er sich gemeldet. Das hat mich platt gemacht, weil ich ihm sehr offen gesagt habe, was ich fühle und das war nicht sehr nett. Natürlich immer noch sehr selbstbewusst, aber das Blatt hat sich irgendwie gewendet. Er will unbedingt unsere Freundschaft haben, er lässt gar nicht locker und wie gehabt, er doktort an "meinen" Problemen herum. Doch das ist das erste Mal, dass ich spüre, das er tatsächlich Angst hat, ich wäre nicht mehr da und nicht wie ich gedacht habe, das ganze einfach abgehakt hat. Es geht ihm nicht gut damit, das merke ich. Die ganze Zeit dachte ich, ich wäre die Schwächere hier, aber das scheint gar nicht so zu sein.
Ich habe allerdings klar gemacht, dass ich nicht mehr in emails diskutieren werde, nur noch persönlich, in diesem Fall auf Skype natürlich. Das geht mir so auf den Keks und ich hätte auch einiges zu sagen, denn meine emails die ich geschrieben habe und meine Meinung kommen sonst nie zur Sprache.
Alles sehr sehr schwierig. Ich denke, es ist klar dass ich ihm was bedeute, einiges sogar. Er mir auch. Aber wir stoßen immer wieder zusammen und wir kennen uns nicht mal. Als wenn wir zusammen was auszutragen hätten und es erst zu Ende ist, wenn wir fertig damit sind. Aber das Problem bin ich, weil ich offensichtlich hier was durchmache, was viel mit mir, meiner Angst vor Nähe und anderem zu tun hat. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich ihn so mag oder ob wir ein ungesundes Spiel miteinander treiben, weil wir beide einen Knacks weghaben. Ob wir uns gegenseitig helfen oder ob es destruktiv ist.
So was habe ich noch nicht erlebt und ich komm mir ziemlich blöd mit meiner Erfahrung vor. Jeder sagt logischerweise, lass es doch einfach. Und ich bin nicht gerade schwach.
Im Moment halte ich etwas Distanz. Es ist sowieso völlig unklar, worauf das ganze hinauslaufen soll.
PS: Das ist jetzt alles ziemlich negativ. Natürlich haben wir auch schöne Zeiten und niemand hat irgendjemand wirklich was böses getan.


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