Hallo lieber Leser,

dies ist erst mein zweiter Beitrag (erster unter "Depressionen"), verzeiht mir bitte, sollte ich etwas zusammenhanglos und durcheinander schreiben.

Ich (41) bin seit Ende Oktober bei einer Psychaterin wegen Depressionen in Behandlung und werde z.Z. medikamentös behandelt. Nachdem wir nun in der letzten Gesprächsstunde darauf gekommen sind, dass meine Depressionen von eine Überlastung herrühren, stehe ich nun ein wenig auf dem Schlauch.

Nun zum eigentlichen Thema: ich habe mich in den vergangenen 5 Jahren wohl so nach und nach in einen Mann verliebt, der mir schon seit ca. 7 Jahren Avancen macht. Er - sehr schüchtern gegenüber Frauen und er ist Single - ist ein Freund aus dem Freundeskreis meines Mannes. Bisher ist ausser unauffälliges Berühren und mit den Augen inneinander versinken nichts passiert. Doch ich möchte mehr! Durch die Depression waren keine Gefühle für beide Männer und meine Tochter (9) vorhanden. Auch nach Medikamenteneinnahme (nehme ich jetzt seit 7 Wochen) kamen diese nicht zurück. Ich lies niemanden an mich heran, konnte meine Tochter nicht in den Arm nehmen - hat sie es bei mir versucht, stieß ich sie zurück. Das gleiche galt für meinen Mann. Das ging ca. 3 Monate so. Heute bin ich immerhin so weit, dass ich Umarmungen beider zulasse, mich aber recht eingeengt dabei fühle. Meine Ärztin kommt es komisch vor, dass ich meiner Tochter gegenüber keine Gefühle zeigen kann. Zudem ist es auch so, dass sie ein Wunschkind meines Mannes ist. Die Aufmerksamkeit und Liebe meines Mannes konzentriert sich sehr auf meine Tochter, ich stehe nur noch an zweiter Stelle. Ich hätte gerne auf Kinder verzichtet, musste ich doch seitdem auf meinen bisherigen Lebensinhalte (Arbeit, Ausgehen, Zweisamkeit, Spontanideen nachgehen) verzichten. Und ich gebe es offen zu: zwischen meiner Tochter und mir hat sich so etwas wie ein Tauziehen um die Liebe meines Mannes eingeschlichen, man kann es auch Rivalität nennen. Umarmte er mich, wollte sie gleich dabei sein. Kleine Zärtlichkeiten von Seiten meines Mannes mir gegenüber fanden vor der Depression in Anwesenheit unserer Tochter nicht mehr statt. Und wenn sie im Bett war, hatte mein Mann auch nicht mehr so viel Liebe, um auch noch mich in den Arm zu nehmen. Er braucht Zeit zum Abschalten und guckt lieber Fernsehen.

Seit ein paar Tagen drehen sich meine Gedanken immer wieder darum wie es wäre, wenn ich mich von meiner Familie trennen würde. Nach wie vor brauche ich viel Zeit für mich, bekomme diese aber durch meine Tochter und Mann und den Haushalt nicht. Gerne möchte ich wieder Vollzeit arbeiten (arbeite z.Z. 2 Tage). Auf der Arbeit bin ich fröhlich und voller Tatendrang. Doch zu hause habe ich kaum Elan, mich nervt so vieles (auch gewisse Dinge an meinem Mann und meiner Tochter). Kommt das von den Depressionen? Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass die Medikamente gut helfen. Nun ist meine Tochter auf Klassenreise, für 2 Tage. Ich möchte diese Tage für mich nutzen, mir einen klaren Kopf zu verschaffen, was ich wirklich will. Mein Mann ist über meinen Zustand inmformiert (hat aber keine Ahnung von meiner Verliebtheit), hat aber selber unheimlich viel mit sich selbst zu tun (er findet sich zu dick, möchte abnehmen - was trotz Nahrungsumstellung nicht klappt und kann durch eine Sehnenentzündung keinen Sport machen), ergo er ist recht unzufrieden mit sich. Trotzdem gehen wir heute abend eine Kleinigkeit essen (er opfert sich!).

Ich möchte frei sein, mein Leben selbst bestimmen, anderen dabei aber nicht weh tun. Ich möchte auch nicht mit meiner neuen Liebe zusammen leben. Ich wünsche mir nur Freiheit bzw. Ruhe für mich. Kommt das alles durch die Depression? Vor einem Jahr war noch alles in Ordnung, doch nun scheint alles durcheinander zu sein. Frage ich mich heute was ich will, kann ich nur Antworten: Freiheit. Ein Leben ohne Mann und Kind kann ich mir heute sehr gut vorstellen. Aber denke ich morgen auch so? Ich weiss, bei einer Trennung würden sich viele 'Freunde' von mir abwenden.

Da ich vor der Depression immer recht emotional war weiß ich, dass dieser Drang allein zu sein, auch schnell wieder verfliegen kann. Ich bin nun wieder oft den Tränen nahe, weine viel und denke, dass meine Traurigkeit vielleicht doch nichts mit der Überlastung zu tun hat. Ich bin mir also überhaupt nicht sicher, ob ich mich von meinen Mann trennen möchte. Ich fühle mich nur so orientierungslos und unglücklich ...

Meine Psychaterin sagt, ich solle mir über Änderungen meines bisherigen Lebens Gedanken machen. Was kann ich ändern? Was möchte ich ändern? Ok, die Überlastung kam nicht von ungefähr. Schwiegereltern nervten mit einem Fotobuch, meine Eltern wollten evtl. in Betreutes Wohnen umziehen. Habe mich mit ihnen zusammengesetzt, Termine mit Immobilienmakler ausgemacht und mit ihnen diese besucht. Die Einkommensteuer drückte auf mir, habe dafür 3 Tage gebraucht. Der Mieter meiner Eigentumswohnung nervte rum, wollte eine neue Duschamatur haben, die jetzige gefiel ihm nicht. Habe einen Groß-Familienurlaub vorbereitet (5 Familien, habe noch 3 weitere Geschwister), habe diesen auch hinter mich gebracht. Abrechnungen für die Eigentumswohnungen und Urlaub standen auf den Zettel und irgendwie habe ich alles in meinen Tagesablauf untergebracht, nicht zu vergessen, dass der Haushalt auch noch perfekt zu laufen hat. Was ich ändern soll? Klar, einfach mal NEIN sagen. Meinen Mann in den Hintern treten, dass er neben der Arbeit auch mal etwas machen kann. Aber er fühlt sich von seiner Arbeit so gernevt, ist abends oft soo müde. Daher kann ich wohl keine Hilfe von ihm erwarten.

Was soll ich nur tun?

Eine Malyn, die einfach nicht mehr weiter weiß.