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Thema: Ich weiß nicht weiter

  1. #1
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    Standard Ich weiß nicht weiter

    Hallo,

    ich bin gerade an einem Punkt angelangt, wo ich weder aus noch ein weiß.
    Zur Situation:
    Ich bin verheiratet, habe ein 2-jähriges Kind und gehe Vollzeit arbeiten. Im Dezember haben wir uns ein Haus gekauft, war ein langer Traum und wir wohnen auch schon drin und renovieren noch nebenher.
    Mein Mann ist krankheitsbedingt EU-Rentner, übernimmt in der Regel die Kinderbetreuung während ich arbeiten bin und erledigt den Haushalt. Seit Mitte Februar musste mein Mann ins Krankenhaus und es lief natürloch plötzlich alles drunter und drüber. Ich habe mit unzähligen Telefonaten alles versucht zu managen. Mein Sohn konnte bis nachmittag in den KiGa gehen, ich habe mit meiner Chefin abgestimmt, meine Arbeitszeit zu verschieben, damit ich mein Kind aus dem KiGa abholen kann. Es war unheimlich schwer und anstrengend, aber irgendwie ging es. Dann wurde mein Kind krank und ich musste mit ihm zu Hause bleiben, da gab es die ersten bösen Worte von meiner Chefin. Bis dato hatte ich noch nie "Kind krank" genommen und war entsetzt, wie man so reagieren konnte. Nachdem mein Kind wieder halbwegs gesund war, bin ich also wieder arbeiten gegangen. Dann gab es den nächsten Ärger. Meine Chefin beschwerte sich über meine veränderten Arbeitszeiten, obwohl ja eigentlich alles abgesprochen war. Im nachhinein habe ich erfahren, dass sogar gesagt wurde, dass ich eben kündigen müsste, wenn ich das alles nicht schaffe.
    Ich hatte wirklich alles in Gang gesetzt, um es irgendwie zu schaffen. Ich war sehr sehr verärgert und an einem Punkt angelangt, wo ich einfach nur resignieren wollte. Habe mich trotzdem weitergekämpft, obwohl mir natürlich die ganze Zeit auch die Sorgen um meinen Mann im Kopf herumschwirrten. Dann wurde mein Sohn wieder krank und ich musste wieder zu hause bleiben und bin es noch bis morgen.

    nun bin ich aber an einem Punkt angelangt, wo ich mich kaum noch traue auf Arbeit zu gehen. Dadurch, dass ich nun eben öfter gefehlt habe, ist unheimlich viel Arbeit liegen geblieben. Und es gibt Kollegen, die nach jedem Fehler Ausschau halten. Ich weiß im moment nicht, wie ich das alles aufholen soll. Ich leite ein Projekt im sozialen bereich und bin in diesem Projekt allein. ich habe also auch keinen, der mich da mal eben vollständig ersetzen kann, so dass die Arbeit wirklich liegen bleibt. Ich habe Angst davor, diesen riesigen Berg nicht aufholen zu können und dann wieder dem Ärger meiner Chefin und Kollegen ausgesetzt zu sein. Dazu muss ich aber sagen, dass meine Firma mehrere regionale Stellen hat und die Kollegen in meiner Stelle alle sehr gut sind und ich mit ihnen klar komme. Der Druck kommt eben von oben.
    Ich bin inzwischen soweit, mich zu fragen, ob ich den richtigen Beruf habe. Ich zweifle, ob ich das weiter machen möchte. Vielleicht liegt an dem ganzen Stress zur Zeit. Aber ich weiß wirklich nicht weiter.

    Ich habe solche Angst vor Donnerstag und dem Gefühl, alles nicht mehr zu schaffen, dass ich seit Tagen nur sehr schlecht schlafen kann. Der Gedanke, wieder vollgeschnauzt zu werden für etwas, wofür ich nichts kann, ist für mich sehr beängstigend und deprimierend. In einer Woche kommt mein Mann nach Hause und ich bin froh, wenigstens ihn wieder als Halt an meiner Seite zu haben.

    Sorry für das gejammer, aber vielleicht hat jemand einen Rat oder eine paar aufbauende Worte für mich.

    LG,
    Gänseblümchen

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Standard Hallo Gänseblümchen,

    ich habe es bereits an anderer Stelle erwähnt: die Zeiten wo man von einer
    humanen Arbeitswelt sprechen konnte sind nun wirklich Geschichte. In der Regel
    zeigen sich Arbeitgeber wenig kompromissbereit und laugen einen eher wie eine
    Zitrone aus weil sie nur ihre eigenen Belange im Fokus haben.

    Andere Arbeitsbereiche werden kurzfristig umgeschichtet auf andere Arbeitnehmer, wenns klappt ist das ein Signal dafür noch ne Schüppe aus
    lauter Dankbarkeit draufzulegen.

    All das sollte Dich jedoch nicht daran hindern Deine Rechte auf eine faire Behandlung einzufordern : was sagt die Personalvertretung dazu ? Ich würde
    mit dem Arbeitgeber Tacheles reden und meine Lage noch mal eindringlich
    schildern ! Bist Du Dir sicher dass zwischen Dir und Deinem Chef alles andere
    gut gelaufen ist ? Um die Arbeitsberge zu reduzieren sollte er kurzfristig noch
    eine andere Arbeitskraft mit einbeziehen, ansonsten sieht das ganze danach aus als wenn man Dich auflaufen lassen möchte.

    Gruss
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    Hallo Gänseblümchen,

    im Gegensatz zu meinem Vorposter bin ich der Meinung, dass die Arbeitswelt für Mütter in leitenden Positionen noch nie human war. Da hat sich vll sogar eher einiges gebessert, dank flexiblerer Kinderbetreungszeiten, veränderten Ansprüchen der Väter, und da auch zunehmend Väter Erziehungszeiten nehmen (mickrige 1-2 Monate, aber egal), darum entsteht vll da und dort doch langsam mehr Toleranz gegenüber dem ganzen Thema.

    Es muss also nicht sein, dass Du den falschen Beruf hast. Vll aber die falsche Stelle, oder die falsche Firma.

    Dass es sich so zugespitzt hat, ist wahrscheinlich ein Organisations- und Kommunikationsproblem. Du solltest generell gucken, wie Du was delegierst, um im Krankheitsfall schnell handeln zu können. Du kannst dann Deiner Chefin einen Plan B vorweisen, welcher zeigt, dass die Arbeit läuft und es kein Chaos geben wird.

    Ausserdem musst Du aufpassen, dass Du nicht den Fehler Nr 1 berufstätiger Mütter machst: alles allein und perfekt machen zu wollen.

    Das gilt im Job wie daheim. Das ist leider ein weit verbreiteter Komplex hier in diesem Land. Vll mal entsprechende Aufbauliteratur lesen, aus der Du eine Idee ziehen kannst, welches Selbstverständnis Du statt dessen entwickeln könntest?
    Geändert von Gast784 (29.03.2011 um 17:46 Uhr)

  4. #4
    Neuling
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    Danke erst mal für beide Antworten!

    @glasheuler
    Mit der Personalvertretung habe ich noch nicht gesprochen. Aber mit meinen Kollegen und die waren ähnlich erschrocken und wütend über die Reaktion aus der Chefetage. Schließlich springen sie da wo sie können für mich ein.
    Bisher hatte ich eigentlich keine Probleme mit meiner Chefin. Ich hatte aber eben auch noch nie so eine Situation. Ich weiß aber, dass sie sehr impulsiv ist und dann, wenn ihr irgendeine Laus über die Leber gelaufen ist, dann teilt sie aus. Zum Leidwesen der Mitarbeiter.
    Es ist nicht einfach, jemand anderen mit in die Arbeit einzubeziehen, da die Kollegen, die mit mir im Büro sind und sich ein wenig auskennen, selber so viel zu tun haben. Wir sind momentan völlig unterbesetzt. Heute waren nur 2 von ursprünglich 6 Mitarbeitern da (alle anderen krank). Wenn ich am Donnerstag wieder da bin, wird sich an der Situation nicht viel geändert haben, also keiner da, der helfen kann.

    @Gabiannarele
    Wie ich gerade schon geschrieben habe, ist es nicht so leicht, im krankheitsfall alles zu delegieren. Die Gruppenarbeit wird, damit nichts ausfällt, von meinen Kollegen übernommen. Aber alles andere bleibt eben liegen. An sich habe ich auch privat einiges an Aufgaben delegiert, so dass ich da halberwegs über die Runden komme.

    Insgesamt bin ich nach dem Schreiben des Beitrages etwas klarer geworden. Ich werde mir am Donnerstag einen Überblick über die anstehende Arbeit verschaffen und dann eben alles nach und nach abarbeiten. Notfalls muss ich mir eben etwas mit nach Hause nehmen, solange es noch so viel ist. Wenn mein Mann dann nächste Woche wieder da ist, läuft ja auch alles wieder in geregelten Bahnen. Sollte es dann weiterhin Schikane geben, werde ich mich wohl oder übel nach einer neuen Stelle umsehen, da ich es nicht einsehe, mich in so einer Notsituation (was nun in diesem Moment wirklich eine ist) so bedrängen zu lassen. Schließlich habe ich trotzdem mein Bestes gegeben und für alles weitere kann ich nichts.

    Danke für die Antworten!

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