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Thema: Ich weiß nicht, wie ich richtig damit umgehen soll

  1. #1
    Neuling Avatar von Altmeister
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    Standard Ich weiß nicht, wie ich richtig damit umgehen soll

    Hallo, ich hoffe das ich diesen Thread im richtigen Forum gepostet habe.
    Ich gehe jetzt einfach mal davon aus. Sonst würde ich die Admins oder Moderatoren bitten, diesen Thread zu verschieben. Danke.


    Also zurück zum Thema.
    Es gibt etwas was mich schon seit einigen Jahren beschäftigt.
    Naja beschäftigt ist evtl. das falsche Wort dafür. Aber es geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

    Vor einigen Jahren ist mein Großvater verstorben.
    Ich muss dazu sagen, dass ich diesen alten Mann immer sehr verehrt und geliebt habe.
    Er war sehr Krank, leider auch mit heran schreitender Krankheit sehr verwirrt.
    Teilweise konnte man kein klares Wort mehr mit ihm reden. Er machte meiner Großmutter das Leben nicht einfach, auch wenn er nichts dafür konnte.

    Mein letzter Besuch bei ihm, war am Sterbebett. Es war entsetzlich ihn so zu sehen, abgemagert und von seiner Krankheit gezeichnet.
    Aber es war auch irgendwie schön, denn ich hatte das große Glück einige seiner „klaren“ Momente noch mitzuerleben. Und diese waren wirklich sehr selten.

    Als ich aus dem Zimmer ging und die Türe schloss, wurde mir bewusst, dass ich ihn nie mehr wieder sehen werde. Ein grauenhafter Moment.


    Zwei Tage nach meinen Besuch ist er dann verstorben. Kurze Zeit später dann die Beerdigung.

    Das war das einzige Mal das ich auf dem Friedhof war, seit dem nie wieder.
    Um ehrlich zu sein, ich weiß noch nicht mal, wo auf dem Friedhof das Grab genau ist.

    Ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll, ohne das es missverstanden wird.
    Aber ich will sein Grab nicht besuchen. Nicht weil es zu traurig wäre, oder gar eine Belastung.
    Es ist eher …. Naja, ich habe das Gefühl das es Sinnlos ist. Bzw. wüsste ich nicht was ich da soll.


    Die Frage ob das „normal“ ist, dass ich so damit umgehe, habe ich mir schon des Öfteren gestellt.
    Immer ohne Antwort, denn was ist schon „normal“. Dennoch geht es mir nicht aus dem Kopf.
    Ich weiß nicht, wie ich richtig damit umgehen soll.

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    Hallo Altmeister, ich denke, "richtig" gehst Du damit um, wenn es für Dich richtig ist. Wenn Du in Dich hineinhörst und fühlst, weißt, was für DICH richtig ist. Wenn Du einen Besuch auf dem Friedhof als sinnlos empfindest, dann ist das so. Du hast ein Recht auf Deine eigenen Empfindungen. Mancher mag gern auf den Friedhof gehen, weil es ihm was gibt. Nähe, Beschäftigung, "Pflichtgefühl", was auch immer. Es ist aber niemals als alleiniges Zeichen (und manchmal ist es gar keins, sondern nur Show für die Nachbarn, weil "man" es eben so macht) von Trauer oder Erinnerung oder Liebe oder was auch immer. Du trauerst und erinnerst Dich, wie es für Dich am besten ist, wie es nun eben Dir entspricht. "Norm" ist bei Trauer doch gar nicht gefragt. Es ist DEIN ganz eigenes Gefühl und wie Du damit umgehst, das liegt in Deiner Bestimmung. Warum hast Du ein Problem damit, wenn Du nicht auf den Friedhof gehen möchtest? Du trägst ihn doch im Herzen, nimmst ihn überall mit. Klar, Friedhof ist auch eine Form von Ehrung. Mancher braucht diesen Ort, mancher nicht. Wie viele liegen in anonymen Gräbern. Heißt doch nie, dass sie vergessen sind. Warum also solltest Du Dich zu einem Besuch am Grab zwingen, wenn es für Dich so nicht das Richtige ist und die Verantwortung für die Pflege nicht bei Dir liegt. Es scheint ja in Ordnung zu sein für Dich, wenn Du nicht hingehst. Wie gesagt, Dein Gefühl für ihn musst Du nicht am Grab demonstrieren, Du hast es überall. (wobei ich nicht sagen will, dass andere nur am Grab "demonstrieren", für viele ist so was wichtig und dann genauso einfach nur richtig.

    viele Grüße, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

  3. #3
    Neuling Avatar von melantheia
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    Kann mich da meinem Vorredner nur anschliessen.

    Und ... Wie sehr man jemanden gemocht oder geliebt hat, beweist man doch nicht mit der Häufigkeit der Grabbesuche.
    Man muss nicht die letzte Ruhestätte besuchen, um an den Verstorbenen zu denken und um ihn zu trauern.
    Manche brauchen diesen Ort als "Treffpunkt". Um mit dem Toten reden zu können und ihm besonders nahe zu sein.
    Aber letztlich hat man seine Gefühle für den Toten in seinem Herzen und seinen Gedanken.
    Und wenn Du für Dich entscheidest, dass Du das Grab nicht brauchst, um Deinem Opa nahe zu sein, dann ist das für Dich gut und richtig so.

    Um seine persönliche Trauer und Gefühle auszudrücken, gibt es kein richtig oder falsch, kein normal oder unnormal. Jeder tut das auf seine eigene Weise. So, wie er mit dem Verlust eines geliebten Menschen am besten umgehen kann.
    Liebe Grüsse, melantheia
    Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten !

  4. #4
    Neuling Avatar von Altmeister
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    Ich danke euch.

    Also es ist nicht so, dass es mich belastet. Eher wollte ich mal eine andere Meinung dazu hören. Ist ja immer besser, alles aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

    Es ist mir halt schon ewig im Hintekopf. Mit meinen Eltern oder Freunden, kann ich nicht wirklich darüber reden.
    Denke schon das sie es verstehen würden, genauso wie meine Abneigung gegenüber Krankenhäusern. Aber es ist auch kein alltägliches Thema.


    MfG

  5. #5
    Schreiberling Avatar von Osterinsel
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    Hallo Altmeister,

    stimme meinen Vorrednern ebenfalls zu.

    Letztes Jahr ist meine ehemals beste Freundin gestorben.
    10 Jahre waren wir unzertrennlich, in den letzten 10 Jahren hatten wir keinen Kontakt.
    Ich hab von ihrem Tod erst am Tag der Beerdigung erfahren, da war es zu spät, um hinzufahren (500 km dazwischen).
    Seitdem war ich auch noch nicht auf dem Friedhof (hauptsächlich wg der Entfernung).
    Mir ist das Grab nicht so wichtig, ich habe in der ersten Zeit eine kleine "Trauerecke" in meiner Wohnung eingerichtet, wo ich mich ab und zu hingesetzt hab, um mich mit ihr und der Trauer zu beschäftigen. Auch heute noch halte ich ab und zu ein kleines "Schwätzchen" mit ihr, das fühlt sich gut und richtig für mich an.
    "Weg" ist sie dadurch für mich nicht wirklich, und wer weiß, vielleicht sehen wir uns auf der anderen Seite.
    Es gibt nur einen richtigen Weg mit der Trauer umzugehen, und das ist der eigene.
    Das wird auch heutzutage weitestgehends akzeptiert, nur in kleineren Dorfgemeinschaften mag es noch so sein, daß man sich an gewisse Konventionen halten sollte, um die Gemeinschaft zu stabilisieren.

    LG von der Osterinsel
    "Life is intrinsically, well, boring and dangerous at the same time. At any given moment the floor may open up. Of course, it almost never does; that’s what makes it so boring.” ~Edward Gorey

  6. #6
    Neuling Avatar von melantheia
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    nur in kleineren Dorfgemeinschaften mag es noch so sein, daß man sich an gewisse Konventionen halten sollte, um die Gemeinschaft zu stabilisieren.
    Du willst aber damit nicht sagen, dass man "aufm Dorf" dem Gerede der Dorfbewohner wegen regelmässig auf den Friedhof gehen sollte, oder ?
    Gerade, was die Trauerbewältigung betrifft, sollte man sich nicht verbiegen und sich so verhalten, wie man es für sich selbst für richtig hält und man am besten damit klarkommt.
    Gerede hin oder her.

    Mein Lieblingsopa ist jetzt fast 20 Jahre tot und ich war nach der Beerdigung nicht ein einziges Mal auf dem Friedhof. Weil nicht der Ort entscheidend ist, ob und wie man sich erinnert, sondern der Raum, den man dieser Person im Herzen einräumt.
    Liebe Grüsse, melantheia
    Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten !

  7. #7
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    Standard Ich weiß nicht, wie ich richtig damit umgehen soll

    Ich selbst gehe auf Friedhöfe. Dort empfinde mit denen, die da liegen, eine Art Solidarität. Denn dort werde ich auch in Kürze oder in ferner Zeit auch liegen. Manche Menschen scheuen sich, überhaupt ein Krankenhaus zu betreten, andere eben lassen sich auf dem Friedhof nie blicken. Ich selbst scheue mich auch nicht, palliative Stationen zu betreten. Manchen Menschen sieht man gar nicht an, dass sie schon dem Tode geweiht sind. Ich selbst habe "2 Frauen" durch Selbstmord verloren. Die eine hat sich ganz still mit Schlaftabletten umgebracht, die andere dagegen hat sich geradezu "spektakulär" im HH-Hauptbahnhof vor die S-Bahn geschmissen. Ich selbst bin noch im Zustand der "Empörung". Denn meine Mutter wird wegen ihres Alters bald sterben müssen. Für mich ein Skandal, dass mir meine liebe Mutter genommen werden soll. Z.Z. sehe ich auch noch nicht ein, warum es mich auch wegraffen soll. Ernst Jünger hat das mit dem Sterben so gedreht, dass er den Tod als die letzte große Herausforderung für sich begriff. Ein Mann, der immer ein großer Kämpfer war und die Angst vor dem Tod nicht kannte. Albert Camus hatte das so gedreht, dass für ihn das Leben und damit auch der Tod absurd war.

  8. #8
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    Standard Ich weiß nicht, wie ich richtig damit umgehen soll

    Ich selbst gehe auf Friedhöfe. Dort empfinde ich mit denen, die da liegen, eine Art Solidarität. Denn dort werde ich auch in Kürze oder in ferner Zeit auch liegen. Manche Menschen scheuen sich, überhaupt ein Krankenhaus zu betreten, andere eben lassen sich auf dem Friedhof nie blicken. Ich selbst scheue mich auch nicht, palliative Stationen zu betreten. Manchen Menschen sieht man gar nicht an, dass sie schon dem Tode geweiht sind. Ich selbst habe "2 Frauen" durch Selbstmord verloren. Die eine hat sich ganz still mit Schlaftabletten umgebracht, die andere dagegen hat sich geradezu "spektakulär" im HH-Hauptbahnhof vor die S-Bahn geschmissen. Ich selbst bin noch im Zustand der "Empörung". Denn meine Mutter wird wegen ihres Alters bald sterben müssen. Für mich ein Skandal, dass mir meine liebe Mutter genommen werden soll. Z.Z. sehe ich auch noch nicht ein, warum es mich auch wegraffen soll. Ernst Jünger hatte das mit dem Sterben so gedreht, dass er den Tod als die letzte große Herausforderung für sich begriff. Ein Mann, der immer ein großer Kämpfer war und die Angst vor dem Tod nicht kannte. Für Albert Camus wiederum stellte das Dasein für sich schon eine Absurdität dar, daher auch der Tod.
    Geändert von Bertrand (29.07.2010 um 23:14 Uhr)

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