Hallo Ihr's,
jetzt wähle ich mal dieses Unterforum, weil ich nicht ganz sicher bin, ob das in den Psychologie"talk" passt oder ob ich die Form der "Selbstdarstellung im Tagebuch" wähle.
Ich habe mich jetzt mal für das zweite entschieden, weil es ja eine ganz persönliche Geschichte ist.
Mir liegt es einfach mal am Herzen, meine Gedanken zum "Helferjob" einzubringen, wie ich dazu gekommen bin und warum ich so darüber denke, wie ich denke....
Ich arbeite ja in der Kinder- und Jugendhilfe als hauswirtschaftliche Unterstützung, Unterstützerin im Trainieren der Alltagskompetenzen und als Kinderbetreuung - und ich bin keine SozPäd.
Zu diesem Job bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde:
über mein ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsberatung.
Und um bei "Adam und Eva" anzufangen: wie bin ich damals in der Flüchtlingsberatung gelandet?
Nicht etwa, weil ich das "Mutter-Theresa-Syndrom" habe und die Welt retten wollte....
nein, meine damalige Motivation war....Langeweile.
Schlichtweg die pure Langeweile.
Meine Kinder waren schulpflichtig, unsere Pflegetochter wurde in einer Ganztagesschule für geistig behinderte Kinder eingeschult und "Muddern" war zuhause.....und hat weder Erfüllung in irgendwelchen "Gerichtsshows" gefunden, auch nicht in irgendwelchen Talkshows.
Ich habe weder das Kochbuch erfunden, noch die perfekte Haushaltsführung - ich kann mit Nachbarschaftstalk und Mütter- oder Frauenfrühstücks auch nicht sehr viel anfangen.
Ich gehe nicht gerne bummeln, ich gehe nicht gerne shoppen.
Den Dingen, denen ich wirklich gerne nachgehe, ist meine Meditationspraxis und meinem Mountainbike.
Was scheinbar in mir schlummert ist so eine Art "Behördenkommunikationsfähigkeit", die mir als Pflegemama zugute kommt.
Irgendwann hat meine Freundin mir erzählt, dass der afrikanische Freund ihrer Tochter von Abschiebung bedroht ist und ich dachte mir: "Ich kümmere mich einfach mal um den jungen Mann. Mir ist eh stinklangweilig."
Dadurch bin ich mit der Flüchtlingsberatung in Kontakt gekommen und habe gefragt, ob ich nicht gleich ehrenamtlich dort arbeiten könnte.
Es hat "sofort gefunkt".
Ich habe dort drei Jahre lang ehrenamtlich gearbeitet und durfte Flüchtlinge begleiten, die von Behinderung und Trauma betroffen waren.
Irgendwie hat das auf eine ganz spezielle Art geklappt.
Nach etwa einem Jahr habe ich eine Frau "an die Hand" bekommen, die wohl Kriegsflüchtling war und möglicherweise als Kindersoldat versklavt.
Sie hatte schwerste Verletzungen in ihrer Heimat erlitten und ich wurde gefragt, ob ich sie ein bisschen in formellen Dingen unterstützen könnte.
Wir haben uns ganz vorsichtig angenähert. Sie war massivst körperbehindert und hatte Kinder, obwohl sie selbst blutjung war.
Ich konnte sie überzeugen, dass für sie die "Familienhilfe" doch eine gute Lösung wäre, die sie mit unterstützt.
Also bin ich mit ihr zum Jugendamt (Routine....) und habe die SPFH organisiert, die sie innerhalb von 4 Tagen (!!!) bewilligt bekommen hat.
Ich war noch ehrenamtlich bei ihr, bis sie mit der SPFH ein "eingespieltes Team" war und habe mich nach etwa einem halben Jahr aus der Begleitung herausgezogen.
Beim Abschied fragte die Familienhelferin, ob ich mich nicht bei dem Träger bewerben möchte.
Ich habe mir das drei Monate überlegt ---- ich hatte gewaltigen Respekt vor dem Job.
Nach drei Monaten habe ich "ja" gesagt, seitdem arbeite ich in der SPFH und es macht mir unbeschreiblich viel Freude.
Übrigens begleite ich inzwischen auch wieder genau diese Frau, die ich an die SPFH damals "abgegeben" hatte.
Was ich aus dem Grund zum Thema "Helferjob" mal sagen möchte:
ich habe immer im Hinterkopf, dass ich durch die Notlage anderer Menschen mein Geld verdiene.
Ich bin also keine "Heilige" oder sowas.
Mir ist es enorm wichtig, dass ich die Klienten, die mir anvertraut sind, partnerschaftlich und wertschätzend behandle.
Und ich arbeite daran, dass diese Menschen irgendwann wieder selbstsicher und selbständig werden.
Ein sehr weiser SozPäd hat mir einmal gesagt: "Ziel für uns ist es, dass wir uns selbst überflüssig machen."
So sehe ich das auch.
Ich habe immer wieder mitbekommen, dass sich Menschen, die ich an die Hand bekomme, phasenweise auch mal abhängig von mir fühlen und ich arbeite nach bestem Wissen und Gewissen daran, mit ihnen wieder ihr eigenes Potenzial zu entdecken, so dass sie wieder unabhängig von mir werden.
So wünsche ich mir das z.B. auch, wenn ich mal psychologischen Rat brauche oder Supervision habe.
Ich finde es für mich - an beiden Enden des Tisches - ganz wichtig, dass der Job eines Helfers praktisch mit einer gewissen "Bodenständigkeit" gesehen wird.
Für mich ist meine Psychologin (auch Supervisorin) auch eine wertvolle Unterstützerin und Ratgeberin, trotzdem "vergöttere" ich sie nicht, obwohl ich super dankbar bin, dass ich gerade an "sie" geraten bin.
Für mich ist sie auch ein Vorbild, wie man Menschen unterstützt, wieder unabhängig zu werden, wenn man mal in eine Notlage geraten ist - und das versuche ich dann auch wieder auf "meine" Klienten zu übertragen.
Wer immer auch Rat sucht, dem will ich einfach auch mal den Perspektivenwechsel ans Herz legen.
Wir Helfer sind nichts anderes als dieselben Menschen, die auch mal Rat und Hilfe brauchen.


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