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Thema: Immer noch schlechtes Gewissen...

  1. #1
    Neuling
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    Standard Immer noch schlechtes Gewissen...

    Guten Abend zusammen,

    ich bin Kevin, 22 Jahre, lebe in Hamburg und bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen. Ich habe vor gut einem Jahr eine Beziehung mit einem Menschen beendet, die mich - leider - auch heute noch immer beschäftigt und mich gedanklich nur schwer zur Ruhe kommen läßt. Zur Geschichte an sich...

    Die genannte Beziehung (wobei der Begriff wahrscheinlich nicht wirklich passend ist) begann vor gut drei Jahren. Ich habe damals einen Jungen über das Internet in einer Community für schwule und bisexuelle Jungs kennengelernt; ich war zu diesem Zeitpunkt 19, er 18 Jahre jung. Wir haben uns - ganz klassisch - sofort gut verstanden, schrieben so gut wie jeden Abend, wechselten von dem community-internen Chat irgendwann zum Windows Live Messenger, schrieben auch dort täglich mehrere Stunden, haben per Kamera den ganzen Abend bis weit in die Nacht geredet. Wir trafen uns auch, verstanden uns "real" genauso gut wie virtuell und unternahmen auch sehr viel gemeinsam. Es verging kein Tag, an dem wir nicht voneinander auf irgendeine Art & Weise hörten. Bis dahin war alles gut und schön. Mir war zu diesem Zeitpunkt (etwa ein halbes Jahr nach unserem Kennenlernen) klar, daß ich Gefühle für diesen Jungen entwickelt hatte, die über Freundschaft hinaus gingen. An einem Abend einige Zeit später lagen wir beide auf meinem Bett und haben DVDs geschaut. Darüber, daß wir uns "anziehend" fanden sage ich mal, hatten wir bereits geredet, und an diesem Abend nahm er mich dann in Arm und wir haben lange Zeit einfach nur gekuschelt, haben uns gestreichelt, gehalten, waren uns halt total nah. Es ist nicht dabei geblieben, wir hatten an jenem Abend auch noch Sex miteinander (für ihn das erste Mal), was eine turbulente Zeit nach sich zog... Es ist nicht bei dem einen Mal geblieben, unser Kontakt ist nach diesem "Vorfall" noch intensiver geworden. Nun verging auch kein Tag mehr, an dem er mir nicht mindestens abends einen SMS schrieb und mir darin eine guten & süße Träume wünschte, gerne noch garniert mit einem Kosewort. Alles total schön, es war eine wirklich schöne Zeit... Nach einem Dreivierteljahr Fortsetzung dieser "Beziehung", wollte ich gern' Klarheit haben, wie es mit uns weitergehen soll und gestand ihm, daß ich mich in ihn verliebt hatte. Seine Reaktion darauf war etwas, ja, ich weiß gar nicht genau, wie genau... Ich müßte verstehen, daß er keine Mensch für eine feste Beziehung wäre, das würde ihn zu sehr in die Enge treiben, ihm seine Freiheit nehmen. Gleichzeitig aber "gestand" er auch, daß auch er Gefühle für mich habe, die über Freundschaft hinaus gehen und daß das mit mir etwas ganz Besonderes, etwas Einmaliges sei, daß er so auf keinen Fall verlieren möchte, dafür sei ich ihm einfach viel zu wichtig. Wir haben dann - ohne uns wirklich einig zu sein - so weitergemacht, hatten weiterhin diese besondere Beziehung, hatten weiterhin täglich Kontakt, hatten weiterhin Sex, haben uns oft getroffen, viel zusammen unternommen...

    Schön blöd von mir könnte man jetzt sagen, und irgendwo habe ich wahrscheinlich auch selber Schuld an dem ganzen Mist. Ich habe - immer in der Hoffnung, daß er zu seinen Gefühlen irgendwann stehen würde - immer mal wieder nachgehakt, wie es gefühlstechnisch bei ihm aussieht. Als Antwort bekam ich halt immer und immer wieder nur, daß ich ja wüßte, wie er ist und daß ich mich darauf einstellen müßte. Irgendwann war mir das aber einfach, ja, zu blöd bzw. es war für mich einfach nicht mehr erträglich, weil er in meiner Anwesenheit immer davon sprach, wie geil es doch wäre, mal was mit Mädchen oder anderen Jungs zu haben (er war/ist wohl bisexuell). Es schmerzte einfach so, von ihm zu hören, daß er gerne etwas mit anderen hätte. Ich habe ihm das auch mal so gesagt, aber kein Verständnis bekommen, ich wüßte ja, wie er sei, ich müßte mich wieder darauf einstellen. Irgendwann hatte er dann auf mal auch ganz viele neue Freunde, die dann wichtiger waren, als ich. Beispielsweise konnte er für mich keinen Frisör-Termin absagen, für seine neuen Freunde aber Urlaub bei der Arbeit nehmen und sogar noch ein zweites Auto anmelden, damit er alle mitnehmen kann. Wenn ich mal dabeisein wollte, gab es immer irgendeinen Grund, warum das nicht ging, und seine Leute durften - wenn es dann mal geklappt hat - auch niemals wissen, wer ich war bzw. was ihn und mich verband. Ich war immer nur "irgendein Kumpel"... Sprach ich ihn darauf an, erklärte ihm, daß mir das weh tut, gab es erneut kein Verständnis, ich müsse wieder ihn verstehen, mich anpassen, mich auf ihn einstellen. Ich konnte irgendwann nicht mehr und habe ihm gesagt, daß ich das so nicht mehr will und daß ich unsere "interne Beziehung" beenden möchte und ihn auch erst einmal nicht wiedersehen will, weil ich mich einfach ******* und ungerecht behandelt fühlte (ich weiß nicht, ob das im nachhinein zu radikal war)... Er sprach in Zusammenhang mit meinen Trennungsabsichten zweimal von Selbstmord, meinte immer und immer wieder, daß ich ihn nicht alleinelassen darf, daß ich ihn verstehen müsse, daß ich doch wüßte, wie schwer er es habe, daß er mit seiner Jungs liebenden Seite nicht richtig klarkommen würde und daß ich dafür doch auch mal Verständnis haben müßte... Ich bekam wegen eben dieser Selbstmorddrohungen regelrecht Panik und bin natürlich bei ihm geblieben, habe aber eine - wie er selber sagte - gute Freundin von ihm angeschrieben, und sie um Hilfe gebeten. Ich habe dieser Freundin aber erst mal nichts Konkretes erzählt, ich habe sie ehrlich gefragt, ob sie mir helfen kann. Er hat mir - nachdem er das rausbekommen hat - die schlimmsten Vorwürfe gemacht. Es sei hinterhältig von mir und ich sei auch schuld daran, daß er sich anschließend bei all seinen Freunden outen mußte. Bis heute betitelt er mich als Verräter...

    Ganz komisch wurde es aber dann zum Schluß, da behauptet er nämlich, niemals gewußt zu haben, daß ich ihn liebte, und außerdem könne er auch nicht erkennen, was mich auf mehr als Freundschaft gehofft haben lassen könnte. Es sei ja schließlich niemals etwas zwischen uns gewesen... Seiner Meinung nach sind "mal kuscheln" und mal "umarmen" nichts, was man nicht haben dürfte, daß wir so viele Male Sex miteinander hatten, blendete er komplett aus und tat allen Ernstes so, als sei das niemals passiert und als wenn er von meinen Gefühlen nie etwas gewußt hätte. Er warf mir dann noch vor, daß ich egoistisch handeln würde, daß ich mit meinem Sturkopf noch große Probleme in meinem Leben bekommen werde und daß ich ja sowieso nur falsch handle...

    Sehr viel Text, entschuldigt. Danke an alle, die es bis hierher gelesen haben. Mich läßt die ganze Sache auch nach jetzt relativ langer Zeit einfach nicht los, ich mache mir auch heute noch viele Vorwürfe, habe ein schlechtes Gewissen, fühle mich mies... Meine Frage ist einfach, ob ich wirklich so komplett falsch gehandelt habe. War es so egoistisch von mir, die Sache zu beenden? Hätte ich vielleicht einfach noch mehr Zeit vergehen lassen sollen? Und war es so falsch, zu hoffen? Ich hatte doch schließlich genug Gründe, zu hoffen finde ich... Bin ich ein schlechter Mensch, ein schlechter Freund, weil ich keinen Kontakt mehr zu ihm will? Habe ich wirklich so grundfalsch gehandelt? Ich schäme mich fast für meine Gefühle...

    Und wieso handelte er so seltsam? Wie kann ein Mensch auf der einen Seiten behaupten, Gefühle für einen zu haben, einem aber auf der anderen Seite mit Selbstmord drohen und einen dann so komplett verleugnen? Wieso gibt ein Mensch das auf, was er angeblich niemals verlieren wollte?

    Ich würde mich freuen, wenn vielleicht ein paar etwas dazu schreiben würden... Vielen dank im voraus!

    Beste Grüße & einen schönen Abend,
    Kevin

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Hallo Kevin,

    ob es dich beruhigt, weiß ich nicht. Dennoch möchte ich dir einiges dazu sagen. Grundsätzlich glaube ich, dass Beziehungen unter Schwulen schwieriger sind als unter Heteros.

    Auch, wenn es abwertend klingt, habe ich schon länger den Verdacht, dass (ich schränke ein) viele Schwule eher spielen mit den Beziehungen. Oft bleibt es eben bei Episoden.

    Nach dem Auseinanderbrechen meiner Ehe erinnerte ich mich meiner, ich sags mal so, "anderen Seite". Da gab es bei mir eine deutliche homoerotische Komponente. Nun frei und ungebunden wagte ich den Sprung.

    Ich lernte einen Mann kennen, der vom Alter, von seinen Interessen zu mir passte. Wir trafen uns wiederholt. Ich hielt es für angezeigt, meinen erwachsenen Kindern klaren Wein einzuschenken. Überraschender Weise reagierten sie sehr gelassen. Wenn das mein Weg sei, fänden sie das ok.
    Ich war erleichtert, hatte ich doch jetzt freie Bahn.

    Es war genau um diese Zeit, kurz vor Weihnachten. Mit meinem Freund hatte ich abgesprochen, dass wir uns entweder am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag treffen wollten oder an Silvester und Neujahr.

    Der Heiligabend war für meine Kids reserviert. Kurz vor den Feiertagen mailte mir mein Freund, rief nicht an, und teilte mir mit, dass er kurzfristig nach Berlin fahren müsse. Ich mailte zurück und schlug ihm dann vor, uns über den Jahreswechsel zu treffen bei mir oder bei ihm.

    Schweigen. Keine Mail. Kein Anruf. Ich erreichte ihn am Ende der Neujahrswoche. Ich solle mal nicht sauer sein, wir hätten doch eine tolle Zeit miteinander gehabt und eine Beziehung auf Dauer sei ohnehin nicht in seiner Planung gewesen.

    Ich hörte nie wieder was von ihm.
    Man mag das werten, wie man will, aber mein Eindruck bleibt, dass schwule Männer tendenziell für ein monogames Leben nicht geschaffen sind.

    Herzliche Grüße und gute Wünsche,

    Paperback

  3. #3
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Kevin, das war viel zu anstrengend zu lesen, so ganz ohne Absätze, außer den paar und bis zum Selbstmord war mir schon klar was kommen würde.

    Für mich ist das immer die eine Pathologie:

    borderlinezone.org

    blpl.de

  4. #4
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Paperback Beitrag anzeigen
    Ich hörte nie wieder was von ihm.
    Man mag das werten, wie man will, aber mein Eindruck bleibt, dass schwule Männer tendenziell für ein monogames Leben nicht geschaffen sind.
    So sind auch Lesben.
    Und für mich liegt es daran, dass es keine echten Homos sind und einfach nur promisk.
    Die meisten haben eh meine Lieblingsdiagnose.

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