Liebe Forumleser,
dies ist mein zweiter Beitrag. Der erste steht unter dem Thema Depressionen, die Diagnose, die mir meine Psychaterin mitteilte. Heute war ein weiterer Termin und nun endlich treten wir nicht mehr auf der Stelle und ich kann die Medikamente reduzieren, da ein weiterer Hauptgrund meiner "Depression" nun ans Tageslicht kam. Thema war unter anderem, dass ich gegenüber meinem Mann und meiner Tochter keine Gefühle mehr habe und niemanden an mich heranlassen konnte.
Meine Tochter raubt meinem Mann soviel Liebe, dass für mich nichts mehr übrigbleibt. Im letzten Jahr habe ich meinem Mann 3 x gesagt, er soll sich etwas mehr um mich kümmern. Als Antwort bekam ich, dass Kinder (meine Tochter ist nun 9 Jahre alt) ein Anrecht auf Liebe haben, so viel wie sie brauchen. Ich solle nicht eifersüchtig sein und muss das verstehen. Das musste ich erst einmal verdauen. Wenn wir uns vor unserer Tochter in den Arm nehmen, drängt sie immer dazwischen (fühlt sich wohl ausgeschlossen). Also umarmen wir uns nicht mehr vor unserer Tochter. Da sie nun bis 20:00 Uhr wach ist und wir sie dann gemeinsam ins Bett bringen (dauert ca. eine halbe Stunde), verlangt mein Mann dann nach seinem Sofa und den Fernseher.
Seit einigen Jahren bemerke ich, dass ein Mann aus dem Freundeskreis mir immer wieder in die Augen schaut. Ich habe ihn in den letzten Jahren gezeigt, dass ich kein Interesse habe, bin ich doch eigentlich treu. Darüber gesprochen haben wir nie, er ist sehr schüchtern und mit Mitte 40 noch immer Dauersingle. Doch so nach und nach hat er es im vergangenen Jahr geschafft, mein Interesse zu wecken. Wir sind uns etwas näher gekommen, wir haben viele Gemeinsamkeiten und sind sehr vertraut im Umgang miteinander. Das fiel auch im Freundeskreis auf. Ein guter Freund nahm mich beiseite und gab mir zu verstehen, dass sich dieser Mann eine Frau suchen soll und ich es ihm nicht leichter machen würde; ich solle meine Finger von ihm lassen. Kurz nachdem meine "Depression" ausgebrochen ist, hatten wir einen derart intensiven Blickkontakt, über 10 Sekunden lang. Er hat mir direkt ins Herz geschaut und er hat sich dort eingenistet (es kam mir so vor). Diesen Zugang wollte ich keinem mehr gewehren, da ich in der Jugend viel Schmerz ertragen musste, er hat es nach 20 Jahren geschafft. Und seitdem kann ich ihn nicht vergessen. Nun muss ich auch gestehen, dass ich meinen Mann vor 10 Jahren nicht aus voller Verliebtheit heraus geheiratet habe, eher aus Dankbarkeit, dass er mich liebt. Schon damals dachte ich, dass die Verliebtheit bestimmt schnell vorbei ist und ich mit diesem Mann auch eine gute Freundschaft führen kann, das sollen ja die besten Ehen sein - so sagt man. Wichtig war mir vor allem, dass er mich liebt. Bevor ich meinen Mann kennenlernte, hatte ich eine 5-jährige Beziehung zu einem Mann, der mich geschlagen, betrogen und zum Sex gezwungen hat. Ich war eine Zeit lang abhängig von diesem Mann, habe mich aber selber davon befreien können. Und dann begann für mich eine Art Rosenkrieg ... Noch heute - 15 Jahre später - trete ich einmal jährlich über meinen Anwalt mit ihm in Kontakt - Schulden eintreiben.
Um mich wieder meinem Mann zuzuwenden, habe ich mir nette Unterwäsche gekauft, die ich ihm zeigen wollte. Doch er hatte kein Interesse. 2 Wochen lang blieb die in der Tüte liegen, er ist jeden Tag mehrmals daran vorbeigelaufen. Dann habe ich sie gewaschen und trage sie seit 5 Wochen (es sind natürlich mehrere Teile). Doch leider ist das meinem Mann nicht aufgefallen. An Sex ist z.Z. nicht zu denken, da meine Libido durch die Medikamente zum Erliegen kam. Ausserdem macht mein Mann schon seit Jahren keine Anstalten; wenn ich Sex haben möchte, muss ich den Anfang machen, er habe keine Lust mehr auf eine Abfuhr. Eines Abends umarmte ich ihn von hinten um ihn zu zeigen, dass er mich jetzt in den Arm nehmen kann. Er reagierte nicht einmal. Ich war mit ihm allein Essen, wollte ein bisschen über uns reden, Hauptthema war aber die Tochter, die mit meinen Depressionen und meiner ablehnenden Haltung ihr gegenüber nicht klar kam.
Nun ist meine Psychaterin der Meinung, dass ich wegen innerer Konflikte unbedingt eine Psychotherapie anfangen muss, und in meinem Fall keine Paartherapie zustimmen solle.
Zur Zeit möchte ich für mich nur eines: Ruhe. Und vielleicht auch gerne wieder ein Singleleben führen, ohne Kind. Über diesen Wunsch habe ich viel nachgedacht. Er wird immer intensiver.
Ist es in der heutigen Gesellschaft so verwerflich, solch einen Wunsch zu haben bzw.zu realisieren?
Liebe Grüße


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