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Thema: Intelligenz und Studium

  1. #1
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    Standard Intelligenz und Studium

    Da ich nun im 1. Semester Psychologie studiere und immer mehr mitbekomme, dass überdurschnittlichintelligente auch eher bessere Noten erhalten als "weniger intelligente" haben sich bei mir einige Fragen aufgeworfen. Aus meiner subjektiven Sicht sehe ich nur sehr geringfügig einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und dem Erfolg im Studium. Die Studieninhalte sind meist für alle verständlich und müssen nur in der Selbststudienzeit erneut erlernt werden. Ein intelligenter Mensch braucht vielleicht etwas weniger Zeit um dieses Wissen zu erlernen, ein weniger intelligenter etwas mehr. Das ist auch der einzige Zusammenhang den ich zwischen diesen 2 Dingen sehe. Wieso sollten also intelligentere Menschen in einem Studium besser abschneiden?
    Des weiteren sehe ich viel zu viel subjektivität in dem ganzen System des Studiums. Ich kenne es selbst noch von meiner Schulzeit. Ich konnte mein Abitur mit 1,1 absolvieren würde aber den großteil dieser Leistung auf angewandte Psychologie legen. Oder einfach gesagt auf Manipulation. Klar sind die Prüfungsleistungen dann noch zu erbringen aber das ist aus meiner Sicht ein reiner "Disziplinakt".Nun stellt sich die Frage was ich mit diesem Beitrag hier eigentlich verdeutlichen will. Ich sehe mein Studium nicht als etwas wirklich erfüllendes an. Ich kann die Leistung mit der ich bewertet werde, auch wenn diese nicht all zu schlecht ist, nicht viel anfangen. Es ist nichts weiter als erlerntes Wissen was wiedergegeben wird. Nach dem Studium wird man dann aufgrund dessen sofort in eine Ecke gesteckt a la: wow der hat sein Examen mit 1,1 gemacht der ist: intelligent, erfolgreich, nehmen wir... usw. Dabei hat das doch nichts mit Erfolg zu tun. Ich habe mir in Folge dessen mal die Frage gestellt: Wie würde ich Erfolg definieren, wie würde ich eine Note im Studium akzeptieren? Schnell kam ich darauf SELBER etwas zu erstellen. Ein Modell zu entwerfen, eigenständig etwas erschaffen. Das sollte man bewerten. Das ist etwas was von innen, von einem Selbst erschaffen wurde. Nicht irgendwelche Inhalte die man wiedergibt.
    Es ist wohl schwer zu diesem Text eine Frage zu formulieren, allerdings könnt ihr mir ja mal ein Feedback geben wir ihr das ganze seht.

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Caveman für den sinnvollen Beitrag:

    Pearl (04.01.2011)

  3. #2
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    Hey Caveman,

    schön, dass du dieses Thema ansprichst. Ich sehe das ähnlich wie du, kann aber nur von der Schule berichten, da ich noch auf dem Weg zum Abitur bin. Aber auch da sehe ich immer wieder, dass es eigentlich nicht auf Intelligenz ankommt. Jemand mit einem Durchschnitt von 1,1 beweist damit noch lange nicht, dass er intelligenter ist als jemand mit einem Durchschnitt von 1,5. Damit will ich natürlich nicht behaupten, dass du nicht intelligent bist, aber dein Durchschnitt ist dafür kein direkter Beweis.
    Ich denke, in der Schule kommt es darauf an, das zu können, was gerade gefragt und daran Interesse zu zeigen. Dabei ist es egal, ob das gelernte nach ein paar Wochen wieder vergessen ist. Außerdem erlebe ich oft, dass es wichtig ist, dem Lehrer zu zeigen, dass man Interesse an seinem Unterricht hat (ob man das nun wirklich hat oder nicht ist dabei völlig egal). Und was ich noch viel erschreckender finde: Jemand der nichts weiß und dadurch Interesse am Unterricht zeigt, dass er bei jeder Kleinigkeit nachfragt, bekommt eine schlechtere mündliche Note als jemand der sich nicht beteiligt, weil er alles weiß.
    Ich würde noch weiter gehen und behaupten: Ein Abiturient ist nicht zwangsläufig intelligenter als ein Hauptschüler. Dies scheint nur so, weil unser Schulsystem auf Schüler ausgerichtet ist, deren Motivation in der Interesse liegt. Sie lernen also, weil sie das was sie lernen interessiert. Andere brauchen beim lernen Spaß und da sie diesen in der Schule kaum haben werden, weil die Schule ja nicht auf spielerisches lernen ausgerichtet ist, kommen diese in der Schule nicht so weit. Trotzdem sind sie deswegen nicht weniger Intelligent. Viele Hauptschüler können Handwerkliche Sachen viel besser, während Gymnasiasten eher das nötige Wissen haben, dies aber praktisch nicht so gut umsetzen können.

    Ich hoffe es wird verständlich, was ich meine.
    Liebe Grüße
    love it. change it. or leave it.

  4. #3
    Schreiberling
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    Hallo,

    Hier kann ich natürlich nur von Luxemburg sprechen, habe aber die Erfahrung gemacht, dass Lernen hier absolut nichts mit Intelligenz zu tun hat.

    Wer hier auswendig lernen kann, ist klar im Vorteil. Intelligente Überlegungen werden aber recht schnell im Keim erstickt.

    Gruss


    Shade
    Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht dafür, was du verstehst

  5. #4
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    Hallo Caveman,
    ich studiere auch Psychologie und kann deine Erfahrungen bestätigen: oft wird nur Reproduktion verlangt von -zugegeben - sehr langen, aber schnell verständlichen Texten. Lass dich aber nicht frustrieren... freu dich doch, das du für relativ "einfache" Leistungen viel Anerkennung bekommst... anders ist es in Fächern wie Philosophie - vielleicht solltest du da Mal ein Seminar belegen? Die Texte sind meist weitaus komplexer, man muss mehr eigenständig denken und nicht nur eine Fülle an Inhalten "wiedergeben" können. Psychologie ist nach meiner Erfahrung nach auch eher ein "Fleißfach", etwas Neues "erschaffen" wirst du wohl kaum. Aber das Leben besteht ja nicht nur aus dem Studium... du kannst dich anderweitig umschauen und neue Bereiche entdecken oder auch Fächer parallel studieren.
    Liebe Grüße
    SW

  6. #5
    Neuling
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    Hallo,

    ich finde es etwas schwierig, bereits im ersten Semester Kritik am System zu üben, wenn man noch gar nicht weiß, was da noch alles kommt und noch lange nicht alle Möglichkeiten des Studiums ausgenutzt hat.

    Meines Erachtens ist dieses Auswendiglernen eben das, was das Grundlagenstudium definiert. Um überhaupt selbst etwas denken/entwickeln/etc. zu können, müssen erstmal Fachtermini sitzen, grundlegenden Theorien und Methoden bekannt sein, sprich das Handwerkszeug eines Psychologen/Mediziners/Soziologen/Biologen/etc. in Ansätzen vorhanden sein, um sich etwas später im Studium mit konkreten Fragen, die Transfer erfordern, auseinandersetzen zu können.

    Studium ist, was man draus macht. Niemand hindert dich also daran, wenn dir das Auswendiglernen, um die Prüfungsanforderungen zu erfüllen, zu wenig ist, dich parallel selbst weiterzubilden, "praktischer" zu werden. Studium ist ja immer auch Selbststudium. Ich weiß nicht, wie es an anderen Unis ist, aber bei uns gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich einzubringen, wenn man (früh) selbstständig denken will.
    Wir haben beispielsweise Sonderforschungsbereiche, Excellenzcluster, spezifische und interdisplinäre Forschungszentren und nicht zuletzt gibt es hier auch viele ambitionierte Professoren, die auch frische Studenten, solange sie genügend motiviert sind, miteinbeziehen, wenn nicht sogar mit Kusshand begrüßen. Mein Doktorvater beispielsweise fördert solche Studenten sehr und belohnt sie mit Mitarbeit an interessanten Projekten, die nicht selten in Publikationen enden. Ich denke, wenn du wirklich selbst etwas "erschaffen" willst, dann gibt es für dich einige Möglichkeiten. Und wenn du sie nicht in der Psychologie findest (was ich bezweifeln möchte, weil die Psychologen sicherlich viele lustige Theorien mit viel Forschungsbedarf haben), dann, wie SirWiwor vorschlägt, vielleicht in anderen Gebieten. Oder wie wär´s mit einer Verknüpfung? Interdisziplinarität ist zumindest hier sehr gern gesehen.


    Gruß

  7. #6
    Nachwuchs Autor
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    (...) weil die Psychologen sicherlich viele lustige Theorien mit viel Forschungsbedarf haben), dann, wie SirWiwor vorschlägt, vielleicht in anderen Gebieten. Oder wie wär´s mit einer Verknüpfung? Interdisziplinarität ist zumindest hier sehr gern gesehen. (...)

    Es stimmt schon, dass die Psychologen viele "lustige Theorien" haben - aber zugleich finde ich auch den Frust verständlich, wenn es in den Prüfungen meist nur auf Reproduktion ankommt und man im Prinzip 80 Prozent der Zeit mit stupidem "Auswendiglernen" verbringen muss. Da kann man schon Mal eine Art Gefühl von "Irrealität" bekommen oder sich fragen: "Und das soll es jetzt wirklich sein?".
    Es stimmt zwar schon, dass Studium auch immer "Selbststudium" enthält, es wäre für das Selbststudium aber wesentlich förderlicher, wenn man auch von den Dozenten gerade in Psychologie mehr zum "selbstständigen Denken" angeregt würde.
    Ein weiterer Vorschlag ist es, da als Student selber aktiv zu werden und zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften zu gründen, Diskussionsrunden usw.

  8. #7
    Neuling
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    Gut, ich hab Psychologie im Studium (außer in ein paar Vorlesungen) nicht am eigenen Leib erlebt, aber mein Eindruck war doch immer der, dass sobald ein Kurs mit *Seminar* und nicht mit *Vorlesung* gelabeled ist, dass man dann auch selbst denken und nicht nur reproduzieren darf. So war es bei uns und so hab ich es von einigen Psychologen und Klinischen Linguisten, die auch bei den Psychologen sitzen, gehört. Deshalb nahm ich an, dass das an anderen Unis nicht so viel anders sein kann.

    Sicherlich sollten die Dozenten mehr zum Selbststudium anregen, aber hast du mal einen Bachelor- oder Masterkurs besucht? Mein Eindruck war dort immer, dass der überwiegende Teil der Anwesenden absolut nicht interessiert war, wenn der Dozent tatsächlich mal einen Vorschlag in der Art unterbreitet hat. Und persönlich muss ich sagen, dass ich auch relativ wenig Lust hatte, selbst noch irgendwas nachzuarbeiten, weil ich froh war, wenn ich den Lern- bzw- Schreibstoff rechtzeitig geschafft habe und nebenbei trotzdem noch ein bisschen Privatleben hatte. Deshalb kann ich es auch verstehen, wenn die Mehrzahl der Studenten nicht mehr macht als die Prüfungsanforderungen es verlangen. Lobenswert finde ich dagegen Studenten, die wirklich motiviert und interessiert sind, aber denen bleibt wohl nichts anderes übrig als selbst etwas zu unternehmen (Prof direkt ansprechen usw s.o.), wenn sie mehr wollen als der Stundenplan vorgibt. In der Uni bekommt man selten etwas auf dem Silbertablett reserviert und - zumindest ich- musste jeder Information hinterherlaufen. Uns wurde immer gesagt: "Ihr seid hier nicht mehr in der Schule. Wenn ihr was lernen wollt, kümmert euch selbst drum." Ein Dozent hat auch die Vorlesung genutzt, um Thesen nachzugehen, die ihn interessieren und die keiner von uns verstanden hat und in den Kontext der Vorlesung einordnen konnte. Bis uns dann der Tutor (den wir auch erst nach einigen Wochen bekommen haben) aufgeklärt hat, dass die Inhalte der Vorlesung für die Klausur nicht relevant sind und nur Auszüge aus der Forschung des Dozenten darstellen. So krass hab ichs allerdings nur einmal erlebt.

    Es wäre deshalb wohl das Beste, wenn der TE die Frustration über das System in Energie zum selbstständigen Weiterforschen umwandelt. Ich zumindest hab es hinnehmen gelernt, dass man aus gewissen Seminaren und Vorlesungen einfach nichts mitnimmt, was einen weiterbringt und dass man immer selbst nachhaken und am Ball bleiben muss, wenn einen etwas wirklich interessiert.
    Viel Erfolg jedenfalls, Caveman. =)

  9. #8
    Nachwuchs Autor
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    Vermilion, ich hab irgendwann beschlossen, zu den Seminaren einfach nicht mehr hinzugehen, weil sie mir im Grundstudium und auch in den ersten Hauptstuiumssemestern kaum etwas gebracht haben... aber die "Studenteninitiativen" unterstütze ich gerne. Wir haben eine Art "AG" gegründet, in der es um Sinn und Unsinn psychologischer Methoden, Vorgehensweisen etc. geht und das ist ein schönes Diskussionsforum und es geht auch darum, zu reflektieren, was einem selber die Auseinandersetzung mit Psychologie bringt, welche "Rolle" Psychologen in der Gesellschaft haben, wie man mit Vorurteilen gegenüber Psychologen in Betrieben und andernorts umgeht etc. Ich dachte, dass so eine Studenteninitiative für Caveman auch interessant sein könnte... sozusagen eine AG, in der jeder STudent das einbringen darf, was er persönlich für wichtig erachtet... jenseits irgendwelcher Prüfungsvorgaben.
    LG

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