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Thema: Internettherapie

  1. #1
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    Standard Internettherapie

    Verdünnung der eigenen Neurosen im Netz???

    http://drverbier.de/expositionsmassnahme.html

  2. #2
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    Daumen runter Schlechter Scherz?

    Mir ist bei der Sache weder klar, ob der Therapeut sich selbst ernst nimmt noch ob er tatsächlich davon überzeugt ist, dass dieses Vorgehen durch ihn erfunden wurde... Dass sich viele im "WWW" ausk***** ist nicht nur schon lange bekannt, sondern hat auch massig Nachteile. Wieso sollte man dafür in die Praxis gehen?

  3. #3
    Schreiberling
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    Standard

    Hallo,

    Moment mal! Diese Idee von Dr. Verbier scheint mir gar nicht mal so abwegig zu sein! Natürlich muss man sie sehr differenziert betrachten, denn diese Expositionsmaßnahme gilt längst nicht für alle Neurotiker und Neurosen. Der Kernpunkt dieser Idee liegt aber in der Ausbreitung eigener Gedanken und Emotionen, die sonst in einem immer verborgen blieben.

    Ich möchte kurz auf die Worte des Verbiers in seinem Vorstellungsvideo eingehen:

    Zitat Zitat von Dr. Hanno Verbier
    Wie kann ich Ihnen helfen? Falsche Frage. Wie können Sie sich selbst helfen? Wieder falsche Frage. Wie kann Ihnen das Netz helfen?
    (Hervorhebung von mir)
    Ich denke, hier hakt es. In einer Therapie geht es gerade darum, dass nicht der Therapeut dem Patienten hilft, sondern dass sie gemeinsam einen Hilfeplan entwickeln. Der Patient soll sich so also schon selbst helfen, natürlich aber durch einen Therapeuten oder anderen Außenstehenden. Das "Wieder falsche Frage." ist hier wohl mehr als Werbung anzusehen, da Verbier mit seiner Vorstellung natürlich auch viele Anhänger gewinnen will. Und das geht halt, indem er andere Perspektiven für nebensächlich oder gar absurd erklärt. Hier also ein Minus aus meiner Sicht.

    Zitat Zitat von Dr. Hanno Verbier
    Das Internet WWW ist ein Sammelbecken der Profilneurosen.
    Wissen tut er es bestimmt nicht - aber er geht davon aus, dass Menschen verschiedenen Alters zum Beispiel Aufmerksamkeitsdefizite haben (sei es krankhaft oder in kleinen Zügen vorhanden) und durch andere dazu überredet werden, all den Internettreffs wie Facebook, Twitter, Myspace, Skype oder Youtube beizutreten. Und er macht es anscheinend genauso an dem Schreibfluss der Mitglieder solcher Treffs fest, Anerkennung zu bekommen und Gedanken ins Internet zu verbreiten, wenn auch nicht immer deswegen, damit man es liest, sondern auch, um sie geschrieben zu haben.

    Ob diese Einzelheiten von Dr. Verbier stimmen oder nicht, sollte eher im Hintergrund stehen und keine dramatische Diskussion erzeugen. Was wirklich in diesem Video zählt, ist die Tatsache:
    Zitat Zitat von Dr. Hanno Verbier
    Neurotische Störungen sind ein Zeichen unserer Zeit. Alle haben Probleme, keiner gibt es zu.
    Und damit hat er nicht unrecht! Noch nie gab es so viele Diagnosen der neurotischen Störungen wie heute, wobei die Dunkelziffer zusätzlich noch einen hohen Balken darstellt. Die Welt und das Leben gerät bei vielen Menschen immer mehr ins Durcheinander. Es gibt immer mehr Menschen, die Technologie verbessert sich über die Jahre. Viele Menschen tragen höhere Verantwortung. Wir leben wirklich in einer Zeit voller Stress und nicht alle wissen damit umzugehen. Die steigende Erkrankungsrate gilt nicht nur für Neurosen, sondern auch für Depressionen, Psychosen, Zwänge und das Burnoutsyndrom.

    Zitat Zitat von Dr. Hanno Verbier
    Folgen Sie mir zu einer neuartigen Therapie, die sich in der Tradition berühmter Psychologen der letzten 200 bis 250 Jahre befindet: Die Expositionsmaßnahme nach Verbier.
    Ob das wirklich eine neue Therapieform ist und ob sie bereits über 200 Jahre alt ist, geschweige denn ob sie von Verbier angepasst wurde, weiß ich nicht, bleibt also fraglich. Fakt ist aber: Expositionstherapien sind sehr effektiv bei der Behandlung von Neurosen, wie zum Beispiel Phobien. Wer nicht genügend Aufmerksamkeit bekommt, die er braucht, macht sich in Videos aufmerksam. So entstehen teilweise interessante, teilweise leere Videos wie zum Beispiel auf Youtube. Oder so entstehen auch die ganzen Statustexte und Chatts auf öffentlichen Chaträumen, die man überall findet. Das ist wirklich nichts Kleines, worum es dabei geht. All das entsteht durch das Verlangen nach Aufmerksamkeit und Kommunikation. Bei einigen hat das keinen neurotischen Charakter, bei anderen aber doch! (Wobei der Übergang zwischen "gesund" und "neurotisch" fließend ist)

    Worum geht es denn in einer Gesprächstherapie? Zum Beispiel zu lernen, über seine Gedanken und Emotionen zu sprechen. Und genau das macht man auch, wenn man das per Videoaufnahme in die Öffentlichkeit vorträgt. Es geht oft nicht darum, dass jemand dem Patienten zuhört bei dem, was er sagt, sondern darum, dass der Patient darüber redet, seine Gedanken und Emotionen äußert. Dabei reicht schon allein das Wissen oder zumindest das Gefühl, dass diese ausgesprochenen/ausgeschriebenen Informationen jedermann zugänglich ist, und man nimmt so auch an, dass es welche gibt, die es wahrnehmen. Natürlich hilft diese Methode nicht immer, aber das will ich damit auch nicht sagen.

    Zitat Zitat von Dr. Hanno Verbier
    Durch die globale Aufmerksamkeit löst sich die Neurose vom Patienten und verschwindet im Weltmeer der Neurosen im Verhältnis 1 zu Bodensee.
    Garantie gibt es dafür freilich nicht! Dieser Satz gilt auch nur der Werbung wegen, daher noch ein Minus.



    Ich möchte aber nicht sagen, dass ich dafür spreche, dass jetzt alle Neurotiker eine Facebookseite betreiben oder Youtubevideos erstellen sollen. Gerade diese Tatsache, dass immer mehrere Menschen das Leben vergessen, indem sie sich selbst im Internet regelrecht verlieren, ist alarmierend. Das bedarf natürlich einer weiteren Diskussion, welche ich aber erstmal nicht angehen will.



    Fazit: Verbier's Vorstellungsvideo käme sicher besser an, wenn er nicht mit mehreren leeren Versprechungen herumpauken würde. Die Idee aber ist aus meiner Sicht gar nicht so dumm, wie sie sich zuerst anhört. Was sie auf jeden Fall verspricht, ist, dass ein Dritter die Konflikte des Patienten wahrnimmt. Sie müssen sich dazu nicht kennen. Die Welt schwimmt nur von Menschen, die wenig oder nicht ausreichend Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten. Die globale Verbreitung eigener seelischer Inhalte gibt dem Patienten aber das Gefühl, diese zu bekommen.
    Geändert von Exot (20.05.2011 um 19:53 Uhr) Grund: Schreibfehler

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Exot für den sinnvollen Beitrag:

    Magdolna (21.05.2011)

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