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Thema: Isolation und Schulangst

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Isolation und Schulangst

    Ein herzliches Hallo an alle!

    Dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum und ich weis nicht so recht, wie ich anfangen soll, aber ich brauche dringend Hilfe.

    Ich hatte heute Abend mal wieder so ein Gespraech mit meinem Sohn, eines dieser Gespraeche, die mich unendlich traurig machen.

    Mein Sohn ist 15 Jahre alt und Schueler der 10. Klasse eines Gymnasiums. Er ist ein sehr einsamer und trauriger Junge geworden mit der Zeit. Sein groesstes Problem ist, dass es ihm sehr schwer faellt, Kontakte zu knuepfen. Schon in der Grundschule hatte er damit Probleme. Er ist sehr introvertiert und schuechtern und hat vor allem Schwierigkeiten, sich in Gruppen zurecht zu finden.

    Nach dem Wechsel aufs Gymnasium wurde die Situation noch schwieriger, da er als einziger aus unserer Gegend (wir wohnen in einem sehr kleinen Ort, in dem er auch keine Kameraden in seinem Alter hat) in eine Klasse kam, wo die meisten sich aus anderen Schulen schon kannten. Aber dann hatte er wenigstens ueber zwei, drei Jahre einen Freund, der jedoch leider auch 30 km entfernt wohnte, so dass spontane Treffen - einfach mal so um die Ecke gehen - nicht moeglich waren.

    Nach der 7. Klasse wurden die Klassen neu eingeteilt und einige seiner neuen Mitschueler kamen mit seiner ruhigen u. schuechternen Art nicht klar und fingen an, ihn richtig zu moppen. Immer mehr Mitschueler grenzten ihn aus, auch sein Freund wechselte die Fronten. Es begann eine ganz, ganz schlimme Zeit fuer ihn. Er wurde beschimpft und ausgelacht und der Gang zur Schule wurde zur Qual fuer ihn. In dieser Zeit sass er stundenlang am Computer und weinte auch viel. Oft war ihm morgens schlecht und auch seine guten Leistungen in der Schule liessen nach. Er wurde immer trauriger und hatte das Lachen verlernt. Und das Schlimmste - er verlor sein letztes bisschen Selbstvertrauen, war davon ueberzeugt, dass mit ihm etwas nicht stimmt und dass man ihn nicht moegen k a n n !

    Nach einem Gespraech mit der Klassenlehrerin wurde es dann etwas ruhiger, zumal der groesste Unruhestifter auch wegen anderer Sachen von der Schule verwiesen wurde. Aber es ist ihm bis heute nicht gelungen, voll integriert zu sein. Er wird jetzt normal behandelt, aber dass mal jemand nach ihm ruft oder sich um ihn bemueht, das passiert leider auch nicht. Er sagte mal zu mir <Es merkt ja eh keiner, ob ich da bin oder nicht>.

    Er leidet furchtbar darunter, immer allein zu sein. Die anderen treffen sich in ihren Wohnorten mittags u. abends, unternehmen etwas zusammen und reden am naechsten Tag darueber - und er kann natuerlich dann nicht mitreden. Und wenn er sie dann mal besucht, was wegen der Entfernung nicht so oft ist, ist er zwar dabei, fuehlt sich aber trotzdem ausgeschlossen und unwohl.

    Er ist leider von seiner Art her nicht der grosse Unterhalter und es faellt ihm schrecklich schwer, auf andere zuzugehen. Mit einzelnen Mitschuelern kommt er prima klar, aber wenn mehrere zusammen sind, zieht er sich sehr schnell zurueck.

    Aber noch ein anderes Problem macht ihm sehr zu schaffen. In der Mobbingphase wurde er oft ausgelacht, wenn er im Unterricht etwas falsch gemacht hat - das wurde dann auch auf dem Schulhof noch genuesslich verbreitet. Seit dieser Zeit hat sich seine Mitarbeit total verschlechtert. Heute sagte er mir unter Traenen, dass er in der letzten Zeit panische Angst davor hat, im Unterricht von den Lehrern aufgerufen zu werden. Obwohl er seinen Stoff gelernt hat, faellt ihm auf die Schnelle nichts ein, er faengt an zu stottern. Leider lassen die Lehrer den Kindern keine Zeit mehr zum Ueberlegen, sondern unterstellen ihnen sofort Desinteresse und Faulheit, geben eine 6 und nehmen den Naechsten dran.

    Alles in allem, mein Sohn ist deprimiert, trauig, hat keinen Spass mehr am Leben (sagte er mir heute!!!) und ich weis nicht mehr, wie ich ihm noch helfen kann. Was er brauechte, waere ein Freund zum Reden, zum Spass haben u. Lachen und jemand, der sich auch fuer seine Interessen interessiert. Aber woher nehmen???

    Oh je, jetzt hab ich soviel geschrieben. Ich bedanke mich fuers Lesen und eure Geduld.

    LG Concena

  2. #2
    Gast1006
    Gast

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    Hallo Concena,

    erstmal herzlich willkommen hier.

    Das liest sich ja alles wirklich schlimm & traurig. Was mir so als zweites in den Sinn kam:
    Das Leben besteht zwar viel, aber nicht ausschließlich aus der Schule.

    Hat dein Sohn keine Freizeitaktivitäten & Interessen, Sportverein u.s.w - in denen er Selbstbewustsein tanken oder lernen kann?
    Geändert von Gast1006 (31.03.2009 um 08:38 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Vielen Dank fuer den Willkommensgruss und dein Interesse!

    Leider sieht sein Leben im Moment wirklich so aus, als gaebe es nur Schule und ich finde das schlimm. Er geht morgens traurig und unmotiviert aus dem Haus, kommt nach 8 Stunden Schule heim, geht in sein Zimmer und sitzt vorm Computer. Er arbeitet viel im Internet, hilft anderen bei Hompage-Erstellung, verdient sich ein kleines Taschengeld. Darauf war er auch mal stolz, aber auch daran verliert er langsam die Lust. Immer oefter, wenn ich in sein Zimmer komme, sitzt er einfach nur so da wie ein Hauefchen Elend und weis nichts mit sich anzufangen. Er hat einfach keine Abwechslung, nichts auf das er sich mal freuen kann.

    Das mit den Vereinen ist so eine Sache. Ich versuche schon seit langem, ihn fuer einen Verein zu begeistern. Aber es fehlt im voellig das Interesse. Seine Aussage >Es hat doch keinen Sinn, ich finde eh keine Freunde<. Leider ist die Auswahl an Moeglichkeiten bei uns hier sehr beschraenkt, zumal Sport gar nicht sein Ding ist.

    Er war frueher bei der Jugendwehr hier am Ort, zusammen mit seinem Bruder. Als der Grosse dann in die aktive Wehr wechselte, wollte er nicht mehr bleiben, zumal die anderen alle 2-3 Jahre juenger waren als er. Er konnte nichts mit ihnen anfangen.

    Jan leidet sehr darunter, dass er nicht aus sich heraus kann. Es faellt ihm unheimlich schwer, einfach mal herumzualbern, Bloedsinn zu machen. Das konnte er noch nie. Aber ich merke, wie sehr er gerade diese Leichtigkeit vermisst. Wenn er sich dann mal ueberwindet, lustig zu sein, wirkt es eher unbeholfen und man merkt seine Unsicherheit.
    Und er zieht sich wieder zurueck. Und es wird leider immer schlimmer. Er redet kaum noch und hat inzwischen richtig Angst vor Menschen.

    Sein Bruder ist gerade 18 und das genaue Gegenteil. Er steht kurz vor dem Abitur (andere Schule als Jan), ist sehr selbstbewusst und beliebt, hat viele Freunde und seit 2 Jahren auch eine feste Freundin. Er ist aktiv in der Feuerwehr, was ihm sehr viel Spass macht. Er weiss ziemlich genau was er will und kaempft auch fuer seine Ziele. Er war von klein auf schon aufgeschlossen und selbstbewusst.

    Ich merke wohl, dass Jan ihn um vieles beneidet und ich bin froh, dass das Verhaeltnis zwischen den beiden eigentlich ganz gut ist. Aber viel Zeit fuer den kleinen Bruder bleibt ihm leider nicht.

    Die beiden haben sich jetzt entschlossen, sich naechste Woche in einem Fitness-Studio anzumelden. Leider ist wieder eine kleine Clique seines Bruders dabei und er wieder ohne eigenen Freund, aber ich hoffe, dass ihm die Unterbrechung seiner Monotonie gut tun wird.

    Aber wie kann er nur seine Angst in den Griff bekommen, die er hat, wenn er im Unterricht aufgerufen wird. Es wird jetzt immer mehr die muendliche Mitarbeit gefordert und ihm ist morgens schon schlecht, wenn er zur Schule muss. Fuer ihn ist jede Stunde purer Stress, obwohl er im Schriftlichen noch einigermassen gut ist. Aber die Angst laehmt ihn und macht ihn krank. Wie kann man da nur helfen?

    Das alles ist so verfahren und macht auch mich langsam ganz krank und hilflos. Aber es tut gut, die Gedanken mal mitzuteilen. Und ich bin wirklich fuer jeden hilfreichen Gedanken dankbar.

    Liebe Gruesse

  4. #4
    Gast1006
    Gast

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    Hallo Concena,

    die Frage ist natürlich .... wielange solltet ihr als Eltern die Sache schleifen lassen und ab wann ist passive Hilfe und wann der Punkt zum eingreifen gekommen.

    Natürlich ganz schwer von aussen zu sagen.
    Als Gedanken schwirren mir gerade du den Kopf ...:
    Sicher sind PC & Co. toll aber vielleicht sollte sein gesamtes Leben mal resettet werden.

    Vielleicht haben ja die Anderen hier Ideen.

  5. #5
    Gast784
    Gast

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    hallo Concena,

    wirklich traurig, aber gut, dass Du ihn und seine Probleme so ernst nimmst und ihn unterstützen willst.

    Bei jüngeren Kindern konnten wir als Klassen-, Lehrer-, Elterngemeinschaft noch ganz gut bei solchen Fällen einwirken. Aber im Jugendalter ist das kaum noch möglich. Vor allem haben die wenigsten Schulen eine Struktur, die das wirklich tragen würde. Ich denke drum auch, dass man mehr im Freizeitbereich schauen müsste.

    Es gibt eigentlich kaum Menschen, für die es wirklich KEINE Sport- bzw. Bewegungsart gibt, die sie ansprechend finden. Man denkt nur meistens zu eng. Fitness-Studio ist zwar sicher nicht schlecht, so wie alles nicht schlecht ist, das weit wech vom PC ist. Aber Freundschaften dort zu finden ist wohl eher die Ausnahme. Es kann zumindest ein Anfang sein, um mal wieder aktiv zu werden.


    Mir fiel spontan ein, dass so einem Jungen Klettern vll ganz gut tun würde. Wenns geht sogar möglichst draussen. Da geht es zum einen um Teamarbeit und nicht um Wettbewerb, man wird körperlich und geistig gefordert und kann danach stolz wie Bolle sein

    Ich weiss nicht, wie sportlich Du bist, aber vll kannst Du ihn hin und wieder zu einem Abenteuer locken z.b. ne Kajakfahrt oder Mountainbike-quer-übern-Acker oder sonst irgend einen "Dummfug"?! Damit er mal wieder was nicht alltägliches erlebt, sich wieder erinnert, wie es ist, draussen zu sein und was zu machen, was ein bisschen spannend ist. Dann kann er sich auch entsprechende Vereinigungen und Angebote suchen. Und da wird er dann auch Gleichgesinnte kennen lernen.

    Oder ist er eher der engagierte Typ? Vll kann/will er was konkretes machen z.B. BUND Naturschutz oder keine Ahnung was.

    Hast Du irgend eine Idee, wo er eine Begeisterung in sich vergraben hat, die sich so ausleben lässt, dass er darüber mit anderen Jugendlichen in Kontakt kommt?

    lg Gaby

  6. #6
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    Hallo,

    vielen lieben Dank fuer eure Anregungen.

    Liebe Gaby,
    glaub mir, ich hab schon einiges versucht, meinen Jungen an einen Verein heranzufuehren. Leider sind die Moeglichkeiten in unserer Gegend sehr beschraenkt.

    Vor 4 Jahren war er eine Zeitlang (fast 2 Jahre) in einem Karate-Club. Anfangs war das noch sehr interessant, aber da sich die Uebungen immer u. immer wiederholen, wurde es dann doch langweilig (fand ich selber auch). Ausserdem war der Trainer ziemlich brutal mit den Kids, so dass es oft bei vielen nicht ohne Traenen ging. Auch fuer Kontakte - wie ich, und auch er, es erhofft hatte - blieb keine Zeit. Die Kinder kamen, zogen sich um, trainierten (ohne zu sprechen - wegen Disziplin u.so), zogen sich wieder um und wurden gleich von den Eltern abgeholt. Ein Miteinander oder ne kl. Feier gab es da nie. Nach dem blauen Gruertel hatte er dann keine Lust mehr, zumal von der Schule her immer weniger Zeit blieb.

    Ich habe mich letztes Jahr auch mal mit den Pfadpfindern hier in der Gegend in Verbindung gesetzt (wozu er gar keine Lust hatte, aber ich haette darauf bestanden, dass er es sich wenigstens mal anschaut), aber die haben in seiner Altersgruppe niemanden mehr aufgenommen. Leider!

    Ich selbst kann nach meiner Bandscheiben OP (u. ausserdem bin ich kein junger Huepfer mehr!) ausser Gymnastik wenig machen. Im Gegensatzt zu dir - hab dein Profil gelesen!! Mein Mann faehrt viel mit dem Rad u. frueher waren die Kids oefter dabei, aber dazu haben sie jetzt auch noch selten Lust.

    In der Schule ist er gerne mit 4 Jungs zusammen, mit denen er ziemlich klar kommt. Leider wohnen sie ca. 35 km von uns weg, genau die entgegengesetzte Richtung. Da hat er halt das Problem, dass diese sich jeden Tag sehen und sich in der Schule ueber das Erlebte unterhalten - und er kann wieder nicht mitreden. Schade. Ein paar Mal fuhr ich ihn abends zu ihrem Jugendtreff. Aber dann wollte er nicht mehr mit der Begruendung >Die unterhalten sich doch nur ueber das, was sie gemeinsam treiben u. ich sitzte halt nur dabei und hoere zu. Dafuer brauche ich nicht so weit zu fahren.< Die Freundschaft ist leider auch nicht so tief, dass er mal uebers Wochenende hin koennte. Es ist auch viel dieses verdammte Kaff (entschuldige), das ihn so einsam werden laesst.

    Auch bei uns hier gibt es einen Jugendkreis - leider mit sehr schlechtem Ruf. Er ist bekannt fuer seine Saufereien u. Drogen, zweifelhafte Gestalten aus der ganzen Umgebung u. die Polizei war auch schon oefter vor Ort. Dort wollen (u. sollen) meine Kinder nun doch nicht hin.

    Ich lass es im Moment mal so stehen (muss noch was arbeiten), aber ich freue mich ueber jeden Tipp, Hilfe oder Ideen. Danke!

    LG Concena

  7. #7
    Gast1006
    Gast

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    Hallo Concena,

    Ratschläge hätte ich .... aber die werden teilweise wohl nur schwer umzusetzen sein ...:

    - Entweder den Sohn in letzter Konsequenz zu den Aktivitäten zu fahren und wieder abzuholen.
    - oder dort hinzuziehen wo dein Sohn näher dran ist
    - oder im Ort andere "Gefangenene" durch eine Elterninitative neue Alternativen als Saufen & Rumhängen zu ermöglichen/aufzuzeigen
    - oder es halt alles so zu lassen, wie es ist

  8. #8
    Gast2406
    Gast

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    Liest dein Sohn gerne? Sind die vier Freunde, die er in der Schule hat, in etwa auf seiner Wellenlänge (heißt introvertiert, friedlich, ruhig)?
    Wenn das zutrifft, wäre vielleicht ein Pen-and-Paper-Rollenspiel eine interessante Neuerung. Diese Rollenspiele sorgen, wenn denn erst einmal eine gemeinsame Gruppe entstanden ist, für enormen Gesprächsstoff und bilden ein Hobby, dem meist sehr intensiv nachgegangen wird. Das einzige, was dazu vorrangig nötig ist, ist die Motivation deines Kindes, andere von seinen Vorlieben zu überzeugen. Sollte ihm das Rollenspiel liegen, wird er anderen begeistert davon erzählen. Hoffentlich lassen sich dann zwei breitschlagen und probieren es mit ihm aus. Wenn er es geschickt anstellt und sie ebenfalls bezaubert, wird ein untrennbares Band zwischen den dreien entstehen, da sie nun nicht durch die Schule, sondern durch eine Geschichte verbunden sind. Das Ganze scheint auf den ersten Blick albern zu sein, aber ich habe diese Szene erfahren und weiß daher, wie intensiv die Beziehung der Spieler untereinander ist. Es können einfach nur Treffen sein, die ein Rollenspiel zum Ziel haben, meist sind es aber Treffen, die einen lustigen Abend prophezeihen. Ich will nicht zu weit in die Zukunft greifen, denn es ist schließlich nur ein Tipp, aber auch wenn er sich mit dem Rollenspiel nicht anfreunden kann, so hat er zumindest einen Lesespaß am Rollenspielbuch - weil es eben etwas ist, das die meisten nicht kennen.

    Schach oder Go? Ebenfalls Übungen, die keine körperliche aber geistige Anstrengung, Gesellschaft und Motivation voraussetzen. Wie sähe es mit einem Schach- oder Goverein aus?

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