Hallo,
ich bin auf dieses Forum gestoßen, da ich mich mit anderen Menschen über mein größtes Problem austauschen möchte. Vielleicht habt ihr ja irgendwelche Tipps für mich.. Mit meinem Freund, also Partner, habe ich schon oft darüber geredet, nur irgendwie bringt diese Form des Redens nicht wirklich Linderung. Das Problem wird nie im Keim erstickt, immer nur kurz abgedeckt und erscheint dann wieder.
Nun erst mal zur allgemeinen Situation: Ich feiere bald meinen zwanzigsten Geburtstag und studiere inzwischen schon seit zwei Semestern ca. 250 Kilometer von meiner Heimat entfernt, d.h. ich bin während des Studiums nur jedes zweite Wochenende Zuhause, sehe somit meine Familie, alten Freunde und auch meinen Freund. Mit ihm telefoniere ich sehr oft über die zwei Wochen, aber zu den anderen fällt der Kontakt immer spärlicher aus.
Das ist aber nicht mein eigentliches Problem. Mein Bruder(21) mobbt mich schon seit Jahren, ungefähr seit er zehn war und ich acht/neun. Damals waren die ‚Attacken’ teilweise so schlimm, dass er mich auf eine kleine Ohrfeige von mir immer um einiges schlimmer zurück schlug. Ein kleines Mädchen hat nun mal nicht so viel Kraft wie ein anderthalb Jahre älterer Junge, inzwischen junger Mann. Gebrochen habe ich mir nie etwas, blaue Flecken waren das ‚größte Übel’. Seine Worte auf Versuche meiner Seite, wieder Ruhe in die Sache zu bringen waren u.a.: „Halt die Fresse, du bist kein/e Mädchen/Frau.. Du bist ein Vieh[…].“ Solche Worte trafen mich immer sehr hart. Ich bin ein sensibler Mensch und kann nicht immer alles ignorieren. Meistens wurde zu mir gesagt, dass ich mich nicht so sehr provozieren lassen solle. Das ist einfach gesagt. Bei so einem Psychoterror kann man irgendwann nicht mehr ruhig bleiben. Weitere Beschimpfungen waren ‚einfache’ Sachen, wie: „Du fette Sau, fettes Schwein,[…]“, und auch ‚härteres’: „Dich würde doch nie einer nehmen, nicht mal wenn du auf’m Strich stehen würdest.“ So etwas tut sehr weh. Ich bin zwar nicht die schlankste, sehr weiblich gebaut, aber habe trotzdem immer mehr Erfolg bei Männern gehabt als er bei Frauen. Inzwischen hat er seine erste richtige Freundin, das seit ca. drei Monaten. Jetzt kommt er sich natürlich wieder ganz toll und groß vor. Meistens sind es ‚nur’ kleine Sticheleien, die hinterm Rücken unserer Eltern abgehalten werden.
Meine Mutter ist sehr oft unterwegs.. sie ist berufstätig und nebenbei noch sehr engagiert in einem Sportverein, das auch schon seitdem ich in der Grundschule bin. Also ist sie höchstens abends Zuhause und montags, mittwochs und freitags immer nur kurz zwischendurch. Meine Eltern sind verheiratet. Mein Vater arbeitet ungefähr seit 2000 auswärts, zeitweise auch im Ausland. Während der Zeit im Ausland war er auch nur jedes zweite Wochenende Zuhause. Seit ca. 4 Jahren arbeitet er aber wieder in Deutschland, allerdings immerhin noch ungefähr 400 Kilometer entfernt. Jetzt fährt er jeden Montagmorgen und kommt Freitagabend wieder zurück nach Hause. Aus diesem Grund waren wir die meiste Zeit gemeinsam alleine Zuhause, wobei er schon sehr oft draußen unterwegs war und ich dann die Ruhe genossen habe. Wir haben auch noch eine Schwester, aber diese wohnt schon seit langer Zeit nicht mehr Zuhause, ist fünf Jahre älter als ich und hat eine Tochter.
Ich versuche inzwischen, ihn einfach nur noch zu ignorieren. In bestimmten Momenten gelingt dies aber einfach nicht. Das sind solche, in denen er wieder total ausfällig und laut mir gegenüber wird. Neulich habe ich wieder mit meinen Eltern darüber gesprochen. Es lief genauso wie immer ab. Mein Vater sprach mit ihm, er meinte, er würde sich zurücknehmen. Hinter den Rücken meiner Eltern geht es aber immer weiter. Dessen bin ich mir sicher. Wieso sollte sich nach fast zehn Jahren des Drangsalierens irgendetwas ändern..?
Er ist so ein Mensch, der vorne herum Besserung verspricht, aber im Endeffekt wieder nur Mist baut. Ich falle auf diese Masche einfach nicht mehr herein. Unsere Eltern haben den Großteil niemals mitbekommen und daran wird sich bestimmt auch nichts mehr ändern. Ich habe mein Abi mit Bestnoten bestanden, keine Aufmerksamkeit bekommen, weil man bestimmt immer dachte, wenn es schon läuft, braucht man auch nichts mehr machen. Er hat immer nur Mist gemacht, die Schule gerade noch so mit einem befriedigenden Hauptschulabschluss beenden können und bekommt von Mutti immer noch alles. Er kommt immer wieder angekrochen, redet anderen(besonders denen, die am meisten zu sagen haben bzw. stärker erscheinen) nach dem Mund und ist der totale Mitläufer. Wenn er etwas will, bekommt er es schon irgendwie, auch gerne mal auf die miese Tour. Ich halte von so etwas nichts. Wenn es etwas gibt, das mir nicht passt, wird es auch offen gesagt, eventuell nicht immer im nettesten Ton, aber anders bekommt man diese Aufmerksamkeit nicht. Diese Art ist halt nicht wirklich beliebt.
Von seiner Freundin, von der ich übrigens nichts halte, lässt er sich rumscheuchen wie ein Bediensteter. Ich bin mal gespannt, wann das vorbei ist. Mein Vater ist gerade dabei, unseren Dachboden auszubauen, damit (wie er sagte) die beiden rauskommen aus unserer Familienwohnung(sie ist so gut wie immer bei uns) und sich die Lage etwas entspanne. Ich kann es aber einfach nicht mehr aushalten. Durch die Studiumssituation stehe ich sowieso zwischen den Stühlen, fühle mich weder Zuhause, noch im Studienort wirklich Zuhause. Wenn ich auf dem Weg in die Heimat bin, habe ich eine Wut im Bauch, weil ich weiß, dass diese Menschen wieder hier rumhängen und meine Klagen von keinem, meinem Freund ausgeschlossen, erhört werden.
Die beiden, d.h. mein Bruder und seine Freundin, führen sich auf, als ob alles ihnen gehören würde. Sie lassen immer alles stehen und liegen, sei es im Bad, in der Küche oder sonst wo. Ich finde es unmöglich, dass man sich nicht mal etwas zusammenreißen kann. Genauso wenig kümmern sie sich um den Ausbau ihrer ‚eigenen Wohnung’. Wenn ich das schon höre, wird mir schlecht. Ich bin mir so sicher, dass sich nicht wirklich etwas ändern wird. Die Decke ist so hellhörig, dass man alles genauso hört und Essen wird sowieso immer auf dem Kühlschrank von Mutter geholt. Mein Vater, dessen Lieblingskind ich wohl bin und nach dem ich sehr komme(auch vom charakterlichen her) meinte neulich zu meinem Freund, den er anscheinend sehr mag, dass es ihm komisch vorkommen würde, dass die beiden(Bruder und Anhang) so auf Familie machen. Wenn ihr mich fragt, ist das nur eine Masche, um sich einzuschleimen. Falls die beiden irgendwann ein gemeinsames Kind bekommen sollten, ist die Oma sowieso schon fest als Geldquelle und Unterbringung eingeplant. Wie gesagt, er war schon immer so. Immer, wenn er etwas wollte, war er da. Sonst hat er sich nie blicken lassen und uns, vor allem in diesem Punkt meine Eltern, enttäuscht. Die paar Tage, die ich Zuhause bin, sind die beiden dann meistens weg, wobei mein Freund und ich die Zeit zwischen seiner und meiner Familie über die kurze gemeinsame Zeit, die wir immer nur haben, gerecht aufteilen. Wir sind darum bemüht, es jedem in irgendeiner Art und Weise ‚Recht zu machen’. Das hört sich allerdings nicht wirklich passend an. Wir wollen einfach für jeden da sein, mit jedem etwas Zeit verbringen. Er ist genauso ein Familienmensch, wie ich. Ich kann es nicht leiden, wenn ich sehe, dass die Gutmütigkeit von Menschen, die ich sehr mag, ausgenutzt wird, ohne dass sie es wirklich merken. Ich weiß auch, dass mein Vater in diesem Moment sehr sauer, aber trotzdem machtlos sein wird, weil unsere Mutter immer nur das Gute im Menschen sehen kann oder will.
Mein Freund würde auch niemals nur auf die Kosten meiner Familie leben wollen. Die paar Euro, die mein Bruder mit ausgelerntem Beruf als Kostgeld für sein warmes Zuhause mit Essen zahlt und dann auch in den neuen vier Wänden zahlen wird, sind eigentlich auch ein Witz. Immer ist sich beschwert worden, dass ich auf gut Deutsch „alles in den ***** geschoben“ bekomme. Ich arbeite so oft wie es nun mal geht, möchte genauso wenig wie unsere Eltern, dass mein Studium, die Bildung, zu kurz kommt. Er hat inzwischen ein festes Einkommen und somit um einiges mehr Geld als ich. Deshalb kann er sich auch viel mehr Luxus leisten. Er lässt sich trotzdem noch von Mutter aushalten. Ich finde so ein Verhalten einfach armselig. Tief im Inneren wäre ich so froh, wenn ich diese Abhängigkeit, die mich sehr belastet, nicht mehr hätte.
Der einzige Ausweg, den ich inzwischen nur noch sehe ist, dass ich in einem Jahr mit meinem Freund zusammen ziehen werde. Er ist dann mit seiner Ausbildung fertig und wir irgendwohin versetzt. Sicherlich ist das ein großer Schritt, aber ich halte es einfach nicht mehr aus. Meinen Eltern ist das alles noch nicht so bewusst, obwohl ich es schon mehrmals aufgrund der Situation angedeutet habe. Ich habe einfach keine Lust mehr, mich ständig drangsalieren, provozieren und stänkern zu lassen. Ich sehe es nicht mehr ein, mir immer alles gefallen zu lassen. Neulich sah mein Freund noch einen Ausweg darin, mit seiner dummen Freundin über sein Verhalten zu reden, aber nach einer weiteren wilden Beschimpfung durch meinen Bruder(vor den Augen und Ohren meines Freundes und meiner Eltern) hat er diese Idee auch verworfen.
Naja.. das ist vielleicht ein relativ komplexes Problem, aber ich wollte es einfach mal loswerden, wobei sicherlich auch noch nicht alles niedergeschrieben ist..
Ciao.


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Verdrängen das deine Eltern (Mutter), weil sie nicht wollen, dass er wegzieht oder was??



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