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Thema: Japan

  1. #1
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    Standard Japan

    Hallo,

    wie geht es euch gerade bei diesen ganzen Horrormeldungen aus Japan? Ständig gibt es neue Meldungen über die Verschlimmerung der Situation. Ich finde das alles ziemlich furchtbar und es beschäfigt mich sehr. Nicht, dass ich Angst hätte, dass die Strahlung nach Deutschland kommt, sondern die ganze Situation an sich finde ich beängstigend. Dieses Ausgeliefertsein gegenüber Regierungen, die offensichtlich die Gefahren der Atomenergie unterschätzen und die Bevölkerung muss dann alles ausbaden mit Evakuierungen, Krebserkrankungen usw. Ich selbst bin schon länger "öko", ich kaufe viel im Naturkostladen ein, fahre wenig Auto und zuhaue haben wir auch Ökostrom. Aber was nutzt das alles, wenn solche Gefahren unterschätzt werden? Ich habe mal im Fernsehen einen Bericht über einen bayrischen grünen Politiker gesehen. Er und seine Frau starben innerhalb von drei Tagen an Krebs. In den Wäldern seines Heimatortes werden heute noch stark erhöhte radioaktive Werte z.B. in Pilzen und Wildschweinen gefunden, da die Gegend Radioaktivität aus Tschernobyl abbekommen hat. Mich frustriert das alles im Moment total. Wie steht ihr zu der ganzen Problematik ?

    LG
    Anna

  2. #2
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    Hallo Anna55

    Die Ereignisse in Japan machen uns deutlich, daß wir die Atomtechnik völlig überschätzt haben. Heute heißt ja die Devise, immer mehr, immer höher, immer breiter. Japan zeigt, daß es so nicht weitergeht. Ich hoffe nur, daß man jetzt nachdenkt und das fängt auch im privaten schon an. Wenn man seine Ansprüche etwas zurückschrauben kann, könnte Energie eingespart werden. Auch vom Sicherheitsaspekt her, muß nicht jede Stadt abends hell erleuchtet werden. Die eine oder andere Lampe ließe sich schon sparen. Doch das Umdenken kommt nicht sofort, wir müssen ein wenig warten.

    Viele Grüße Dino

  3. #3
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    Also, ich finde es immer wieder unvorstellbar, was für Folgen ein Super-GAU in einem einzigen (!) AKW nach sich ziehen kann. Ich bin erst nach der Tschernobyl-Katastrophe geboren, und wusste das zwar auch vorher; aber so richtig ins Bewusstsein rücken die Gefahren der Atomkraft durch die jetzige Katastrophe in Japan (geht mir so).

    Wenn man bedenkt, wieviele AKWs es weltweit gibt.. das ist der Hammer (und China war noch fleißig am Bauen). Natürlich ist es selten das es zu einem Super-GAU kommt, aber ich glaube trotzdem das die Kernkraft als Technik zur Stromgewinnung keine Zukunft hat. Dafür ist das Ganze nicht beherrschbar genug.

  4. #4
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    Hallo,

    zunächst mal vielen Dank für eure Antworten. Tschernobyl ist im Laufe der Jahre in den Hintergrund getreten, obwohl die gesundheitlichen Folgen für die dortige Bevölkerung immer noch schlimm sind. Durch die diktatorischen Verhältnisse in der ehemaligen Sowjetunion war es möglich, zigtausende von Arbeitern dorthin zu schicken, die einen sog. Sarkophag bauten. Ich frage mich, wie es in Japan funktionieren soll, die Strahlung auf das Gebiet um Fukushima zu begrenzen. Man wird dort sicher nicht soooo viele Freiwillige finden, die bereit sind, ihr Leben zu opfern. Im Prinzip ist das wie Krieg. Man verheizt Menschen für ein "höheres" Ziel, nämlich, dass die Anderen gerettet werden. Von den Arbeitern in Tschernobyl sind sehr viele an den Folgen ihres Einsatzes gestorben.
    Wenn sich die Radioaktivität in Tokio dauerhaft erhöht, kann man das Land vergessen. Man muss sich mal vorstellen, wieviele Krebserkrankungen das dann schon bei Kindern nach sich ziehen wird, nicht zu vergessen, die genetischen Schäden für die Folgegenerationen. Eine Jahrtausende alte Kultur im A****.

    LG
    Anna

  5. #5
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    Man sollte nicht vergessen, dass in den USA bei einem Gau, in Tschernobyl bei dem Super-Gau und letztlich in Japan allein grobmenschliche Fahrlässigkeit der Grund für die Katastrophe waren. Früher, als in D die ersten AKW.s gebaut wurden, gab es noch nicht diese HochleistungsPCs, die heute alle möglichen möglichen Störfaktoren simulieren können. Ich glaube, in Harrisburg war der Auslöser eine ganz schlichte Fehlbedienung eines Ventils. Heutzutage, eben durch die Simulationsmöglichkeiten, weiß man, was die Fehlbedienung eines Ventils in den kilometerlangen Rohrsystem letztendlich auslösen könnte. Dabei sind die sog. "Schrottreaktoren" in dieser Weise besonders sicher, weil schon alle Eventualitäten simuliert worden sind. Mich stört nur, wie diese Tragödie in Japan hier in D von Interessengruppen für ihre Zwecke ausgeschlachtet wird. Brunsbüttel soll nun auch abgeschaltet bleiben,offensichtlich weil hier auch von der Nordsee her ein Erbeben+Tsunami der Stärke 9,0 erwartet wird. Ich fühle durch ähnliche Assoziationen in meiner mir noch verbliebende Intelligenz dadurch beleidigt.
    Nun ist ein Moratorium von 3 Monaten angesetzt worden. AKWs sind abgeschaltet worden.

    Man muss sich nur einmal vorstellen, es gäbe auch ein Moratorium im Straßenverkehr für 3 Monate. Das würde das Leben von ca. 1.300 Menschen retten. 100.000 müsten nicht verletzt werden. Von 1950 - 2009 sind im Straßenverkehr 630.000 Menschen ums Leben gekommen, 28 Millionen verletzt worden.

    Wie viele Zehntausende von Menschen sind denn bislang in D durch die AKWs ums Leben gekommen?

    Diese Massentötungen sind für D offensichtlich peanuts. Gibt es für diese Unzahl von Menschen jedes Jahr einen Trauertag? Nein! Jeder der täglich am Straßenverkehr teilnimmt geht ein Risiko ein. Viele überleben ihn nicht. Man könnte das Risiko erheblich minimieren, indem innerorts nur 30, außerorts max. 50 Stunden/km gefahren dürfen. Ist aber nicht durchsetztbar, lieber werden stattdessen Menschen für das "Wohl" der Nation geopfert. Im TV wird gerade darüber diskutiert, wie es möglich ist, dass sich Japaner bei der Reparatur der AKWs fürs Land opfern. Sie sind die Helden.

    Über unsere Helden im Straßenverkehr, die sich für die Bedürfnisse unsere Gesellschaft opfern, wird stattdessen kein Wort verloren. Diese Mobilität waren uns im Jahre 2007 das Sterben von 500 Kindern wert.


    Und jetzt soll ich mich über irgendwelche abstrakte Gefahren, die von AKWs ausgehen soll, aufregen?
    Geändert von Bertrand (17.03.2011 um 20:25 Uhr)

  6. #6
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    Ich fühle mich betroffen und erschüttert und traurig.
    Japan spielt in meinem Leben eine entscheidende Rolle - ohne Japan wäre mein Leben nicht das, was es heute ist (positiv).

    Es tut weh, die erschütternden Bilder aus dem Land zu sehen, in dem für mich soviel begonnen hat.
    Viele Grüße

    "Klee"



  7. #7
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    Hallo Bertrand,

    ich stimme dir zu, dass Tote z.B. durch Straßenverkehr nicht so sehr im öffentlichen Bewusstsein sind. Allerdings sehe ich einen qualitativen Unterschied zu einer Verstrahlung ganzer Landstriche und der darauf lebenden Menschen. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24000 Jahren. Das muss man sich mal vorstellen! Die Frage der Endlagerung ist weltweit ebenfalls nicht geklärt. Kannst du guten Gewissens damit leben, deiner Nachwelt so etwas zu hinterlassen?

    LG
    Anna
    Geändert von Anna55 (17.03.2011 um 21:00 Uhr)

  8. #8
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    Anna, die Technik wird sich immer weiter entwickeln. Davon sind wir alle überzeugt, insbesonders was den medizinischen Fortschritt anbelangt. Warum soll der geniale menschlicher Erfindergeist plötzlich an dem Problem der jetzt eingelagerten radioaktiven Stoffe scheitern? Übrigens stammen nun nicht alle radioaktiven Produkte aus Reaktoren, es werden z.B. dort ja auch viele radioaktive Rückstände aus Krankenhäusern und alles, was jemals überhaupt kontaminiert wurde, Rohre, Monteurklamotten etc., eingelagert. Man muss auch unterscheiden zwischen schwach-, mittel- und hochradioaktiven Abfälle.

    Plutonium und Uran sind relativ selten vorkommende Stoffe, die auch ihren Preis auf dem Weltmarkt haben. Deswegen setzt die Forschung alles daran, etliches wieder zu recyceln. Das geschieht ja schon bei den Brennstäben, die schon in AKWs gearbeitet haben, in den Wiederaufbereitungsanlagen.

    Was meinst, hinterlassen wir denn ansonsten der Nachwelt? D z.B. ein völlig überbevölkertes Land, überschuldet bis über beide Ohren, ein zerrüttetes Sozialsystem, einen immer größeren Anteil an Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird. Zudem schreitet, wegen des fehlenden Nachwuchses, die Überalterung ständig voran. Und die nachfolgenden Generationen haben die ganzen Rentenlasten zu tragen, dh., immer weniger aktive Menschen müssen immer mehr inaktive Menschen finanzieren.
    Der Oberbürgermeister von Kiel stellte einmal fest: "Wir haben in dieser Stadt schon griechische Verhältnisse. Wir haben einen Schuldenstand von über 900 Millionen €, die werden wir nie bezahlen können." Guck dir Berlin an und andere Städte, ganze Bundesländer sind praktisch pleite. Die mittlerweile Billionen € Schulden können nicht mal zig Generationen tilgen. Und in anderen europäischen Staaten sieht es noch schlimmer aus. Und unsere Regierung hat sich auch noch verpflichtet, und damit die nachfogelnde Geration auch in die Pflicht genommen, zahlungsunfähige EU-Staaten zu alimentieren.

    Oder die Welt an sich. Was finden die nachfolgenden Generationen denn vor?
    Einen ausgeplünderten und total überbevölkerten Planeten.

    Da frag' ich dic h dann auch: Könntest du mit gutem Gewissen unseren Nachfolgern diese Welt überlassen?

    Ich denke, daran werden die nachfolgenden Generationen mehr zu knacken haben, als an der Lagerung von schwach-, mittel-und hochradioaktiven Stoffen.
    Geändert von Bertrand (17.03.2011 um 23:43 Uhr)

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