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Thema: Je näher die Person, desto weniger fähig Empathie und Nähe zu zeigen.

  1. #1
    Neuling
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    Standard Je näher die Person, desto weniger fähig Empathie und Nähe zu zeigen.

    seit vielen Jahren mache ich mir schon Gedanken über das Thema, doch habe mich nie enger damit beschäftigt. Nun habe ich mich endlich dazu entschlossen, mich näher mit den Hintergründen zu befassen.

    Ich habe schon seit längerem das Gefühl, dass, je näher eine Person mir steht - so z.B. die Schwester oder Mutter - desto schwerer fällt es mir Empathie zu zeigen. Bevor einige jetzt "geschockt" oder derartiges sind: ich mache einen klaren Unterschied zwischen Empathie zeigen und Empathie fühlen.

    Hier ein konkretes Beispiel: meine Schwester hat uns soeben in unserer WhatsApp-Familiengruppe berichtet, dass ein enger Kollege von ihrer Arbeitsstelle, mit dem sie gestern noch auf einer Mitarbeiterfeier gesprochen hat, verstorben ist. Bevor ich es gelesen habe war ich eigentlich ganz gut drauf, hab mir neue Lieder angehört, die mir sehr gut gefallen. Während dem Lesen steigen mir die Tränen in die Augen, ich mache die Musik aus, da diese jetzt nicht mehr zu meiner Stimmung passt. Was ich sie frage sind typische "Wer? Wo? Was?-Polizeiabfragen": Wie alt war er? Warum ist er gestorben?. Als sie weiter erzählte und auch begann Brücken zu dem Tod unseres Opas zu schlagen, wusste ich nicht mehr wie ich reagieren soll. Es kamen keine weiteren Fragen mehr von mir. Eigentlich kann man erwarten, dass man fragt "Wie geht es dir damit?", "Kann ich etwas für dich tun?", "Brauchst du gerade etwas Beistand?". Alles Verhaltensweisen, die mir bewusst sind, aber ich nicht fähig bin auszuführen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Und dabei ist zu sagen, dass ich so nicht nur in der "virtuellen Welt" agiere, sondern auch im reellen Leben. Dabei habe ich auch immer das Gefühl (und es hat sich auch bewahrheitet), dass - wenn mir eine nicht so nahe oder fremde Person ihren Kummer mitteilt - ich viel besser damit umgehen kann und auch die nötige Empathie zeigen kann. So ist es ebenfalls mit Nähe zeigen. Es macht mir nichts aus eine fremde/mir nicht nahe stehende Person zu umarmen und anzufassen (in Form von bestimmten Gestiken, wie beispielsweise auf die Schulter klopfen, den Rücken streicheln etc.). Geht es jedoch z.B. um meine Mutter, zu der ich einen sehr guten Draht habe, fällt es mir unglaublich schwer sie zu umarmen oder einfach zusammengefasst ihr die Liebe, die ich für sie empfinde, zu zeigen.
    Ich komme einfach nicht darauf, was die Gründe für mein Verhalten sind. Hat es etwas mit Angst, Emotionen gegenüber einer Person, die dich kennt und mit der du dein ganzes Leben lang in Kontakt stehst, zu zeigen? Unsicherheit? Empathielosigkeit würde ich nicht als Grund sehen, da ich mir sicher bin, dass es mir an dieser "Fähigkeit" nicht fehlt.

    Über anregende und interessante Antworten würde ich mich sehr freuen!

  2. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei loorw für den sinnvollen Beitrag:

    leaffar (Gestern),Ravena (13.01.2017)

  3. #2
    Neuling Avatar von Deus Ex
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    Zitat Zitat von loorw"
    Eigentlich kann man erwarten, dass man fragt "Wie geht es dir damit?", "Kann ich etwas für dich tun?", "Brauchst du gerade etwas Beistand?"
    Nein, ich finde nicht, dass man solche Fragen erwarten kann an der Stelle. Und ich fände solche Fragen imho auch daneben und übergriffig. Nur weil jemand von einem Todesfall erzählt, will derjenige doch nciht gleich zum Pflegefall gemacht werden und pseudo-therapeutisch ausgefragt werden.
    In meiner Familie erzählt man sowas ganz normal und weil es offensichtlich ist, dass das tragisch und bedauerlich ist mit dem Todesfall muss keiner aufspringen und schreien "Oh my God!" oder das Ganze zum Staatsakt machen - am besten mit vorsorglicher Seelsorge für alle Familienmitglieder. ... Brr, mich schüttelt es gerade. So ein Exemplar habe ich in meiner AG gehabt. Schrecklich. Und echtes Mitgefühl kommt da nicht rüber; es ist so aufgesetzt und man könnte meinen, nicht jemand anderes hätte gerade den Unfall gehabt, sondern sie selbst. Statt sich selbst zu behandeln, muss die aber krampfhaft ihre Mitmenschen "behandeln" und stellt dann solche Fragen. Nur weil ihr selbst die Situation zu nahe geht. Ich hasse sowas.

    Sei froh, dass du solche Fragen nicht gestellt hast.

    Dass es dir leichter fällt, Mitgefühl und Mitleid für Menschen, die dir nicht so nahestehen zu zeigen, klingt für mich recht normal. Z.B., weil es in eurer Familie nicht üblich ist, sowas untereinander deutlich zu zeigen. Wie du sagst: Unsicherheit, aber auch Scham. Das Ganze ist irgendwie peinlich und dann lässt man es lieber. Wobei ich gerade überlege, was du mit "zeigen" meinst ... doch nicht etwa solche Fragen wie oben oder?
    Geändert von Deus Ex (12.01.2017 um 01:53 Uhr)

  4. #3
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    Das Leben wird zunehmend von Wikihow Ratgebern bestimmt. Wie wirke ich auf Mitmenschen klug ? Wie werde ich ein interessanter Gesprächspartner ? Wie viel darf ich sagen, um nicht als jemand gesehen zu werden, der die ganze Zeit redet ? Was muss ich sagen ? Was sollte ich besser nicht sagen ? Wie wird man ein guter Zuhörer ? Und so weiter und so fort.

    Wenn immer mehr Menschen es als selbstverständlich sehen, sich strategisch selber zu trainieren, damit ihre Mitmenschen sie "so und so" wahrnehmen, finde ich es ganz normal, wenn jemand sagt, dass er zwischen gezeigten menschlichen Regungen und tatsächlich vorhandenen menschlichen Regungen klar unterscheidet.

    Ich führe das darauf zurück, dass sich die Kommunikation unter den Menschen zunehmend in eine instrumentelle Richtung entwickelt. Wenn es für immer mehr Menschen das Wichtigste ist, in sozialen Umgebungen als dieses oder jenes (z.B. als sehr sozialer Mensch) wahrgenommen zu werden, bleibt der Wert um den es eigentlich geht (ein sehr sozialer Mensch zu sein) logischerweise zunehmend auf der Strecke.

    Wer solche Spielchen nicht beherrscht, ablehnt oder blöd findet, fühlt sich in den jeweiligen Umgebungen nicht wohl. Dieses ungute Gefühl treibt ihn zu echten Menschen hin. Menschen, die authentisch reden und sich authentisch geben. Mit denen fühlt er sich mehr verbunden, selbst wenn es sich um Fremde handelt.
    Geändert von Arbeiter (12.01.2017 um 06:23 Uhr)

  5. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Arbeiter für den sinnvollen Beitrag:

    seelen (14.01.2017),silbo (12.01.2017),TrailBridge (13.01.2017)

  6. #4
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    Gestern ist der Vater von einem meiner besten Freunde gestorben (nicht unerwartet, da Krebs). Dieser bester Freund hat in der Whatsapp gruppe geschrieben, dass sein Vater nun von oben auf die Erde blickt. Ich war gerade mit nem anderen Kumpel unterwegs, der aber auch sehr gut mit diesem Freund und seinem Vater befreundet war. Wir wussten nicht gleich wie wir reagieren wollten. Mein Kumpel neben mir wurde emotional und war den Tränen sehr nahe, wärend ich überlegt habe ob ein kurzes "RIP" in den chat zu schreiben wohl unangemessen wäre.. Wärend mein Kollege in Tränen fast ein Roman zurück schreiben wollte, habe ich doch einfach nur geschrieben, dass wir für ihn da wären wenn er was brauche.. Irgendwie war es lustig zu sehen wie unterschiedlich Leute auf sowas reagieren.. mein Kollege war den ganzen Abend traurig und emotional wärend mich das voll kalt gelassen hat.. der Tod gehört zum leben und trifft jeden mal..

    Mein "Emotionaler" kollege meine auch, dass es absolut klar ist, dass wir an die Beerdigung gehen.. Ich habe das Gefühl, dass ich da nichts zu suchen habe wenn da alle nur am trauern sind.. muss man sich das antun um "Respekt" zu zeigen? Meine einzige hoffnung ist, dass daraus eine Party gemacht wird in der man abfeiert, wäre vlt im Sinne des Vaters gut möglich..

  7. #5
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    Viele stehen ja auf dem Standpunkt, dass der Tod zu Leben dazu gehöre und es deshalb übertrieben sei, jedes mal einen Riesen-Aufstand zu machen, wenn ein Mensch stirbt. Ich habe schon öfter bemerkt, dass sich diese Einstellung in Bezug auf das Sterben bei vielen Menschen im Laufe des Lebens zum Teil radikal ändern kann. Zum Beispiel, wenn sie selbst lebensbedrohend erkranken. Dann halten sie es für selbstverständlich, dass höchste Sorge um sie herrscht und höchster Aufwand betrieben wird. Die bisher vertretene Einstellung ändert sich.
    Geändert von Arbeiter (12.01.2017 um 14:09 Uhr)

  8. #6
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    Ich möchte mich nicht selbst trainieren und es geht auch nicht darum von anderen Menschen als jemand bestimmtes wahrgenommen zu werden. Es geht mir darum das zu zeigen, was ich fühle und was ich in dem Moment meinem Mitmenschen auch mitteilen möchte, aber dazu - aus welchem Grund weiß ich nun mal nicht richtig - nicht fähig bin.

  9. #7
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    Naja, ich finde schon, dass eine gewisse Form von Mitgefühl nötig ist. Gerade in diesem Beispiel in der virtuellen WhatsApp-Gruppe, in der man das Mitgefühl nicht mit Mimik und Gestik zeigen kann, ist es meiner Meinung nach eher gefühlslos keine Antwort zu geben. Ich denke aber das ist individuell und gerade in den heutigen Internetzeiten herrscht ja immer dieses "Sender-Empfänger-Problem". Letztendlich möchte ich aber nicht auf diesem Beispiel verharren, da es ja lediglich zur Konkretisierung des eigentlichen "Problems" diente

    Ja, es ist also normal Menschen, die einem nicht so nahestehen, mehr Mitgefühl zeigen zu können? Irgendwie sehe ich das in meiner Gedankenwelt eher als unnormal an, aber kann mich natürlich auch täuschen. Nein, mit Zeigen meine ich nicht (nur) Fragen stellen. Natürlich gehören auch Dinge, die keine Worte brauchen (z.B. eine Umarmung,..) dazu. Ich glaube, dass mein Beispiel im Endeffekt nur kontraproduktiv war, da es irgendwie bei allen Antwortern zu Missverständnissen bzw. Unklarheiten kommt hahah..

    Vielen Dank für deine Antwort!

  10. #8
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    Hallo,

    dieses Thema beschäftigt mich auch schon sehr lange. Ich werde leider auch nicht schlau draus, kann nur spekulieren, woran es liegen könnte.
    Was mir dazu einfällt ist, dass man vllt unterbewusst Abstand zur Familie braucht. Emotionalen Abstand, oder so. Ich komme mit meiner Familie auch (meistens) gut klar, wir verstehen uns. Aber jede Person, die eigtl nur ein/e Bekannte/r ist, kann ich einfacher umarmen als meine Familienmitglieder. Ich bin oft über mich selbst erschrocken, wobei die Gefühle da sind, nur eben zeigen funktioniert nicht.
    Vllt ist im Abnabelungsprozess in der Pubertät oder auch früher irgendwas schief gelaufen. Und da hängt man jetzt vllt fest.
    Man hatte vllt zu Zeiten zu viel Kontakt zu den Eltern/Geschwistern, in der man eigtl Abstand gebraucht hätte und das hat das Gehirn nicht verkraftet..

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