Hallo,
ich hatte vor Kurzem von meiner kolumbianischen Freundin berichtet, die mich vor ca. vier Monaten verlassen hat. Sie war nach 2 1/2 Jahren Fernbeziehung nicht mehr in der Lage, die Unsicherheit zu ertragen wann wir es endlich schaffen zusammen zu ziehen. Zwar war ihr Wechsel nach Deutschland fest geplant, wir haben uns zu jeder sich bietenden Gelegenheit besucht und die wunderbarste Zeit unseres Lebens verbracht - aber ich hatte etwas Stress mit der Jobsuche, nachdem ich kurz bevor ich sie kennengelernt hatte einen unbefristeten, top bezahlten Job aufgegeben habe, um nochmal durchzustarten.
Ich hatte mich nämlich gerade erst aus einer Beziehung gelöst, wollte einen kompletten Neuanfang und hätte niemals damit gerechnet, so kurz danach meiner Traumfrau zu begegnen.
Ich hatte auch große Vorbehalte, dass diese bildhübsche Frau, die in Kolumbien als Moderatorin für den größten Fernsehsender arbeitet und wirklich jeden haben kann, vermutlich ein eher oberflächliches Glamour-Girl sein könnte. Als ich dann feststellte dass sie eine bezaubernde, bescheidende und wunderbare Frau ist, die sich Hals über Kopf in mich verliebt hatte, war ich der glücklichste Mann der Welt. Und unsere Beziehung war auch sehr intensiv.
Nach der Trennung habe ich sie erstmal mit Fragen bombardiert, weil ich dachte wir halten das gemeinsam durch, und das Ziel war auch wirklich in sichtbarer Reichweite. Ich habe vier Wochen nach der Trennung einen neuen Job gefunden und alles hätte prima sein können.
Mein Gefühl war, dass sie eine reine Kopfentscheidung getroffen hatte. Denn sie hat mir bis kurz vor dem Ende nicht nur gesagt, sondern auch gezeigt dass sie mich liebt.
Leider muss ich nun, nach einigen Wochen Sendepause zum Denken und Atmen, von ihr lesen dass sie einen neuen Freund hat. Also, sie hat es mir geschrieben weil sie nicht wollte dass ich es von jemanden anderes erfahre.
Der allerletzte Strohhalm, dass sie irgendwann merkt dass sie mich vermisst und liebt, ist jetzt also weg. Und ich muss erkennen, dass es vermutlich tatsächlich völlig verschiedenen Arten von Liebe gibt, und meine Definition davon nichtihrer entsprach.
Denn ich hätte mich niemals von ihr getrennt, egal wie sehr ich sie vermisse und wie lange das mit dem Zusammensein dauert. Denn ich liebe sie bedingungslos und wie sie ist. Als Mensch. Und daran kann - zumindest für mich - doch eine gewisse Entfernung, die aber bald überwunden sein würde, wie wir beide wussten, nichts ändern!
Sie scheint es aber tatsächlich und ehrlich so zu empfinden, dass es nicht nur eine Kopf- sondern eine Herzentscheidung war. Ihre Liebe scheint im Laufe der letzten Monate verschwunden zu sein. Sie war zwar im Mai noch das letzte Mal bei mir, und es war wunderschön wie immer. Aber ihre Zweifel schienen schon so zu überwiegen, und ich habe das vermutlich einfach nicht erkannt. Die letzte Trennung war dann das Tüpfelchen auf dem I für sie, und Ende Juli war es vorbei.
Kann es wirklich sein dass man Liebe so unterschiedich definiert? Ist es überhaupt möglich einen Menschen ehrlich und aufrichtig zu lieben, und dann geht die Liebe ohne dass dieser Mensch irgendeinen Fehler gemacht oder sich negativ verändert hat? Kann man sich wegen äußerer Umstände, die überhaupt nichts mit der zwischenmenschlichen Beziehung zu tun haben, tatsächlich komplett "entlieben", auch wenn immer noch exakt der gleiche Mensch vor einem steht, in den man sich so unsterblich verliebt hat?


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