Ein schrecklicher Arbeitstag endlich zu Ende. Ich drücke den Nacken fest in die Lehne des Fahrersitzes meines kleinen, rostigen VW Käfers, stecke den Schlüssel ins Zündschloss und fahre Los. Mein Ziel, nur wenige Blocks entfernt. Zum Glück!
Es bereitet mir bereits große Mühe meine Augen offen zu halten und jeder Muskel im Körper schmerzt vor Anstrengung. Das ist eben das Los für das man sich entscheidet, wenn man einer körperlichen Arbeit nachgeht.
Endlich habe ich mein Ziel erreicht, doch bevor ich das Auto verlasse noch kurz die Augen schließen, nur einen Moment lang.
Ich erwache fünf Stunden später, völlig verschwitzt und mit höllischen Kopfschmerzen. Die Sonne stand noch ziemlich hoch am Himmel als ich eingeschlafen bin und hatte anscheinend seine ganze Kraft auf mich fokussiert. Völlig erledigt steige ich aus dem Wagen und schleife dem Haus zu. Warum bin ich nicht gleich reingegangen? Zumindest die Kopfschmerzen hätte ich mir dadurch ersparen können.
Nun war auch noch die Tür verschlossen, ein grausamer Tag. Ich werfe kurz einen Blick unter die Willkommensmatte, dann unter den Blumenstock der neben der Eingangstür steht und breche schließlich, nachdem ich den Türrahmen abgesucht habe, meine Suche ab. Warum hatte ich den Schlüssel vergessen mitzunehmen?
Julie war erst am Vormittag bei mir in der Firma gewesen und hatte mir den Schlüssel fast schon aufgedrängt und dann irgendwas von Versteck gebrabbelt. Warum bin ich nur immer so unkonzentriert, warum muss ich immer alles vergessen? Schließlich umrunde ich das Haus und suche nach einem Hintereingang, vielleicht meinte sie, sie wolle die Hintertür offen lassen, oder der Ersatzschlüssel wäre dort versteckt.
Tatsächlich ist der Hintereingang unverschlossen! Endlich mal ein bisschen Glück an diesem sonst so miserablen Tag.
Ich watschle durch die Küche, werfe einen kurzen Blick in den Kühlschrank und greife mir ein kühles Bier. Wunderbar, gekühltes Bier ist genau was ich jetzt brauche, kühles Bier und Fernsehen. Also führe ich meinen Weg ins Wohnzimmer fort. Oben höre ich, dass Julie duscht, also muss ich wohl damit warten. Ich lasse mich schwer in die Wohnzimmercouch fallen und zappe durch die Kanäle. Zur Auswahl steht, eine Tierdoku über das faszinierende Leben der Eintagsfliege, ein Fußballspiel, Qualifikation zur Weltmeisterschaft oder sowas und der Spielfilm zur Prime Time. Ist es wirklich schon so spät?
Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr. Zwanzig Minuten nach Acht Uhr abends. Ich bleibe dann an der Eintagsfliege hängen, weil sie mich irgendwie an Julie erinnert.
Nach einer Minute, in der ich die Doku wirklich gespannt verfolgt habe, bin ich begeistert von der Lebensweise der Eintagsfliege, die ausschließlich dafür lebt um sich schnellst möglich fortzupflanzen und dann wieder zu sterben. Wie ich finde, ein höchst erstrebenswertes Leben.
Schließlich höre ich wie das gleichmäßige Geräusch des plätschernden Wassers aus dem Bad verstummt, also schalte ich den Fernseher aus und beginne schon einmal damit mich zu entkleiden. Nur noch Duschen, vielleicht mit Julie schlafen und dann ab in die weichen Kissen. Schließlich wird der morgige Tag nicht weniger ansträngend als der heutige.
Ich warte, lediglich mit Unterwäsche bekleidet, vor dem Badezimmer.
Julie kommt heraus, hat nur ein Handtuch um den perfekten Körper gewickelt starrt mich panisch an und presst mit zitternder Stimme ein “Wer sind Sie?“ heraus bevor ich ihr die Faust in den Magen ramme und sie röchelnd auf den Boden knallt. Ich steige über sie, packe sie an den Haaren und schleife sie ins Schlafzimmer. Mir kommt wieder die Eintagsfliege in den Sinn und das ich die Doku doch irgendwie auftreiben sollte, oder doch lieber einen Snuf Film? Ich habe das Bier auf dem Wohnzimmertisch stehen gelassen und bin nun ziemlich wütend darüber, also lasse ich Julie kurz los um mich selbst zu ohrfeigen.
Verstört wie sie ist, bleibt sie einfach liegen. Ich bin überaus fasziniert über die Vorgehensweise von panischen Menschen. Sie können auf so viele unterschiedliche Arten reagieren. Ob sie schreien wie am Spieß, wild um sich treten, kratzen, oder einfach nur perplex daliegen und alles über sich ergehen lassen, dass kann man unmöglich vorher einschätzen. Oft sind die, die im Alltag ruhig und zurückhaltend sind, die wildesten im Überlebenskampf. Julie ist von der ruhigeren Sorte was meine Erregung bereits zum abschlaffen bringt.
Dennoch werfe ich sie aufs Bett und binde sie mit dem Telefonkabel – das Telefon steht praktischerweise auf ihrem Nachttischchen – am Bett fest und stopfe ihr meine Boxershorts in den Mund.
Das Bier hat bereits Raumtemperatur als ich wieder nach unten komme.
Wieder knipse ich den Fernseher an um festzustellen ob die Eintagsfliegen schon zu Ende gevögelt haben. Keine Eintagsfliegen mehr zu finden, stattdessen galoppieren wildgewordene Gazellen über das Bild. Julie hat sich im Laufe der letzten halben Stunde auch immens gewandelt. Sie war vom scheuen, ängstlichen Mauerblümchen zur rasenden Wildkatze mutiert, was meine Erregung ins Unermessliche trieb. Ich kam dreimal in ihr bevor ich es mit dem Kopfkissen beendete.
Ich trinke noch mein Bier aus bevor ich wieder nach oben gehe und mich an ihren bereits kalten Körper schmiege und sofort einschlafe.
Eine Woche ist bereits vergangen seit ich Julie liebte. Heut morgen war Donna im Laden. Sie hat ihren Hausschlüssel verloren. Wir sollen ihn ihr nachmachen. Donna sieht toll aus.
“Bitte hier Namen und Anschrift und hier ihre Unterschrift. Vielen Dank und ich wünsche einen wunderschönen Tag.“


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Ich habe gestern Velocity durchgelesen und muss sagen, dass ich schwer beeindruckt war. Sehr geiles Buch - King schreibt Gute-Nacht-Geschichten im Vergleich zu Koontz (imo).



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