psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 13

Thema: Kann man sich wirklich ändern?

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    09.01.2012
    Beiträge
    27
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard Kann man sich wirklich ändern?

    Hallo,
    ich habe mal eine Frage an die Psychoexperten d. Forums. Zunächst einmal möchte ich mich vorstellen.
    Ich bin 24 und leide seit 8 Jahren unter rekurrierenden Depressionen, die mich zweitweise zermürben und an den Rand des Selbstmords treiben. Davor hatte ich meine gesamte Kindheit über schwere Probleme mich sozial zu integrieren. Ich war aggressiv, reizbar, misstrauisch, launisch und überreaktiv. Zwischenzeitlich bin ich durch einige Erfahrungen sehr introvertiert und zurück gezogen geworden. Vor 2 Jahren habe ich eine psychoanalytische Gruppentherapie begonnen und bin dadurch deutlich offener geworden und auch sozialer. Meine sozialen Ängste wurden abgebaut. Meine Depressionen und mein Hang "negative Gedankenlabyrinthe" zu entwerfen und darin zu versinken sind geblieben. Diese GT habe ich aber vor einem halben Jahr abgebrochen.
    Auf der einen Seite glaube ich dass meine Erfahrungen während meiner Kindheit maßgeblich für meine Situation verantwortlich sind. Auf der anderen Seite glaube ich dass ich (inzwischen) eine Persönlichkeit habe die mich permanent zur Depression treibt. Evtl. wurde diese Persönlichkeit durch meine Kindheit geformt, sie ist sicherlich aber auch genetisch bedingt, da mein Vater fast die identischen Probleme hat. Ich habe vor vielen Jahren einen Persönlichkeitstest, den NEO-FFI gemacht, bei dem extrem hohe Neurotizismus-Werte (über 99,9 % auf der Gauß-Kurve), gleichzeitig etwas niedrige Extraversion-Werte heraus kamen. Vor Kurzem habe ich diesen Test noch einmal gemacht aber es kam fast dasselbe heraus. Die Extraversion war etwas angestiegen.
    Ich weiß dass das Tests sind, die nur "einige" Merkmale der Persönlichkeit testen und die, wenn sie auch einen hohen Stellenwert in der Psychologie haben, auch nicht unumstritten sind. Dennoch deckt sich das Ergebnis mit meiner Eigenbeobachtung. Neurotizismus ist definiert als der Hang dazu negative Emotionen zu bilden, sie geht einher mit einer Überreaktivität einer Struktur im Gehirn die sich Amygdala nennt auf äußere Reize. Die Reizschwelle für Fight-or-Flight-Reaktionen des Sympathikus ist deutlich herab gesetzt. Und genau das tue ich den ganzen Tag obwohl es keinen wirklichen Anlass dazu gibt. Unnötig Gedanken, Sorgen um die Zukunft machen. Maßlose Selbstkritik, Kritik an meiner Umgebung, Überreaktionen bei tatsächlichem oder eingebildetem Unrecht, dass mir durch meine Umgebung entgegen gebracht wird. Misstrauen, Wehleidigkeit, ewiges Grübeln. Ich habe das Gefühl, dass ich nie zur Ruhe komme.
    Leider wird NZ als stabilste Persönlichkeitseigenschaft beschrieben. Ich frage mich ob es überhaupt möglich ist diese Eigenschaft zu ändern. Nach 1,5 Jahren Gruppen- und Einzeltherapie bin ich nicht wirklich weniger neurotisch geworden, allerdings tatsächlich offener und verstehe meine Problematik auch besser. Kann man Neurotizismus mittels Psychotherapie ändern in der Art und Weise dass sich meine ewige Grübelei, meine Melancholie und meine Empfindlichkeit, meine Sorgenproduziermaschine da oben endlich mal abstellen kann? Es stimmt insofern besonders nachdenklich als dass mein Vater inzwischen über 60 Jahre alt ist und obwohl er wirklich alles hatte (Reichtum, beruflichen Erfolg, Familie) nie wirklich glücklich war und immer angibt nicht zur Ruhe kommen zu können.
    Im Internet habe ich bisher nur gefunden, dass in Studien zu bestimmten SSRI (Paroxetin) eine signifikante Senkung d. Neurotizismus entdeckt wurde. Bisher habe ich nur Benzodiazepine aus probiert (Diazepam) die mich tatsächlich beruhigen und weniger reaktiv machen.
    Allerdings bin ich aus verschiedenen Gründen Medikamenten gegenüber skeptisch und würde daher wissen ob es eine andere Möglichkeit gibt seine Persönlichkeit in diese Hinsicht maßgeblich zu verändern oder ob man sich damit abfinden und versuchen sollte, das Beste draus zu machen?

  2. #2
    Roman Verfasser
    Registriert seit
    27.11.2011
    Ort
    Dresden
    Beiträge
    1.347
    Danke
    175
    312 mal in 245 Beiträgen bedankt

    Standard

    Es kommt darauf an. Deinen Grundcharakter kannst Du nicht ändern, der wird bis ins Alter von 3 Jahren gebildet und steht danach im Wesentlichen fest. Den kann man nur so akzeptieren wie er ist. Wenn man das aber tut hat man die Möglichkeit immer wieder an seine Grenzen zu gehen, an seine Probleme, und immer wieder einzelne Dinge zu verändern, und wenn man diesen therapeutischen Weg geht, sind über längere Zeiträume auch Charakteränderungen möglich. Ich habe auf die Weise über die Jahre meine Agression in den Griff bekommen. Depressionen kenne ich auch, Medikamente habe ich übrigens nie genommen und teile da Deine Skepsis. Man kann immer wieder eine Therapie zu einem konkreten Problem machen, immer schrittweise eine Änderung vollziehen, das geht.

  3. #3
    Schreiberling
    Registriert seit
    24.11.2011
    Beiträge
    435
    Danke
    16
    55 mal in 51 Beiträgen bedankt

    Standard

    Soweit ich weiß liegt es doch an der Krankheit. Manche Problem kann man lösen, indem man einfach lernt positiver zu denken und bei anderen ist es einfach ein körperliches Problem, was nur mit Medikamenten gelöst werden kann.

  4. #4
    Neuling
    Registriert seit
    09.01.2012
    Beiträge
    27
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Gibt es denn niemanden der am Board teilnimmt, Antidepressiva nimmt und darüber berichten kann ob sich bei ihm oder ihr Persönlichkeitsveränderungen ergeben haben?

  5. #5
    mathattack
    Gast

    Standard medikamente

    Medikamente bzw. ADs greifen in deine hirnchemi ein und regulieren die botenstoffe oder normalieseren.. Neue antidepressiva machen nich abhängig und haben auch nicht soviel nebenwirkungen wie früher.. im internet gibt es viel üver die medis zu lesen .. sie helfen einen erstmal über den eigenen schatten zu springen..und wenn der zeitpunkt gekommen ist werden sie wieder abgesetzt aber immer selbst informieren und ne gesunde skepsis ist sinnvoll...

  6. #6
    Neuling
    Registriert seit
    09.01.2012
    Beiträge
    27
    Danke
    3
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Hast du AD genommen? Haben Sie dich verändert?

  7. #7
    Nachwuchs Autor
    Registriert seit
    29.04.2010
    Beiträge
    699
    Danke
    11
    64 mal in 60 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zalzala, es kommt auf die Gruppe der Antidepressiva an, vor allen Dingen auf die richtige Dosierung. Das ist alles mit dem Fachpersonal auszuprobieren. Man muss sich an die richtige Dosis und an das passende Medikament langsam herantasten. Ich selbst nehme zur Nacht Opipramol ein, momentan 2 Tabl.

    Wer eine überdrehte Amygdala hat, der sollte sich Ruhepausen am Tag gönnen. Die gönne ich mir durch 20minütige Mediation, möglichst 2mal am Tag. Dann breitet sich in mir wirklich die absolute Ruhe aus. Wenn ich mir mein Mantra bei geschlossenen Augen denke, dann legt auch meine Amygdala eine Pause ein. Selbst die Wissenschaft, erhärtet zudem durch klinische Tests mit Versuchspersonen, bestätigt, dass langfristig eine Beruhigung des Nervensystems einsetzt. Bei Leuten, die viele unruhige Momente am Tage erleben, würde die Zeitspanne der Ruhe, die ihnen die Meditation gönnt, sicherlich als entlastender empfunden werden, als wenn man ein Phlegmatiker ist.

    Hast Du ansonsten noch weitere Probleme, die Dich sporadisch oder dauerbelasten?
    Plagen Dich Ein-und/oder Durchschlafstörungen?

    Auf der einen Seite glaube ich dass meine Erfahrungen während meiner Kindheit maßgeblich für meine Situation verantwortlich sind.
    Welche waren das? Z.B. kann man immer noch im Rückblick die Mutter und/oder den Vater in der Kindheit nicht als liebevoll erleben. Da gäbe es durchaus Methoden, um jetzt dieses Bild von der Nichtbeachtung, Vernachlässigung etc. zu ändern, sich also mit einem Teil der Vergangenheit punktuell wieder zu versöhnen.
    Geändert von Bertrand (22.01.2012 um 23:51 Uhr)

  8. #8
    Roman Verfasser
    Registriert seit
    27.11.2011
    Ort
    Dresden
    Beiträge
    1.347
    Danke
    175
    312 mal in 245 Beiträgen bedankt

    Standard

    Das ist jetzt keine direkte Antwort...

    ...meine Theorie ist, als jemand der nie Antidepressiva bzw. Neuroleptika nahm (aber trotzdem einige der Beschwerden auch habe die ich von Psychopharmakaanwendern immer wieder höre), daß die Medikamente bestimmte Dinge auslösen, die so oder so gekommen wären. Es wird durch das Medikament an der Stelle forciert, aber wäre sonst eben durch ein anderes Ereignis forciert worden.Schlägt das Schicksal z.B. hart genug zu, ist es denkbar daß sich Ansichten und Stimmungen auch ganz tiefgreifend ändern.

    Trotzdem bleibt natürlich für jemanden, der einen Persönlichkeitswandel durch Psychopharmaka erfahren hat, dieses Erlebnis.

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Es muß sich was ändern
    Von hallerin im Forum Therapieformen
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 09.01.2012, 13:52
  2. Kann er sich überhaupt ändern?
    Von Pummelfee im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 23.01.2011, 19:52
  3. Wie kann ich mich ändern
    Von Gast4494 im Forum Ängste
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 19.04.2010, 16:14
  4. Muster durchbrechen/sich selbst ändern
    Von schnattchen 31 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 11.03.2010, 11:00
  5. Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 02.12.2008, 14:33

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!