Hallo,
ich habe mal eine Frage an die Psychoexperten d. Forums. Zunächst einmal möchte ich mich vorstellen.
Ich bin 24 und leide seit 8 Jahren unter rekurrierenden Depressionen, die mich zweitweise zermürben und an den Rand des Selbstmords treiben. Davor hatte ich meine gesamte Kindheit über schwere Probleme mich sozial zu integrieren. Ich war aggressiv, reizbar, misstrauisch, launisch und überreaktiv. Zwischenzeitlich bin ich durch einige Erfahrungen sehr introvertiert und zurück gezogen geworden. Vor 2 Jahren habe ich eine psychoanalytische Gruppentherapie begonnen und bin dadurch deutlich offener geworden und auch sozialer. Meine sozialen Ängste wurden abgebaut. Meine Depressionen und mein Hang "negative Gedankenlabyrinthe" zu entwerfen und darin zu versinken sind geblieben. Diese GT habe ich aber vor einem halben Jahr abgebrochen.
Auf der einen Seite glaube ich dass meine Erfahrungen während meiner Kindheit maßgeblich für meine Situation verantwortlich sind. Auf der anderen Seite glaube ich dass ich (inzwischen) eine Persönlichkeit habe die mich permanent zur Depression treibt. Evtl. wurde diese Persönlichkeit durch meine Kindheit geformt, sie ist sicherlich aber auch genetisch bedingt, da mein Vater fast die identischen Probleme hat. Ich habe vor vielen Jahren einen Persönlichkeitstest, den NEO-FFI gemacht, bei dem extrem hohe Neurotizismus-Werte (über 99,9 % auf der Gauß-Kurve), gleichzeitig etwas niedrige Extraversion-Werte heraus kamen. Vor Kurzem habe ich diesen Test noch einmal gemacht aber es kam fast dasselbe heraus. Die Extraversion war etwas angestiegen.
Ich weiß dass das Tests sind, die nur "einige" Merkmale der Persönlichkeit testen und die, wenn sie auch einen hohen Stellenwert in der Psychologie haben, auch nicht unumstritten sind. Dennoch deckt sich das Ergebnis mit meiner Eigenbeobachtung. Neurotizismus ist definiert als der Hang dazu negative Emotionen zu bilden, sie geht einher mit einer Überreaktivität einer Struktur im Gehirn die sich Amygdala nennt auf äußere Reize. Die Reizschwelle für Fight-or-Flight-Reaktionen des Sympathikus ist deutlich herab gesetzt. Und genau das tue ich den ganzen Tag obwohl es keinen wirklichen Anlass dazu gibt. Unnötig Gedanken, Sorgen um die Zukunft machen. Maßlose Selbstkritik, Kritik an meiner Umgebung, Überreaktionen bei tatsächlichem oder eingebildetem Unrecht, dass mir durch meine Umgebung entgegen gebracht wird. Misstrauen, Wehleidigkeit, ewiges Grübeln. Ich habe das Gefühl, dass ich nie zur Ruhe komme.
Leider wird NZ als stabilste Persönlichkeitseigenschaft beschrieben. Ich frage mich ob es überhaupt möglich ist diese Eigenschaft zu ändern. Nach 1,5 Jahren Gruppen- und Einzeltherapie bin ich nicht wirklich weniger neurotisch geworden, allerdings tatsächlich offener und verstehe meine Problematik auch besser. Kann man Neurotizismus mittels Psychotherapie ändern in der Art und Weise dass sich meine ewige Grübelei, meine Melancholie und meine Empfindlichkeit, meine Sorgenproduziermaschine da oben endlich mal abstellen kann? Es stimmt insofern besonders nachdenklich als dass mein Vater inzwischen über 60 Jahre alt ist und obwohl er wirklich alles hatte (Reichtum, beruflichen Erfolg, Familie) nie wirklich glücklich war und immer angibt nicht zur Ruhe kommen zu können.
Im Internet habe ich bisher nur gefunden, dass in Studien zu bestimmten SSRI (Paroxetin) eine signifikante Senkung d. Neurotizismus entdeckt wurde. Bisher habe ich nur Benzodiazepine aus probiert (Diazepam) die mich tatsächlich beruhigen und weniger reaktiv machen.
Allerdings bin ich aus verschiedenen Gründen Medikamenten gegenüber skeptisch und würde daher wissen ob es eine andere Möglichkeit gibt seine Persönlichkeit in diese Hinsicht maßgeblich zu verändern oder ob man sich damit abfinden und versuchen sollte, das Beste draus zu machen?


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