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Thema: Kann man so etwas einfach beziehungsunfähig nennen?

  1. #9
    Verleger Avatar von Physalis
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    Zitat Zitat von Reisende Beitrag anzeigen

    Mich stört genau das, was du, Physalis geschrieben hast, immer wieder bei Null anfangen. Das hat einen schönen Reiz, aber es ist eben auch mit dem ganzen Dilemma der Auflösung des Vorhergehenden verbunden, es sei denn, man hat nicht zusammen gelebt, dann ist es einfacher.
    Zunächst einmal glaube ich nicht, dass es entscheidend ist, ob zwei Menschen im selben Haus/der gleichen Wohnung gelebt haben. Aber das nur nebenbei.

    Zum Dilemma der Auflösung:
    Ich hatte das ein oder andere kürzere Kennenlernen, wo nach wenigen Monaten klar, war "das passt nicht wirklich" und wir getrennter Wege gingen. Ich wunderte mich dann, dass ich im Vergleich zur Länge und Intensität der Beziehung weit überproportional unter der Trennung litt.

    Es hat lange gedauert, bis ich heraus fand, dass ich nicht um diesen bestimmten Menschen trauerte, sondern darunter litt, privat wieder ganz am Anfang zu stehen mit ungewisser Zukunft. Diese bei Null anfangen machte mir dann Angst und ich fühlte mich planlos.

    Früher habe ich dies übrigens auch überhaupt nicht materiell oder organisatorisch gesehen. Mittlerweile hat sich meine Einstellung da aber ein wenig geändert. Ein Paar, dass jahrzentelang zueiander steht, gemeinsam plant und aufbaut, hat es einfacher als eine Frau mit wechselnden Partnerschaften. Ich bin z.B. selbständig tätig. Ich kenne kaum eine Frau, die dies wagt ohne Mann mit festem, guten Einkommen im Hintergrund. Ich würde ja nicht mal Arbeitslosengeld bekommen.

  2. #10
    Schreiberling Avatar von Mariposa
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    Hallo Reisene,

    das Problem, das du ansprichst, ist sicherlich nicht nur deins, sondern beschäftigt ganz viele Menschen.
    Und viele verdrängen es auch.
    Mir schütten ja ziemlich häufig Mitmenschen ihr Herz aus und ich hab auch Augen im Kopf und kann nur sagen: ich kenne ganz ganz wenige Paare, von denen ich behaupten würde, sie sind ihr Leben lang glücklich miteinander.
    Es scheint so, als schleiche sich in den allermeisten Fällen immer das Gleiche in Partnerschaften ein: aus Liebe wird im günstigsten Fall ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.
    Ich selbst kenne das so und wollte lange Zeit an meiner Ehe festhalten, hab mich mit Hobbies, Freundschaften etc. "abgelenkt", trotzdem hin und wieder gedacht....tja....mit einem neuen Partner würde dein Leben wahrscheinlich glücklicher aussehen, und hab mir versucht klarzumachen, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl wahrscheinlich Liebe ist,die Art Liebe, die man nach vielen Jahren empfindet.
    Ich lag anscheinend falsch.
    Nun bin ich ja auch getrennt und in neuer Beziehung und hoffe auf das Wunder, nicht wieder unglücklich zu werden.
    Da ich ja nun nicht mehr die allerjüngste bin hab ich aber noch ganz andere Gedanken/Ängste.
    Wenn ich z.B. über einen Friedhof gehe, und ich sehe die Gräber wo Ehepaare bestattet wurden....dann drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich so wahrscheinlich nicht bestattet sein werde und es macht mich traurig.
    Oder ich sehe alte Ehepaare, von denen einer nicht mehr gut laufen kann und der vom Partner gestützt wird, der andere kann möglicherweise nicht mehr gut hören oder was auch immer....und man sieht deutlich, die beiden haben sicher ihr Lben miteinander verbracht und nun, da sie alt sind, helfen sie sich gegenseitig - so sollte es sein. Und mich befällt die Angst, dann später allein zu sein.
    Vielleicht kommt es auch daher, dass eine gute Freundin auch nie Partner haben wollte, deren Liebe sie nicht mehr erwidern konnte.
    Und nun, nicht mehr so taufrisch, ist sie schrecklich alleine und leidet darunter.
    Und ich hab Angst, dass mir das gleiche passieren könnte.
    Und ich kann mir vorstellen, dass mich dieses Bewusstsein auch in nicht unerheblichem Maße lenken wird.....auch wenn es toll ist, den Partner 100% zu begehren etc.
    Vielleicht sehe ich alles viel zu schwarz....nur das sind meine Gedanken dazu.

    LG von Mari

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mariposa für den sinnvollen Beitrag:

    Reisende (26.08.2011)

  4. #11
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    Zitat Zitat von Reisende Beitrag anzeigen
    Es war dann immer so, dass ich mich trennen musste, mit viel Schmerz auf Seiten des Mannes und es scheint ja, dass mir das nun wieder bevor steht und davor habe ich einen großen Horror (Es hängt auch sehr viel dran, auch materielle Dinge etc.). Ich will es eigentlich nicht und könnte es theoretisch einfach so weiter laufen lassen, vielleicht fremd gehen (was ich hassen würde). Das fände ich aber wirklich auch unfair. Es ist aber auch unfair so zu tun, als ob alles gut wäre.
    Hallo Reisende,

    eigentlich stellst Du hier nur zwei Thesen auf: Entweder es so laufen zu lassen, wie es ist (ohne Veränderung) - oder es zu beenden (mit großem Verlust). Ich denke, es gibt noch eine andere, viel schonendere Variante:

    Ich würde Dir auch gerne die Paarberatung ans Herz legen. Was nicht so bekannt ist, man kann auch ganz alleine zur Paarberatung gehen, wenn man erstmal mit sich selbst "ins Reine kommen will". Später kann der Partner hinzukommen, muss es aber nicht. Wäre vielleicht für Dich erstmal eine Lösung.

    Ich habe nämlich das Gefühl, das es Dich nur zu neuen Ufern treibt, weil das Bisherige etwas an Glanz verloren hat. Die Wiesen vom Nachbarn sind immer grüner, als die eigene Weide... Manchmal verrennt man sich in solche Gedanken und verliert das, was man hat dabei völlig aus dem Blick. Oder man hat das Gefühl etwas im Leben zu verpassen, verliert aber aus dem Blick, was man aufgeben muss um das vermeindlich Neue zu bekommen.

    Es gibt sicher ein Geheimnis, welches glückliche, langjährige Ehen gemeinsam haben: Sie haben sich meist über diese ganzen Jahre den Respekt bewahrt, den Humor nicht verloren, gegenseitig Aufmerksamkeit geschenkt, Interesse am anderen wach gehalten, haben dem Wind & Sturm getrotzt und die sonnigen Tage genossen, haben Rollen gespielt und getauscht, haben unterstützt und geholfen, haben diskutiert und versöhnt - sie haben gelebt...

    Das passiert aber "nicht einfach mal so", sondern die Liebe muss immer wieder am Leben gehalten werden. Klingt anstrengend, ist aber doch schön, wenn beide Seiten an dem gemeinsamen Projekt arbeiten und aktiv Beziehungsarbeit leisten. Was kann es denn Schöneres geben, als dem geliebten Menschen, volle Aufmerksamkeit zu schenken - oder Interesse entgegen zu bringen, an dem, was er gerade tut oder worüber er gerade denkt???...

    Wenn Du jetzt das Gefühl hast, unbedingt auf Schatzsuche gehen zu wollen, und Neues suchen zu müssen. Schau doch erstmal, ob Du vielleicht in Deiner bisherigen Beziehung schon wirklich alles entdeckt hast? Vielleicht gibt es da noch viele Dinge, die ihr bisher nicht ausprobiert habt. Seiten, die Du an Deinem Mann noch garnicht so kennst.

    Die Suche in die Tiefe ist sicher auf lange Sicht gesehen lohnender, als immer nur oberflächlich zu bleiben...

    LG,
    Q.V.

  5. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Quo Vadis? für den sinnvollen Beitrag:

    Lib (26.08.2011),Reisende (26.08.2011)

  6. #12
    Verleger Avatar von Physalis
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    Zitat Zitat von Quo Vadis? Beitrag anzeigen
    Es gibt sicher ein Geheimnis, welches glückliche, langjährige Ehen gemeinsam haben: Sie haben sich meist über diese ganzen Jahre den Respekt bewahrt, den Humor nicht verloren, gegenseitig Aufmerksamkeit geschenkt, Interesse am anderen wach gehalten, haben dem Wind & Sturm getrotzt und die sonnigen Tage genossen, haben Rollen gespielt und getauscht, haben unterstützt und geholfen, haben diskutiert und versöhnt - sie haben gelebt...
    Das liest sich so schön, Q.V.!

    Ich wünsche mir, dass viele Menschen dies so erleben.

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