Hallo ihr da draussen,
ich habe ein Problem, welches mich seit 10 Jahren begleitet. Ein Problem, das seitdem ist, als ich aus der Schule ging. Aber zuvor muss ich noch etwas weiter ausholen.
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Alles begann glaube Ende der siebten oder anfang der achten Klasse. Es gab da eine Lehrerin (heute ca. 63 Jahre alt), die ich - aber nur aufgrund ihres Faches - nicht mochte. Ich habe damals etwas echt Dummes getan und weiß auch heute noch nicht ganz genau, ob es der Drang nach Aufmerksamkeit war oder ob ich ihr in irgendeiner Art und Weise schaden wollte. Noch heute ist es mir unangenehm, und wenn ich könnte würde ich es ungeschehen machen wollen. Ich habe sie damals beklaut - es war Geld aus der Klassenkasse. Es blieb auch nicht lange unbemerkt und unser schlechtes Gewissen - es war noch eine weitere Schülerin involviert - war so stark, dass wir es nicht länger verheimlich konnten und so gestanden wir, jeder einzeln, unser Vergehen.
Als ich ihr gestand, dass ich auch daran beteiligt war, war sie sehr enttäuscht darüber. Sie sagt irgendetwas vonwegen, dass sie das nicht von mir gedacht hätte. Aus lauter Scham und Ärgernis über mich selber, brach ich in Tränen aus, aber sie ignoriert es nicht und es tat ihr in dem Moment wahrscheinlich zu sehr leid, dass sie mir nicht weiter böse sein konnte und nahm mich daraufhin in den Arm. Ich habe keine Ahnung, was in dem Moment passiert war, aber der Tag bzw. alles, was da noch so kam, vor ca. 12 - 13 Jahren, verfolgt mich heute noch und hat mein Leben doch irgendwie sehr verändert.
Die nächsten Tage freute ich mich total, sie zusehen und mit ihr Unterricht zu haben. Es machte mir Freude, sie zu sehen, sie zu riechen und ihre Stimme zu hören. Unser Verhältnis zueinander wurde durch diese dumme Sache zu etwas ganz Besonderem. Wir schenkten uns, wann immer wir uns sahen ein Lächeln und redeten auch regelmäßig miteinander.
Nachdem ich dann schon paar Wochen in die 8. Klasse ging, wurden Mittagsaktivitäten angeboten, und zu meinem Glück führte auch sie eine Aktivität, dem "Mädchentreff" oder so ähnlich - das war für mich wie ein Sechser im Lotto! Klar, dass ich da jede Chance nutzte um bei ihr sein können. Ich war nach der letzten Schulstunde, bevor die Mittasgspause war, die Erste, die da war und die Letzte, die ging. Es war das Highlight des ganzen Tages für mich! In dieser halben Stunde redeten wir eigentlich nicht viel miteinander. Ich versuchte eher, meine Augen sprechen zu lassen und beobachtete sie viel - was nicht heißt, dass ich sie begafft habe oder dergleichen. An manchen Tage spührte ich, das irgendwas nicht in Ordnung sei. Ich vermisste das Strahlen in ihren Augen, sie war desöfteren sehr nachdenklich und in stillen Momenten sehr insich gekehrt. Zumindest wirkte das so auf mich. Aber weiter...
Als es dann auf Weihnachten zu ging, schrieb ich ihr eine Weihnachtskarte mit einem Diddlmaus-Bleistift drin. Als wir uns dann 2 Unterrichtsstunden auf den Gängen begegneten drückte sie mir eine Umschlag in die Hand, es war ebenfalls eine Weihnachtskarte, mit einem Kugelschreiber, den ich heute noch besitze. Mit den Monaten wurde mir immer mehr klar, dass ich mich sehr stark in sie verliebt hatte...
Kurz vor den Weihnachtsferien, da war ich sehr betrübt, denn es hiess: Abschied nehmen, wenn auch nur für 2 Wochen. Für mich waren den Ferien und die Wochenenden immer die schlimmsten. Als wir uns an dem letzten Tag sahen, überreicht sie ein Geschenk. Das Geschenkpapier war goldbraun und erinnerte mich sehr an ihren Kleidungsstil. Ich liebte die Art, wie sie sich kleidete. Sie bevorzugte Erdfarben. Das umschmeichelte ihren Typ sehr. Damals mit ihren ca. 50 Jahren war sie wirklich sehr modebewusst und achtete sehr auf ihr Erscheinungsbild. Sie war keine typische "alte" Lehrerin in ihren Graue-Maus-Kostümen. Nein, sie hatte auch mal andere Frisuren und färbte sich die Haare, war ihre Augen schön zur Geltung brachte. Aber wieder zurück zum Thema: Es erstaunte und freute mich total! Zumal ich ihr gar nichts geschenkt hatte, das kam aus freien Stücken. Es machte mich irgendwie stolz.
In den weiteren Monaten schrieb ich ihr unzählige kleine Briefchen, in den sowas stand, wie z.B. wie toll ich sie doch fand. Sie freute sich über jede noch so kleine Geste von mir und nahm sie dankend an. Ob ihr es zuviel wurde, weiß ich leider nicht. Entweder konnte sie es gut überspielen und sie freute sich ehrlich darüber und hatte nichts über die Bögen an Blätter, die ich ihr schrieb, oder sie sagte nur nichts in der Angst/Vorahnung, es könnte mich verletzten. Einmal bat sie sie sogar darum, mir zu antworten. Aber es war keine Antwort in diesem Sinne. Sie schrieb mir auch , aber sie antworte auf keinerlei Gefühle, die mich immer mehr übermannten. Aber es war ein erster wunderschöner Brief, aber es folgten noch weltere...
Als dann die Sommerferien ins Haus standen, lud sie mich und meine damalige Schulfreundin für einen Tag zu sich nach Hause ein. Sie hatte Pferde, und die Spezies faszinierte mich schon immer. Woraufhin sie mir anbot, mal auf eines reiten zu können, wenn ich mag. An Tag X war ich natürlich sehr aufgeregt, probierte stundenlang verschiedene Sachen an, schminkte mich und bereitete mich moralisch darauf vor - zumindest so gut es ging. Als wir dann mit dem Fahhrad zu ihr fuhren, sie wohnte, so wie auch heute noch, 6 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Angekommen war mir übel, flau im Magen, ich zitterte am ganzen Körper und mir schwitzen die Hände. Aus dem Reiten wurde leider nichts. Sie sagte mir auch warum, erinnere mich aber nicht mehr daran und habe es aber auch als nicht so tragisch angesehen, denn es war der mitschönste Tag in meinem Leben! Wir aßen ihren selbstengemachten Zitronenkuchen - obwohl ich Zitronenkuchen hasste, aber ihrer war komischerweise lecker! Wir spielten mit ihren süßen Katzen, die uns allesamt umzingelten, lachten viel, unterhielten uns über Gott und die Welt - und in dem Moment, schien die Welt für mich in Ordnung...
Es gab aber auch einen sehr komischen, aber zugleich wundervollen Tag. Sie nahm mich, nach der Schule, mit ihrem Auto mit und fuhr mich nach Hause. An diesem Tag regnete es wie aus Eimern, gewitterte und es war dunkel wie die Nacht - alles im Allen, ein wunderschöner Tag für Verliebte, denn denen ist das Wetter egal. Denn sobald sie die Angebetete/den Angebeteten sehen, geht die Sonne auf! Sie bot es mir glaube 2 Tage vorher an, denn an dem Tag, Donnerstag, haben wir beide gleich Schluß und so müsste ich nicht solange auf den Bus warten, der die Hortkinder nach Hause fuhr. Ich schreibe es offen und ehrlich: Ich hatte vor gehabt, sie zu küssen. Mir ging in diesen Tagen nichts anderes durch den Kopf und vertraute mich mit dem, was ich vor hatte, keinen an. Es waren meine Gedanken, mein Plan, meine Lehrerin!! - so dachte ich jedenfalls bis zu dem Moment...
Also fuhren wir los, sie musste aufgrund des starken Regens sehr langsam fahren. Bis nach Hause sind es ca. 15 Monaten, an dem Tag dauerte es aber 30, denn man konnte so gut wie nichts sehen. Zu meinem Glück gingen auch noch die Schranken runter, was mir noch ein bisschen mehr Zeit mir ihr gab. Während dieser Fahrt redeten wir nicht sonderlich viel, wir hörten Radio und als ich so, mir war das so unangenehm, aus mir raus haute: "Das Lied ist voll cool!", drehte sie es lauter, was die Stimmung merklich auflockerte. Aber ein paar Sekunden später drehte sie es wieder leiser, man konnte die Musik kaum noch hören, da sie mir was sollte wollte, aber sie wurde durch einen so lauten Knall des Gewitters unterbrochen, das wir beide nur zusammenzuckten und wir hinterher so herzhaft lachten, weil wir das so affig fanden. Sie hatte wohl genauso solche Angst vor Gewitter wie ich. Es lag in genau diesem Moment soetwas Romantisches in der Luft, mein Herz wurde mir warm. Sie schaute mir nur kurz, aber intensiv in die Augen. Jetzt, wo ich darüber schreibe, sehe ich es wieder klar und deutlich vor Augen. Sie wirkte so gelassen, entspannt und so glücklich - vielleicht sogar so glücklich wie ich? Aber warum? Bei mir in der Nähe der Eingangstür angekommen, ich wollte nicht, dass sie unmittelbar davor parkte, hielt ich kurz inne, schaute sie an und lächelte. Sie lächelte zufrieden zurück. Zu guter letzt sagte ich noch zu ihr: "Vielen lieben Dank, das Sie mich mitgenommen haben.", nahm sie in den Arm und dies war zugleich die längste Umarmung zwischen uns. Ich konnte ihr Herz spühren, wie es schlug, mein Hand strich liebevoll über ihren Kopf und meine Nase wurde von ihrem lieblichen Duft gekitzelt.
Danach stieg ich aus dem Auto, drehte mich nochmal kurz um und winkte ihr nach...
Im zweiten Post geht es weiter.


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