Muss etwas ausholen:
Ich hatte einen guten Freund, wir kannten uns lange schon aus Kindertagen.
Er führte ein glückliches Leben, guter einträglicher Job, bezahlte Eigentumswohnung, wirklich tolle Freundin, ausgefüllte Freizeit.
Eines Tage eröffnete Er mir, Ihn kotze alles an, er hätte sich irgendwie mehr vom Leben erwartet, alles sei langweilig und abgefuckt. Er möchte alles ändern. Trotz meines Nachfragens, was ihn denn an seinem Leben nicht gefällt, konnte er keine Gründe nennen. Er machte einen sehr unzufriedenen Eindruck, war leicht reizbar und seine Partnerin verstand es auch nicht. Er steckte also in einer Krise und meines Erachtens war Ihm selbst nicht klar, was mit ihm los war.
Knall auf Fall kündigte Er seine sichere Stelle, schenkte seiner Freundin (15 Jahre Beziehung) die Wohnung, zog 400 Kilometer in eine andere Stadt. Von dieser schwärmte Er immer in seinen Briefen. Doch der Kontakt dünnte sich sehr aus. Seine Freundin wusste nicht wie Ihr geschah und begann ein neues Leben und geriet aus meinem Blickfeld.
Nach 3 Jahren suchte ich Ihn mal auf. Freudig überrascht bat Er mich in seine Wohnung. Einen glücklichen Eindruck machte Er auf mich nicht. Er lebte in einem billigen Loch, hatte keine Arbeit, keine Freundin und sah mitgenommen aus.
Was mir auffiel: Brachte ich die Sprache auf die Vergangenheit, unsere Heimatstadt, machte Er alles nur schlecht, was für eine hässliche Stadt, was für komische Leute.
Doch als ich Ihn fragte: Sag doch mal, bist Du hier glücklich? Haben sich hier Deine Erwartungen erfüllt, hast Du es nie bereut damals alles hinzuwerfen?
Da rastete Er voll aus: Das ist doch mein Leben, ich habe mich dafür entschieden, ich lasse mir von Niemanden drein reden.
Ich war wegen seines Ausbruchs ganz perplex! Erst später wurde mir klar, dass Er alles Vergangene schlecht und die Gegenwart sich schön redet um sich nicht zugeben zu müssen, dass Er einen Fehler begangen hat.
Kann es sein dass ich damit richtig liege?


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen