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Thema: Kognitive Dissonanz?

  1. #1
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    Standard Kognitive Dissonanz?

    Muss etwas ausholen:
    Ich hatte einen guten Freund, wir kannten uns lange schon aus Kindertagen.
    Er führte ein glückliches Leben, guter einträglicher Job, bezahlte Eigentumswohnung, wirklich tolle Freundin, ausgefüllte Freizeit.
    Eines Tage eröffnete Er mir, Ihn kotze alles an, er hätte sich irgendwie mehr vom Leben erwartet, alles sei langweilig und abgefuckt. Er möchte alles ändern. Trotz meines Nachfragens, was ihn denn an seinem Leben nicht gefällt, konnte er keine Gründe nennen. Er machte einen sehr unzufriedenen Eindruck, war leicht reizbar und seine Partnerin verstand es auch nicht. Er steckte also in einer Krise und meines Erachtens war Ihm selbst nicht klar, was mit ihm los war.

    Knall auf Fall kündigte Er seine sichere Stelle, schenkte seiner Freundin (15 Jahre Beziehung) die Wohnung, zog 400 Kilometer in eine andere Stadt. Von dieser schwärmte Er immer in seinen Briefen. Doch der Kontakt dünnte sich sehr aus. Seine Freundin wusste nicht wie Ihr geschah und begann ein neues Leben und geriet aus meinem Blickfeld.
    Nach 3 Jahren suchte ich Ihn mal auf. Freudig überrascht bat Er mich in seine Wohnung. Einen glücklichen Eindruck machte Er auf mich nicht. Er lebte in einem billigen Loch, hatte keine Arbeit, keine Freundin und sah mitgenommen aus.
    Was mir auffiel: Brachte ich die Sprache auf die Vergangenheit, unsere Heimatstadt, machte Er alles nur schlecht, was für eine hässliche Stadt, was für komische Leute.
    Doch als ich Ihn fragte: Sag doch mal, bist Du hier glücklich? Haben sich hier Deine Erwartungen erfüllt, hast Du es nie bereut damals alles hinzuwerfen?
    Da rastete Er voll aus: Das ist doch mein Leben, ich habe mich dafür entschieden, ich lasse mir von Niemanden drein reden.
    Ich war wegen seines Ausbruchs ganz perplex! Erst später wurde mir klar, dass Er alles Vergangene schlecht und die Gegenwart sich schön redet um sich nicht zugeben zu müssen, dass Er einen Fehler begangen hat.
    Kann es sein dass ich damit richtig liege?

  2. #2
    Nachwuchs Autor
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    philomathia,

    ich weiß nicht, ob ich damit Deinen Wissendrang befriedigen kann. Wenn kognitive Dissonanz eine Störung wäre, die dann auch für wert befunden wäre, verewigt zu werden im "Taschenführer zur Klassifikation psychischer Störungen", dann wäre mindestens halb Deutschland reif für den Therapeuten. Denn mindestens halb Deutschland liest iA Meinungsartikel unter dem Aspekt, dass nur die eigene Meinung bestätigt werden sollte.

    Ich gucke hin und wieder in das Suhrkampbändchen "Die Kunst des Verlierens" von Martin Doehlemann. Das könnte ein anregendes Geschenk für Deinem Freund sein. In dem wird er sicherlich die Inszenierung seiner Absteigerkarriere wiederfinden. Speziell das Kapital "Selbstenwürfe von Absteigern" wäre für ihn sicherlich sehr lesenswert.

    Aber es gibt Leute, die sind materiell aufgestiegen, leben den Wohlstand der Schönen und Reichen, sind doch abgestiegen, hatten ihre Ideale verraten (müssen). Geben ihre Unabhängigkeit auf, lassen sie sich einschränken bwz. verlieren sie im Laufe ihrer Ehe peu à peu, weil sie sonst nicht wüssten, wie es z.B. ohne ihre Frau mit ihnen weitergehen sollte.

    konnte er keine Gründe nennen

    Das glaube ich nun wieder nicht. Manche Leute sagen: "Das ist verschlossen in meinem Herzen, das geht niemanden etwas an." Überhaupt sollte jeder irgendwelche Geheimnisse haben. Das macht stark, macht souverän. Obwohl, selbst wenn man eine Plauderstasche ist, vieles dem anderen verborgen bleibt, dank oder undank der Abwehrmechanismen.
    Geändert von Bertrand (11.11.2011 um 19:48 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Hallo Philomathia,

    also ich denke das dein Freund nicht absichtlich den Fehler begangen hat, sein geregeltes Leben einfach von heute auf morgen aufzugeben. Ich denke er hatte irgendwelche Probleme, die er auch nicht nach außen tragen wollte. Und diese Problem werden Ihn wahrscheinlich zu diesen Veränderungen in seinem Leben gezwungen haben.

    Unsere Taten basieren auf logischen Handlungen und kein Mensch wir von heute auf morgen sein Leben um 360 Grad ändern wollen. Insbesondere schon deshalb nicht, weil der Mensch alles erdenkliche dafür tut, sein Leben nicht ändern zu müssen. Vielleicht wurde dein Freund von jemanden unter Druck gesetzt und ist deshalb aus seinem Leben geflohen. Das würde auch die leichte Reizbarkeit erklären und wäre auch ein Erläuterung weshalb er dir damals keine echten Gründe für sein handeln geben konnte. Je besser Ihr beide euch gekannt habt und je bessere Freunde Ihr wart, umso mehr hat er sich für die wahren Gründe seines Handelns geschämt.

    Das er sich seine Situation jetzt versucht schön zu reden ist darauf zurück zu führen, das er nunmal weiß das er einige Stufen nach unten abgestiegen ist. Das schlecht reden des alten Lebens und schön reden der neuene Situation kann wieder Kraft und Energie geben, zu versuchen das Leben wieder auf die Beine zu stellen.


    Schöne Grüße

    Daniel

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