Aloha.
Also - ich wurde eigentlich mein ganzes Leben lang gemobbt, vor allem in der Schule. Fing in der 1. Klasse an und ging dann ungefähr bis zur 12. Klasse. Ich wurde nie körperlich angegriffen, aber immer ausgeschlossen, als fett und dumm bezeichnet und insgesamt wurde mir einfach immer gezeigt, dass ich "uncool" bin und mich keiner mag. Ich hatte meistens nur eine Bezugsperson und wenn die mal nicht da war saß ich allein in der Ecke. Ich habe deswegen insgesamt 3mal die Schule gewechselt, aber erst ab der 11. Klasse wurde es langsam besser. Mittlerweile studiere ich und kann eindeutig sagen, dass ich im Moment absolut beliebt bin und eigentlich so um die 20 Leute als Freunde bezeichnen könnte.
Allerdings, und hier kommt das Problem. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nur daran liegt, dass ich mittlerweile schlank und hübsch geworden bin. Von der Persönlichkeit her habe ich mich nämlich kaum verändert. Deswegen hat das alles so einen bitteren Beigeschmack für mich. Ich frage mich immer: Hätten diese Leute mich früher auch gemocht, oder hätten sie mich genauso gemobbt und ausgeschlossen? Außerdem habe ich ständig Angst, dass Leute etwas "seltsam" oder blöd finden könnten, das ich sage. Ich kann gar nicht spontan und unverkrampft soziale Situationen durchleben, sogar wenn ich telefonieren muss mache ich mir vorher Notizen, damit ich bloß nicht anfange zu stottern oder so.
Und ich kann keine Zuneigung ausdrücken, jedenfalls bringe ich es nicht über mich, von selbst aus jemandem zu sagen, dass ich ihn mag. Teilweise werde ich schon drauf angesprochen, weil die Leute dann denken, dass ich sie eigentlich vielleicht doch nicht mag. Abneigung kann ich aber auch nicht wirklich zeigen. Es gibt zum Beispiel einen Typen in meiner Klasse, der mich immer wieder total stupide und aufdringlich anmacht, aber ich brings irgendwie nicht fertig, ihm mal deutlich zu sagen wie mich das ankotzt - ich geh einfach immer total drüber weg. Insgesamt werde ich mittlerweile überhaupt ziemlich oft "angeflirtet", im Moment von ca. 5 Typen aus der Klasse, aber ich habe irgendwie überhaupt kein Interesse an sowas bzw. insgesamt an Beziehungen, was mir in meinem Alter (17) schon ein bisschen seltsam vorkommt...
Eine letzte Sache noch: Ich komme irgendwie nicht drüber hinweg, was teilweise in meinen früheren Klassen abgegangen ist. Oft erwische ich mich dabei, wie ich nach meinen früheren Mitschülern google oder ihre Facebook Seiten angucke usw. Dann kriege ich so ne Art Rachegedanken, und wünsche mir, dass ich sie irgendwann zufällig wiedertreffen könnte, damit sie sehen, was aus dem kleinen dicken seltsamen Mädchen geworden ist, das sie damals so amüsant fanden. Diese Phase krieg ich meistens spätabends, und wenn ich dann ins Bett gehe, fühle ich mich total schlecht und alle Gefühle von früher, also Isolation und Verzweiflung, kommen wieder hoch...
Ich frage vor allem die von euch, die auch früher mal gemobbt und ausgeschlossen wurden: Geht euch das auch so? Ich meine, seid ihr ganz drüber weg oder merkt ihr auch, dass es euer Verhalten heute noch beeinflusst, obwohl es euch eigentlich jetzt besser geht?


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