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Thema: Komme nicht über Mobbing hinweg

  1. #1
    Neuling
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    Standard Komme nicht über Mobbing hinweg

    Aloha.

    Also - ich wurde eigentlich mein ganzes Leben lang gemobbt, vor allem in der Schule. Fing in der 1. Klasse an und ging dann ungefähr bis zur 12. Klasse. Ich wurde nie körperlich angegriffen, aber immer ausgeschlossen, als fett und dumm bezeichnet und insgesamt wurde mir einfach immer gezeigt, dass ich "uncool" bin und mich keiner mag. Ich hatte meistens nur eine Bezugsperson und wenn die mal nicht da war saß ich allein in der Ecke. Ich habe deswegen insgesamt 3mal die Schule gewechselt, aber erst ab der 11. Klasse wurde es langsam besser. Mittlerweile studiere ich und kann eindeutig sagen, dass ich im Moment absolut beliebt bin und eigentlich so um die 20 Leute als Freunde bezeichnen könnte.

    Allerdings, und hier kommt das Problem. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nur daran liegt, dass ich mittlerweile schlank und hübsch geworden bin. Von der Persönlichkeit her habe ich mich nämlich kaum verändert. Deswegen hat das alles so einen bitteren Beigeschmack für mich. Ich frage mich immer: Hätten diese Leute mich früher auch gemocht, oder hätten sie mich genauso gemobbt und ausgeschlossen? Außerdem habe ich ständig Angst, dass Leute etwas "seltsam" oder blöd finden könnten, das ich sage. Ich kann gar nicht spontan und unverkrampft soziale Situationen durchleben, sogar wenn ich telefonieren muss mache ich mir vorher Notizen, damit ich bloß nicht anfange zu stottern oder so.
    Und ich kann keine Zuneigung ausdrücken, jedenfalls bringe ich es nicht über mich, von selbst aus jemandem zu sagen, dass ich ihn mag. Teilweise werde ich schon drauf angesprochen, weil die Leute dann denken, dass ich sie eigentlich vielleicht doch nicht mag. Abneigung kann ich aber auch nicht wirklich zeigen. Es gibt zum Beispiel einen Typen in meiner Klasse, der mich immer wieder total stupide und aufdringlich anmacht, aber ich brings irgendwie nicht fertig, ihm mal deutlich zu sagen wie mich das ankotzt - ich geh einfach immer total drüber weg. Insgesamt werde ich mittlerweile überhaupt ziemlich oft "angeflirtet", im Moment von ca. 5 Typen aus der Klasse, aber ich habe irgendwie überhaupt kein Interesse an sowas bzw. insgesamt an Beziehungen, was mir in meinem Alter (17) schon ein bisschen seltsam vorkommt...

    Eine letzte Sache noch: Ich komme irgendwie nicht drüber hinweg, was teilweise in meinen früheren Klassen abgegangen ist. Oft erwische ich mich dabei, wie ich nach meinen früheren Mitschülern google oder ihre Facebook Seiten angucke usw. Dann kriege ich so ne Art Rachegedanken, und wünsche mir, dass ich sie irgendwann zufällig wiedertreffen könnte, damit sie sehen, was aus dem kleinen dicken seltsamen Mädchen geworden ist, das sie damals so amüsant fanden. Diese Phase krieg ich meistens spätabends, und wenn ich dann ins Bett gehe, fühle ich mich total schlecht und alle Gefühle von früher, also Isolation und Verzweiflung, kommen wieder hoch...

    Ich frage vor allem die von euch, die auch früher mal gemobbt und ausgeschlossen wurden: Geht euch das auch so? Ich meine, seid ihr ganz drüber weg oder merkt ihr auch, dass es euer Verhalten heute noch beeinflusst, obwohl es euch eigentlich jetzt besser geht?

  2. #2
    Neuling
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    Unglücklich

    Hey Sanctus,

    Du sprichst mir irgendwie aus der Seele!
    Bei mir fing das Mobbing in der 8.Klasse an. Meine Eltern hatten sich getrennt und mein Vater wollte von heute auf morgen nichts mehr mit mir zu tun haben (ich hab jetzt immer noch keinen Kontakt zu ihm), ich war noch nie schlank gewesen, aber in der Zeit nahm ich doch sehr zu bzw. lernte ich das Schokolade ein wunderbarer Tröster ist. Es waren 2 Jungs, die dann anfingen "Oh, du bist hässlich!" zu sagen. Am Anfang hab ich das noch versucht mit Sprüchen dagegen zu halten. Aber in der 9. und 10. Klasse ging das nicht mehr. Es kamen dann auch immer noch "Kotzgeräusche" hinzu, sobald ich das Klassenzimmer betrat und mittlerweile machten alle Jungs mit. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch wirklich nicht hübsch bin, ich hab mich auch nie geschminkt oder so. Ich hab mir auch nie etwas getraut zu sagen, weil auch noch andere Mitschüler gemobbt wurden sind und die haben sich getraut und es hat auch nichts gebracht und das Mobbing war danach nur noch schlimmer.
    Nach der 10 wechselten die 2 Jungs (von denen alles ausging) spontan auf ein anderes Gymnasium und wir waren nicht länger in Klassen unterteilt, sondern in Kursen (also man war immer mit anderen Leuten zusammen) und wir wurden noch mit einer anderen Schule zusammengelegt. Es war dann einigermaßen still und ich lernte mich still zu verhalten und ich wurde auch weitgehend ignoriert. Ab und zu kam dann vereinzelte Aussprüche doch wieder hoch (du bist hässlich!) und es traf mich jedesmal, wie so ein Dolch. Ein bisschen befriedigend ist, dass einer von den Mobbern das Abi nicht geschafft hat, aber nun gut. Ich ging danach für ein Jahr nach Amerika und dachte ich könnte mich dort endlich mal so sein, wie ich will ohne Angst haben zu müssen. Ich habe auf jedenfall gelernt, dass ich mich nicht anpassen muss, wenn ich nicht will (wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen). Allerdings nahm ich dort auch nochmal zu (gutes amerikanisches Essen^^). Jetzt studiere ich und auch da habe ich schon Mobbingfolgen bemerkt.Immer wenn irgendwo getuschelt oder gekichert wird, dann denke ich sie tuscheln und kichern über mich. Ich versuche mich immer noch so still und unauffällig zu verhalten und deswegen (denke ich) sind meine Kommilitonen ein bisschen verwirrt, weil bei studivz schreibe ich total offen und dann in der Uni rede ich kein Wort mit ihnen und vermeide Blickkontakt. Eigentlich ist es albern, weil sie haben mir ja nichts getan, aber ich glaub einfach das sie von demselben Schlag Mensch sind, wie meine ehemaligen Mitschüler. Besonders schlimm ist es, wenn ich durch den Campus laufe, weil ich dann immerzu das Gefühl habe sie würden mich anstarren (und wenn sie dann weiterlaufen und kichern könnte ich durchdrehen). Ich hatte früher 1 oder 2 Freunde (zum Teil wurden die auch gemobbt) und jetzt habe ich eigentlich so gar keine richtigen Freunde, aber ich studiere auch noch nicht so lang und das werde ich jetzt auch ändern ;-) Auf einen Freund habe ich auch keine wirkliche Lust, ich will lieber in Ruhe studieren. Das wirklich blöde finde ich, dass ich überhaupt kein Selbstwertgefühl mehr habe. Ich identifiziere mich komplett mit meinen Noten und wenn ich da mal daneben lag, dann ist es für mich, als würde die Welt untergehen.
    Jetzt hab ich aber fast schon zu viel erzählt
    Ich finde es halt ziemlich erschreckend was man so alles mit Worten zerstören kann
    Liebe Grüße
    Jo

  3. #3
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    Standard

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch wirklich nicht hübsch bin, ich hab mich auch nie geschminkt oder so.
    Da hat nun aber das eine nichts mit dem anderen zu tun...

    Ich finde es halt ziemlich erschreckend was man so alles mit Worten zerstören kann
    Amen ...



    Bei mir war das so, dass ich in der Früh immer sehr schwer aufkam. Das hielt auch noch als spätfolge an, bis lange nach der Matura...

    Plötzlich kam aber ein Umbruch, wo ich das Trauma scheinbar soweit überwunden habe, dass ich jetzt immer (relativ) toll aufkomme.


    Das man den anderen im Studium dann auch nicht vollkommen trauen kann - bzw. das es schwer ist - das habe ich auch festgestellt. Man analysiert gleich: wer ist ein potenzieller Verbrecher (Mobber sind das!) ? Wer sieht eher nett aus, ist der zugänglich? ...
    Geändert von Johnny (12.05.2011 um 20:58 Uhr)

  4. #4
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    Standard Ungeheilte seelische Verletzung!

    Hallo, liebe S.
    Deine abendlichen Schmerz- und Rachegedanken legen ein deutliches Zeugnis ab, von Deiner, nicht geheilten, seelischen Wunde, was die Mediziner als 'psychisches Trauma' bezeichnen!

    Deshalb rate ich Dir, Dich ganz bewußt dieser Deiner Seelenwunde zu widmen, damit sie endlich heilen kann und Du nicht nur körperlich hübsch und gesund bist, sondern auch seelisch!

    "Verstehen ermöglicht Verzeihen!" heißt eine alte sozialpädagogische Weisheit und ich möchte Dir vorschlagen, einmal daran zu denken wie unbedarft Kinder und Jugendliche auf menschlich-seelischem Gebiete oft sind und aus Dummheit, Unkenntnis, Unreife und schlechter Erziehung, oft manch böse, häßlich Dinge anstellen, die ihnen nacher sehr leid tun, wenn sie durch die Wechselfälle des Lebens und die Reifung ihres Charakters erkennen, was Sie Dir zum Beispiel damals alles angetan haben!

    Vielleicht hast Du ja auch manches getan, was Dir jetzt nicht mehr so toll erscheint. Dies könnte Dir helfen, die Anderen besser zu verstehen und ihen zu verzeihen, denn der Sog der Gruppe hat eine große Macht und auch Erwachsene fallen darauf herein und suchen sich z.B. am Arbeitspaltz einen Sündenbock den sie oft Mobben bis zur Zerstörung diese Mitarbeiters!

    Ich weiß, daß das Verzeihen in Deinem Falle ganz und gar nicht leicht ist und deshalb wäre es vielleicht gut, daß Du das Psychotherpie-Gesetz in Anspruch nimmst, welches jedem deutschen Staatsbürger eine kostenlose Seelen-Heilbehandlung zubilligt. Du kannst Dich jederzeit bei einem Therapeuten anmelden und dort einige Probestunden nehmen. Krankenkärtchen genügt!

  5. #5
    Neuling
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    Standard

    Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht.
    In der 1. und 2. Klasse war ich beileibe kein Unschuldsengel, habe mich häufig gezofft und auf einige male anderen weh getan ohne dass ich ihnen weh tun wollte.
    In der 3. - 6. Klasse lief dann das Mobbing ab. Zur 3. hin wurden die Klassen neu zusammengewürfelt, ich hatte einen anderen Kreis an Mitschülern und fast alle waren von Gerüchten und Vorurteilen über mich eingenommen und schnitten mich häufig.
    Nur wenige standen zu mir, ganz besonders 2 Mädchen die mir sehr oft geholfen haben wenn ich rot sah.
    Das Mobbing belief sich darauf mich im Sportunterricht als letzten zu wählen oder aus Gruppenarbeiten auszuschließen, daraufhin fing ich das Essen an. In der 5. hatte ich stolze 70kg auf den Rippen und besser wurde es nicht.
    In der 5. und 6., es gab bei uns noch die OS, ging es dann richtig rund. Der Spieß drehte sich um, ich war der kleine, wurde gemobbt, geschubst, verprügelt (wobei ich mich aber immer zur Wehr gesetzt habe was immer darin endete dass ich der schuldige war und fast von der Schule flog). Meine Lehrerin war völlig inkompetent und meinte wortwörtlich zu meinen Eltern "Ihr Sohn funktioniert nicht". Als ich das vor einiger Zeit mitbekommen habe hat sich für mich einiges erklärt: Das ständige ausschließen aus Gruppen ausgehend von der Lehrerin, die auffällig schlechten Noten in einigen Fächern, die direkten Anstrengungen von Ihr mich von der Schule fliegen zu lassen etc..
    Auf dem Gym war´s dann wesentlich ruhiger, niemand kannte mich dort, ich konnte einen vollkommenen Neustart machen, alles lief sauber bis zum Abi durch. Klar hatten sich binnen weniger Tage die ersten Mobbing Verbände gebildet wie es in jeder Schulklasse ist, doch ich hatte genug Erfahrung im Umgang damit um es an mir abprallen zu lassen.

    Jetzt bin ich im Studium, und mir ist es schlichtweg egal was andere Leute von meinem Auftreten, meinen Interessen oder meinen Auffassungen halten, und das gebe ich meiner Umwelt auch zu verstehen. Das dicke "Fell" dass mir während meiner Schulzeit gewachsen ist lässt mich auch heute noch bei wirklich derben Beleidigungen ruhig und besonnen zu bleiben. Ich habe mir einen Satz an Prinzipien für das Leben aufgestellt.
    Ein Teil davon:
    Wer provoziert hat verloren.
    Wer angreift hat verloren.
    Wer zuerst zuschlägt hat verloren.
    Ich helfe jeden wie es in meinem Umfang möglich ist, ungeachtet meiner persönlichen Auffassung über jemanden.
    Jeder hat sein Recht auf eine eigene Meinung, nur nicht darauf, dass andere sie teilen.
    Es gibt keinen Grund anzugreifen.

    Es gehören noch einige weitere dazu, das sind aber die wichtigsten.

    Sanctus:
    Mein Tipp ist folgender: Du bist du, kein anderer. Stehe zu dem was du bist, mache dir keine Gedanken darum wer du warst oder was war oder was andere über dich denken. Fange nicht an dich zu verbiegen nur um anderen zu gefallen, fälle entscheidungen aus deinen Bedürftnissen heraus, nicht aus denen anderer. Wenn es Menschen gibt die dich so mögen wie du jetzt bist zieh das beste daraus, mach dir keinen Kopf wie es anders wäre. Die Leute von damals sind geschichte, sie haben keinen Einfluss mehr auf dein Leben, dein Leben gehört dir, niemand anderem. Ich weiß, dass es schwer ist sowas zu vergessen und solche Rachegelüste abzulegen, doch man kann nur in frieden leben, wenn man lernt zu verzeihen. Ich selber musste mir auch vielfach schon verkneifen alten "Bekannten" eine rein zu würgen, es hat mir aber mehr geholfen es nicht zu tun und zu verzeihen als die alten Gefühle wieder auszuleben.

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mihpares für den sinnvollen Beitrag:

    Rainer-JGS (18.05.2011)

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