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Thema: Kommunikation & soziale Kompetenzen - wie gehen wir miteinander um?

  1. #1
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Standard Kommunikation & soziale Kompetenzen - wie gehen wir miteinander um?

    [Preface: War fast in Versuchung da noch einen Zusatz dranzuhängen:
    "wie gehen wir miteinander um ... wenn sich der direkte Umgang nicht mehr vermeiden lässt?" ]


    In Zusammenhang mit einem anderen Thread habe etwas zu lesen bekommen, das mir so ähnlich schon seit langem durch den Kopf geht.

    "Und ja ich berfürchte das Leben findet immer mehr in einem Käfig statt und dadurch wird sehr vielen etwas sehr Gutes genommen."

    Wenn ich mir die verschiedenen Threads hier durchlese, dann fällt mir immer wieder auf, dass sich ein "Problembereich" stark häuft:
    Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um? Wie reagiere ich auf sie?

    Es kommen immer mehr Fragen nach dem "Was denkt er/sie sich dabei?", "Warum macht er/sie das?", "Er/sie mobbt mich" etc. pp.
    Nicht mehr das Haus verlassen, keine realen Kontakte mehr pflegen - nicht mehr funktionierende Kommunikation im weitesten Sinne eben.
    Gerade bei der sogenannten "jungen Generation" ...

    Es geht ja nicht darum zu behaupten, dass "früher alles besser war" - ich kann mir nicht vorstellen, dass soziales Verhalten oder die entsprechende Fähigkeit (neudeutsch: Sozial-Kompetenz) etwas ist, das einfach so vom Himmel fallen würde. [Der Himmel war "früher" höchstens sauberer; und wenn da mal was runterfiel, dann hatte dies viel eher mit ganz anderen menschlichen Defiziten zu tun ...]

    Warum scheint es uns aber zunehmend schwerer zu fallen, mit anderen Menschen und deren "Macken" klar zu kommen?
    Warum scheint Kommunikation zu etwas geworden zu sein, das man, wenn überhaupt, nur noch bruchstückhaft "beherrscht"?

    Da wir nun mal "soziale Wesen" sind (von den ominösen "Ausnahmen" mal abgesehen) und uns, ob wir es wollen oder nicht, von Gruppen gar nicht lösen können: warum stellen die einfachsten Muster und Regeln ein scheinbar immer größer werdendes Problem dar?

    - Da, wo wir auch zuerst einmal auf und in uns selbst sehen müssten - da negieren wir die Existenz jeglicher Eigenanteile und sehen nur den Anteil des Gegenübers ...
    - Da, wo es essentiell wichtig wäre, auch den Gegenüber und dessen Bedürfnisse und Gefühle in die eigenen Gedanken mit einzubeziehen - da endet unser Vorstellungsvermögen an der eigenen Nasenspitze ...

    Das Bild vom Käfig: ich sehe ihn inzwischen nicht mehr als "klassischen" Käfig (mit Gitterstäben, durch die man durchgreifen kann), sondern eher als einen Käfig aus Glas (bei manchen vielleicht sogar aus Panzerglas ...).
    Aus ihm heraus kann man zwar alles ungehindert sehen - aber all das, was noch dazu gehören würde, um ein vollständiger Teil der Welt sein zu können, kommt nicht durch. Er schottet auch vom unmittelbaren Interagieren ab ...
    Das, was dann durchgelassen wird, läuft fast nur auf indirektem Wege: den "modernen Kommunikationsmitteln" sei Dank

    Was macht dieses "Leben" so viel erstrebenswerter, als den altmodischen realen Kontakt?
    Nur weil dieser immer die Gefahr von Konflikten birgt, für deren Lösung wir erst einmal entsprechende Strategien (mühsam) lernen müssten?

    Warum sehen wir diese möglichen "Konflikte" immer mehr nur als Bedrohung an (auf die dann auch entsprechend "geantwortet" wird ...), statt in ihnen auch eine Chance zu erkennen, den eigenen Horizont zu erweitern?

    Es würde mich mal interessieren, wie Eure Gedanken oder Erfahrungen zu diesem Thema sind.
    Wäre ganz nett, wenn sich hier dann auch einige etwas jüngere User beteiligen könnten - gebt dem alten Sack mal etwas feed back

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    SelfRighteous (05.03.2011)

  3. #2
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    Hallo,

    ich denke da spielen sehr viele Faktoren eine Rolle, alle die mir da im Kopf herum spuken möchte ich bewußt jetzt nicht einfach aufzählen, das macht es so unübersichtlich.

    Eines geht mir im Kopf herum, seitdem ich Deinen Beitrag gelesen habe und dann erstmal darüber nachgedacht habe.

    Ich glaube, dass ein Teil dieses Rückzuges (wenn man ihn so nennen möchte, da einige diesen Käfig nie verlassen haben und somit keine Bewegung "zurück" machen brauchen) aus Selbstschutz besteht.

    Selbstschutz, aus Angst dem nicht gewachsen zu sein, wenn man sich tiefer darauf einlässt. Auch vielleicht weil man nie gelernt hat, dass nach einem harten Weg, den man eigenverantwortlich beschreitet, das Ergebnis etwas Gutes, Starkes und Kraftgebendes sein kann, vermutlich sogar sein wird.

    Ein Teil dieser Ängste schreibe ich klar dem Sozialen "Miteinander" zu, mit dem man heute aufwächst. Wo genau gibt es noch ein ehrliches MIT?

    Wo setzen die ersten Konkurenzen an, sei es geprägt durch den Vergleich der Kleinstkinder untereinander durch die Eltern, bis ins berufliche Leben.
    Es zieht sich durch Familien und so ziemlich jede soziale Struktur. Zumindest ich habe das Gefühl, das es das in dem Ausmaß so früher nicht gab.

    Was bedeutet heute ein Kind was einfach lacht? Wird nicht auch da schon gemessen, ob es zu laut, zu leise oder aus einem trifftigen Grund lacht?
    Vielleicht sehe ich es zu zynisch aber oft kommt es mir so vor, als sehe man das Offensichtliche nicht mehr, weil es zu einfach ist.

    Und das Übergehen der einfachsten und fundamentalsten Gefühle und Bedürfnisse spielt bei der von Dir beschriebenen Problematik für mich eine große Rolle.
    Ich glaube, da liegt ein bescheidener Ansatzpunkt, ohne den ein wichtiger Teil der Basis fehlt.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei So Ham für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (05.03.2011)

  5. #3
    Gast784
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    Moien Leuts,

    ich lass jetzt auch mal meine Gedanken dazu schweifen. Bei der Kommunikation, so wie sie heute oft statt findet und vor allem hier immer wieder zu beobachten ist, muss ich oft an ein Zitat von Rielke denken aus "Briefe an einen jungen Dichter". Drum stell ichs mal hier rein:

    "Ich möchte Sie bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben. Forschen Sie jetzt nicht nach Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein."

    Diese Qualität fehlt mir zunehmend in der heutigen Kommunikation. Und ich denke, das steigert sich durch die Möglichkeiten, auf alles immer schnell und einfach eine scheinbare Antwort zu bekommen.

    Haben wir eine Frage, fragen wir Tante Wiki und Onkel Google, oder wir gehen zum Spezialisten, der seinem Spezialgebiet entsprechend eine Antwort hat (10 Spezialisten - 11 verschiedene Antworten )

    Beispiel: die ganzen Selbstfindungsthematiken in Pubertät und Adoleszenz, wir haben hier ja schon seit geraumer Zeit eine Schwemme davon. Kennen wir das nicht alle irgendwie? Das Gefühl, nen Tick zu haben, nicht ganz richtig zu sein, Unsicherheit darüber, wie ich denke und fühle, entsprechend stockende und verkrampfte Kommunikation etc. Das alles sind Prozesse, die zur Identitätsfindung gehören. Genauso wie dieser Zeit nunmal schon von ihrer Entwicklungsaufgabe her in den Grundzügen was Manisch-Depressives anhaftet, mehr, als wir es entwicklungsbedingt in späteren Lebensphasen haben werden.

    Wir Älteren hatten doch im Grunde die selben Fragen. Aber wir bekamen keine Antworten und mussten uns daher auf den Prozess einlassen und uns sozusagen "in die Antworten allmählich hinein leben". Auch Reifung genannt. Klar ging da auch vieles schief und wir müssen unser Leben lang "nachkorrigieren".

    Aber wie läuft es denn heute? Heute gibt es auf alles eine Antwort. Die ganzen Unsicherheiten und Fragen werden einfach in die Suchmaschine geworfen oder zum Arzt getragen. Die Suchmaschine ist so vielsagend wie die Bibel: jeder kann sich die Antwort raussuchen, die ihm am besten gefällt und mit der er sich jetzt identifizieren möchte. Und beim Arzt wird es wohl so laufen, dass ich eine Diagnose bekomme, die vor allem eines macht: sie pathologisiert.

    Nun haben wir das Thema Diagnosen an anderer Stelle, aber Diagnosen können sowohl als Startpunkt wie als Deckel gesehen werden. Aber da sie ausschließlich im medizinischen Fach statt finden, sind auch sie eine einseitige Antwort auf vielschichtige Fragen. Und wie oft lese ich hier, dass Prozesse auf die Weise gedeckelt werden und die Jugendlichen sich durch den Pathologisierungswahn mit der Rolle als Kranke identifizieren und womöglich ein Leben lang beibehalten. Auch Krankheit ist ein Prozess, aber es ist schon Glück heute auf einen Arzt zu treffen, der einem das noch vermittelt.

    Kurz, das Zulassen und Aushalten von Fragen, das prozesshafte Erleben, also Dinge, die ich als Merkmale von Lebendigkeit empfinde, das alles ist zunehmend am Schwinden.

    Noch ein anderer Gedanke, den ich auch in anderen Zusammenhängen immer wieder mal habe: Alles, was wir uns von der Technik abnehmen lassen, verkümmert als Fähigkeit zunehmend in uns.

    Damit will ich absolut nicht die Technik verteufeln. Was bin ich froh, dass das Rad erfunden wurde . Jedoch bestimmt gerade das Tempo dieser Entwicklung, ob die Erleichterung, die uns die Technik bringt, uns ermöglicht, das freigewordene Potenzial anders zu nutzen, oder ob statt dessen einfach ein "Vakuum" zurück bleibt. Und da tut sich die Schere immer stärker auf. Stichwort Medienkompetenz!

    Und zu dem Bild Glaskäfig: ich finde das sehr bezeichnend. Eine Glasscheibe zwischen uns und unserer Umwelt bedeutet nämlich, dass wir die Illusion haben, am 3dimensionalen Raum teilzunehmen, jedoch auf die 2Dimensionalität reduziert sind. Bei einem Käfig war das noch anders. Da war uns die Trennung vom Raum bewusst, weil er greifbar nah war, ber die Gitterstäbe uns unsere Trennung davon schmerzhaft spüren ließen. Heute merken sehr viele Menschen gar nicht, mehr, dass sie getrennt sind und das Leben nur von der (Glas-)Oberfläche her er-leben.

    So, das waren jetzt auch nur ein paar Gedanken zu diesem umfassenden Thema. Jedenfalls ein schönes Thema, um mal immer wieder drumrum kreiseln und sich seinen Fragen zu stellen
    Geändert von Gast784 (05.03.2011 um 08:19 Uhr)

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (05.03.2011)

  7. #4
    Schreibkraft Avatar von Krümel
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    Morgen allesamt,

    ich misch mich hier mal von Seiten der "jungen" Generation ein, allerdings hab ich relativ wenig geschlafen und TassKaff ist auch noch nicht intus, könnte also passieren, dass das hier ziemlich wirr wird

    Mami schrieb schon eine Sache, die ich auch wichtig finde, allerdings von einem anderen Standpunkt: die mit der Geschwindigkeit, wie alles immer schnell, schnell gehen muss. Allerdings sehe ich das ganze vom Bildungssystem aus, weil ich da nach 20 Jahren behütetster Kindheit an der Uni dann auch ein böses Erwachen hatte.

    Da ist man keine anderthalb Jahre alt und soll schon in die KiTa oder KiGa oder ähnliches. Dann mit 3 Jahren die erste Fremdsprache. Mit 5 Früheinschulung. In der 5. Klasse dann aufs Gym. Mit 17 Turboabi und dann sofort auf die Uni, um dann mit 23 spätestens den Bachelor zu haben. Master mit 25 und Doktor (mit oder ohne Plagiat) allerspätestens mit 30. Wir sollen also unser ganzes Leben praktisch damit verbringen, möglichst viel Wissen in unser Hirn zu hämmern und zwar möglichst schnell, damit wir auch möglichst schnell wieder von der Wirtschaft verbraten werden können. Nur: wann soll man da noch Sozialkompetenz lernen? Gute Noten bekommt man nicht dadurch, dass man Zeit mit seinen Freunden verbringt und Gruppenarbeit ist doch eher die Ausnahme. (Ich frag mich ja, ob die Kinder im Kindergarten noch im Sandkasten spielen dürfen, wie wir damals, oder ob die nicht irgendein maßgeschneidertes pädagogisch wertvolles Maßnahmenpaket durchmachen müssen, mit dem denen schon von alter 3 oder 4 rechnen, lesen und schreiben beigebracht wird)

    Andererseits muss ich aber auch eine Lanze brechen für meine Generation, denn es gibt bei uns nicht nur die sozialen Problemfälle. Ich kenne viele Leute (sowohl in meinem Alter, als auch etwas jünger), die solche Dinge wie Rücksicht nehmen, zuhören, mitreden etc. tatsächlich noch draufhaben. Sogar ziemlich gut. Ich denke, es kommt auch immer drauf an, wo man guckt

    So, ich hoffe, dass das nicht komplett am Thema vorbei war und ich mich einigermaßen klar ausdrücken konnte... (Ich glaub, ich geh jetzt erst mal Cornflakes jagen )

    Viele Grüße!

    P.S.: Da ist mir noch eine von Darks Fragen aufgefallen, die, warum Konflikte immer sofort negativ aufgefasst werden. Hat das nicht auch was mit "Generation Ego" zu tun? Wir werden doch dazu erzogen, dass wir individuelle Individuen sind. Und wenn dann keine Zeit ist, noch soziale Kompetenz und Kommunikation zu lernen (s.o. und die anderen Beiträge), dann bleibt halt übrig "Nur ich zähle. Ich bin wichtig. Ich bin etwas besonderes. Die Welt dreht sich um mich und ihr habt das zu akzeptieren".
    Und will ich die Sterne dann finde ich selbst dorthin
    Ich wachse und lerne und bleibe doch wie ich bin
    Ich wehr mich bevor ich mich verlier
    Denn ich gehör nur mir!

    Elisabeth, "Ich gehör nur mir"

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Krümel für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (05.03.2011)

  9. #5
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Uuuuiiiiii - damit hab ich jetzt aber nicht wirklich gerechnet
    Da kamen jetzt aber so viele Denkansätze zusammen - muss die jetzt erst mal alle sortieren.
    (Sonst schreibe ich hier noch längere Romane, als ich das eh schon mache - und verlaufe mich in der Menge der Bilder, die mir da durch den Kopf gegangen sind )

    Danke erst einmal für die Anregungen - würd mich freuen, wenn es hier noch etwas weiter gehen könnte!

    BTW:
    Krümele - schön, dass sich mit Dir jemand aus der entsprechenden "Altersgruppe" beteiligt - auch wenn Du da der angesprochenen "Zielgruppe" eben nicht entsprichst
    Lässt also noch Raum für Hoffnung ...

    So, werd mich erst mal um ne Wanne Kaff bemühen und dann anfangen, alles ins Unreine zu schreiben.

  10. #6
    Schreibkraft Avatar von SelfRighteous
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    Huhu ihrs,

    dieses Thema finde ich persönlich ziemlich spannend,
    besonders da ich selbst (abnehmend ) Probleme habe mit einer
    Person direkt zu kommunizieren.

    Hier möchte ich aber gerne noch den für mich größten Störfaktor
    der modernen Kommunikation mit einbringen: Die Sucht.

    Hierzu folgendes Beispiel:
    Ich bin zu Anfang meiner Schulzeit in einer Schule gegangen,
    wo sehr viel Wert auf das Zusammenspiel gelegt wurde.
    Jede Klasse hat zum Beispiel jede Woche zu einem selbst gewählten
    Thema einen Sketch vor den anderen Klassen vorgetragen,
    oder mit kleinen Minibands Lieder vorgetragen.
    Biologieunterricht fand fast ausschließlich draußen statt,
    viele Wanderungen, Zelten, alle Klassen wurden nahezu
    durchgehend mit einander konfrontiert.
    Bei Konflikten wurde nicht unbedingt eingegriffen, so lange
    es nicht in Beleidungen oder Schlägereien ausartete.
    Die Fähigkeit zu kommunizieren wurde dort also stark gefördert.

    Das sollte aber nicht unbedingt so bleiben.
    ISDN war bald in jedem Haus zu finden, mIRC war fast auf jedem PC zu finden, fast jeder hatte ein Handy.
    Und die Gespräche beschränkten sich auf "Wie stelle ich was ein,
    wie richte ich dies und das ein" und was gestern so im Chatchannel XY los war.
    Wer mitreden wollte, musste mitlaufen und verfiel dieser Sucht ebenfalls.
    Das heißt also, obwohl die Fähigkeit zu kommunizieren da war,
    wurde sie nicht genutzt sondern dank suchtprovozierender moderner Technik abgestumpft.
    Auf Wanderungen, Skifahrten und Klassenfahrten war jeder damit beschäftigt zu simsen.
    Bei Kindern prägt das besonders, drum sind die jüngeren Generationen davon besonders stark betroffen.

    Und das wird immer schlimmer.
    Computerspiele machen süchtig und sind mit Hilfe von Virtual LAN, zum Beispiel Hamachi,
    immer online spielbar, immer mehr Spiele sind sogar ausschließlich online spielbar.
    Man kann die abgestumpften Umgangsmöglichkeiten also selbst beim Spielen voll nutzen.
    In den integrierten Chats beschränkt sich die Kommunikation auf
    "Schieß, du trottel!", "Du gehst da lang." oder "Stell dich hinter mir und heil mich, wenn ich weniger als 300 HP hab."

    Die meisten Sätze, die im laufe der Zeit nur noch mit Abkürzungen stattfinden,
    sind für das Kommunizieren mit einem Gegenüberstehendem nicht verwendbar.
    Bei wiederholter Nutzung, fällt einem aber nichts anderes ein.
    Ein vernünftiges Gesprpäch wird immer weniger möglich.
    Im Spiel muss ich nicht auf die Empfindungen von Mitspielern achten,
    alle verfolgen das gleiche Ziel, es ist nicht nötig den anderen dafür
    genauer zu kennen.

    Den von Dark genannten Glaskasten muss man sich also eigentlich gar nicht selbst bauen,
    es reicht völlig aus wenn man den Boden dafür hinlegt.
    Der Rest kommt davon, dass man sich berieseln lässt.

    Die Denkstruktur wird verändert, Speichern und Laden ist real nicht möglich
    und führt zu Unsicherheit und Angst vor Fehlern.
    Jedenfalls habe ich das so erlebt.
    Beim schreiben in einem Chat kann man länger überlegen, was man sagen möchte.
    Auch das gibt mehr Sicherheitsgefühl, als es jemanden direkt sagen zu müssen.

    Ich denke das sind alles Aspekte die dieses Leben "erstrebenswert" machen.
    Es ist doch einfacher wenn jemand per Chat sagt, dass seine Mutter gestorben ist.
    Man kommt nicht in verlegenheit falsche Emotionen auszudrücken,
    die man ohnehin verlernt hat, und muss nicht kalt wirken obwohl man
    bei direktem Kontakt keine Wärme zeigen könnte, einfach weil man dazu
    nicht in der Lage ist. Peinliche Situationen sind einfacher zu umgehen.
    Wo man normalerweise kein Ton rausbekommt, kann man lockerflockig
    auf die Tastatur hämmern. Die Hemmung ist dabei viel niedriger.


    Soviel dazu von meiner Seite.
    Ich hoffe bei meinen festgefahrenen Ansichten war auch etwas brauchbares dabei
    Danke für diesen schönen Thread, es ist doch immer wieder ein Thema womit man plötzlich konfrontiert wird.
    Jetzt kann man auch mal in Ruhe darüber nachdenken.


    Gruß
    Self
    Lache nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht.
    Er könnte Anlauf nehmen...

  11. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei SelfRighteous für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (05.03.2011),So Ham (05.03.2011)

  12. #7
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Das mit dem Sortieren ist gar nicht so einfach ...

    Wenn ich mir Eure Beiträge durchlese, dann kommt da ein Aspekt anscheinend immer wieder in verschiedenen Gewändern durch: dass sich "traditionelle" Beziehungsgeflechte und damit auch Kommunikationsformen und -muster immer schneller wandeln - fast schon "aufzulösen" scheinen?

    Interessant ist hier ja (sorry: auch teilweise etwas amüsant ), dass sich sogar die jungen unter Euch da irgendwie fast schon "fremd" fühlen ...
    Für so nen "alten Sack" wie mich hat das auch fast schon etwas Tröstliches

    Wenn ich ehrlich bin und versuche, mich da an mein eigenes Aufwachsen zu erinnern, dann muss ich zugeben, dass sich auch damals schon vieles in Ansätzen angedeutet hat - dass aber auch im Laufe der Zeit die Entwicklung immer schneller geworden ist.

    Self, wenn Du schreibst, dass dieses Thema hier für Dich aktuell ist, weil es Dinge zumindest streift, mit denen Du Dich selbst gerade beschäftigst:
    Ich habs nicht nur deswegen hier eingestellt, weil mir in den letzten Monaten so einige Threads hier im Forum zu denken gaben. Da gibt es schon starke Bezüge zu meinen eigenen "Lebensthemen", mit denen ich mich, soweit auch immer ich mich zurückerinnern kann, herumgeschlagen habe ...

    Wie mich "verständlich" machen, wie mich ausdrücken, wie mich integrieren oder "wer um Himmelswillen hat jetzt wieder das Handbuch fürs soziale Verhalten vor mir versteckt" ... da habe ich selbst mehr offene Fragen als Antworten finden können.
    Gut, damals wurde der Begriff der "Sozialphobie" noch nicht so inflationär gebraucht wie heute (und "aufm Dorf" gabs den ohnehin nicht - da war man eben nur etwas "eigen" oder "schüchtern" ...) - aber selbst mit meinem heutigen Abstand zu allem und dem, was ich in den letzten vier Jahren über mich und meine Prozesse gelernt habe (nicht immer ganz freiwillig ): ich würde mir dieses Etikett nicht so aufkleben lassen, wie es viele hier sogar selbst und ungezwungen machen ...

    Die Technik, die es uns immer mehr ermöglicht, uns aus realen Kontakten herauszuziehen, ohnen deswegen gleich sprachlos oder von aller Kommunikation abgeschnitten zu sein, hat sicher zu dieser Entwicklung, wie sie sich hier immer häufiger manifestiert, beigetragen.
    Es kann ja aber doch nicht nur daran liegen, dass man sich inzwischen so mühelos und bequem jeder direkten Konfrontation mit Menschen entziehen kann

    Es jetzt aber einfach auf "die Gesellschaft" abzuschieben, fände ich auch etwas überzogen: was sonst ist sie denn anderes als die Summe aller Beteiligten - und da sind wir doch ebenfalls ein Teil davon.

    Gibts da überhaupt noch einen "Weg zurück", eine Möglichkeit der Korrektur?
    Wenn ich mir vorstelle, dass jede neue Generation auch nur das vorgelebt bekommen kann, was die Elterngeneration selbst erfahren und "gelernt" hat, dann bekomme ich ein ziemlich flaues Gefühl.
    Kommunikation und soziales Verhalten: ich habs selbst erleben dürfen, wie schwer es ist, aus dieser Falle wieder herauszukommen, in die ich selbst hinein-(a)sozialisiert wurde.
    Und dabei hatte ich noch das Glück, wenigstens außerhalb des eigentlich prägenden engeren Umfeldes (Elternhaus etc.) immer wieder mal miterleben zu können, wie es auch anders laufen kann.

    Momentan bin ich da aber absolut ratlos. Nicht nur, was das Antworten auf entsprechende User hier im Forum betrifft, sondern auch, wenn ich sehe, wie sich meine eigenen Kinder in diese Richtung zu entwickeln beginnen.
    Irgendwie habe ich den Eindruck, wenn ich hier versuche, etwas auf Hintergründe und Prozesse einzugehen, wenn ich mal weg von der nackten Oberfläche will, dass ich dann ... ebensogut Kisuaheli reden könnte.

    Hätte jetzt nicht gedacht, dass mir dieses Thema selbst so nachgehen würde ...

  13. #8
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    Hallo,

    ich sehe auch sehr viele neue Aspekte, die mir dank der verschiedenen Blickwinkel jetzt ersichtlich werden.

    Deshalb herzlichen Dank an jeden, der seine Sichtweise hier mit uns teilt. Ich empfinde es als sehr hilfreich.

    Dark, Du sprichst etwas an, was mich auch sehr beschäftig. Anfangs dachte ich in erster Linie über meine Situation nach und den Verhaltensweisen, wie sie mir entgegen gebracht werden und wie sie auf mich wirken.

    Inzwischen bin ich an dem selben Punkt meine Kinder betreffend, das besonders durch die Beiträge der jüngeren Jahrgänge. Viele Fragen werfen sich da auf, insbesondere wie und was man tun kann -Kann man überhaupt etwas tun?!- damit sie nicht in ähnliche Probleme geraten, wie wir sie hier massenhaft lesen?

    Reicht es aus innerhalb der Familie ein "gesundes" (wer auch immer das beurteilen will) soziales Miteinander zu leben. Ich denke nein.
    Meine Älteste sagte mir gestern, dass unser zu Hause für sie wie eine friedliche Insel ist, wo auch Diskussionen geführt werden, aber auf einer Basis, die "mit Draussen" nicht vergleichbar ist.

    Ich sehe ein ganz großes Problem, welchem wir alle uns stellen müssen, wenn sich etwas ändern soll.
    Wo man da anfangen kann, ich weiß es nicht, aber dieser thread ist ein Anfang und jeder der hier seine Sichtweise postet, kann helfen das ganze Paket nach und nach aufzudecken. Ich denke wir sind dem noch lange nicht auf den Grund gekommen. Ich bin sehr gespannt darauf wie es hier weiter geht.

    Und Danke für den Gedankenschubs Dark.

    LG
    Geändert von So Ham (08.03.2011 um 21:01 Uhr)

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