Hallo.
Ich habe mit einem größeren Problem in meinem Leben zu kämpfen. Es gelingt mir nicht richtig, soziale Beziehungen beispielsweise durch Kommunikation aufzubauen. Es ist kein Kommunikationsdefizit im herkömmlichen Sinn, denn ich kann mich grundsätzlich präzise und eloquent artikulieren. Das hilft mir jedoch nicht weiter, wenn es darum geht, engere Beziehungen auf freundschaftlicher oder gar partnerschaftlicher Basis zu etablieren.
Ich beobachte immer wieder, wie andere Menschen es schaffen, offenbar durch völlig banales Geschwätz Sympathie zu erzeugen. Diese Fertigkeit fehlt mir schon irgendwo. Ich bin Meister im Diskutieren, Argumentieren und im verbalen Schlagabtausch auf fachlicher Ebene und mache das im Prinzip auch sehr gerne. „Alltägliche“ Gesprächsthemen geben mir leider überhaupt nichts. Im Gegenteil: Eine Smalltalk-Situation ist für mich zwar lösbar, aber auf Dauer belastend, da ich hierfür absurderweise sehr viel Konzentration und Aufmerksamkeit mobilisieren muss, obwohl mich die Themen eher langweilen. Positive Resonanz erlebe ich dabei kaum. Bei einem Flirt bin ich gelegentlich regelrecht überfordert und gestresst, immer im Zugzwang, mir einen passenden Konter einfallen zu lassen, was mir meist nicht gelingt. Zwar kann ich diese situationsbedingten Unsicherheit gelegentlich ganz gut kaschieren (Deeskalationsstrategien, Themenwechsel, Vermeidung) zur engeren Beziehungsgrundlage reicht dann aber natürlich nicht. Selbe Interessen als Gesprächs- bzw. Beziehungsgrundlage fallen leider ebenfalls aus. Meine Interessen sind zwar recht vielseitig, die Menschen in meinem Umfeld und insbesondere in meiner Altersklasse (+-24) interessieren sich in der Regel jedoch für profanere Dinge als ich, welchen ich wiederum wenig abgewinnen kann.
Meine Wochenenden verbringe ich deshalb oft in Isolation. Ich kann zwar nicht behaupten dass mich das zufrieden macht, aber eine gesellige Alternative gibt mir nun mal auch nicht sonderlich viel, da mich mit den meisten Menschen schon rein interessemäßig nicht viel verbindet. Wenn ich doch mal versuche, gemeinschaftlichen Aktivitäten nachzugehen, geht das oft mit einer negativen Grundhaltung einher, die anderen Menschen natürlich nicht verborgen bleibt. Ich habe praktisch durch negative Konditionierung emotional erlernt, dass mir das nicht guttut, auch wenn mir rein rational bewusst ist, das das nicht wahr sein kann.
Dank meiner introvertierten Art macht es mir aber im Grunde gar nicht so viel aus, wenn ich meine Ruhe habe und eigenen Gedanken nachhängen kann – das gibt mir regelrecht Energie. Das eigentliche Problem ist, das es da eben noch diese leider nicht abzustellende tiefe Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit gibt, mit der ich nicht recht umzugehen weiß. Ich möchte weiß Gott keinen großen Freundes- und Bekanntenkreis, schon alleine aus Zeitgründen, aber einige wenige enge Vertraute und Gleichgesinnte und vor allem eine Freundin wären doch sehr wünschenswert. Nur wie?
Hier bin ich ein Opfer meiner größten Stärke und Schwäche zugleich, einem analytischen und rationalem Denkvermögen, dass mich zwar Problem auf eine objektive Art erkennen und detailliert beschreiben lässt, aber keine Lösungswege findet, sondern mich in geradezu depressive und problemfixierte Denkroutinen fallen lässt, denen einem Flächenbrand gleich, nach und nach alle anderen Interessen zum Opfer fallen.
Auch meine Motivation etwas aktiv an der Situation zu ändern ist äußerst gering und erfordert sehr viel Überwindungsenergie, die ich meist nicht aufbringen kann. Erstens ist da die Barriere bei der Kommunikation zwecks Beziehungsaufbau, Außerdem die schon beschriebene emotionale Negativkonditionierung, wenn ich etwas in diese Richtung unternehme.
Auch wenn es vermutlich für die Meisten schwer sein dürfte, sich in meine Situation hineinzuversetzen - Wie würdet ihr auf Grundlage der hier beschriebenen Basis vorgehen?


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren




Lesezeichen