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Thema: Kontrollzwang

  1. #1
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    Standard Kontrollzwang

    Ich beschäftige mich gerade wieder mal allgemein mit Wahrnehmung, Spiraldenken, Kontrolle, fehlender Kontrolle und Kontrollzwang.

    Mit Spiraldenken meine ich ein Denken, das sich im Kreis dreht und sich zu fixiert an einer Idee festhält und dadurch keine neuen Gedanken mehr zulassen kann, eine Art gedanklicher "Geistergürtel".

    Wenn ich merke, dass sich meine Gedanken babylonisch türmen, steuere ich bewusst dagegen, weil es mir absolut nichts bringt. Dann versuche ich, mich zu entspannen und die Situation wahr-zunehmen und nicht zu zerdenken. Das ist auch sehr hilfreich im Gespräch mit anderen, weil dieses ewige Wiederkäuen und aufgekratze Im-Kreis-Drehen einen total negativen Sog mit sich bringt, wohingegen ein ruhiges Innewerden viel eher zu Ergebnissen führt. Diese sollten auch möglichst praktisch und real umsetzbar sein, sonst besteht die Gefahr, wieder in dieses Theoretisieren zu gleiten.

    Heute z.B. war ich wieder einer sehr unangenehmen Situation ausgesetzt - meine Schwester in einem depressiven "Geistergürtel", etwas, was ich nun schon seit meiner Kindheit mit ihr erlebe - suizidgefährdet ist sie nicht mehr, aber auch nur, weil sie nicht ohne mich irgendwo allein im Jenseits auf mich warten will ;-) Seit ich nicht mehr in ihren Geistergürtel der Angst und Schwarzseherei einsteige, sondern sie damit ins Leere laufen lasse und ihr ganz andere (möglichst praktische) Lösungsansätze anbiete, wird sie schneller vernünftig. Ich gebe ihrem uferlosen Spiraldenken keine Nahrung, sondern hole sie gleich ins praktische Leben zurück.

    So mache ich es auch mit mir selbst, wenn ich zu sehr abstrahiere. Ich frage mich dabei immer wieder, inwiefern es lebenstauglich ist, wieviel Bezug es zum realen Leben hat. Dabei werden mir auch meine Schwächen bewusst, wie sehr ich mich noch in vielen Dingen selbst ausbremse. Da muss ich noch an mir arbeiten, weil die Erkenntnis nur der erste Schritt da raus ist.

    Mein Neffe ist noch sehr kindlich und verträumt. Er ist aufgeweckt, verständig und intelligent, mit einem erstaunlich guten Kurzzeitgedächtnis. Doch ist er sehr unzuverlässig, was die Hausaufgaben betrifft. Er hat noch nicht das automatische Bedürfnis, die Schulaufgaben in der Agenda zu notieren, obwohl er ständig dazu angehalten wird. So vergisst er immer wieder wichtige Aufgaben, weswegen er von der Schule sogar einen Verweis bekam. Es ist jetzt etwas besser, aber auch nur, weil ich alles kontrolliere und immer wieder nachfrage. Früher war es noch viel schlimmer, da vergass er auch regelmässig seine Sporttasche und liess seine Jacke irgendwo liegen, was oft nicht mehr auffindbar war. Meine Ma musste ihn ständig daran erinnern und irgendwann wurde es besser. Aber es dauerte Jahre und nun frage ich mich natürlich, wie lange er braucht, bis er wirklich konsequent alle seine Schulaufgaben in die Agenda einträgt und sie nicht mehr "fallen lässt".

    Als Kind war ich auch verträumt, doch erschreckte mich meine Unaufmerksamkeit (z.B. im Strassenverkehr), sodass ich immer mehr das Bedürfnis nach Kontrolle bekam. Fortan schrieb ich alles auf und kontrollierte auch meine Familie (z.B. ob der Herd auch wirklich aus ist). Das ist ja alles an sich okay, ich konnte so auch schon viele Gefahren abwenden, aber oft übertreibe ich es mit meiner Kontrolle, dann bremst es mich und ich gleite in einen beklemmenden Kontroll-Geistergürtel mit der Frage" Hab ich auch wirklich gut kontrolliert?" Vor allem, wenn ich müde bin, oder irgendetwas vorgefallen ist, was aufgrund von zu wenig Kontrolle schief gelaufen ist, zieht es mich in diesen Kontroll-Sog. Da hilft auch am ehesten ein ruhiges Ge-wahr-werden der Situation. Aber ich habe es noch nicht überwunden, gerade jetzt, wo mein Neffe in die gegenteilige Richtung tendiert. Ich muss ihn kontrollieren, die Lehrer verlangen es. Was ich zu wenig habe, hat er zu viel. Er ist so arglos und hat so wenig Angst. Er vertraut mir so sehr in allem.

    Ich muss immer wieder daran denken, wie oft ich mich im Strassenverkehr auf meine Begleiter verlassen habe, ging meinem Gesprächsbegleiter einfach nach im blinden Vertrauen. Bis mir auf einmal bewusst wurde, dass der andere womöglich mir vertraut und ich schauen muss. Mein Neffe hat noch nicht gelernt, schulisch aufzuwachen. Ich sorge dafür, dass er auf seine Prüfungen lernt. Ich bin sein Führungsoffizier :-)

    Wenn ich bedenke, wieviel Angst hinter meiner Kontrolle steckt, als Kind Angst vor den Prüfungen, Angst vor Gefahren, Angst vor meinem jähzornigen Pa etc. Das alles ist meinem Neffen vollkommen fremd, er ist ein argloser Engel und trägt immer noch seine Flügel. Und irgendwie finde ich es schön, wie glücklich er in seinem Kindsein ist. Seine Augen lächeln.

    Tja, ich bin ja auch nicht gerade ein Vorbild mit meiner übermässigen Kontrolle. Nur meine intuitive Wahrnehmung ist eine beruhigende Instanz in mir. Diese gibt mir Signal, wenn etwas WIRKLICH nicht in Ordnung ist. So konnte ich meinem Neffen auch schon oft das Leben retten. Diese intuitive Instanz lässt mich locker werden - bis zu einem gewissen Grad. Aber ich muss noch viel gelassener werden, um diesen Kontroll-Geistergürtel ganz zu verlassen. Wenn ich so darüber nachdenke - für mich ist es genauso schwierig, mich zu ändern, wie für meinen Neffen :-)
    Geändert von Estelle (03.10.2006 um 03:41 Uhr)
    Liebe Grüsse
    Estelle

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von Sephiroth
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    deine einstellung ist im wirklichem leben sicher nicht falsch und ich denke das man so auch gut etwas erreichen kann

    in der umgebung in der du lebst kann man diese einstellung wohl auch gut benutzen um zb jemand zu helfen in schule besser aufzupassen wie du es ja machst...

    doch es gibt grenzen wo du mit logischen schlussfolgerungen nicht weiter kommst, dort musst du thesen aufstellen um es für dich erklähren zu können.

    wenn man jetzt zb die afro arbeiter in italien nimmt sie werden maßloos ausgenutzt doch dies kannst du nicht kontrolieren und dir auchnicht logisch erklähren warum es menschen gibt die sowas mit andreren machen, sagst du dann einfach schlimm das es solche leute gibt und guckst trotzdem einfach wegg weil es dich nicht interessiert warum die menschen so sind, weil man es nicht kontrolieren kann

    es ist also vieleicht auch eine naive oder selbstgefällige art zu leben
    natürlich kann man so denken und leben doch ist es nicht das was uns auch kaputt macht? das warum es kriege gibt als beispiel an deins mit dem verkehr: musst du nicht auch in betracht ziehen das dein partner neben dir dich vlcht auf die straße schupst?
    Oh quam sancta, quam amoena

  3. #3
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    Ich denke, bei Estelle spielen Sicherheitsaspekte eine große Rolle. Man will ja möglichst gut Leben bei möglichst geringem Risiko.

    Planung und Kontrolle können Risiken minimieren - aber eben nur minimieren, niemals ausschließen. Wenn ich also versuche, durch das Durchspielen aller Möglichkeiten alle denkbaren Fehlschläge auszuschließen, mache ich einen riesen Aufwand, nur um nachher dabei zu scheitern, alle Risiken auszuschließen.

    Wenn ich dann mal trotz gründlicher Planung gescheitert bin, fange ich vielleicht an, ständig zu kontrollieren, ob alles noch so ist, wie es sein sollte.

    Ich hab mal vergessen, wichtige Büroräume abzuschließen. Erstens hat das zu riesen Ärger geführt, und zweitens dazu, dass ich manchmal nochmal umgedreht und zum Büro zurückgefahren bin, wenn ich mir mal wieder nicht 100 % sicher war, ob es wirklich abgeschlossen ist.

    Dieser Drang, nochmal nachzusehen und nochmal nachzusehen, war für mich eine ganz neue Erfahrung. Ich hab die Kurve aber gekriegt und vertraue meiner Zuverlässigkeit jetzt wieder - Fehler können halt immer mal passieren, und es ist oft Glück, wenn das grad da ist, wo es nicht so drauf ankommt.

    Wenn man die Kurve nicht kriegt, ist man danach ständig mit irgendwelchem Quatsch beschäftigt, der normale Menschen nicht belastet.

    Ich hab mich irgendwann selbstständig gemacht (beruflich). Wenn man dann nicht dieses Sicherheitsdenken über Bord wirft und anfängt zu lernen, mit sehr spontanen taktischen Entscheidungen auf ein vorher ins Auge gefasstes realistisches Ziel hinzuarbeiten, geht man unter.

    Man muss also zwischen den Paaren Kontrolle und Planung und Gedankenlosigkeit und übermäßger Selbstsicherheit die goldene Mitte finden.

  4. #4
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    Zitat Zitat von Immerdoch
    Man muss also zwischen den Paaren Kontrolle und Planung und Gedankenlosigkeit und übermäßger Selbstsicherheit die goldene Mitte finden.
    Hallo zusammen

    Ja, ich denke auch, die goldene Mitte ist der richtige Weg.

    Ich hab nun meinen Kontrollzwang im Alltag abgebaut, um mir eine selbstsichere spontane Tatkräftigkeit anzueignen, die sich eben nicht durch den Kontrollzwang aufreiben lässt. Das wäre sonst nicht effizient und effektiv, wie meine Selbstmanagement-Bücher mir ebenfalls bestätigen.

    Wenn ich heute so zurückblicke auf den Tag, bin ich zufrieden, so für mich betrachtet, aber es ist nicht genug, objektiv gesehen. Ich bin eindeutig zu wenig leistungsfähig, mein Muskelrheuma (an sich harmlos, aber schmerzhaft) kann ich nicht wegrationalisieren, auch wenn ich mir Mühe gebe, indem ich mich und mein Leben möglichst effektiv manage, um die fehlende Energie auf diese Weise zu kompensieren.

    Trotzdem hoffe ich immer noch, wenn ich erstmal die losen Enden in meinem Leben entwirrt habe, die fehlende Energie freizusetzen:

    Allen/Wie ich die Dinge geregelt kriege S.28/29/30:

    Lose Enden

    Der Stress, den die meisten Menschen erleben, stammt zum grössten Teil aus dem unangemessenen Umgang mit Verpflichtungen, die sie sich auferlegen oder übernehmen. Selbst jene, die nicht bewusst überlastet sind, werden unweigerlich grössere Entspannung, verbesserte Konzentration und mehr produktive Energie erleben, wenn sie lernen, die "losen Enden" ihres Lebens besser zu handhaben. Möglicherweise haben Sie mit sich selbst mehr Vereinbarungen abgeschlossen, als Ihnen klar ist, und jede einzelne - ob gross oder klein - wird von einem gerade unterhalb der Bewusstseinsschwelle liegenden Teil von Ihnen weiterverfolgt. Das sind die unerledigten Dinge oder "losen Enden", die nach meiner Definition alles das ausmachen, was an Ihrer Aufmerksamkeit zerrt, weil es nicht ist, wo es hingehört und wie es sein soll. Für alles in Ihrem Leben und Ihrer Arbeit, das ein offenes Ende beliebiger Art darstellt, haben Sie ein gewisses Mass an Verantwortung akzeptiert. Damit Sie sich mit all dem effektiv auseinandersetzen können, müssen Sie zuerst all jene Angelegenheiten ausfindig machen und sammeln, die bei Ihnen in der einen oder anderen Weise die Alarmglocken schrillen lassen. Dann müssen Sie planen, wie Sie damit umgehen. Sie müssen genau klären, worin Ihre Verpflichtung besteht, und dann entscheiden, was - wenn überhaupt - zu tun ist, um bei deren Erfüllung voranzukommen. Nun planen Sie die erste physische Aktion, die erforderlich ist, um die Angelegenheit voranzubringen.
    Geändert von Estelle (29.01.2007 um 02:29 Uhr)
    Liebe Grüsse
    Estelle

  5. #5
    Gast622
    Gast

    Standard

    hmm... vieleicht passt es gerade nicht so ganz aber, ich stell fest dass dein sohn diese ganzen ,,gefahren ´´ nicht kennt, so wie du es beschreibst. doch woher soll er sie auch kennenlernen und von sich aus auf sich aufpassen wenn er sich immer denkt ,,ach mama macht das schon´´ !
    vieleicht solltest du ihn ein bischen hmm..sozusagen vorbereiten indem du ihn manche dinge alleine machen lässt und einfach mal noichts dazu sagst , einfach zuschaust (ich meine damit harmlose dinge, z.b öhm.. naja.. irgendwelche aufgaben alleine erledigen lassen und nur danebenstehen)
    danach kannst du ihm ja tipps geben .klar, kontrolle ist wichtig doch er hat doch gar keine chance selbstständig zu werden wenn er niemals die sorge hat etwas zu verlieren. okay...übertreiben solltest du auch nicht ! ^^..



    (eine frage wie alt ist dein sohn? ..das spielt eine wichtige rolle auf diesen text bezogen ^^ denn das alter macht die ausmaße schon aus.. ^^ inwiefern man da ist und inwiefern man die kinder ihre eigenen erfahrungen ausleben lässt)

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