Ich beschäftige mich gerade wieder mal allgemein mit Wahrnehmung, Spiraldenken, Kontrolle, fehlender Kontrolle und Kontrollzwang.
Mit Spiraldenken meine ich ein Denken, das sich im Kreis dreht und sich zu fixiert an einer Idee festhält und dadurch keine neuen Gedanken mehr zulassen kann, eine Art gedanklicher "Geistergürtel".
Wenn ich merke, dass sich meine Gedanken babylonisch türmen, steuere ich bewusst dagegen, weil es mir absolut nichts bringt. Dann versuche ich, mich zu entspannen und die Situation wahr-zunehmen und nicht zu zerdenken. Das ist auch sehr hilfreich im Gespräch mit anderen, weil dieses ewige Wiederkäuen und aufgekratze Im-Kreis-Drehen einen total negativen Sog mit sich bringt, wohingegen ein ruhiges Innewerden viel eher zu Ergebnissen führt. Diese sollten auch möglichst praktisch und real umsetzbar sein, sonst besteht die Gefahr, wieder in dieses Theoretisieren zu gleiten.
Heute z.B. war ich wieder einer sehr unangenehmen Situation ausgesetzt - meine Schwester in einem depressiven "Geistergürtel", etwas, was ich nun schon seit meiner Kindheit mit ihr erlebe - suizidgefährdet ist sie nicht mehr, aber auch nur, weil sie nicht ohne mich irgendwo allein im Jenseits auf mich warten will ;-) Seit ich nicht mehr in ihren Geistergürtel der Angst und Schwarzseherei einsteige, sondern sie damit ins Leere laufen lasse und ihr ganz andere (möglichst praktische) Lösungsansätze anbiete, wird sie schneller vernünftig. Ich gebe ihrem uferlosen Spiraldenken keine Nahrung, sondern hole sie gleich ins praktische Leben zurück.
So mache ich es auch mit mir selbst, wenn ich zu sehr abstrahiere. Ich frage mich dabei immer wieder, inwiefern es lebenstauglich ist, wieviel Bezug es zum realen Leben hat. Dabei werden mir auch meine Schwächen bewusst, wie sehr ich mich noch in vielen Dingen selbst ausbremse. Da muss ich noch an mir arbeiten, weil die Erkenntnis nur der erste Schritt da raus ist.
Mein Neffe ist noch sehr kindlich und verträumt. Er ist aufgeweckt, verständig und intelligent, mit einem erstaunlich guten Kurzzeitgedächtnis. Doch ist er sehr unzuverlässig, was die Hausaufgaben betrifft. Er hat noch nicht das automatische Bedürfnis, die Schulaufgaben in der Agenda zu notieren, obwohl er ständig dazu angehalten wird. So vergisst er immer wieder wichtige Aufgaben, weswegen er von der Schule sogar einen Verweis bekam. Es ist jetzt etwas besser, aber auch nur, weil ich alles kontrolliere und immer wieder nachfrage. Früher war es noch viel schlimmer, da vergass er auch regelmässig seine Sporttasche und liess seine Jacke irgendwo liegen, was oft nicht mehr auffindbar war. Meine Ma musste ihn ständig daran erinnern und irgendwann wurde es besser. Aber es dauerte Jahre und nun frage ich mich natürlich, wie lange er braucht, bis er wirklich konsequent alle seine Schulaufgaben in die Agenda einträgt und sie nicht mehr "fallen lässt".
Als Kind war ich auch verträumt, doch erschreckte mich meine Unaufmerksamkeit (z.B. im Strassenverkehr), sodass ich immer mehr das Bedürfnis nach Kontrolle bekam. Fortan schrieb ich alles auf und kontrollierte auch meine Familie (z.B. ob der Herd auch wirklich aus ist). Das ist ja alles an sich okay, ich konnte so auch schon viele Gefahren abwenden, aber oft übertreibe ich es mit meiner Kontrolle, dann bremst es mich und ich gleite in einen beklemmenden Kontroll-Geistergürtel mit der Frage" Hab ich auch wirklich gut kontrolliert?" Vor allem, wenn ich müde bin, oder irgendetwas vorgefallen ist, was aufgrund von zu wenig Kontrolle schief gelaufen ist, zieht es mich in diesen Kontroll-Sog. Da hilft auch am ehesten ein ruhiges Ge-wahr-werden der Situation. Aber ich habe es noch nicht überwunden, gerade jetzt, wo mein Neffe in die gegenteilige Richtung tendiert. Ich muss ihn kontrollieren, die Lehrer verlangen es. Was ich zu wenig habe, hat er zu viel. Er ist so arglos und hat so wenig Angst. Er vertraut mir so sehr in allem.
Ich muss immer wieder daran denken, wie oft ich mich im Strassenverkehr auf meine Begleiter verlassen habe, ging meinem Gesprächsbegleiter einfach nach im blinden Vertrauen. Bis mir auf einmal bewusst wurde, dass der andere womöglich mir vertraut und ich schauen muss. Mein Neffe hat noch nicht gelernt, schulisch aufzuwachen. Ich sorge dafür, dass er auf seine Prüfungen lernt. Ich bin sein Führungsoffizier :-)
Wenn ich bedenke, wieviel Angst hinter meiner Kontrolle steckt, als Kind Angst vor den Prüfungen, Angst vor Gefahren, Angst vor meinem jähzornigen Pa etc. Das alles ist meinem Neffen vollkommen fremd, er ist ein argloser Engel und trägt immer noch seine Flügel. Und irgendwie finde ich es schön, wie glücklich er in seinem Kindsein ist. Seine Augen lächeln.
Tja, ich bin ja auch nicht gerade ein Vorbild mit meiner übermässigen Kontrolle. Nur meine intuitive Wahrnehmung ist eine beruhigende Instanz in mir. Diese gibt mir Signal, wenn etwas WIRKLICH nicht in Ordnung ist. So konnte ich meinem Neffen auch schon oft das Leben retten. Diese intuitive Instanz lässt mich locker werden - bis zu einem gewissen Grad. Aber ich muss noch viel gelassener werden, um diesen Kontroll-Geistergürtel ganz zu verlassen. Wenn ich so darüber nachdenke - für mich ist es genauso schwierig, mich zu ändern, wie für meinen Neffen :-)


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..das spielt eine wichtige rolle auf diesen text bezogen ^^ denn das alter macht die ausmaße schon aus.. ^^ inwiefern man da ist und inwiefern man die kinder ihre eigenen erfahrungen ausleben lässt)

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