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Thema: Krankhafte(?) Angst vor Menschen und stark geschädigtes Selbstbewusstsein

  1. #1
    Neuling
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    Standard Krankhafte(?) Angst vor Menschen und stark geschädigtes Selbstbewusstsein

    Hallo, wie man am Titel erkennen kann, ist mein größtes Problem mein Selbstbewusstsein und die Angst vor fremden Leuten oder Situationen. Ich hab schon mehrere Male probiert, mich davon zu befreien; eine Therapie hab ich letztes Jahr begonnen, die mittlerweile aber schon beendet wurde, da ich durch mein Studium und den damit einhergehenden Umzug gezwungen worden bin. Die Schulzeit war, möchte ich meinen, die schlimmste Zeit meines Lebens. Ab der 7. Klasse bin ich auf ein Gymnasium gegangen und kannte dort wirklich keine Menschenseele, war also erstmal völlig auf mich allein gestellt. Nach und nach hab ich dann irgendwie Kontakt zu den Anderen aufgenommen und fühlte mich nach ein paar Jahren auch "integriert" in die Gruppe.

    Leider habe ich zu spät gemerkt, dass ich mich für diese Leute komplett verstellt hatte - ich habe Hip-Hop gehört, mich anders angezogen, meine Interessen verschoben sich... Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass ich das nicht bin. Und so begann ab der 12. Klasse (Aufteilung der Klassen in Kurse) ein neuer Abschnitt - und somit auch der schlimmste. Ich würde wohl nicht übertreiben, wenn ich sage, dass ich mit gerade einmal einer handvoll Personen in diesen zwei Jahren wirklichen Kontakt hatte, mit 90% der Leute an meiner Schule hab ich noch nie ein einziges Wort gewechselt. Meine richtigen Freunde hatte ich noch alle aus dem Kindergarten, die mit mir im gleichen Dorf wohnen, und mit denen hab ich auch die restlichen Jahre verbracht. Die Zeit, die mir sonst noch blieb, verbrachte ich meist zu Hause, vor dem PC oder der Videokonsole. Ich war auch nie der wirkliche Partygänger, der erste Discobesuch war meines Wissens nach mit 18 Jahren. Heutzutage gehen anscheinend schon die 13-14jährigen regelmäßig abends weg, aber das war nie wirklich meins. Wenn in die Stadt, dann meistens Kneipe, und wenn Kneipe, dann nur mit Leuten, die ich kannte. Und so wurde ich immer mehr und mehr isoliert, hatte kaum andere Leute um mich rum und fing an, mich auf die Wenigen zu versteifen.

    Von Frauen in meinem Leben - keine Spur. Und so hat es sich bis jetzt auch nicht ergeben, dass ich eine Freundin hatte. Als die Meisten meiner Klassen"kameraden" schon ihre 3. Freundin gehabt haben oder sich jede Woche eine Neue geholt hatten, hatte ich nicht mal eine Ahnung, wie man überhaupt mit Mädchen spricht. Ich war das gar nicht gewohnt. Und so kam es, dass die Jahre verstrichen, die anderen reifer an Erfahrung wurden und ich mich immer mehr zurückzog.

    Letztes Jahr habe ich dann mein Abitur geschafft und mich auf einen neuen Lebensabschnitt gefreut. Mit dem Studium kam der Umzug und ich war gespannt, was mich so erwarten würde. Nach anfänglichen drei Wochen in einem mickrigen Zimmer habe ich mich entschlossen, in eine WG zu ziehen, so ganz allein wollte ich dann doch nicht sein, denn mit meinen Kommilitonen hat sich bisher auch noch kein Kontakt hergestellt. Ich bin dann also in eine Wohngemeinschaft gezogen, und wenn die Leute nicht so aufdringlich gewesen wären, mich kennenzulernen, würde ich wohl immer noch keinen einzigen Namen kennen und mich nicht so gut verstehen. Ich bin in meiner momentan Situation zwar recht zufrieden, allerdings zeigt sich, dass ich bisher in meinem Leben noch nie wirklich auf andere Menschen zugegangen bin - die Kontaktaufnahme kam immer von außerhalb. Und wenn ich dann mal selber die Initiative ergriffen habe, ging das auch noch komplett in die Hose.

    Das letzte Mal, als ich aus mir herausgekommen bin und ein Mädchen aus meiner ehemaligen Schulklasse nach einem Treffen gefragt habe, hat sie mich sitzenlassen - dreimal. Nachdem sie mir so viel Hoffnung gemacht hat und ich mir sicher war, endlich jemanden gefunden zu haben. Dieses Ereignis hat mich wirklich extrem weit zurückgeworfen, dass es noch schlimmer geworden ist. Wenn ich mit einer attraktiven Frau spreche(n muss), aus gegebenem Anlass, dann zitter ich am ganzen Leib, selbst mein Kopf, ich bring kaum ein Wort raus, stottere und weiß nicht, was ich sagen soll. Mein Selbstwertgefühl ist über die Zeit auch so gesunken, dass ich mir selbst niemals vorstellen kann, dass irgendeine Frau sich für mich interessieren könnte. Ich denke mir immer "Es gibt so viele gutaussehende Typen, die alle viel interessanter sind als ich, warum sollte dann jemand, den ich auch gut finde, gerade mich auswählen?"

    Und wenn sich mal wirklich was anzubahnen scheint, wenn mir zugelächelt wird und ich erkenne, dass diejenige mich nicht unattraktiv findet, dann habe ich absolut keine Ahnung, was ich als nächstes tun soll, wie/wo/wann ich sie anspreche, was ich sagen soll, was ich machen darf, ohne aufdringlich zu wirken. Das sind alles Sachen, die ich noch nie in meinem Leben gemacht habe und deswegen so unsicher bin. Bei kleinsten Berührungen zucke ich zurück und irgendwie ist es mir in dem Moment sogar peinlich.

    Das ist auch ein gutes Stichwort, denn Peinlichkeit (oder eher "Scham") ist bei mir eine ziemlich ausgeprägte Eigenschaft. Ich habe andauernd im Kopf, was andere Personen über mich denken, wie ich mich gebe, was ich tun soll, ohne Aufsehen zu erregen oder peinlich zu wirken, und wenn ich dann auch noch einen so großen Schritt wagen und mit einer fremden, attraktiven Person sprechen soll, dann würde ich am liebsten im Erdboden versinken und für den Rest meines Lebens mit keiner Person mehr sprechen wollen. Auch in Bezug auf mir relativ gut bekannte Personen ist das ein Problem: Selbst ehemaligen Schulkameraden oder Kommilitonen weiche ich auf der Straße aus, aus Angst, gesehen oder begrüßt, oder noch schlimmer, in Gespräch verwickelt zu werden. Mich übermannt die nackte Panik, wenn ich ein bekanntes Gesicht in der Stadt oder an der Uni treffe, ich wechsle instinktiv die Straßenseite und schaue absichtlich irgendwo anders hin, nur, um mit der betreffenden Person nicht zu sprechen.

    Ich weiß nicht, inwiefern man hier schon von einer Krankheit oder einer Phobie sprechen kann. Ich würde mir nur wünschen, dass ich diese Angst vor Leuten irgendwie ablegen kann. Dass es mir egal ist, was Andere über mich denken. Dass ich gefahrlos auf fremde Menschen zugehen und mit ihnen ein Gespräch anfangen kann, ohne mir Gedanken über die Konsequenzen machen zu müssen, oder was ich in diesem oder jenem Moment falsches getan habe.

    Ich hoffe, ich konnte mein Problem damit etwas schildern, auch wenn das bei Weitem noch nicht alles ist, aber das ist für das Gesamtbild auch nicht so wichtig. Vielleicht kann mir jemand helfen, wie ich das Problem am Besten anpacke, die Selbsterkenntnis ist immerhin schon da; denn so wie jetzt, kann es auf keinen Fall weitergehen.

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Standard Hi Kobayashi,

    in Deinem zuletzt geschriebenen Absatz kommt eigentlich das wesentlichste zum Ausdruck weil Du Deine vermeintlichen" Schwächen"
    selbst deklarieren kannst und alles dafür tun möchtest damit es
    anders wird.

    Versuche erst einmal von der Überzeugung und Meinung runterzukommen
    dass zurückhaltende, schüchterne Menschen weniger wert sind als solche welche lauthals und siegessicher durch die Weltgeschichte stolzieren. Einen Weg zu einem anderen Leben hast Du schon ohne bleibende Erfolge
    hinter Dich gebracht: ein fremdbestimmtes Leben, alles tun und lassen um anderen zu gefallen. Hier musstest Du die schmerzliche Erfahrungen
    sammeln, wenn man ein instabiles Selbstwertgefühl hat ist es so gut wie
    unmöglich authentisch rüberzukommen, Designerklamotten-Bekenntnisse
    zu anderen Musik Genre sind für die Katz weil Dein Gegenüber es merkt
    und instinktiv von einem Fluchtreflex heimgesucht wird.

    Du möchtest nicht länger Statist sein und zuschauen wie andere Menschen glücklich sind. Es gibt für die Erreichung dieses Zieles nur einen Königsweg, die positiven Signale müssen aus Deinem innersten
    kommen, glaube nicht länger dass Dich irgendetwas daran hindert,
    fange sofort an in kleinen, absehbaren Schritten auf Menschen zuzugehen, ein Gespräch zu führen und öffne Dich vollkommen. Lobe
    Dich selbst, belohne Dich selbst auch für die kleinsten Erfolge und baue
    darauf auf.

    Es wird verdammt schwer für Dich, aber einen anderen Weg gibt es wirklich nicht.


    Liebe Grüße
    glasi
    Geändert von glasheuler (18.01.2010 um 10:12 Uhr)
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  3. #3
    Schreibkraft Avatar von LABBI
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    Hallo,

    ich stimme da Glasi zu: da hilft nur üben üben üben !!! So schwer es klingen mag, aber deine Schüchternheit überwindest du nur, indem du auf Leute zugehst und mit ihnen sprichst.

    Ein etwas einfacherer Weg wäre da z.B. ein Verein (Sport), da sind oft neue Leute und so ist es einfacher, da man auch gleich ein Gesprächsthema hat. Und du hast etwas, um dich abzulenken und tust etwas für dich und dein Selbstbewusstsein. Ich würde dir zu einer Kampfsportart raten, damit stärkst du dich auch mental.

    Liebe Grüße und Kopf hoch!!!

    Labbi
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  4. #4
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    Danke euch Beiden für die Antworten, ich weiß, dass das nicht einfach wird, aber ich bin da komischerweise recht guter Dinge. Das sagt sich jetzt so leicht, wahrscheinlich hab ich, wenn ich wieder in eine prekäre Situation komme, eine Heidenangst, aber ich versuche mich so gut es geht zu überwinden.

    Zum Thema Sport: Momentan habe ich nicht das Bedürfnis, eine neue Sportart zu erlernen. Ich habe schon die meisten Sachen, die ich gemacht habe, aufgegeben (Fußball, Basketball, Tischtennis, Schwimmen, Tennis...) und gehe momentan nur in's Fitnessstudio, das schon seit knapp vier Jahren. Mit Mannschaftssportarten hab ich bisher nur negative Erfahrungen gemacht, Kampfsport wollte ich zwar immer schon mal ausprobieren, aber im Moment ist nicht wirklich Lust da, damit anzufangen.

  5. #5
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    Grüss dich Kobayashi!

    Kann meinen Vorrednern da nur beipflichten. Versuche zudem auch, den Standpunkt so zu beleuchten, dass du dir versuchst vor Augen zu halten, dass niemand etwas von dir erwartet.
    Leute, die an ernsthaften Symptomen von Agoraphobie / Soziophobie leiden, haben meist viel zu hohe "outcome expectancies." Das heisst, sie fürchten sich davor, dass das, was sie tun, bei andern schlecht ankommen könnte. Ergo: Sie tun gar nichts, lassen es lieber sein, kapseln sich ab und leben nicht selten ein eigenständiges, vereinsamtes Leben mit depressiven Symptomen.
    Will heissen: Schon alleine die Angst, dass was schief gehen könnte, führt einige Leute zur Verzweiflung. Und, das Schlimme dran: Davon kriegt niemand was mit, weil man ja noch gar nichts getan hat... Man macht sich also nur selber fertig. Und das ist es nicht wert!

    Schau mal nach draussen... Bei so vielen Leuten... Jeder ist unterwegs, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Jeder schaut, dass er seine sieben Sachen am Start hat, und fertig. Da bleibt wenig Raum, über andere zu denken.
    Mach dir da nicht zu viel vor, und fürchte dich nicht zu sehr vor Erwartungen oder Reaktionen anderer. Denn die fallen teilweise negativer aus, wenn man gar nichts tut
    Versuche einfach, dein Leben zu leben, schau den Leuten in's Gesicht, tu das, was Du willst, und lass dir nichts vorschreiben.
    Als Metapher kannst du ein Referat vor Leuten vor dein geistiges Auge ziehen: Dort bist du der Fachkundige, der dem Saal etwas beibringen möchte. Genau so ist es in deinem Leben auch. Wenn du durch die Strasse gehst, dich zu irgendetwas äusserst, dich so verhältst, wie dir lieb ist, dann ist das dein persönliches Referat an die Umwelt. Da achtet niemand drauf, und da wird auch nicht so schnell ver- und geurteilt, wie das manchmal den Anschein machst.
    Mal im Ernst: Was denkst du über eine Peinlichkeit einer anderen Person in öffentlichen Verkehrsmitteln, beispielsweise? Du lachst ihn bestimmt nicht aus, noch steht er für dich in einem schlechten Licht. Im Gegenteil: Man fühlt sich gar peinlich berührt, weil man nicht geholfen hat, oder weil man empathisch mitfühlt.

    Mach dir da nicht zu viel vor. Denn wenn du dir etwas vor machst, wie dein Beispiel mit der Musik und der Kleidung, dann merkst das ohnehin nur DU, dass das nicht du bist. Alle anderen nehmen dich so in Kauf, und fertig. Wenn du nicht diese Musik hörst (sondern die, die Du gerne hörst), dann nehmen auch das alle in Kauf. Fertig.

    Weisst du, auf was ich hinaus will? Präsentiere dich allen so, wie du nunmal bist. Heutzutage hat doch sowieso jeder zu wenig Zeit, um über andere nachzudenken.

    Alles Liebe und gutes Gelingen!

    Nero.
    "Derjenige, der zum ersten mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Sigmund Freud)

  6. #6
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    Hi erstmal. Mir geht es genau so und ich habe mich in deinem Beitrag echt wieder gesehen. Nur mit dem Unterschied dass ich 15 bin und G8 Schüler, d.h. ich komme nächstes Jahr in die Kursstufe und kenne auch ausserhalb meiner Klasse wenige und davon niemanden wirklich gut. Mir hat es bis jetzt geholfen von Leuten mitgezogen zu werden. Damit meine ich du könntest dich an deine WGMitbewohner hängen und mal schaun was die so machen. Das ständige gefrage nach meinem Wirken und das Vorstellen von allen möglichen Situationen(damit einem ja nix passiert) habe ich in Selbstkritik umgewandelt. Aber nicht zu kritisch sein. Ich habe mich mal umgehört was andere so über ich denken usw. dies kann manchmal echt verletzend sein aber oft auch echt gut. Du kannst es auch langsam angeen lassen. Wenn i ein Mädchen gefällt, dann such dir ein gesprächsthema für den Start. Umso mehr themen du am anfang hast umso besser, denn wenn du malim Gespräch drinnen bsit, dann kommen die Themen ast von selbst. Zudem darfst du nicht vergessen, dass sie auch sprechen kann und du nicht immer ein thema suchen musst. Wenn du schchtern bistg dann bleib schüchtern du musst nicht auf sie zu rennen we andere das machen. Sei wie du bist und falls dir was passiert (schwitzige Hände, Zittern usw..) dann spriich dies an dannbleibt es nicht im Hintergrund, sondern du hast ein gesprächsthema. Immer klein anfangen, versuchs doch mal mit Freundesfreunden frag deine Freunde wo sie hingehen und interessiere dich für sie. Für Fragen/Unklarheiten stehe ich dir per PM zur verfügung. Wir Schüchtenen müssenja zusammen halten

    Lg buildyourlife

    Und viel Erfolg

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