Hallo, wie man am Titel erkennen kann, ist mein größtes Problem mein Selbstbewusstsein und die Angst vor fremden Leuten oder Situationen. Ich hab schon mehrere Male probiert, mich davon zu befreien; eine Therapie hab ich letztes Jahr begonnen, die mittlerweile aber schon beendet wurde, da ich durch mein Studium und den damit einhergehenden Umzug gezwungen worden bin. Die Schulzeit war, möchte ich meinen, die schlimmste Zeit meines Lebens. Ab der 7. Klasse bin ich auf ein Gymnasium gegangen und kannte dort wirklich keine Menschenseele, war also erstmal völlig auf mich allein gestellt. Nach und nach hab ich dann irgendwie Kontakt zu den Anderen aufgenommen und fühlte mich nach ein paar Jahren auch "integriert" in die Gruppe.
Leider habe ich zu spät gemerkt, dass ich mich für diese Leute komplett verstellt hatte - ich habe Hip-Hop gehört, mich anders angezogen, meine Interessen verschoben sich... Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass ich das nicht bin. Und so begann ab der 12. Klasse (Aufteilung der Klassen in Kurse) ein neuer Abschnitt - und somit auch der schlimmste. Ich würde wohl nicht übertreiben, wenn ich sage, dass ich mit gerade einmal einer handvoll Personen in diesen zwei Jahren wirklichen Kontakt hatte, mit 90% der Leute an meiner Schule hab ich noch nie ein einziges Wort gewechselt. Meine richtigen Freunde hatte ich noch alle aus dem Kindergarten, die mit mir im gleichen Dorf wohnen, und mit denen hab ich auch die restlichen Jahre verbracht. Die Zeit, die mir sonst noch blieb, verbrachte ich meist zu Hause, vor dem PC oder der Videokonsole. Ich war auch nie der wirkliche Partygänger, der erste Discobesuch war meines Wissens nach mit 18 Jahren. Heutzutage gehen anscheinend schon die 13-14jährigen regelmäßig abends weg, aber das war nie wirklich meins. Wenn in die Stadt, dann meistens Kneipe, und wenn Kneipe, dann nur mit Leuten, die ich kannte. Und so wurde ich immer mehr und mehr isoliert, hatte kaum andere Leute um mich rum und fing an, mich auf die Wenigen zu versteifen.
Von Frauen in meinem Leben - keine Spur. Und so hat es sich bis jetzt auch nicht ergeben, dass ich eine Freundin hatte. Als die Meisten meiner Klassen"kameraden" schon ihre 3. Freundin gehabt haben oder sich jede Woche eine Neue geholt hatten, hatte ich nicht mal eine Ahnung, wie man überhaupt mit Mädchen spricht. Ich war das gar nicht gewohnt. Und so kam es, dass die Jahre verstrichen, die anderen reifer an Erfahrung wurden und ich mich immer mehr zurückzog.
Letztes Jahr habe ich dann mein Abitur geschafft und mich auf einen neuen Lebensabschnitt gefreut. Mit dem Studium kam der Umzug und ich war gespannt, was mich so erwarten würde. Nach anfänglichen drei Wochen in einem mickrigen Zimmer habe ich mich entschlossen, in eine WG zu ziehen, so ganz allein wollte ich dann doch nicht sein, denn mit meinen Kommilitonen hat sich bisher auch noch kein Kontakt hergestellt. Ich bin dann also in eine Wohngemeinschaft gezogen, und wenn die Leute nicht so aufdringlich gewesen wären, mich kennenzulernen, würde ich wohl immer noch keinen einzigen Namen kennen und mich nicht so gut verstehen. Ich bin in meiner momentan Situation zwar recht zufrieden, allerdings zeigt sich, dass ich bisher in meinem Leben noch nie wirklich auf andere Menschen zugegangen bin - die Kontaktaufnahme kam immer von außerhalb. Und wenn ich dann mal selber die Initiative ergriffen habe, ging das auch noch komplett in die Hose.
Das letzte Mal, als ich aus mir herausgekommen bin und ein Mädchen aus meiner ehemaligen Schulklasse nach einem Treffen gefragt habe, hat sie mich sitzenlassen - dreimal. Nachdem sie mir so viel Hoffnung gemacht hat und ich mir sicher war, endlich jemanden gefunden zu haben. Dieses Ereignis hat mich wirklich extrem weit zurückgeworfen, dass es noch schlimmer geworden ist. Wenn ich mit einer attraktiven Frau spreche(n muss), aus gegebenem Anlass, dann zitter ich am ganzen Leib, selbst mein Kopf, ich bring kaum ein Wort raus, stottere und weiß nicht, was ich sagen soll. Mein Selbstwertgefühl ist über die Zeit auch so gesunken, dass ich mir selbst niemals vorstellen kann, dass irgendeine Frau sich für mich interessieren könnte. Ich denke mir immer "Es gibt so viele gutaussehende Typen, die alle viel interessanter sind als ich, warum sollte dann jemand, den ich auch gut finde, gerade mich auswählen?"
Und wenn sich mal wirklich was anzubahnen scheint, wenn mir zugelächelt wird und ich erkenne, dass diejenige mich nicht unattraktiv findet, dann habe ich absolut keine Ahnung, was ich als nächstes tun soll, wie/wo/wann ich sie anspreche, was ich sagen soll, was ich machen darf, ohne aufdringlich zu wirken. Das sind alles Sachen, die ich noch nie in meinem Leben gemacht habe und deswegen so unsicher bin. Bei kleinsten Berührungen zucke ich zurück und irgendwie ist es mir in dem Moment sogar peinlich.
Das ist auch ein gutes Stichwort, denn Peinlichkeit (oder eher "Scham") ist bei mir eine ziemlich ausgeprägte Eigenschaft. Ich habe andauernd im Kopf, was andere Personen über mich denken, wie ich mich gebe, was ich tun soll, ohne Aufsehen zu erregen oder peinlich zu wirken, und wenn ich dann auch noch einen so großen Schritt wagen und mit einer fremden, attraktiven Person sprechen soll, dann würde ich am liebsten im Erdboden versinken und für den Rest meines Lebens mit keiner Person mehr sprechen wollen. Auch in Bezug auf mir relativ gut bekannte Personen ist das ein Problem: Selbst ehemaligen Schulkameraden oder Kommilitonen weiche ich auf der Straße aus, aus Angst, gesehen oder begrüßt, oder noch schlimmer, in Gespräch verwickelt zu werden. Mich übermannt die nackte Panik, wenn ich ein bekanntes Gesicht in der Stadt oder an der Uni treffe, ich wechsle instinktiv die Straßenseite und schaue absichtlich irgendwo anders hin, nur, um mit der betreffenden Person nicht zu sprechen.
Ich weiß nicht, inwiefern man hier schon von einer Krankheit oder einer Phobie sprechen kann. Ich würde mir nur wünschen, dass ich diese Angst vor Leuten irgendwie ablegen kann. Dass es mir egal ist, was Andere über mich denken. Dass ich gefahrlos auf fremde Menschen zugehen und mit ihnen ein Gespräch anfangen kann, ohne mir Gedanken über die Konsequenzen machen zu müssen, oder was ich in diesem oder jenem Moment falsches getan habe.
Ich hoffe, ich konnte mein Problem damit etwas schildern, auch wenn das bei Weitem noch nicht alles ist, aber das ist für das Gesamtbild auch nicht so wichtig. Vielleicht kann mir jemand helfen, wie ich das Problem am Besten anpacke, die Selbsterkenntnis ist immerhin schon da; denn so wie jetzt, kann es auf keinen Fall weitergehen.


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Man macht sich also nur selber fertig. Und das ist es nicht wert!


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