Hi,
ich nehm mir jetzt schon so lange vor, endlich mal was über mich zu schreiben.
Aber irgendwie reicht meine Zeit meistens nur um zu lesen, selten mal um zu antworten und nie, um einen Beitrag zu starten.
Ich hoffe aber, dass das jetzt erstmal besser wird, erstmal stehen für mich jetzt die Ferien an.
Als ich mich vorstellte, schrieb ich ja schon, dass ich vorhabe, iiiirgendwann mal Psychologie zu studieren.
Eigentlich sollte ich ja mal Anwältin werden.
Sagte mein Vater.
Also wurde ich so ab dem 3. oder 4. Schuljahr richtig getrimmt.
Wenn ich meine Hausaufgaben fertig hatte, hat mein Vater das kontrolliert und wehe da war auch nur ein Fehler drin.
Dann gab es nur Terror, bis ich es dann irgendwann mal geschafft habe, die komplette Seite fehlerfrei ins Schulheft zu schreiben.
Erstmal das Geschrei, fliegendes Geschirr, Ohrfeigen und dann fand ich es richtig peinlich, mein Heft so abgeben zu müssen.
Mit ach und Krach hab ich es dann aufs Gymnasium geschickt.
Weil mein Vater eine schon extreme Einstellung zu politischen Dingen hat, musste es auch ein ganz bestimmtes Gymnasium sein.
Ab dem ersten Gymnasium-Zeugnis stand in der Beurteilung, dass es besser wäre, mich an einer Realschule anzumelden.
Mein Vater bestand darauf, dass ich dort bleibe.
Zum Ende der 5. Klasse wechselte ich in die Paralellklasse.
Im 2. Halbjahr der 6. Klasse reichte meine Beurteilung nicht mehr für die Realschule und ich musste auf die Hauptschule.
Auf der Hauptschule gab es dann ein lustiges Spiel.
Man kam neu in die Klasse. Entweder hatte man das Glück, ein Junge zu sein oder man hatte Pech, und war ein Mädchen.
Wenn man ein Junge war, wurde man meistens von den Tussis angehimmelt.
War man ein Mädchen, wurde man verprügelt.
Nach der ersten Ohrfeige am ersten Tag, bin ich da nicht mehr hingegangen.
Irgendwann fuhr mein Vater mich hin, wartete bis ich in der Schule war und ich ging hinten wieder raus.
Mein Vater hatte die Nase voll von mir und hat mich allen ernstes mit gepackten Taschen Zuhause empfangen, mich ins Auto gesetzt und zu einer Jugendwohngruppe gebracht.
Ich fand das richtig cool, ich wollte gar nicht bei meinem Vater einziehen, aber als er das Sorgerecht bekam, wurde ich nicht wirklich dazu befragt. Zumindest erinner ich mich nicht daran, obwohl ich Geschichten darüber kenne.
Von da aus kam ich dann in ein ehemaliges Heim für schwererziehbare Mädchen.
War ich aber glaube ich eigentlich nicht wirklich.
Ich habe bis dahin nie jemanden geschlagen, etwas zerstört, war selbstzerstörerisch oder sonst irgendetwas, was man mit Schwererziehbarkeit in Verbinung bringen könnte.
Da gab es richtig extreme Regeln. Ich glaube, die waren noch nicht aktualisiert worden.
Alle 2 Tage für 1,5 Stunden Freizeit außerhalb des Hauses, nach frühestens 6 Monaten, Licht aus um 22 Uhr,..
Aber die Schule war richtig interessant, gut, lustig.. und ich war Klassenbeste.
Mein Vater hat in der Zeit dafür gesorgt, dass ich zu einem IQ und EQ Test musste.
Schön, mein Vater konnte sich 2 ganz tolle Diagnosen und ein nettes Zeugnis an die Wand heften.
Das nächste Halbjahr verbrachte ich dann auf einer Gesamtschule in unserem Ort.
Super.
Nach einem halben Jahr ging ich zum Jugendamt und sagte, dass ich ausziehen will.
Ungefähr zu der Zeit habe ich auch, vielleicht aus Protest, mit dem Ritzen angefangen.
Mein Vater fand, das ist nur eine pubertäre Phase, nach dem komplett miesem Zeugnis durfte ich dann aber auch von meinem Vater aus wieder gehen.
Also wieder in die Gruppe in der ich beim 1. mal war und dann in eine lockere, demokratische Mädchenwohngruppe.
Da war es richtig geil. Mit allem was dazu gehört.
Super Freunde, super Zuhause, gut in der Schule, erstes echtes Verliebtsein.
Die Schule hat super auf mich und meine Marotten reagiert und nach einem holprigem Start war ich am Ende der 8. Klasse eine der besten in der Klasse und des Jahrgangs.
Mein Vater, der hatte ja das Sorgerecht, kam zu einem Gespräch in die Schule.
Bei diesem Gespräch wurde ihm erklärt, welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssten, damit ein Schüler in den Teil der Klasse kommt, der in Richtung Abitur führt.
Mathe G-Kurs, aber ansonsten hat es gepasst.
Danach stand ein Gespräch mit dem Jugendamt auf dem Plan.
Wie das im Stress so ist, gerät man mal in Streit.
Nichts weiter als ein Wortgefecht, aber wir wollten doch beide (also die andere Beteidigte und ich) Abstand.
Von der WG-Leitung her kein Problem, ich könnte auch schon vorfahren.
Ich war 15, jung und dumm.
Mein Vater meinte dann am nächsten Tag, dass ich ruhig ausschlafen könnte. Er geht eben alleine zum Gespräch.
Als er wieder kam sagte er mir nur, ich wäre absolut nicht erzogen und mit mir käme kein Mensch klar. Darum haben sie mich rausgeworfen.
Eine Woche später rief ich da an um das mit meinen Sachen zu klären, da fragte mich eine der Mitbewohnerinnen, warum ich denn gesagt hätte, dass ich nicht mehr zurück kommen will?
Zur Schule bin ich von da an gar nicht mehr gegangen, ausser wenn ich langeweile hatte.
Kurz nach meinem 15. lernte ich einen Hammer-Typen kennen.
Groß, braun gebrannt, muskulös, schöne Augen, genau so eine Art Typ wie man scharf findet, wenn man früher Richard Greaco von "21- Jump Street" toll fand.
Nach 3 Wochen sagte er mir dann, dass er Junkie im Methadon-Programm ist.
In der nächsten Woche hat er mir das erste mal eine geknallt, nach 3 Monaten war seine "unsere" Wohnung wegen Mietschulden weg.
Das ich da gewohnt habe und mit wem, schien meinen Vater nicht sehr gestört zu haben.
Der kam immer mal wieder zu Besuch um mir mein Taschengeld zu geben.
Mit dem und mir ging es, bis er nach einem Jahr in den Knast kam.
Irgendwann bildete er sich dann ein, dass ich die Briefe nicht selber schreibe und wenn er dann zum Hafturlaub raus kam, ging das Gestreite weiter. Nie in Briefen oder so, da war er Don Juan und Shakesbear in einem.
Schule?
Nö danke.
Nach insgesamt 19 Monaten hab ich da dann einen Schlussstrich drunter gezogen und bin zu meiner älteren Schwester abgehauen.
Der Don Juan hat immer penibelst wert darauf gelegt, dass ich ja keine Drogen nehme (der hat mich mal wegen einem gerauchtem Joint verprügelt), dass ich bei meiner Schwester dann richtig losgelegt habt.
Kiffen, ziehen, Pappen, ...
Das ging so, bis kurz vor meinem 17. Geburtstag.
Im dem Schuljahr kam von der Schule mein letztes Zeugnis, "danke, aber nein danke. Mach mal deinen Weg, aber nicht mehr bei uns"
Ich wollte zur Realschule, mein Vater sagte, ich muss mich selber kümmern, Schule sagt, dass muss der Vater tun. Der sagte, ich muss es selber tun...
Also hab ich das mit der Schule dann sein lassen, hab irgendwann geheiratet und mir vorgenommen, 6 Kinder zu haben und dann, wenn ich aus denen vernünftige und anständige Kinder gemacht habe, kümmer ich mich um meine Schule.
Dann bin ich reifer, erwachsener und hab genügend Erfahrung um zu wissen, was ich beruflich erreichen will.
Vor fast genau 11 Monaten ging ich zum Sekreteriat der VHS, meldete mich an um meinen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu machen.
Ich hab den gewählt, bei dem ich relativ selbst bestimmen konnte, ob ich 9 Monate lang gehe um in den Kurs für den Realschulabschluss zu kommen oder 1,5 Jahre.
Zwischen einem frisch operiertem Kleinkind, einem Mann, der sich bei einem Unfall bald den ganzen Schädel gebrochen hat mit vielen OPs im Anschluss und dem Grundschulstress der "großen" Kinder hab ich es geschafft.
Mittwoch bekomme ich mein Zeugnis, auf dem stehen wird, dass ich den FOR-Kurs direkt besuchen werde und einen Notendurschnitt von 1,6.
Und jetzt ist es viel zu heiß zum feiern![]()


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