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Thema: Krass, geschafft. (lang)

  1. #1
    Neuling
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    Standard Krass, geschafft. (lang)

    Hi,
    ich nehm mir jetzt schon so lange vor, endlich mal was über mich zu schreiben.
    Aber irgendwie reicht meine Zeit meistens nur um zu lesen, selten mal um zu antworten und nie, um einen Beitrag zu starten.
    Ich hoffe aber, dass das jetzt erstmal besser wird, erstmal stehen für mich jetzt die Ferien an.

    Als ich mich vorstellte, schrieb ich ja schon, dass ich vorhabe, iiiirgendwann mal Psychologie zu studieren.

    Eigentlich sollte ich ja mal Anwältin werden.
    Sagte mein Vater.
    Also wurde ich so ab dem 3. oder 4. Schuljahr richtig getrimmt.
    Wenn ich meine Hausaufgaben fertig hatte, hat mein Vater das kontrolliert und wehe da war auch nur ein Fehler drin.
    Dann gab es nur Terror, bis ich es dann irgendwann mal geschafft habe, die komplette Seite fehlerfrei ins Schulheft zu schreiben.
    Erstmal das Geschrei, fliegendes Geschirr, Ohrfeigen und dann fand ich es richtig peinlich, mein Heft so abgeben zu müssen.

    Mit ach und Krach hab ich es dann aufs Gymnasium geschickt.
    Weil mein Vater eine schon extreme Einstellung zu politischen Dingen hat, musste es auch ein ganz bestimmtes Gymnasium sein.
    Ab dem ersten Gymnasium-Zeugnis stand in der Beurteilung, dass es besser wäre, mich an einer Realschule anzumelden.
    Mein Vater bestand darauf, dass ich dort bleibe.
    Zum Ende der 5. Klasse wechselte ich in die Paralellklasse.
    Im 2. Halbjahr der 6. Klasse reichte meine Beurteilung nicht mehr für die Realschule und ich musste auf die Hauptschule.

    Auf der Hauptschule gab es dann ein lustiges Spiel.
    Man kam neu in die Klasse. Entweder hatte man das Glück, ein Junge zu sein oder man hatte Pech, und war ein Mädchen.
    Wenn man ein Junge war, wurde man meistens von den Tussis angehimmelt.
    War man ein Mädchen, wurde man verprügelt.
    Nach der ersten Ohrfeige am ersten Tag, bin ich da nicht mehr hingegangen.
    Irgendwann fuhr mein Vater mich hin, wartete bis ich in der Schule war und ich ging hinten wieder raus.

    Mein Vater hatte die Nase voll von mir und hat mich allen ernstes mit gepackten Taschen Zuhause empfangen, mich ins Auto gesetzt und zu einer Jugendwohngruppe gebracht.
    Ich fand das richtig cool, ich wollte gar nicht bei meinem Vater einziehen, aber als er das Sorgerecht bekam, wurde ich nicht wirklich dazu befragt. Zumindest erinner ich mich nicht daran, obwohl ich Geschichten darüber kenne.

    Von da aus kam ich dann in ein ehemaliges Heim für schwererziehbare Mädchen.
    War ich aber glaube ich eigentlich nicht wirklich.
    Ich habe bis dahin nie jemanden geschlagen, etwas zerstört, war selbstzerstörerisch oder sonst irgendetwas, was man mit Schwererziehbarkeit in Verbinung bringen könnte.
    Da gab es richtig extreme Regeln. Ich glaube, die waren noch nicht aktualisiert worden.
    Alle 2 Tage für 1,5 Stunden Freizeit außerhalb des Hauses, nach frühestens 6 Monaten, Licht aus um 22 Uhr,..

    Aber die Schule war richtig interessant, gut, lustig.. und ich war Klassenbeste.
    Mein Vater hat in der Zeit dafür gesorgt, dass ich zu einem IQ und EQ Test musste.
    Schön, mein Vater konnte sich 2 ganz tolle Diagnosen und ein nettes Zeugnis an die Wand heften.

    Das nächste Halbjahr verbrachte ich dann auf einer Gesamtschule in unserem Ort.
    Super.

    Nach einem halben Jahr ging ich zum Jugendamt und sagte, dass ich ausziehen will.
    Ungefähr zu der Zeit habe ich auch, vielleicht aus Protest, mit dem Ritzen angefangen.
    Mein Vater fand, das ist nur eine pubertäre Phase, nach dem komplett miesem Zeugnis durfte ich dann aber auch von meinem Vater aus wieder gehen.

    Also wieder in die Gruppe in der ich beim 1. mal war und dann in eine lockere, demokratische Mädchenwohngruppe.
    Da war es richtig geil. Mit allem was dazu gehört.
    Super Freunde, super Zuhause, gut in der Schule, erstes echtes Verliebtsein.
    Die Schule hat super auf mich und meine Marotten reagiert und nach einem holprigem Start war ich am Ende der 8. Klasse eine der besten in der Klasse und des Jahrgangs.

    Mein Vater, der hatte ja das Sorgerecht, kam zu einem Gespräch in die Schule.
    Bei diesem Gespräch wurde ihm erklärt, welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssten, damit ein Schüler in den Teil der Klasse kommt, der in Richtung Abitur führt.
    Mathe G-Kurs, aber ansonsten hat es gepasst.
    Danach stand ein Gespräch mit dem Jugendamt auf dem Plan.
    Wie das im Stress so ist, gerät man mal in Streit.
    Nichts weiter als ein Wortgefecht, aber wir wollten doch beide (also die andere Beteidigte und ich) Abstand.
    Von der WG-Leitung her kein Problem, ich könnte auch schon vorfahren.

    Ich war 15, jung und dumm.
    Mein Vater meinte dann am nächsten Tag, dass ich ruhig ausschlafen könnte. Er geht eben alleine zum Gespräch.
    Als er wieder kam sagte er mir nur, ich wäre absolut nicht erzogen und mit mir käme kein Mensch klar. Darum haben sie mich rausgeworfen.
    Eine Woche später rief ich da an um das mit meinen Sachen zu klären, da fragte mich eine der Mitbewohnerinnen, warum ich denn gesagt hätte, dass ich nicht mehr zurück kommen will?

    Zur Schule bin ich von da an gar nicht mehr gegangen, ausser wenn ich langeweile hatte.

    Kurz nach meinem 15. lernte ich einen Hammer-Typen kennen.
    Groß, braun gebrannt, muskulös, schöne Augen, genau so eine Art Typ wie man scharf findet, wenn man früher Richard Greaco von "21- Jump Street" toll fand.

    Nach 3 Wochen sagte er mir dann, dass er Junkie im Methadon-Programm ist.
    In der nächsten Woche hat er mir das erste mal eine geknallt, nach 3 Monaten war seine "unsere" Wohnung wegen Mietschulden weg.
    Das ich da gewohnt habe und mit wem, schien meinen Vater nicht sehr gestört zu haben.
    Der kam immer mal wieder zu Besuch um mir mein Taschengeld zu geben.
    Mit dem und mir ging es, bis er nach einem Jahr in den Knast kam.
    Irgendwann bildete er sich dann ein, dass ich die Briefe nicht selber schreibe und wenn er dann zum Hafturlaub raus kam, ging das Gestreite weiter. Nie in Briefen oder so, da war er Don Juan und Shakesbear in einem.
    Schule?
    Nö danke.
    Nach insgesamt 19 Monaten hab ich da dann einen Schlussstrich drunter gezogen und bin zu meiner älteren Schwester abgehauen.
    Der Don Juan hat immer penibelst wert darauf gelegt, dass ich ja keine Drogen nehme (der hat mich mal wegen einem gerauchtem Joint verprügelt), dass ich bei meiner Schwester dann richtig losgelegt habt.
    Kiffen, ziehen, Pappen, ...

    Das ging so, bis kurz vor meinem 17. Geburtstag.
    Im dem Schuljahr kam von der Schule mein letztes Zeugnis, "danke, aber nein danke. Mach mal deinen Weg, aber nicht mehr bei uns"
    Ich wollte zur Realschule, mein Vater sagte, ich muss mich selber kümmern, Schule sagt, dass muss der Vater tun. Der sagte, ich muss es selber tun...

    Also hab ich das mit der Schule dann sein lassen, hab irgendwann geheiratet und mir vorgenommen, 6 Kinder zu haben und dann, wenn ich aus denen vernünftige und anständige Kinder gemacht habe, kümmer ich mich um meine Schule.
    Dann bin ich reifer, erwachsener und hab genügend Erfahrung um zu wissen, was ich beruflich erreichen will.

    Vor fast genau 11 Monaten ging ich zum Sekreteriat der VHS, meldete mich an um meinen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu machen.
    Ich hab den gewählt, bei dem ich relativ selbst bestimmen konnte, ob ich 9 Monate lang gehe um in den Kurs für den Realschulabschluss zu kommen oder 1,5 Jahre.
    Zwischen einem frisch operiertem Kleinkind, einem Mann, der sich bei einem Unfall bald den ganzen Schädel gebrochen hat mit vielen OPs im Anschluss und dem Grundschulstress der "großen" Kinder hab ich es geschafft.

    Mittwoch bekomme ich mein Zeugnis, auf dem stehen wird, dass ich den FOR-Kurs direkt besuchen werde und einen Notendurschnitt von 1,6.


    Und jetzt ist es viel zu heiß zum feiern

  2. #2
    Verleger Avatar von Waris
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    Das ist super, dass du das geschafft hast.- Herzlichen Glückwunsch. Ich frage mich blos: Warum musstest du Kinder da reinziehen? Was haben die mit deinem Abschluss zu tun?
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  3. #3
    Neuling
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    Weil für mich schon immer klar war, dass ich (viele) Kinder haben wollte.

    Mit 18 aber nicht wirklich wusste, was ich eigentlich mal beruflich machen werde und will.
    Einfach so irgendetwas machen, nur damit man "was in der Hand hat", war noch nie meins und ist es auch tatsächlich bis heute nicht.
    Genau so war für mich klar, dass ich nicht mit 30 mal mit der Familienplanung anfangen möchte, sondern dann mit dem Teil fertig sein möchte.

    Meine Kinder sind ja jetzt nicht mehr klein und einen wirklichen Unterschied zu vorher gibt es auch nicht.

    Ich hab das erste Kindergartenjahr von meinem kleinsten abgewartet, also kein "rein in den Kindergarten, damit Mami Gas geben kann".

    Elterngespräche, die aus organisatorischen Gründen nur Vormittags geführt werden können, erledigt entweder mein Mann oder das muss telefonisch passieren.
    Ansonsten wird sich von vielen Stellen bemüht, Termine nach 12 Uhr anzusetzen.
    Wenn ich mich beeile, bin ich pünktlich um 12 Uhr wieder hier und kann mein Kind um 12.15 ganz entspannt vom KiGa abholen.

    Wenn die älteren doch mal Schulschluss haben, bevor ich Zuhause bin, das sind im längsten Fall 20 Minuten, gehen sie zu unserer Vermieterin.

    Wichtige Veranstaltungen von der Schule der großen Kinder habe ich aus Prinzip nicht versäumt.
    Weil da ganz klar ist, dass die Kinder über meiner Schule stehen.

    Natürlich ist hier ein straffes Programm, wenn gelernt wird, wird gelernt. Streiten und Diskutieren kann man gerne danach.

    Genau so, wie sie lernen mussten, dass Mama KEIN Sklave ist und man nicht daran stirbt, wenn man mal was aufräumt, den Tisch abräumt oder die Spüle abräumt.

    Mit reinziehen hat das in meinen Augen nicht viel zu tun.
    Sie leiden ja auf keiner Ebene. Außer, man sieht einen strukturierten Alltag als Leid an.
    Viel mehr ist es ja so, dass die verfügbare Zeit sehr viel intensiver genutzt wird.

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