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Thema: krise und zwang

  1. #1
    Neuling
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    Standard krise und zwang

    hallo leute

    ich glaube, ich stecke in einer krise und im zwang, nicht mehr "klar" zu sehen.

    es geht um folgendes: seit einiger zeit macht mir meine partnerin mühe. ich selber habe es geschafft, wieder einer arbeit nachgehen zu können. mit viel erfolg. meine partnerin schaffte es nicht. nun sitzt sie zu hause und wird von tag zu tag pflegmatischer. trinkt alkohol und ist immer mehr unertragbar.
    meine mutter habe ich durch alkoholsucht verloren. obwohl ich, als sohn, wehemend versuchte, sie auf dieses problem hinzuweisen. habe versucht, sie zu motivieren, hilfe anzufordern. es half alles nichts. sie lies sich nicht "behandeln". und nun kommt scheinbar alles wieder auf mich zu.
    diesmal ist es meine partnerin, die nun wohl genau diesen vernichtenden weg gehen möchte?
    irgendwie bin ich machtlos diesen menschen gegenüber? habe schon oft ärzte oder behörden um mithilfe gebeten. geziehlt auch auf eben diese personen eingeredet, sie mögen doch "hilfe" anfordern.

    wie immer, bestätigen sie, dass sie es unbedingt auch möchten. aber "tun" nichts weiter, als weiter "sich" selber sein zu wollen.

    und ich bin einfach scheinbar nur ein gut-gemeinter-zeitvertreib, dem sie ihre probleme schluchtzend übergeben können.

    mir sind die hände einfach gebunden. einerseits möchte ich helfen. andererseits muss ich doch auch meiner verpflichtung nach kommen, meine arbeit täglich zu leisten. denn dafür bekomme ich lohn, geld. und am abend möchte ich doch das tagwerk verdient ruhn lassen. möchte dann einfach auch mal einen verdienten abend geniessen können.

    aber nein, dann muss ich eine betrunkene partnerin motivieren, nicht mit bösen worten um sich zu schlagen. muss versuchen, nicht "auszuflippen".
    muss versuchen, meine ruhe irgendwie in einem zuhause zu finden, wo nichts mehr ist, wie es war.

    am ende bin ich nur noch müde. erinnere mich an meine mutter, die sich, trotz meiner guten worte, tod gesoffen hat. und habe angst, das es nun meiner partnerin genau so ergehen wird. dabei ist sie in einer psychiatrischen behandlung. sind den diese ärzte nicht im stande, zu erkennen - zu helfen?

    oder liegt es vielleicht einfach an mir selber? nicht im stande zu sein, anderen den motivierende blick zur selbsteinsicht liefern zu können?

    eines tages, ich fühle es, werde ich einfach nur noch "nichts" mehr tun und wollen. mich fallen lassen. und mich um keinen menschen mehr kümmern. mich nicht mal mehr beachten. dann, vielleicht dann werde ich verstehen, was es bedeutet, alleine zu sein.

    im grunde bin ich sehr oft alleine. besonders dann, wenn ich helfen will und es einfach nur so sinnlos beim anderen herunter prasselt, als wäre es ein regenschauer.

    ich glaube aber, ich bin einer, der selber sehr stark im regen steht.

    grüsse oro

  2. #2
    Painter
    Gast

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    Hallo Oro,

    sieht so aus als findest du dich in dem Wiederholungszwang wieder.
    oder liegt es vielleicht einfach an mir selber? nicht im stande zu sein, anderen den motivierende blick zur selbsteinsicht liefern zu können?
    Bestimmt nicht, denn einem Alkoholiker kann man nicht helfen, wenn er sich nicht helfen lassen will und in dem du ihr das Leben auch noch bequemer machst, in dem du versuchst verständnisvoll zu reagieren, wird sich ein Süchtiger (bewusst/unbewusst) fragen: Warum soll ich denn was ändern, ich bin doch toll so, man kümmert sich um mich, das Leben geht auch so, warum das mir so liebe trinken aufgeben?

    Ja, du stehst im Regen und hast dich da selber hingestellt - du kannst dich aber ins trockene begeben...

  3. #3
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    Hallo Oro, ja, das Zitat, das Painter herausgepickt hat, das ist genau das, was mir auch auffiel. Es liegt auf keinen Fall an Dir!!!! Allerdings unterstützt Du die Krankheit massiv. Du bist da, bist der Seelenmülleimer, wenn der Alk doch nicht alles zudeckt, bist Hausfrau und Mutter und nebenbei Verdiener, Sozialarbeiter, bisschen viel für einen Menschen oder? Du hast es doch schon mal so erlebt. Was hält Dich bei dieser Frau? Sie wird nichts ändern und schon gar nicht unter den gegebenen Verhältnissen. Ihr geht es gut so. Natürlich sagt sie, sie will Hilfe. Sie spürt den Druck, den Du ihr machst. Doch aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn die Einsicht, der Leidensdruck nicht von ihr kommen, dann hast Du einfach keine Chance, außer mit kaputt zu gehen, auf dem besten Weg bist Du ja schon und Du fängst an, an Dir selbst zu zweifeln. Warum bist Du noch da, warum tust Du all das, wovon Du schon einmal erlebt hast, dass es nicht funktioniert hat? Wo bleibst denn Du bei der ganzen Geschichte und wann willst Du anfangen, Dich um Dich selbst zu kümmern und nicht immer nur um erst mal hoffnungslose Fälle? So hart es klingt. Du musst sie in ihrem eigenen Elend ersaufen lassen, im wahrsten Sinne des Wortes. Nur ganz am Boden gibt es die Chance, dass sie dann raus will, was ändern will. Dort ist sie noch nicht. Und für manchen ist es tatsächlich ein Selbstmord auf Raten.

    Ich bin außen stehend und kann sagen, trenn Dich von ihr, wenn Du Dich selbst retten willst. Das wäre mal ein neuer Ansatz für Dich. Kümmere Dich um Dich, nicht um andere. Such Dir Menschen, die auch mal für Dich da sein können/möchten. Irgendetwas hält Dich fest in Deiner Situation, in Deinem Verhalten. Das solltest Du erkennen und dann zusehen, dass sich was ändert. Der hilflose Helfer zu sein, das kann doch nicht Dein gesamter Lebenszweck sein, ich denke, Du bist mehr wert.

    viele Grüße, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

  4. #4
    Verleger Avatar von Natz
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    Hallo oro!
    Du hast Dir Deine Partnerin nach einem alten, Dir wahrscheinlich unbewussten Muster, gesucht.
    Meine Vorredner haben ja schon alles gesagt aber was mir mal wieder gleich dazu eingefallen ist: warst Du mal in einer Co-Abhängigen-Gruppe? Das wäre-glaube ich-in Deinem Fall ganz wichtig, um mit Unterstützung den Absprung zu schaffen und in Zukunft zu versuchen, solche Konstellationen zu vermeiden.
    Ich sehs auch so: nichts wie weg. Die Frau kann-wenn überhaupt-nur sich selbst helfen. Solange Du noch bleibst, wird sie erst recht nicht ändern.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  5. #5
    Neuling
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    Zitat Zitat von Painter Beitrag anzeigen

    ....einem Alkoholiker kann man nicht helfen, wenn er sich nicht helfen lassen will.....

    Ja, du stehst im Regen und hast dich da selber hingestellt - du kannst dich aber ins trockene begeben...
    danke für eure anteilnahme. es ist schon so, einem alkoholsüchtigen menschen kann man im grunde nur helfen, wenn man ihn einfach mal im stich lässt.

    aber, und da ist eben ein problem. ich mag diesen menschen. habe mit ihm schon viele jahre gemeinsam gelebt. und es ist eben ein zuhause, dort, wo dieser mensch ist.

    wenn ich flüchte, meine partnerin verlasse, verlasse ich auch alles, was mir in all den jahren des zusammen lebens wichtig geworden ist. ich bin nicht mehr ganz so jung. habe einiges erlebt und erkämpft. es wäre für mich bestimmt die einfachste lösung, eine erlösung zu finden in der flucht der tatsache zu entfliehen.

    so einfach will ich es mir eben nicht machen. jeder könnte nun sagen, dann bist du selber schuld. dann ertrage halt die situation und jammere nicht herum.

    wenn ich mich an bestände erinnere, wo geheiratet wurde, wo sich paare feierlich in der kirche das "ja-wort" geschenkt haben, (in guten, wie in schlechten tagen,bis das der tod euch scheidet) wird heute zu oft, zu schnell das handtuch geworfen, die flinte ins korn geschmissen.
    so eine ehe-scheidung ist heute standart und schnell vollzogen.

    ich bin mit meiner partnerin nicht verheiratet. wir haben auch keine kinder.

    es wäre also ein leichtes, mich vom acker zu machen. es wäre auch ein leichtes gewesen, mich damals nicht mehr zu bemühen, wieder fuss zu fassen um arbeit zu finden. denn ich hätte grund genug gehabt, mich einfach hinzulegen, mich als "psychisch" krank, ausgepowert, orientierungslos, den gegebenen gesundheitlichen tatsachen erliegend, von jedem weiteren vorwärtskommen zu verweigern.

    in diese schublade der "verlierer" will und kann ich nicht gehören.
    für mich muss es einfach immer weiter gehen, solange ich liebe und lebe.

    ja, ich könnte mich tatsächlich vom regen ins trockene begeben. aber kann es mir wohl sein, andere im regen stehen zu lassen?
    und sollte es mir am hintern vorbei gehn, wie es dem andern geht, wenn wenigstens ich mal selber das gute für mich pachten kann?

    genau dieser konflikt zu meiner seele macht mir mühe. wie könnte ich an der sonne liegen, wenn anderswo es menschen gibt, die meiner bedürfen, weil sie es nicht schaffen können.

    warscheinlich leide ich an einem verzeihenden helfersyndrom, das mir mein ego einschränkt und mich deshalb zu einem "opfer" macht.

    überigens, es klingt vielleicht hart, aber ich möchte nie wieder gebohren werden, wenn es eine inkarnation gibt. nein, nie wieder möchte ich mensch sein, nach dem ich einmal gestorben bin.

    einmal fragte mich jemand, was ich für ein lebewesen sein möchte, wenn ich nicht mensch wäre?

    ich antwortete spontan: ein delphin.

    aber ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob ich im ozean ein gesunder delphin sein dürfte.

    grüsse oro

  6. #6
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    genau dieser konflikt zu meiner seele macht mir mühe. wie könnte ich an der sonne liegen, wenn anderswo es menschen gibt, die meiner bedürfen, weil sie es nicht schaffen können.
    Vielleicht verhinderst Du mit dieser Einstellung aber auch, dass die anderen Menschen sich mal darauf besinnen, dass sie selbst verantwortlich sind für ihr Glück. Du nimmst die Verantwortung ab. Warum gönnst Du Dir nicht die Sonne, die Du doch selbst brauchst, um weiter machen zu können.


    warscheinlich leide ich an einem verzeihenden helfersyndrom, das mir mein ego einschränkt und mich deshalb zu einem "opfer" macht.
    Dein Ego einschränkt? Hm.. Ich denke eher, es baut Dein Ego auf. Ist die Schiene, wo Du am meisten spürst, dass Du gebraucht wirst und das ist Dir so wichtig. Ein Opfer? Ein Opfer wovon? Ich denke mal, Du brauchst Dein Leben so, wie es ist, auch wenn Du dabei leidest. Und vielleicht brauchst Du sogar das Gefühl des Leidens, denn das ist etwas, das Du gut kennst. Stell Dir mal vor, das gäbe es nicht mehr. Du würdest wahrscheinlich Dich selbst nicht mehr kennen und auf andere Art leiden. Was würdest Du tun, wenn Deine Partnerin plötzlich wirklich gesund wäre und Dich gar nicht mehr braucht? Was wäre dann mit Dir? Du müsstest Dich umstellen, Dir einen neuen Lebensinhalt, neue Gefühle suchen. Was Du hast, das weißt Du, was kommt, das weißt Du nicht. Du hältst fest an dem, was Du schon immer so machst. Du leidest, na klar. Aber nicht genug, um Dein Leben ändern zu wollen/zu können und das ist nicht als Vorwurf gemeint.

    Deine Partnerin zu verlassen wäre keine Flucht, das wäre Übernahme von Selbstverantwortung. Ich denke eher, bei ihr zu bleiben ist eine Flucht. Eine Flucht aus einer Realität ohne sie, ohne offensichtlich gebraucht zu werden, eine Realität, wo es nur um Dich geht und ich glaube, das möchtest Du letzten Endes so gar nicht. Irgendwie brauchst Du ihre Hilflosigkeit, doch Du merkst selbst, wie Deine Kräfte schwinden, wie Enttäuschungen sich breit machen, Deine Hilfe nicht viel bringt und Dich auch überfordert, Du wirst der hilflose Helfer. Und wer hilft Dir dann?

    Du musst Deine Partnerin ja nicht verlassen. Aber Du musst mal zu Dir selbst finden, Dich um Dich kümmern und nicht immer nur von Dir selbst ablenken. Vielleicht findest Du dann den Zipfel vom Glück, der Dir jetzt fehlt und deshalb Dich an Deinem Wunsch ein Delphin zu sein zweifeln lässt.

    Übrigens sehe ich das genauso. Wenn schon endlich tot, dann richtig und für immer.

    Lieben Gruß, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

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