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Thema: Lähmende Versicherungszwänge :(

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Lähmende Versicherungszwänge :(

    Hallo,
    ich habe dieses Forum gefunden weil ich nicht mehr weiter wusste und mein Problem deswegen sogar gegoogelt habe!
    Ich bin schon seit einigen Stunden hier am Lesen und finde mich aber nirgendwo so Recht wieder, darum habe ich mich angemeldet und hoffe richtig zu sein...vielleicht hat jemand ein ähnliches Problem oder weiß eine wirksame Methode dagegen?

    Seit ein paar Jahren schon habe ich gewisse Gewohnheiten, die nach und nach zu Zwängen wurden, die ich jetzt nicht mehr los werde.
    Ich war vor einiger Zeit bei einer Psycholgin, weil ich immer wieder depressiv war...kein Antrieb, immer schlechte Stimmung und Unsicherheit. Meine Eltern wussten nicht weiter. Auf diesem Weg meinte die Psychologin über mich erfahren zu haben, ich würde unter "Versicherungszwängen" leiden. Aha.
    Tatsächlich ist es so, dass ich Dinge wohl zur Versicherung tue.
    Bei meinem ersten Freund war es so, dass ich natürlich ständig Angst hatte ihn zu verlieren. Ich nahm alles als Anzeichen daür, dass er mich nicht mehr lieben könnte. Kam nicht genau DANN ein gelbes Auto um die Ecke, wenn ich damit gerechnet hatte: sofort musste ich um unsre Beziehung bangen! Einfach KRANK! Aber ich konnte es nicht lassen. Das zog sich lange durch meinen gesamten Alltag in allen Formen. Schließlich trennten wir uns und meine Angst dachte ich damit bestätigt
    Natürlich hatte es nichts damit zu tun aber es hörte nicht auf.
    Nach 2 weiteren unglücklichen Beziehungen in denen ich mein Glück an sinnlosen Handlungen festgemacht hatte bin ich jetzt in einer sehr hoffnungsvollen und absolut glücklichen Beziehung, doch meine Zwänge werden immer schlimmer.
    Ich brauche für alles doppelt lange weil ich zum Beispiel Dinge, die ich gerade benutzt habe, nicht los lassen kann. Wenn ich in der Dusche Shampoo weg stelle, dann geht das nur wenn ich es mehrere Male an die bestimmte Stelle gesetzt habe...es macht mich BEKLOPPT! Mit allem habe ich dieses Problem! Gürtel zu machen, Zähneputzen, Schubladen und Türen schließen... Je mehr Verlustangst ich gegenüber meinem Partner (egal wie unbegründet) habe, desto schlimmer!!!
    An wirklich MUTIGEN Tagen unterdrücke ich diese Handlungen bewusst für ein paar Minuten und in bestimmten Situationen...weiter geht es nicht.
    Außerdem habe ich ständig Angst, es könnte etwas passieren, nachdem mein Kater sich nachts in ein gekipptes Fenster gehangen hatte und dort verendet war. Kurz darauf hatte sich auch noch meine zweite Katze aufgehangen, doch ich konnte sie retten...für mich war ganz klar: es war absolutes Schicksal, dass ich sie gefunden hatte!!! Als ich daraufhin das Bedürfnis hatte nachts aufzustehen und nach dem Kühlschrank zu sehen weil wir einen Wasserrohrbruch gehabt hatten einige Monate davor verhinderte ich auch dort eine Katastrophe weil gerade in diesem Moment ein Rohr wieder abgegangen war! Schicksal?!!??! Ab da gehe ich immer meinem Gefühl nach, es könnte etwas sein. Nachts stehe ich auf um nach den Katzen oder dem Kühlschrank zu sehen. Immer wieder! Ich schlafe in der Schule ständig ein weil ich noch so lange alles kontrolliere und 3 Stunden brauche bis ich mich umgezogen habe nur weil meine Zwänge mich verrückt machen!!!

    Ich habe mal gelesen zur Therapie solle man Zwangssituationen bewusst aus dem Weg gehen und sich diese Handlung bewusst verbieten aber zum Einen ist Duschen für mich sehr wichtig und zum Andren habe ich direkt wieder das Gefühl etwas Schlimmes könne passieren...ein geliebtes Wesen sterben oder Sonstiges!
    ...selbst diesen Text zu schreiben ist für mich sehr nervenaufreibend weil ich bei einem Tippfehler direkt das ganze Wort wieder weg mache oder sinnlos Leerzeichen entferne um sie wieder an die Stelle zu setzen!
    Ein wirklich peinlicher Zwang!

    Ich weiß nicht mehr weiter!!!

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von Anubis
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    Standard

    Hallo Joana,

    also erst mal vorweg: Hör auf Dich dafür zu schämen! Es ist eine weit verbreitete Krankheit mit den Zwangshandlungen, mal mehr mal weniger ausgeprägt. Beschäftige Dich damit, lerne, was sich genau dahinter verbirgt und vor allem: Melde Dich bei einer Therapie an. Du brauchst Hilfe. Da gibt es keinen Aus-Schalter, den man einfach so anklickt und dann ist alles wieder normal. Das ist ein Stück Arbeit, das Du da vor Dir hast.

    Gib bei Google-Video mal Zwangsstörungen ein. Dort wirst Du einige Reportagen, die z.B. bei Vox liefen finden, die genau das zeigen, was Du beschreibst. Du siehst also, Du hast etwas, das andere auch haben.

    Ich habe mal gelesen zur Therapie solle man Zwangssituationen bewusst aus dem Weg gehen und sich diese Handlung bewusst verbieten
    Du kannst Dir weder das Duschen noch das Haustürabschliessen verbieten
    Also kannst Du diesen Dingen schlecht aus dem Weg gehen. Du willst ja lediglich wieder zurück zu einem normalen Verhalten mit diesen Dingen.
    Du musst also nicht diesen Dingen aus dem Weg gehen, sondern das Wiederholen vermeiden. Hier geht man z.B. hin und setzt sich Zeitabstände. Beispiel:

    Wenn ich in der Dusche Shampoo weg stelle, dann geht das nur wenn ich es mehrere Male an die bestimmte Stelle gesetzt habe...
    Beim nächsten Mal stellst Du das Shampoo einmal ab und setzt dir das Ziel mindestens 5 Minuten zu warten bis Du es noch mal abstellst. In der Zwischenzeit konzentrierst Du Dich ganz bewusst auf etwas anderes. Spüre, wie sich Deine Haare beim Waschen anfühlen, lausche auf das Plätschern des Wassers, spüre die Duschwanne unter Deinen Füssen.
    Das heisst Du verschiebst die Reaktion (die Wiederholung) um eine gewisse Zeit.

    Genau so machst Du es mit anderen Dingen. Verschiebe die Zwangshandlung um 10 oder 15 Minuten. Mach in der Zeit etwas anderes, am besten etwas schönes, das Dir Spaß macht. Wenn es am Anfang mit den 15 Minuten nicht klappt, dann nimm Dir erst mal eine kürzere Zeitspanne (5 Minuten) vor.

    Noch ein Tipp (für den Anfang, bis Du eine Therapie anfängst): ich habe in einem (finde ich) ziemlich guten Buch ("Angst, Panik und Phobien" von Reneau Z. Peurifoy) gelesen, dass diese Zwangsstörung eine "fehlgeleitete Funktion im Gehirn" ist und dass man sich das klar machen sollte. D.h. in dem Moment, wo man den Drang hat den Zwang, die Wiederholung durchzuführen sollte man sich sagen "es ist nur eine Fehlschaltung im Gehirn". Das hört sich ziemlich merkwürdig an. Aber ich habe festgestellt, dass dieser Gedanke erst mal den Druck weg nimmt und man dann viel einfacher weitere Wiederholungen abstellen kann.

    Ich kann Dir nur raten beginne eine Therapie, beschäftige Dich mit dem Thema, erkenne, dass die Zwangsstörung eine Krankheit ist und gehe gelassener damit um, so dass Du den Zwangshandlungen weniger Bedeutung zumisst.
    Solltest Du in Deiner Heimatstadt eine Bücherei haben, dann leih Dir doch mal das obige Buch aus und lies Dich in das Thema ein.

    ...selbst diesen Text zu schreiben ist für mich sehr nervenaufreibend weil ich bei einem Tippfehler direkt das ganze Wort wieder weg mache oder sinnlos Leerzeichen entferne um sie wieder an die Stelle zu setzen!
    Ich hab jetzt auch ganz lange an dem Beitrag geschrieben (ich glaub so etwa 1 Stunde), weil ich auch alles ganz genau machen muss. Ich hab mir alles noch x-mal durchgelesen, noch mal im Buch nachgeguckt, ob ich auch ja nichts falsches geschrieben habe und ja, die Rechtscheibfehler hab ich auch alle weggemacht.
    (Ich weiss gar nicht warum, denn vermutlich stört es hier niemand, wenn mal ein Tipp-Fehler drin ist. )

    Solltest Du noch mehr Frage haben, dann her damit.

    Gruß
    Anubis

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Anubis für den sinnvollen Beitrag:

    Joana91 (24.05.2010),SteffiD (24.05.2010)

  4. #3
    Schreiberling
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    Standard annehmen

    probier es doch mal mit der entgegen gesetzten strategie. versuch die zwänge so intensiv wie möglich auszuleben, die gefühle anzunehmen, die dabei entstehen. im ersten moment mag das beängstigend klingen, aber meiner erfahrung nach sind die gefühle schwächer, wenn man sie annimmt, als wenn man sie versucht zu verdrängen. und ergründe, was dahinter steckt, welche gründe für deine zwänge da sind, aber lass eins sein. hör auf, dich zu verurteilen. zwänge sind nicht peinlich, sie haben einen zweck, nämlich dir etwas über dich beizubringen. sei freundlich zu ihnen und zu dir selbst, ergründe sie ohne vorurteile, ohne bewertungen, ohne verurteilung.

  5. #4
    Neuling
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    Das mit dem Ausleben klingt wirklich sehr beängstigend weil ich genau vor diesen intensiven "Hängenbleiben" in den Zwängen so ein bedrängtes Panikgefühl bekomme, dass ich keine Kontrolle mehr habe.
    Ich fühle mich auf jedem Fall verstanden in diesem Forum und bin froh so etwas gefunden zu haben. Ich achte jetzt viel häufiger auf meine problematischen Situationen und ich bin froh, wenn ich den Zang wirklich minimieren kann.
    Hoffentlich habe ich es bald ganz überwunden

  6. #5
    Schreibkraft Avatar von waiting
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    Hallo Joana, Anubis hat ja schon eine Menge dazu geschrieben, muss ich ja jetzt nichts wiederholen. Schau mal, ob Dir folgender Link irgendwie weiter helfen kann: http://weltderwunder.de.msn.com/mens...ntid=153035265

    Lieben Gruß, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

  7. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei waiting für den sinnvollen Beitrag:

    Anubis (25.05.2010),Joana91 (25.05.2010)

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