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Thema: Langweiliger IT-Job

  1. #1
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    Standard Langweiliger IT-Job

    Hallo zusammen,

    ich bin seit einiger Zeit unzufrieden mit meinen Jobs, bzw. dem jetzigen und dem vorherigen.
    Da mir ständig so viele Dinge durch den Kopf gehen, habe ich mir nun mal die Mühe gemacht und alles runtergeschrieben.
    Es ist viel Text, wäre aber schön wenn sich das trotzdem jemand durchliest



    Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Fachinformatiker abgeschlossen und danach Zivildienst gemacht.
    Nach dem Zivildienst habe ich dann 2 Jahre im IT-Helpdesk gearbeitet.
    Da mir das dann zu langweilig wurde und ich nicht ausgelastet war, kam die Idee auf, ein Fernstudium anzufangen.
    Nach gründlicher Überlegung habe ich mich für ein Wirtschaftsinformatik-Studium entschieden und dieses Ende 2007 angefangen.
    Gründe für das Studium waren die (evtl.) besseren Jobchancen in der Zukunft, z.B. ein interessanterer und besser bezahlter Job, usw.
    Und eben das Gefühl, dass es das mit der Ausbildung ja nicht gewesen sein kann...
    Nach einem halben Jahr, also Mitte 2007, war ich dazu gezwungen mich auf eine neue Stelle zu bewerben, da man in der alten
    Firma nicht in die Gänge kam, mir einen unbefristeten Vertrag anzubieten (der alte Vertrag lief nur noch wenige Wochen).
    Schließlich habe ich ein sehr gutes Angebot bekommen und als Systemadministrator in der neuen Firma angefangen.
    Dort war ich dann ca 3,5 Jahre bis Ende 2010.
    Die Einarbeitungszeit und die ersten 2 Jahre waren sehr gut, danach ging es allerdings bergab.
    In der Firma gab es einige Umstrukturierungen, einen neuen Chef, etc., so dass es mit der Zeit immer langweiliger wurde.
    Immer die gleichen Tätigkeiten, keine neuen Herausforderungen, ein ewiges ödes Dahinplätschern.
    Die neue Geschäftsführung meinte es wäre ganz toll, wenn man zig externe Leute einstellt und denen dann etliche Aufgaben überträgt. Ganz tolle Idee.
    Irgendwann sind dann nur noch diese Projektmanager-Fritzen durch die Gänge gerannt.
    Verdienen ein Schweinegeld, haben keine Ahnung und kommen sich vor wie die Könige.
    Durch den alten Chef hatte ich immer viel zu tun, da er immer mit neuen Ideen ankam.
    Sobald mal ein oder zwei Kollegen im Urlaub waren und somit mehr für mich zu tun war, wurde es wieder besser.
    Wenn ich nun so drüber nachdenke, war dieses Problem eigentlich in jeder Firma, in der ich bis jetzt gearbeitet habe, präsent.
    Es waren einfach immer zu viele Leute angestellt, eigentlich hätte man immer auf 1-2 Personen verzichten können.
    Das ging aber nicht, da alle anderen Kollegen ja ständig überlastet waren und viel zu viel zu tun hatten.
    Verstanden habe ich das nie, da ich deren Arbeit, wenn sie im Urlaub waren, sehr viel schneller erledigt hatte und trotzdem nicht ausgelastet war.
    Ich denke auch, dass das wohl ein allgemeines IT-Problem ist, entweder es gibt halt gar nichts zu tun oder viel zu viel.
    Tag ein Tag aus ging es so weiter, irgendwann kennt man sämtliche News, hat das halbe Internet gelesen und selbst Flash Spiele werden irgendwann langweilig.
    Das bischen Arbeit, welches man hat, teilt man sich in Häppchen über den Tag verteilt ein, damit man nicht irgendwann wieder völlig leer da steht.
    Bekommt man dann schließlich irgendwann wieder eine einigermaßen anspruchsvolle Aufgabe ist die Motivation schon so weit im Keller,
    dass man sich überhaupt nicht mehr aufraffen kann, etwas zu tun. Das ist doch Wahnsinn?!
    Man schiebt es ewig vor sich hin, da man weiß, dass man nach der Erledigung der Aufgabe wieder nichts zu tun hat.
    Wenn ich dann schließlich damit anfange und man zuvor geschätzt hat, dass es 2 Tage dauert, bin ich in 2 Stunden fertig.
    Durch das Fernstudium habe ich gelernt, wie man neue Dinge / Aufgaben innerhalb der kürzest möglichen Zeit am effektivsten lernt / erledigt.
    Dies hat sich dann auch auf mein Arbeitsleben übertragen. Andere Kollegen brauchen eben für den oben beschriebenen Sachverhalt 2 Tage,
    ich konzentriere mich zu 100% und bin dann viel schneller fertig.
    Im Studium treffe ich immer wieder Mitstudenten, welche doppelt so viel lernen wie ich, dann aber Noten mit 3,x bekommen.
    Mit der Zeit habe ich gelernt auf was es ankommt und so meinen Lernprozess perfektioniert.
    Ich lerne weniger als alle anderen und schreibe trotzdem nur noch 1,x Noten.

    Da die Einstellung des Chefs ähnlich war, war von dieser Stelle keine Hilfe zu erwarten.
    Der Ausweg war dann eine interne Stellenausschreibung als Programmierer.
    Die Stelle bot exakt die Aufgaben, welche mir im alten Job am meisten Spaß machten. Eine Bewerbung war also unumgänglich.
    Schließlich habe ich die Stelle bekommen und Anfang 2011 angefangen.
    Wieder folgte eine spannende Einarbeitungszeit, man lernt viel neues, muss sich wieder von neuem beweisen und gibt 100%.
    Das Arbeitsumfeld war komplett neu für mich, ich musste quasi alles von Grund auf lernen.
    Gleichzeitig schrieb ich viele Klausuren für das Fernstudium und musste noch eine extrem schwere Prüfung für meine neue Arbeitsstelle bestehen.
    Das alles spielte sich im Frühjahr 2011 ab und ich war zu 100% ausgelastet.
    Nach 6 Monaten hatte ich dann mit meinem neuen Chef ein Statusgespräch bzgl. wie die Einarbeitung läuft etc.
    Fazit war, ich habe die Erwartungen übertroffen und man ist sehr zufrieden.
    Eigentlich war man davon ausgegangen, dass ich auf 2-3 Schulungen gehen müsste, gebraucht habe ich davon keine.
    Das war der Zeitpunkt, an dem es mit meiner Motivation wieder bergab ging.
    Das Fernstudium ist nun fast durch, es stehen nur noch wenige einfache Klausuren an, ich habe einen Schnitt von 1,x,
    die schwere Prüfung ist bestanden, die Einarbeitung vorbei, es ging quasi von 100% auf 0%.
    Seitdem "vegetiere" ich vor mich hin.
    Im Endeffekt bietet der neue Job auch nicht mehr Herausforderungen wie der alte, alles wiederholt sich, alles ist irgendwie ähnlich.
    Nach nun nicht einmal 9 Monaten habe ich schon wieder keine Lust mehr.
    Was hierbei wahrscheinlich auch eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass ich bis jetzt in jedem Job immer quasi die Nummer 2 war.
    Nicht in Bezug auf Fachkenntnisse oder Arbeitsergebnisse, sondern die anderen Kollegen sind halt schon länger da.
    Das bedeutet nun, dass viele Abläufe und Strukturen schon fest sind und nicht mehr geändert werden können.
    Die Alteingessenenen sind für andere Mitarbeiter natürlich immer die ersten Ansprechpartner, da sie schon länger da sind.
    Sämtliche Abläufe und Vorgehensweisen werden schon immer so gemacht, Änderungen werden abgelehnt und man muss sich anpassen.
    Ich war noch nie ein Mensch, welcher sich gerne an die Allgemeinheit anpasst.

    Oft komme ich nach Hause, habe den ganzen Tag nichts produktives gemacht und bin dann trotzdem total müde.
    Zuhause bin ich dann so fertig, dass nur noch Essen und TV schauen möglich ist.
    Der Trott überträgt sich vom Arbeitsleben auf das Privatleben.
    Das geschieht nicht mal unterbewusst, ich merke das durchaus, kann aber NICHTS dagegen tun. Man ist dann so erledigt, dass einem alles völlig sinnlos vorkommt.
    Wozu Sport machen, wozu dies und jenes machen, interessiert doch eh niemand.
    Ich habe eigentlich genug Hobbies, aber selbst die kommen einem in so einer Situation sinnlos vor.

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Zudem nervt mich das tägliche Pendeln mit dem Zug zu meiner Arbeitsstelle.
    Ich brauche für den einfachen Weg eine Stunde, also ingesamt 2 Stunden pro Tag.
    Meine Freundin und ich sind vor 2 Jahren extra weiter auf's Land gezogen, da wir uns in der Stadt nicht wohl fühlen.
    Leider befindet sich meine Arbeitsstelle aber mitten in der Großstadt.
    Ich bin ein Mensch, welcher sich in großen Menschenmassen nicht wohl fühlt und auch gerne mal alleine ist.
    Schon als Kind konnte ich mich stundenlang mit mir selbst beschäftigen und habe immer neue "Aufgaben" und Beschäftigungen gefunden.
    Die tägliche Fahrt mit dem chronisch überfüllten stinkenden Zug ist eine Qual. Ich fühle mich wie eine Sardine in der Dose, bekomme keine Luft.
    Wenn ich aus dem Zug aussteige, muss ich immer erstmal tief aus- und einatmen.
    Am Anfang dachte ich "das geht schon irgendwie, während der Zugfahrt kannst du lesen und von der Arbeit abschalten".
    Aber gerade das geht eben nicht, da mir die Enge und das dichte Aufeinandersitzen im Zug extrem unangenehm ist und mich stresst.
    Ich bin gereizt und tlw. sogar aggressiv.
    Durch die Langeweile auf der Arbeit bin ich dann oft extrem genervt, angespannt und unfreundlich zu Freundin und Eltern.
    Eigentlich will ich das nicht, kann aber irgendwie trotzdem nichts dagegen tun.
    Das Zeit absitzen kommt mir so unsinnig vor, dass ich manchmal irgendwie an allem zweifle.
    Ich zweifle am Sinn meines Jobs, irgendwie am Sinn von allem, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.
    Der Alltagstrott mit dem täglich gleichen Ablauf, dem Aufstehen, der Zugfahrt, etc. kommt mir total irreal vor.
    Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen diesen Job die nächsten 35 Jahre auszuüben.
    Schon der Gedanke daran ist unerträglich.
    Ich bin ein Mensch, welcher die Freiheit liebt. Ich liebe es in fremde Länder zu reisen, alles vorher selbst zu organisieren,
    in's kalte Wasser geschmissen zu werden und dann zu schauen, wie man zurecht kommt.
    Wenn ich dann nach so einer 2-3 wöchigen Individualreise zurück in den Alltag komme, ist es, als würde man mich in ein
    Gefängnis einsperren.
    Am liebsten hätte ich irgendeinen Job, bei dem man unterwegs ist, ständig vor neue Herausforderungen gestellt wird,
    selbstständig Lösungen finden muss, etwas von der Welt sieht, etc.
    Mir ist natürlich auch klar, dass so ein Job auch negative Folgen mit sich bringt, vorallem wenn man später mal eine Familie hat.
    In den meisten IT-Jobs arbeitet man "leider" in einem Team, Teamfähigkeit ist quasi Voraussetzung.
    Gerade diese ständige Abghängigkeit von anderen Leuten nervt total. Ständig wartet man auf irgendwas, ständig gibt
    es irgendwelche Sitzungen und Meetings, in denen Menschen sitzen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.
    Hauptsache man sitzt zusammen, diskutiert stundenlang über irgendeinen Schwachsinn und zum Schluss kommt im Endeffekt gar nichts raus.
    Ich habe diese Erfahrung schon so oft gemacht, dass es mich nur noch ankotzt.
    Jedem geht es nur darum sich selbst zu profilieren, sich irgendwie wichtig zu machen.
    Diese Abhängigkeit macht mich wahnsinnig, ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen, es auf meine Weise tun.
    Ständig wird man von irgendjemand blockiert und kann sich nicht frei entfalten.
    Das führt soweit, dass ich sogar daran zweifle, ob ich überhaupt den richtigen Beruf gewählt habe.
    Eigentlich macht es mir ja Spaß, bringt aber so viele negative Eigenschaften mit sich.
    Die Rumsitzerei im Büro kommt mir oft so unsinnig vor und ich denke daran, was man in dieser Zeit alles sinnvolles tun könnte.
    Ich verdiene gut, habe nette Kollegen, relativ wenig zu arbeiten und kann mir meine Zeit nahezu völlig frei einteilen.
    Der Traumjob schlechthin, mögen manche sagen.
    Eben nicht! Es macht mich verrückt, mein Hirn verfault, ich gehe ein.
    Wenn ich wieder mal nach einem langweiligen Tag nach Hause komme bin ich so eingerostet, dass ich nicht mal eine normale Unterhaltung
    führen kann. Ich kann mich nicht korrekt ausdrücken und komme mir regelrecht bekloppt vor.
    Ich muss raus aus dieser Maschinerie, ich weiß nur nicht wie.
    Bei einem neuen Job würde es wahrscheinlich wieder ähnlich laufen.
    Der erste richtige Schritt wäre wohl eine Auszeit von einem Jahr.
    Job kündigen, Wohnung kündigen und ein Jahr in's Ausland.
    Nicht monatlich ein festes Gehalt überwiesen bekommen, sondern selbst schauen, wie man sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält.
    Entweder man weiß dann, was man an seinem alten Job hatte, oder man will nie wieder zurück...

  3. #3
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    Hallo blue,
    hast du mal daran gedacht, dich selbständig zu machen? Eine Alternative wäre ein Halbtagsjob bzw. die Kombination von beidem.
    In Deutschland wirst du nach Loyalität bezahlt, Leistung wird nicht anerkannt. Wenn du das erwartete Pensum erreichst oder besser noch ein wenig drunter bleibst ist das schon OK, vorausgesetzt, du teilst die gleichen Hobbys wie dein Chef.
    Wenn du die Firma nicht als "Familie" siehst, und das sieht mir danach aus,wird das nichts.
    Gruss amonda

  4. #4
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    Hallo amonda,

    danke für Deine Antwort und den Tipp mit der Selbstständigkeit.
    Genauer nachgedacht habe ich darüber noch nicht, das werde ich jetzt aber definitiv tun.
    An der Firma hänge ich überhaupt nicht, diese hat sich in den letzten Jahren eher zum negativen entwickelt.

  5. #5
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    Zitat Zitat von blue_ Beitrag anzeigen
    Diese Abhängigkeit macht mich wahnsinnig, ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen, es auf meine Weise tun.
    Hallo Blue,

    gerade in den Jobs in der IT sind Deine Beobachtungen keine Seltenheit und ich möchte mich gerne Amondas Vorschlag anschließen: So wie Du Deine Situation beschreibst und welche Ziele Du für Dich formulierst, bist Du eigentlich derjenige, der freiberuflich in der IT tätig sein sollte. So wie sich das liest wirst Du in einem angestellten, und damit abhängigen Arbeitsverhältnis auf Dauer nicht glücklich.

    Kaum ein Arbeitgeber wird Dir so viele verschiedene Herausforderungen bieten können, wie Du brauchst, um Dich voll ausgelastet zu fühlen.

    Aber bevor Du nun am Montag alles hinschmeißt... sei bitte vorsichtig. Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte gut geplant und durchdacht sein. Du brauchst ein funktionierendes Netzwerk und Kenntnisse, die etwas ausgefallen sind. Aber ich glaube, Du bringst viele positive Eigenschaften für eine Selbstständigkeit mit. Da steckt ein Unternehmer in Dir.

    Vielleicht schaust Du Dich mal unter xing.com oder freelancermap.de oder gulp.de mal um und versuchst Deinen "Marktwert" zu definieren... Bevor Du aber den großen Sprung wagst, denk' bitte auch an Unterstützungen wie z.B. Existenzgründerzuschuss...

    Gerne kannst Du mich auch per PN anschreiben, falls Du konkrete Fragen dazu hast, die Du nicht öffentlich stellen willst.

    LG,
    Q.V.

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