Hey,
Ich habe das "hier und jetzt" zum ersten male in der Klinik kennen gelernt, da hat es für mich auch gepasst. Ich hab den ganzen Tag gegrübelt und mir Sorgen gemacht, ich hab ständig in meiner Vergangenheit rumgestochert und ich wollte im Grunde gar nicht mehr leben, also gar nicht mehr Da sein.
Die Realität war mir zuwider und somit natürlich das was jetzt grade hier passiert. Ich hatte gefühlsmässig auch keine Zukunft mehr.
Nun ist ja die Gegenwart sehr flüchtig, genau genommen ist sie exakt dann vorbei, wenn sie grade ist, man kann ja nicht sagen, dass die Gegenwart 1/10 Sekunde dauert und alles was danach kommt ist die Zukunft.
Ich denke also, dass das Hier und Jetzt eigentlich bedeutet "im Fluss" zu leben, Gegenwart ist also fliesend, sie ist Bewegung, in ihr verbindet sich alles was war, alles was ist und alles was sein wird.
Ich kann also sehr wohl im Hier und Jetzt sein, wenn ich mir Ziele setz oder die Zukunft planend gestalte.
Als mehr oder weniger gesunder Mensch ist also das "Hier und Jetzt Prinzip" für mich nicht mehr von Belang, als Mensch mit Depressionen was er sehr wichtig für mich. Manche übertreiben ja auch dieses Prinzip, sie binden sich nicht und treffen keine langfristigen Entscheidungen, sie leben im Grunde wie ein kleines Kind nur im hier und jetzt. Verantwortung kennen sie nicht, der Gedanke, dass sie heute schon daran arbeiten müssen was aus ihnen in 40 Jahren mal wird, ist ihnen fremd. Aber natürlich ist es so, denn würde es nicht so sein, müssten die Kinder kaum in die Schule gehen, wozu wäre das gut? Für das hier und jetzt bräuchten sie es nicht, sie brauchen eine Schuldbildung für die Zukunft.
Man kann auch argumentieren, dass ich heute tun muss, was heute zu tun ist, auch in Bezug auf zukünftige Folgen. Das Kind geht zur Schule, weil Kinder zur Schule gehen, weil eben Menschen im hier und jetzt Dinge tun, die ihre volle Wirkung erst in der Zukunft erzielen.
Ist man im hier und jetzt authentischer und von Sorgen entlastet? Kann und darf man dann noch träumen oder der Vergangenheit nachhängen? Darf man sich Ziele setzen, als Ansporn und um dem grauen Alltag zu entfliehen?
Ich denke, dass jede Strategie ein Erfolg ist, wenn sie zu Erfolg führt. Das kann auch eine Kombination von Strategien sein, derer man sich gar nicht bewusst ist. Vor allem sollte man sich selber auch mal vergessen können, sich einfach gehen lassen können, am Fluss des Lebens teilhaben und sich ablenken lassen von den kleinen und schönen Dingen des Lebens.
Ich denke übrigens, dass mein Hund im hier und jetzt lebt, allerdings hat er dabei immer seine Erfahrungen und Instinkte parat, die ihn durchs Lebens navigieren und die seine Reaktionen prägen. Er ist der der er ist, weil er all das erlebt hat, was er erlebt hat.
Ich hoffe, meine Gedanken sind nicht zu verworren![]()


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