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Thema: Leer, wertlos und kaputt

  1. #9
    Neuling
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    Hi Tina,
    bei mir fing es vor einigen Jahren an mit einem Jahresgespräch im Job, das anstand.

    Kurz zu meiner Geschichte: ich habe 2002 meinen ersten Job angefangen in einer Softwarefirma in Frankfurt. Dort wurde ich zuerst als unterbezahlter Trainee angefangen, weil sie angeblich nur 1 Person einstellen konnten und sich daher für einen Kandidaten mit mehr Erfahrung entschieden hatten. Sie fragten mich dann, ob ich trotzdem Interesse hätte, als Trainee einzusteigen (für eben weniger Geld) und dann später fest übernommen zu werden.

    Ich kam frisch von der Uni, der Arbeitsmarkt damals sah nicht so prickelnd aus und ich war happy, überhaupt was zu haben. Und dann in nem Softwareladen. Ich fühlte mich wie der King, haha. Also, angenommen.

    Meine Chefin war eine cholerisch veranlagte Frau, deren Leitspruch noch heute ist "Nicht geschimpft ist gelobt genug". Also hörte man nichts, wenn man die Klappe gehalten und geackert hat und wurde zur Schnecke gemacht, wenn man in ihren Augen "versagt" hat. Trotzdem war sie irgendwie witzig und tough, deshalb kommt man zuerst gar nicht dahinter, dass sie alle irgendwie klein hält, um selbst keinen Ärger zu haben.

    Ich war in der Beratung unterwegs und da gehörten chaotische Projekte und Überstunden zur Tagesordnung.

    Sie verließ irgendwann die Firma und 1 Jahr später (2006) erhielt ich einen Anruf aus einer anderen Softwarefirma in Heidelberg. Sie wollten mich gern einladen, sie haben meine Nummer von genau dieser Dame...blablabla. ok, also hin. Ich dachte, wunderbar, die zahlen besser, meine alte Chefin kannte ich ja schon. In meiner ersten Firma war ich eh nicht mehr glücklich und auf ne Gehaltserhöhung konnte ich da auch nicht mehr hoffen (wer Dich als kleiner Trainee einstellt, wird Dich immer als das sehen und selten große Gehaltssprünge ermöglichen, also ist Wechsel immer gut).

    Um es kurz zu machen. Ich war dann fast 10 Jahre lang in der neuen Firma. Weil ich ein gutmütiger, viel zu harmoniebedürftiger Mensch bin und nie nein gesagt habe, habe ich geackert wie ne Blöde...phasenweise 10-12 Stunden am Tag inkl. Nacht- oder Wochenendschichten (alles über 40 Std die Woche natürlich unbezahlt).

    Ich habe dort auch eine Art Karriere gemacht und war am Ende Abteilungsleiterin, aber für ein Gehalt, das eben wenig mit dem eines Abteilungsleiters zu tun hatte. Sie kannte mich als die Kleine, die sie damals nach der Uni eingestellt hat und hat mich klein gehalten. Wie alle anderen Mitarbeiter auch. Ganz unterschwellig wird man gebrochen und klein gehalten. Eine Art Herrschaft der Angst. Und weil man über Jahre/Jahrzehnte nur die Verfehlungen um die Ohren gehauen bekommt, glaubt man irgendwann daran und fragt sich, ob man überhaupt was kann. Sie macht das gut - alles verpackt in einer ach so witzigen, kumpelhaften Schale.

    Dann stand eben dieses Jahresgespräch an. Ich wusste, ich wollte endlich mehr Geld für die Schufterei und die Verantwortung, aber ich hab mir fast in die Hose gemacht vor dem Gespräch. Wer im Alltag nie nein sagt, hat auch große Probleme, diesen Leuten gegenüber mal klar auszusprechen "Ich möchte...dies oder jenes". Der Satz kommt einem nicht über die Lippen.

    Und das ist auch etwas, das ich in meinem Privatleben gefunden habe. Dort kann ich zwar nein sagen, aber in bestimmten Situationen wirklich klar den Menschen in die Augen zu schauen und zu sagen "Ich möchte" ist echt hart. Vor allem, wenn es um mehr geht, als nur in welchen Kinofilm man nun möchte.

    Und weil ich vor dem Gespräch so ein nervliches Wrack war, hab ich mir Hilfe geholt. Ich hab sie im Internet gefunden (C.K. heißt sie). Sie hat sich spezialisiert auf Gehaltsverhandlungen. Anfangs dachte ich, es geht mir nur darum. Aber als ich mit ihr telefonierte, hab ich schnell gemerkt, dass ich eine einzige große Selbstbewusstseinsbaustelle bin. Es war echt krass.

    Nach der ersten Stunde Telefonat war ich nass geschwitzt und am Zittern. Sie hat auf alle Knöpfe gedrückt, die weh taten. Sie meinte, ich kann nicht mal per Telefon deutlich sagen, was ich will. Ich sage immer "man", anstatt "ich". Ich bin perfektionistisch veranlagt und mache mir tausendfach nen Kopf um die Dinge, die ich tue (auch jetzt werde ich mir diesen Roman hier sicher noch mal durchlesen und nach fehlenden Kommas suchen...).

    Nach dem zweiten Telefonat wurde es dann konkreter....ich hatte gehofft, sie kann mir Zahlen nennen, was ich denn üblicherweise in meinem Alter bei dieser Firma in der Position verlangen kann. Sie sagte nur "Was sind Sie sich denn wert?" Und ich: uff! Äh, ja, also...hmm... Sie ist knallhart und unnachgiebig. Ich musste für jedes "man" 50 Cent in eine Spendenkasse geben.

    Und ich habe bei ihr gelernt, laut auszusprechen, was ich möchte. Im ganzen Satz...immer und immer wieder "ich möchte x Euro verdienen. Und die werde ich verdienen - ob hier oder woanders". Ich hatte es mir so simpel vorgestellt. Allein der erste Satz...ich habe mir fast die Zunge abgebissen, ihn laut auszusprechen. Und das sogar gegenüber meinem eigenen Coach. Wie sollte es dann erst bei meiner "Überchefin" sein?!

    Aber bevor Ihr gleich einschlaft...die Sessions bei Fr. K. taten weh, aber haben mir die Augen geöffnet. Und vieles in Gang gesetzt. Nach meinem Jahresgespräch habe ich einen neuen Job gesucht und gekündigt. Das hätte ich ohne die Sitzungen sicher auch nicht getan. Insgesamt ging mein innerer Prozess nun so weit, dass ich gar nicht mehr sicher bin, ob ich überhaupt noch im IT-Bereich bleiben möchte.

    Ich habe eine eigene Frauen-Selbstbewusstseins-Gruppe bei facebook gegründet, in der sich nun ca 80 Mädels tummeln und ich habe einen eigenen Blog gestartet (bei Interesse könnt Ihr mich gern persönlich anschreiben). Und das macht mir soviel Spaß und gibt soviel zurück, dass ich überlege, ganz zu wechseln.

    Diese ganzen Gedankenprozesse (wer bin ich? Was will ich? Was bin ich mir wert?) hat mein Coach ausgelöst.

    Puh, Roman beendet. Ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deinem Weg, Dein Selbstbewusstsein aufzupolieren. Lass Dich nicht kleinhalten. Wir können mehr, als wir glauben. Manchmal müssen wir es einfach aufschreiben und uns jeden Tag vor Augen führen.
    Liebe Grüße!
    Geändert von siddhi (09.01.2017 um 12:18 Uhr) Grund: Realnamen editiert

  2. #10
    Neuling
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    Danke. Von Frau K halte ich nichts. Schon allein weil sie stsrk übergewichtig ist und da frage ich mich sofort hst sie ihr Leben im Griff? Wie Du siehst ich bin nicht ur bei mir stteng und kritisch. Freu mich aber dass sie dir helfen konnte
    Nun weiß ich dass ich beruflich doch recht taff bin und nochdazu genug Geld habe und nicht vollzeit arbeiten muss.
    Meine Baustelle ist das Private ud da bin ich auch weiter. Ich merke endlich was und bei wem es einseitig ist und mir nur Kraft raubt und solche Leute bekommen einen riesen Tritt in A...
    Meist lohnt ein Gespräch nämlich nicht, weil gerade diese Energievsmpiere nichts zu geben haben-nur ziehen önnen und nicht um sonst bei mir landeten.

  3. #11
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    Absolut, ein Coach muss zu einem selbst passen und man muss ihm vertrauen können. Wenn das nicht passt oder Du von vorn herein Zweifel hast, hat es keinen Sinn.

    Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass der Coach selbst nicht alles "im Griff" haben muss, um bei seinem Gegenüber die richtigen Knöpfe zu drücken und Denkprozesse in Gang zu treten.

    Auf facebook bin ich seit einigen Jahren in einer Gruppe einer Dame aus den USA. Sie ist selbst mitten auf der Reise, ihr eigenes Leben zu verbessern und an ihren eigenen Dämonen zu arbeiten. Und inspiriert genau damit Hunderte Frauen, aktiv zu werden und vor allem, dran zu bleiben.

    Vielleicht weil sie sich damit noch stärker identifizieren können, anstatt einen nach außen perfekt wirkenden Übercoach zu haben (und dass niemand sein Leben immer uneingeschränkt im Griff hat, ist ja auch normal). Sie postet über eigene Rückschläge und das macht es greifbar - aber eben auch, wie sie sich danach wieder aufrappelt und dran bleibt. Das inspiriert und motiviert.

    Aber wie gesagt, es muss einfach Klick machen mit einem Coach.

    Und ja, im Privatleben mal "auszumisten", ist heilsam. Dort sammeln sich über die Jahre wirklich viele Energiekiller. Und auch Giftschleudern, die einen konstant unterschwellig runterziehen. Habe gerade erst einen Artikel drüber geschrieben.

    Also, dran bleiben. Du bist sicher auf einem guten Weg!

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