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Thema: Liebe vs. Selbstachtung

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Liebe vs. Selbstachtung



    hallo an alle, die sich zeit nehmen meinen beitrag zu lesen!
    ich bin gerade frisch angemeldet und möchte kurz etwas zu mir sagen, bevor ich loslege: ich bin 22 jahre alt, weiblich und mache gerade ein praktikum im sozialen bereich, genauer gesagt in einem jugendzentrum und die arbeit dort macht mir sehr viel freude und ich spüre, wie diese arbeit mir kraft und motivation gibt. die meisten kinder und teenager dort haben massive familiäre probleme und ich freue mich, wenn die kids zu mir kommen, sich mir anvertrauen und ich ihnen helfen kann. nach dem praktikum habe ich vor, studieren zu gehen (sozialarbeit).

    okay, nun zum eigentlichen grund, weshalb ich rat suche und gerne die meinung außenstehender hören möchte.

    ich bin nun 2 jahre mit meinem freund (30 jahre alt) zusammen. er ist die liebe meines lebens, etwas vergleichbares habe ich niemals zuvor gefühlt und ich dachte immer, so etwas passiert nur in filmen oder romanen.

    es könnte alles so schön sein, doch er hat ein alkoholproblem.anfangs war es noch nicht so auffällig und er war auch betrunken gut drauf und liebevoll, doch nach etwa 4-5 monaten ging es langsam los.
    es gab immer häufiger streit zwischen uns, weil er beim treffen mit freunden und auf partys zu viel trinkt. irgendwann fing es an, dass er aus dem nichts einfach wütend wurde und beleidigt war wegen nichtigkeiten. ich möchte aber vor allem die aktuelle lage (die letzen wochen und monate ansprechen).

    er ist krankhaft eifersüchtig. er fragt mich ständig nach exfreunden aus (obwohl ich ein echter spätzünder war und ziemlich schüchtern und zurückhaltend bin), will alles wissen (vor allem über den sexuellen aspekt) und wenn ich sage, dass ich nicht über solche dinge reden möchte,weil sowas meiner meinung nach nicht in eine beziehung gehört, dann wird er wütend und behauptet, der sex wäre für mich mit anderen besser gewesen und fragt mich tatsächlich, wie groß der schwanz von meinem exfreund war und er könnte da nicht mithalten. ich finde es so ekelerregend, dass er so respektlos und vulgär mit mir redet! er hat ziemliche komplexe, wo auch immer er diese her hat. er sagt auch immer, er hätte vor mir nur eine einzige frau gehabt (er hat eine exfrau) und stellt mich als schlampe hin, nur weil ich nicht direkt den richtigen gefunden habe und 3 freunde vor ihm hatte. natürlich durchschaue ich, dass da ein minderwertigkeitskomplex hintersteckt,aber die habe ich auch. viele haben komplexe, aber das ist doch kein grund, mich so zu beleidigen.
    des weiteren spioniert er mir hinterher. er durchsucht meinen pc nach fotos, nachrichten, gedichten,die ich mal geschrieben habe, guckt heimlich in mein handy. unsere streits eskalieren von mal zu mal mehr. er hat mich schon ein paar mal aus unserer gemeinsamen wohnung geschmissen. ich ziehe dann einige tage zu meinen eltern und er meldet sich dann am nächsten tag und entschuldigt sich und ich komme zurück. oft habe ich verlangt,dass er weniger bzw. nicht mehr trinkt,damit er nicht mehr so ausrastet und er versprach es, aber nach einigen wochen ging alles von vorne los.

    zur gegenwärtigen lage nun, die mich zur verzweiflung bringt.
    er verlor vor einer woche seinen job und zog sich in Folge dessen extrem zurück, beachtete mich kaum, versank im selbstmitleid und trank jeden abend einige flaschen bier. ich hatte viel stress um die ohren durch die neue arbeit und dachte, er findet sicher schnell was neues, wie immer. er küsste mich noch nicht mal mehr und ich machte mir sorgen und sprach ihn drauf an,warum er seit tagen so seltsam ist und sich abkapselt. er wurde sofort sauer und klagte mich an, ich hätte ihn seit tagen ignoriert und hätte ihn mal trösten sollen. und ich wäre undankbar und ich hätte sowieso keine lust mehr auf ihn etc. das führte zu diskussionen. die sache eskalierte und er beleidigte mich als schlampe, sagte er wäre "auf mich herein gefallen", ich wäre egoistisch, ich solle doch zu meinen eltern zurückgehen. er trat gegen die tür und schrie und beschimpfte mich. zwischendurch kommen immer wieder haarsträubende unterstellungen ich würde fremdgehen. ich bin eigentlich ein sehr ruhiger,sensibler mensch, doch diese ungerechten unterstellungen und beleidigungen machen mich so wütend, dass ich selbst anfange zu schreien und dinge zu zerstören aus wut. ich heule erst vor schmerz und trauer, und wenn er selbst dann nicht aufhört mit seinen gemeinheiten, werde ich hysterisch, weil ich es einfach nicht fassen kann, wie jemand so eiskalt sein kann. ich hatte schon oft den drang mich selbst zu beißen oder mir haare auszureißen vor wut und verzweiflung. und das macht mir angst.

    um 1 uhr nachts hat er mir dann befohlen sein haus zu verlassen bis er bis 10 gezählt hat. ich war einige tage bei meinen eltern und antwortete ihm nicht,wenn er schrieb. er konnte sich angeblich an nichts mehr erinnern. sagt er öfter. als er mir versprach, eine suchtberatung zu machen und ich ihm auch eine gute adresse hierfür gab, wurde ich weich und kam zurück.

    während ich bei meinen eltern wohnte, kontaktierte ich seinen guten freund, der wie ein patenonkel für mich ist und der weiß, wie mein freund tickt und dass er ein alkoholproblem hat. ich fragte ihnl ediglich per sms, ob er sich zufällig mit meinem freund abends trifft, denn dann könnte ich wenigstens einige klamotten abholen während er weg ist, damit es nicht wieder zum streit kommt. ich erzählte ihm nichts von dem streit, aber fügte noch hinzu, dass er meinen freund nicht darauf ansprechen soll. mein freund hat am abend meiner "rückkehr" heimlich mein handy durchsucht und las diese sms und tobte sofort wieder und steigerte sich in den gedanken hinein,ich würde ihm seine freunde wegnehmen und er könnte mir nie wieder vertrauen, ich hätte geheimnisse vor ihm und heimliche affären! er hat sogar schluss gemacht - nach 2 jahren!- und stellte mir ein ultimatum: wenn ich innerhalb von 24 std nicht zeigen würde, wie ich ihn liebe und dass es mir leid tut, ihn hintergangen zu haben, dann wäre es aus. ich solle mal angekrochen kommen und wäre gefühlskalt, weil ich ihn nicht um verzeihung bitte. erst dachte ich, jetzt ist er ganz durchgeknallt,aber schließlich ging ich doch drauf ein und rechtfertigte mich, erklärte alles 3000 mal, aber er geht nicht darauf ein, er sagt er wäre hintergangen worden,ich hätte mist gebaut und ich solle versuchen es wieder gutzumachen. die frage ist, wie gehe ich damit um? wenn ich ihn für etwas um verzeihung bitte,was ich nicht getan habe und "angekrochen" komme habe ich keine achtung mehr vor mir selbst! aber auf der anderen seite bin ich unendlich traurig, dass alles kaputt geht, nur weil er die realität völlig falsch wahrnimmt! er denkt sich solch absurde verschwörungstheorien aus, dass ich einfach nicht mehr weiß,wie ich mit sowas umgehen soll. die phasen, wo alles schön und harmonisch ist, werden immer kürzer. so etwas passiert im wochentakt. ich weiß nicht weiter. soll ich gar nicht mehr antworten auf so etwas? ich habe solche angst, dass ich ihn verliere und alles was so schön sein könnte, wird nur durch wahnvorstellungen zunichte gemacht! ich will das nicht zulassen!


    ich weiß, der text ist unmöglich lang, aber ich musste mal einfach alles "runterschreiben".

  2. #2
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    Standard

    Hallo White Rabbit

    Tu dir selber einen Gefallen und lese deinen Text hier ganz in Ruhe nochmal.
    Viele Passagen hast du dir selbst beantwortet.
    Er hat ein Alkoholproblem, er ist krank !
    Du leidest in eurer Beziehung, aber eine Liebe ist nicht da um zu leiden !
    Egal was mit ihm einmal passiert sein könnte, warum er angefangen hat zu trinken, warum er sich so verhält, DU bist NICHT schuld daran.
    ER braucht Hilfe. Er muss zum Entzug und dann übergreifend in eine Therapie.
    Und diesen Weg MUSS er von sich aus gehen, nicht weil DU es möchtest.
    Du machst dich gerade zu einer Co Abhängigen, die versucht ihm deine Liebe überzustülpen und dann wird alles wieder gut - wird es aber nicht.
    Die Ausfälle werden schlimmer !
    Ich war mit einem Alkoholiker verheiratet und weiß wovon wir hier reden !
    Er will das alles garnicht, aber er KANN es nicht anders.Der Alkohol macht Sachen mit ihm die er im nüchternen Zustand zutiefst bereut und das bringt ihn noch mehr in die Klemme. Dann ärgert er sich wieder über seine *******e die er gebaut hat, muss wieder trinken und wird aggressiv und zwar hochgradig.
    Du setzt dich jeden Tag davon einer Gefahr aus, nämlich das er im Suff mal völlig durchdreht und dich verletzt, körperlich. Die Schwelle ist niedrig, glaub mir.
    Hinterher tut ihm alles leid und die schönsten Entschuldigungen folgen.
    Sie sind nach paar Tagen wieder vergessen und es geht erneut los und von mal zu mal schlimmer. Willst du so leben ?????????????????????????????????????
    Also, sofort Trennung, auch wenn du ihn liebst - oder gerade weil du ihn liebst musst du ihn jetzt fallen lassen. Wenn ER dich so liebt wie du ihn wird er als gesunder Mensch zurück kommen !!!!
    Pack deine Sachen, geh zu deinen Eltern, lass nichts mehr von dir in der Wohnung.
    Meldet er sich, sag ihm seine Alternative .... entweder Therapie und Behandlung oder keine Beziehung mehr.
    Falls er eine stationäre Therapie machen muss, kannst du ihn sogar besuchen nach einer gewissen Zeit. Du wirst sehen wie positiv sich ein Mensch ohne Alkohol verändern kann.
    Das ist alles was ich dir raten kann. Du hast keine Chance ihn mit deiner Kraft zu verändern. Der Alkohol wird immer stärker sein als du !
    Je eher du gehst umso eher hat er die Chance auf ein normales Leben und du ebenfalls.
    Ich wünsche dir viel Glück und wenn du Fragen hast, frag, ich bin oft hier online
    lg Mama Moni

  3. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Mama Moni für den sinnvollen Beitrag:

    Silent Voice (04.02.2012),Sonnenkraut (04.02.2012),WhiteRabbit (04.02.2012)

  4. #3
    Schreibkraft
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    Standard @ Mama Moni

    Ein "Danke" für Deinen Beitrag ist hier gar nicht genug: Es ist genau das, was ich auch gedacht habe, als ich den Beitrag von "WhiteRabbit" las...

    LG
    Silent Voice

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Silent Voice für den sinnvollen Beitrag:

    Mama Moni (04.02.2012)

  6. #4
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    Standard Liebe vs. Selbstachtung?

    Liebe vs. Selbstachtung?

    @ WhiteRabbit

    Der Titel allein ist schon ein Wiederspruch in sich. Liebe und Selbstachtung gehören zusammen und können sich niemals gegenüberstehen.

    Doch, wie Mama Moni schon schrieb, Du weißt das auch und Du hast viele Antworten in Deinem Beitrag schon selbst geschrieben. Da auch ich Erfahrungen damit gesammelt habe, wie ein Mensch unter Alkoholeinfluß die Kontrolle verliert, mußte ich beim lesen sogar einmal aufstehen und eine ziemlich aufgewühlte Runde gehen, bis ich mich wieder beruhigt hatte...

    Jederzeit, so dachte ich, kann er sie schlagen... doch allein sein jetziges Verhalten ist schlimm genug: Gewalt (das Drohen allein ist bereits Gewaltausübung), emotionale Erpressung, Manipulation... er zieht alle Register und Du machst Dir Gedanken, wie Du das in den Griff bekommst...

    Hier möchte ebenfalls Mama Moni zustimmen: Du kannst das niemals in den Griff bekommen und es ist auch gar nicht Deine Aufgabe. Du bist wirklich auf dem besten Weg, eine Co-Abhängige zu werden... und zwar nicht nur für sein Alkoholproblem, sondern auch für seine tiefgreifenden psychischen Probleme, die er tatsächlich hat...

    Wir alle tragen unser "Päckchen", doch Du läßt Dir von ihm gleich ein ganzes Paket aufbürden: Verantwortlich dafür, wie die Beziehung läuft, Verantwortlich dafür, wie er sich fühlt... verantwortlich für seine Eifersucht...

    Dein erster Fehler war, dass Du dieses Paket angenommen hast - das machen wir alle! Wenn ein geliebter Mensch in unserer Umgebung ein Problem hat, wollen wir zu Lösung beitragen, klar doch!

    Doch hier geht es nicht um Lösung. Hier geht es um Kontrolle: Er kontrolliert und manipuliert Dich mit immer neuen Beschuldigungen und Anforderungen. Nicht nur, dass Du keinen Chance hast, hier zu gewinnen - Nein, dadurch, dass Du dieses "Spiel" mitspielst unterstützt Du ihn in seiner bereits kranken Wahrnehmung, die lauten könnte: Ich habe recht! Somit sind auch meine Taten gerechtfertigt!

    Der Gedanke, dass er völlig auf dem falschen Weg ist, wird so bei ihm niemals aufkommen.

    Du hast die Lage aber erkannt, da bin ich mir ganz sicher. Die einzige Handlung, die sowohl Dich als auch ihn retten kann: Trennung und zwar sofort! Wenn Du jetzt bereits bei Deinen Eltern bist, dann bleibe dort. Du kannst ihm sagen, unter welchen Bedingungen (Alkoholentzug, Therapie) Du eine Zukunft für Euch sehen kannst, in einem vernünftigen Gespräch natürlich.

    Auf jeden Fall aber solltest Du klar machen, dass diese Bedingungen nicht zur Diskussion stehen und auch nicht Gegenstand irgendwelcher Verhandlungen sind. Danach musst Du ihn gehen lassen.

    Es ist seine Aufgabe, zu erkennen, auf welchem Weg er tatsächlich ist. Das kannst und darfst Du ihm nicht abnehmen. Du darfst und solltest Dich selbst erstmal retten.

    Zum ersten mal gibst Du ihm durch Deinen Auszug/Trennung die Möglichkeit, überhaupt eine Konsequenz aus seinem bisherigen Verhalten zu erfahren. Warum sollte er sich bisher auch geändert haben?

    Trennung, sofort. Für ihn und vor allem: Für Dich! Du hast ein Recht auf ein glückliches Leben und eine glückliche Beziehung.

    LG
    Silent Voice

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Silent Voice für den sinnvollen Beitrag:

    WhiteRabbit (04.02.2012)

  8. #5
    Neuling
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    wow, ich danke euch sehr für eure antworten!
    ich hab mal in mich hinein gehört und ich denke, ich will einfach nicht aufgeben, was ich gefunden habe. wenn man erfährt was liebe ist, und sieht, wie es ist, einen menschen zu lieben und von ihm gebraucht und geliebt zu werden, dann ist man nicht bereit, dies wieder herzugeben. ich habe auch seltsame ängste allein zu sein und nie wieder jemanden zu finden, nie wieder glücklich werden zu können. ich bin ziemlich romantisch und mir bedeuten innige beziehungen (z.B auch die zu meiner mutter oder zu meiner schwester) sehr viel, da ich früher kaum freunde und soziale kontakte hatte, was sich aber seit ein paar jahren sehr geändert hat. ich bin richtig aufgeblüht und finde schnell neue freunde.

    ich habe trotzdem das gefühl, dass ich ohne ihn nicht glücklich sein kann, weil ich noch nie solche gefühle erlebt habe und wir schon viel durchgemacht haben.
    ich ärgere mich selbst, wie schwach ich wirke und wieso ich nicht einfach, wie andere frauen, sagen kann "so behandelst du mich nicht,freundchen! dann bin ich halt weg! und du hast mich nicht verdient".

    ich bleibe, mir selbst zuliebe auf jeden fall bei meinen eltern und warte mal ab, ob er seine erpressung durchzieht.

    wie kann man einem menschen denn bloß vor augen führen, wie er sich verhält und dass ER das problem ist und hat und nicht immer alle anderen??

  9. #6
    Verleger Avatar von Physalis
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    Zitat Zitat von WhiteRabbit Beitrag anzeigen
    ich will einfach nicht aufgeben, was ich gefunden habe...
    Hallo WhiteRabbit,

    Du hast einen Alkoholiker gefunden, der krankhaft eifersüchtig ist, der dich beschimpft, beleidigt und demütigt, Dich kontrolliert und erpresst.
    Die negativen Ereignisse geschehen im Wochentakt, die harmonischen Momente werden immer weniger.

    All dies hast Du gefunden und möchtest es nicht mehr aufgeben.

    Weshalb dann dieser Strang? Es ist doch das, was Du möchtest. Denn genau das sagst Du: Ich will einfach nicht aufgeben, was ich gefunden habe.

    Es tut mir weh, zu lesen, wie eine junge Frau, die ihr Leben noch vor sich hat, sich auf den Mist wirft wie eine faule Tomate.

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