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Thema: Liebeswahn und Lösungen?!

  1. #1
    Neuling
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    Standard Liebeswahn und Lösungen?!

    Hallo,

    ich möchte euch um eine Hilfestellung bitten zu einer Situation, in der ich mich seit ca. 15 Jahren befinde. Bisher habe ich es immer wieder geschafft, durch ignorieren, verdrängen und andere Maßnahmen das Problem zu "ertragen", mittlerweile gelingt mir das nicht mehr und ich suche die Befreiung aus der Situation. Ich fange einfach mal an zu erzählen.

    Ich arbeite seit ca. 17 Jahren in einem großen Mittelstandsunternehmen als Geschäftsführer und Mitinhaber. Das Unternehmen und dessen Mitarbeiter liegt mir sehr am Herzen, allein das ist der Grund, warum ich noch dort aktiv bin. Vor ca. 15 Jahren gestand mir mein Geschäftspartner seine Liebe zu mir. Ich bin männlich, glücklich verheiratet und habe zwei Kinder und bin durch und durch heterosexuell. Er ist ebenfalls männlich und unglücklich verheiratet, auch mit Kindern. Nach anfänglicher Überraschung teilte ich ihm eindeutig mit, dass mir sehr wohl an einer Freundschaft im eigentlichen Sinne mit ihm gelegen ist, ich seine Gefühle für mich aber keinesfalls erwidere. Zunächst sah es nach Akzeptanz seinerseits aus, bis ich dann feststellen musste, dass das Problem sehr tiefgreifend ist und mit einer psychischen Krankheit auf seiner Seite verbunden ist. Seit dieser Zeit hat er trotz immer wieder gleicher Antwort von meiner Seite die Hoffnung nie aufgegeben, im Gegenteil, er hat sie zu seinem Lebenselixier gemacht. Was in den Jahren darauf folgte ist unbeschreiblich. Über Eifersuchtsszenen auf Messen, ständige SMS, hunderte DIN A4 Seiten in schriftlicher Form, ständige Einladungen zu gemeinsamen Aktivitäten usw. bis zu Selbstmorddrohungen war alles dabei. Er hat alles hinter sich, ich auch, es gab Gespräche mit seiner Frau, Gespräche mit meiner Frau, er hatte 200 Sitzungen bei einer Tiefenpsychologin, Gespräche seinerseits mit anderen Freunden und schließlich tröstet er sich regelmässig mit Alkohol (sein Vater war auch Alkoholiker). Ich habe wirklich alles versucht, ihn von diesem Wahn zu befreien, auch im Sinne seiner Familie und der Firma, weiß aber jetzt nicht mehr weiter. Gibt es Tipps, die mir aus dieser Situation helfen können? Ich leide seit einigen Jahren an Ängsten und bin mir sicher, dass diese Ängste aus der Situation resultieren. Leitsymptom dieser Ängste sind das Gefühl, nicht richtig atmen zu können und Klosgefühl im Hals.

    Liebe Grüße

    Michael

  2. #2
    Roman Verfasser
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    Ja, die Situation löst Beklemmung aus, nimmt Dir die Luft, nur zu verständlich. Mich würde interessieren, welche Ängste sind es denn, und, reagierst Du auf seine fortgesetzten Offerten?

  3. #3
    Schreiberling
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    Hallo Michael,

    Zitat Zitat von MBChess Beitrag anzeigen
    Gibt es Tipps, die mir aus dieser Situation helfen können? Ich leide seit einigen Jahren an Ängsten und bin mir sicher, dass diese Ängste aus der Situation resultieren.
    hast Du Deinem Geschäftspartner denn das einmal gesagt?

    Ich sehe im Moment zwei Möglichkeiten:

    (1) Du wirst erst dann befreit, wenn auch er von seiner Verliebtheit befreit ist, sich also stattdessen jemandem widmet, von dem er auch Liebe erwidert bekommen kann. Eine Therapie wird da nicht viel nützen: wenn man sich als homosexuell geoutet hat, kann man nicht "enthomosexualisiert" werden. Das ist eine Sache, bei der es ganz auf die eigenen Gefühle ankommt. Genauso geht auch eine Umpolung von Heterosexuell nach Homosexuell nicht einfach durch Therapie, sei es auch tiefenpsychologisch. Hilfreich ist dagegen, die Spannung zwischen euch beiden abzubauen. Durch ernsthafte Gespräche, dass Du nicht auf diese Weise weiter mit ihm das Unternehmen kooperieren kannst und willst, und durch Versicherung, dass er nur glücklich werden kann, wenn er seinesgleichen sucht (dass er selber eine Familie hat, lasse ich thematisch jetzt mal außenvor, das ist aber noch ein wichtiges Kapitel), kann es gelingen.

    (2) Die vielleicht schwierigere Variante ist die Distanzierung zu ihm. Du sagtest, Du seist eher nur noch wegen Deinen Freunden in der Geschäftsleitung. Hier böte sich ein Rückzug aus dem Unternehmen für Dich vorteilhaft an. Ich kann es nicht versichern, aber ich vermute, seine Selbstmorddrohungen sind nur Mittel zum Zweck, stellen also weniger eine ernsthafte Bedrohung für ihn dar. Auf alle Fälle ist diese Methode nicht unbekannt. Durch Deinen Rückzug vom Unternehmen und damit von ihm wird er enttäuscht sein, aber auch das geht weg. Bleibe jedenfalls konsequent!

    Mein Vater steckte in einer ähnlichen Situation wie Du. Er hatte lange Jahre einen guten Freund, der homosexuell und geschiedener Vater ist. Als dieser sich allerdings an meinen Vater "ranmachte", zog sich jener langsam aber sicher zurück, bis sie seither keinen Kontakt mehr haben.



    Zitat Zitat von MBChess Beitrag anzeigen
    Leitsymptom dieser Ängste sind das Gefühl, nicht richtig atmen zu können und Klosgefühl im Hals.
    Ja, verständlich. Weder willst Du Deine Frau verlassen und homosexuell werden, um Deinen Geschäftspartner glücklich zu machen, noch willst Du ihn allein in seinem Liebeskummer und seinen Drohungen lassen. Das drückt einem ziemlich die Lunge zu.

    Viel Erfolg und schreibe mal, wenn sich etwas ergeben hat.

  4. #4
    Zarte_Seele
    Gast

    Rotes Gesicht Medikamente???

    Hallo Michael,

    ich denke mit Therapie kommt man ohne medikamentöse Behandlung auch nicht wirklich weit!

    Fühl Dich nicht von ihm bedroht - es geht eigentlich auch gar nicht um DICH- Du könntest von anderen ersetzt werden ABER leider geht das nicht- denn du hast ständigen Kontakt zu ihm!
    Ihr MÜSST euch trennen -also nicht nur privat auch beruflich- sonst kommt ER und auch Du nicht mehr zur Ruhe!

    Er wird noch drunter leiden- evtl. sich irgendwann ein neues "Opfer" suchen, damit er daas Gefühl bekommt, es Wert zu sein, zu leben!
    Der Kampf um Dich ist eigentlich der Kampf um die Liebe seiner Mutter, seines Vaters- seiner selbst!
    Leider kann er diesen Kampf - mit Mutter/Vater- den er immer wieder verlieren wird- oder evtl. ist es nicht mehr möglich - und auch den Kampf mit der Liebe zu sich selbst - zur Zeit nicht aufnehmen!
    Dann müsste er sich ganz viel trauriges eingestehen - das lässt sein Bewusstsein nicht zu!

    Geh ihm ganz aus dem Weg - damit hilfst Du Dir selbst!
    Er braucht weiterhin professionelle Hilfe - evtl. eine Betreuerin, zu der er Vertrauen fassen kann - und eine medikamentöse Behandlung!

    Viel Glück für euch!
    Geändert von Zarte_Seele (06.02.2012 um 19:28 Uhr)

  5. #5
    Neuling
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    Hallo und vielen Dank für die Antworten!

    Die Ängste sind die vor der endgültigen Zerstörung eines funktionierenden Systems (die Firma) aus einem für mich zumindest blöden Grund. Ich habe ihm schon einmal ganz klar gesagt, was diese Situation bei mir auslöst, er nimmt sich dann aber nur wichtig und hat wieder einen Grund gefunden, unendlich lange über sein Thema und sein Problem zu sprechen. Meine Ansprüche sind dabei zweitrangig, zumindest aus seiner Sicht. Das Verlassen des Unternehmens ist für mich nicht wirklich eine Option, ich würde mir wahrscheinlich Vorwürfe machen unsere Mitarbeiter im Stich zu lassen anstatt das eigentliche Problem zu lösen. Nebenbei bin ich auch die treibende Kraft im Unternehmen, er ist aufgrund seiner Probleme nicht bei der Sache und trinkt teilweise schon ab morgens 10.00 Uhr. Für mich ist das Thema des Versuches mich auf seine Seite zu ziehen überhaupt kein Problem, ich habe einen Mund um "nein" zu sagen. Ich denke dieser Wahn mich immer weiter zu belästigen und negative Antworten zu ignorieren hat einen gewissen Krankheitswert. Ich behaupte er braucht diese "Idee" als letzten Hoffnungsschimmer und Leitfaden für sein Leben. In vielen anderen Bereichen (Ehe, Erziehung, Geschäft) ist er bereits gescheitert, ich denke das ist sein letzter Strohhalm.

    Liebe Grüße

    Michael

  6. #6
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    Verstehe... das heißt Du hältst das Ganze zusammen. Und wenn Du gehst, geht die Firma kaputt. Als Sachlösung, hättest Du vielleicht Chancen den Job geordnet an eine neue Führungskraft zu übergeben. Also ein geordneter Rückzug.

    Andererseits kann ich verstehen, es ist blöd, aus so einem Grund zu gehen, wo das Problem beim Anderen liegt. Allerdings könnte man da gleich auch wieder sagen, liegt das Problem mittlerweile nicht mehr nur bei ihm.

    Was mich aufhorchen läßt ist, wie Du sagst, daß ein Ansprechen des Problems "unendlich lange" Problemgespräche aufkommen läßt. Wie kann das sein, wenn Du eigentlich gar nicht darüber reden willst. Siehst Du Dich in der Pflicht zuzuhören? Du hättest das Recht mitten im Satz kommentarlos zu gehen.

    Ich finde einerseits hast Du verantwortungsvoll gehandelt indem Du ihm helfen wolltest, andererseits kann man im Grunde niemanden helfen, der sich nicht helfen lassen will. Es wäre aus der Sicht vielleicht sogar besser gewesen, dieses Problem von Anfang an voll und ganz bei ihm zu belassen. Indem Du Hilfe angeboten hast, hast Du Verantwortung übernommen, die Du real nicht hast. Und überlege mal, aus seiner Sicht, was gibt es deprimierenderes, von jemandem, den man liebt bei der Abstellung dieses Verhaltens unter die Arme gegriffen zu bekommen. Da stimmt er vielleicht aus logischen Sachgründen zu, weil er einsieht, aha, schlecht für die Firma, aber das kann prinzipbedingt keinen Erfolg haben.

    Als sinnvoll empfände ich es, sich in seine Sache da nicht mehr hereinzumischen, und sich abzugrenzen. Also auch keine negativen Antworten mehr geben, gar keine Antworten mehr darauf geben. Selbst das Thema nicht mehr ansprechen, Abstand wahren. Ansprechversuche von ihm ignorieren.

    Sprich, ihn kannst Du nicht ändern, er ist wie er ist.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    MBChess (06.02.2012)

  8. #7
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    Hallo Erwin,

    die Frage, ob ich mich am besten gar nicht erst mit ihm gemeinsam in die Sache vertieft hätte, habe ich mir schon sehr oft gestellt. Aus heutiger Sicht ist die Antwort eindeutig - nein, hätte ich besser nicht. Aber hinterher ist man meistens schlauer. Ich denke der Weg diese Dinge einfach zu ignorieren, wie von Dir vorgeschlagen, ist ein guter Weg. Ich habe das schon mehrfach eine ganze Zeit "durchgehalten", dann aber aufgrund drastischerer Maßnahmen seinerseits (Aggression, Suiziddrohungen, stark depressive Phasen) wieder eingelenkt und das Gespräch gesucht, um das Thema wieder herunterzukochen.
    Ich denke es ist das beste, diese Maßnahme konsequent durchzuhalten.

    Gruß

    Michael

  9. #8
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    Hallo Michael,

    ja, man muß den Irrtum eben manchmal voll durchleben, anders gehts nicht. Was Du schilderst, daß er da seine Maßnahmen hochgefahren hat, depressiv wurde, Selbstmorddrohungen äußerte, als Du das Thema ignoriert hast, das ist ganz und gar verständlich und vollkommen erwartbar. Denn das Schlimmste für ihn, die Bestätigung daß Du nichts von ihm willst, die liegt genau darin. Streitet ihr, redet ihr, gehst Du auf ihn ein, kann er sich Illusionen hingeben, kann er versuchen Dich doch noch zu überzeugen. In dem Moment, wo Du damit aufhörst droht akute Gefahr, es muß dringendst die Erkenntnis verhindert werden, daß Du nichts willst von ihm, und und seine Agression, Suiziddrohung, etc., hat dann EINZIG den Zweck, den vorherigen Zustand der Zuwendung wieder herzustellen. Durch diese Phase und durch diese Depression müsste er durch, müsstest aber auch Du durch. Dann bestünde vielleicht eine Chance.

    Du kannst Dir nur immer wieder sagen, Du trägst keine Schuld an seinem Zustand, Du bist nicht verpflichtet ihm Verständnis zu eröffnen oder seinen Irrtum zu korrigieren. Das kann einzig und allein von ihm kommen. Selbst wenn er darüber einen Selbstmordversuch unternimmt, Du hast alles getan, Du hättest das Recht (im Stillen) darüber sauer zu sein, denn mehr als Nein sagen kannst Du doch nicht, das wäre erpresserisch von ihm. Vollkommen unbeeindruckt bleiben selbst in diesem Fall. Er müßte die Erfahrung machen, daß selbst die äußerste Anstrengung Deine Position nicht ins Wanken bringt.

    Und wenn er merkt, Du entfernst Dich, es ist Dir ernst, wird er alles probieren Dich wieder in die Diskussion zu verwickeln. Er wird Dir vielleicht abstruse Beleidigungen an den Kopf werfen, versuchen Dich mit offensichtlichen Blödsinn aus der Reserve zu locken, Dich in die argumentierende Position zu bekommen, in der er Dich so schön abrutschen lassen kann. Das müsstest Du alles aushalten können und ruhig dabei bleiben. Es dürfte Dich nicht treffen, Du darfst keinen Zorn zeigen, es wäre aber ok davon traurig zu werden.

    Denn es wäre ja wirklich traurig, der Geschäftspartner, der die Realität verweigert, und darüber zornig wird. Man dürfe ihm das nicht vorwerfen. Indem man das unterläßt, den Schmerz wahrnimmt und aushält, bewahrt man seine Würde. Ideal wäre, wenn man ganz normal freundlich bleiben kann, wenn er also merkt, daß Dich seine weiteren Bemühungen noch nicht einmal ärgern.

    Freundlich oder neutral sein und die geschäftlichen Dinge wie immer besprechen, aber sobald das Thema dazukommt, konsequent schweigen, es konsequent übergehen. Sicher wird man ab und an mal in die Falle tappen, wird man vielleicht mal Schuldgefühle haben, wird einen belasten was er tut, aber dort heißt es immer wieder, jeder trägt seine Verantwortung selbst, Du kannst nicht ändern was er tut.

    Wenn ihr diesen Stand erreicht, dann wäre vielleicht der Punkt, im Guten eine Lösung für die Firma zu finden.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    MBChess (07.02.2012)

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