Hallo,
ich habe massive Probleme mit meinem Selbstwertgefühl, und wollte mir daher Rat holen.
Ich bin m/28, hatte aber noch nie eine feste Beziehung zu einer Frau.
Vielleicht noch mal etwas zu meiner Vorgeschichte. Ich komme aus einer ziemlich zerrütteten Familie. Mein Vater war früher Alkoholiker. Meine Mutter hatte den jähzornigen Anfällen meines Vaters nicht nur nichts entgegenzusetzen, sie ist mir regelrecht in den Rücken gefallen, wo ich eigentlich Unterstützung gebraucht hätte. Ihr war es immer wichtig, dass die Leistungen meines jüngeren Bruders und mir in der Schule gut waren. Die zwangsläufig auftretenden Probleme im Sozialleben (ich wurde oft gemobbt) habe ich verheimlicht, bzw. meine Mutter wollte nur allzugern glauben, dass alles ok ist.
Mit 14 oder so habe ich mich dann ich mich dann hinter den Computer zurückgezogen, und bin dann bis zum Abi in eine Aussenseiterposition geraten. Ich hatte dann praktisch nur ein oder zwei Freunde.
Danach, und mit dem Zivildienst, ist es etwas besser geworden. Ich hatte zumindest ein paar Leute, mit denen ich regelmäßig Kontakt hatte. Ich habe auch durchaus nicht sooo selten mit Mädels geflirtet, war aber absolut unfähig, mit einer Frau eine Beziehung einzugehen .... oder auch "nur" im Bett zu landen. Sobald es offensichtlich war, dass sie sich für mich interessiert hatte, wusste ich oft nicht mal, über was ich mit ihr reden sollte. Bzw. ich war so verkrampft, dass es nicht funktioniert hat. Oder ich habe, aus Angst vor Ablehnung, den entscheidenden Schritt nicht gemacht. Noch heute sind meine Fähigkeiten im Umgang mit Frauen recht "asymetrisch". Ich kann mich durchaus mit ihnen länger flirten ohne dass ich unsicher werde. Wenn es darum geht, dass es konkret wird (ein Date, oder signalisieren, dass ich evtl. "mehr" möchte), werde ich dagegen sehr unsicher. Eine "interessante" Frau irgendwo anzusprechen, bringt mich ebenfalls ziemlich ins Schwitzen.
Während der Studienzeit im wesentlich das Gleiche. Ich habe dann mal mit 23 eine Psychotherapie angefangen, die ich auch bis letzten Herbst durchgeführt habe. Sie hat schon enorm geholfen, viele Ängste, falsche Gedankengänge etc. abzubauen.
Ich habe zwar mit zwei Frauen geschlafen, die ich kennengelernt habe. Ich habe aber hauptsächlich zur Auslebung meines Sexuallebens zahlreiche Bordelle besucht (Dutzende). Teils wollte ich auch mein brüchiges Selbstbewusstsein kitten. Es geht mir gar nicht mal so um Sex, aber um das Gefühl, mal nicht aussen vor zu sein.
Leider kann ich insgesamt keine sonderlich gute Bilanz ziehen. Mit der Psychotherapie hat sich zwar einiges verbessert, aber es ist mir nicht gelungen, eine Beziehung zu finden. Vielleicht war die Ausgangslage auch nicht so vielversprechend, aber mich beschleicht das Gefühl, dass ich die Sache vielleicht zu sehr auf die leichte Schulter genommen habe. So im Nachhinein denke ich mir eben, ich hätte noch mehr machen können. Oder noch mehr ausprobieren sollen. Mit dem Beginn meines Berufslebens 2010 ist dann auch noch mein Sozialleben den Bach runtergegangen. Das ständige Kämpfen darum, sozial irgendwie den Anschluss zu halten und die Fassade zu wahren, macht sich auch körperlich bemerkbar (Schlafstörungen, Angstattacken). Ich glaube zudem, ich habe meine Probleme unterschätzt und hätte auch bei der Therapie mehr tun können. So, als wäre ich sehenden Auges in die Katastrophe gelaufen. Ich habe sogar das Interesse am Sport verloren, obwohl ich früher mal gut in Form war. Manchmal schäme ich mich so sehr, dass ich niemandem in der Bahn o.ä. in die Augen schauen kann. :-(
Zwar habe ich mich wohl schon persöhnlich weiterentwickelt (meinten zumindest mein Therapeut und meine Familie mal), aber anscheinend viel zu wenig. :,-(
Meine Mutter ist schon vor Jahren gestorben. Die anfängliche Trauer hat sich allmählich in Hass verwandelt, nachdem mir bewusst geworden ist, in was für eine miserable Lage mich ihr Verhalten gebracht hat.
Ich habe mich eigentlich mein Leben lang als Aussenseiter gefühlt. Ich mache mir keine Illusionen über die Lage in der ich jetzt stecke. Die Möglichkeiten professioneller Hilfe sind ausgeschöpft. Das Arbeitsleben zehrt, gerade weil ich mich privat so unglücklich fühle und nicht zur Ruhe komme, meine letzten Kraftreserven auf. Ich glaube auch, dass ich durch die Erfahrungslosigkeit in meinem Alter nicht mehr so attraktiv für Frauen bin.
Ich möchte aber trotz allem nicht aufgeben. Ich hätte folgende Fragen:
* wenn ich schon mal per Email etc. mit einer Frau schreibe, kriege ich es meist nicht hin, mehr als ein, zwei Male Mails auszutauschen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle so schlagartig das Interesse verlieren. Könnte es sein, dass ich zu uninteressant schreibe, oder zu wenig Interesse signalisiere?
* Wenn ich zum Beispiel merke, dass mich eine tolle Frau anflirten will, kommt es mir geradezu so vor, als sei dies zu gut um wahr zu sein. Was könnte ich da tun, um mein Selbstwertgefühl zu stärken, dass "mir auch mal etwas gutes passieren kann"?
* Wie könnte ich es erreichen, mich auch mal konsequent weiterzuentwickeln (Tagebuch?)
* Würde mich auch über sonstige Tipps freuen.
Puh viel Text, vielen Dank trotzdem fürs Lesen und Tipps. LG![]()


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