Vorwort:
Ich weiß, dass man hier wahrscheinlich nicht kostenlos und vor allem nicht über das Internet professionelle Hilfe erhalten kann, aber dennoch ist mir ein Beitrag hier im Forum hilfreich für das weitere Vorgehen in diesem speziellen Fall.
Der Beitrag hier soll vor allem helfen meine persönliche Analyse des Sachverhaltes strukturiert wiederzugeben und mir in erster Linie selbst Analyse- und womögliche Lösungsansätze zu finden, die weiterhelfen könnten.
Ich selbst bin 19, Abiturient, macht derzeit meinen Zivildienst und versuche hier in diesem Anliegen meinem Bruder zu helfen und vielleicht kann mir hier der eine oder andere doch einen Ratschlag geben, wie ich meinem Bruder helfen kann.
Der Fall:
Mein Bruder ist 26, selbstständig, ambitioniert, ehrgeizig und sehr erfolgreich in seinem Beruf. Er wohnt noch bei uns Zuhause und spart, genauso wie seine Freundin, ihr ganzes Geld zusammen, damit sie in Zukunft ausziehen und ich ein eigenes Haus leisten können.
Er hat sich inzwischen genügend Geld für ein halbes Familienhaus angespart, doch anscheinend ist ihm das nicht genug. Er folgt ganz dem Motto "Zeit ist Geld", was sich auch in seinem alltäglichen Tagesplan widerspiegelt.
Von morgens bis in den späten Nachmittag arbeitet er in seinem eigenem Ein-Mann-Unternehmen. Nach der Arbeit gönnt er sich ein paar Stunden Freizeit (Fitness-Center), wobei er alle fünf Minuten in Sein Handy schaut, um sich über die Aktienkurse zu informieren, da er auch dort sein Geld anlegt.
Zuhause angekommen, erledigt er das Nötigste, legt sich mit seinem Laptop ins Bett und kümmert sich um seinen Ebay-Shop und dessen Kundenabwicklungen.
Und obwohl er es wahrscheinlich besser hat als 90% aller Arbeiter in Deutschland, ist er dennoch unzufrieden und meist beunruhigt wegen seiner Situation.
In seinem Bürojob muss er zu 99% alles selber stemmen, bei Ebay hat er es meist mit nervigen Kunden zu tun und bei den Aktien hat er eine etwas größere Fehlinvestition gemacht, wo er eine fünfstellige Summe investiert hat und er nun auf den richtigen Kurs wartet, um dort endlich auszusteigen.
Diese Tatsache behindert ihn in seiner Lebensplanung extrem, da es eben um eine große Geldsumme geht.
Seine Freundin, mit der er mehrere Jahre glücklich zusammen ist, und auch wir, seine Familie raten ihm, in seinen Versuchen Geld zu erwirtschaften, die Bremse ziehen soll. Doch solche Ratschläge ignoriert er meistens, da für ihn nach wie vor das Motto gilt:
"Zeit ist Geld". Und solange er Pause macht, macht er kein Geld. Ergo macht ihn dies unglücklich.
In seiner Kindheit hat er so gut wie immer das erhalten, was er wollte. Sei es ein neues Fahrrad, neue Inline-Skater oder auch die 2 D-Mark für ein Eis in der Stadt. Mein Bruder hat so ziemlich immer alles erhalten, was er wollte.
Das spiegelt sich heute auch in nicht materiellen Dingen wieder. Hat er ein Anliegen an jemanden aus seinem sozialen Kreis, muss es IMMER SOFORT und JETZT geschehen. Ansonsten wird er unruhig und bekommt schlechte Laune.
Er steht zudem ungern im Unrecht. In Argumentationen oder Diskussionen wird er meist schrittweise lauter und braucht anschließend seine Zeit, um wieder in eine ruhige Gemütslage zu kommen.
Meine Familie und vor allem ich haben das Gefühl, dass er sich als gerne als Chef jeglicher Personen sehen möchte, mit denen er in seinem sozialen Umfeld zu tun hat. Diese Tatsache ist ihm jedoch, nach meinen Beobachtungen zufolge, nicht bewusst und kommt meist unterschwellig aus ihm raus.
Er selbst sagt auch manchmal von sich aus, dass ihm das ganze Geld-Erwirtschaften zu schaffen macht und am liebsten seine Sachen packen und einfach verschwinden wollen würde. Der Wunsch von ihm, einfach mal vom Beruf abzuschalten, ist bei ihm da. Umsetzen möchte er dies jedoch wegen der Hemmschwelle nicht.
Er MUSS Geld verdienen. Investiert er keine Zeit in seine Jobs, verliert er seiner Ansicht nach automatisch Geld.
Mein Fazit:
Das Fazit lässt sich aus meiner Beschreibung herauslesen.
Durch seine materiell unabhängige Kindheit ohne Wünsche, hat sich eine allumfassende Dominanz bei meinem Bruder herausgebildet.
Jegliche seiner Anliegen müssen sofort erledigt und mit höchster Priorität angegangen werden, sonst wird er schnell unruhig.
Er formt sich sein Lebensumfeld so, wie er will.
Sein größtes Problem und zugleich sein größter Lebenswunsch, ist ein eigenes Haus, in das er gemeinsam mit seiner Freundin ziehen kann.
Diese Tatsache, dass er das Haus nicht sofort haben kann und sich durch eine falsche Geldanlage selbst in seinem Traum behindert, stürzt ihn in tiefe Unzufriedenheit.
Diese lässt er anschließend ungewollt in seinem Verhalten an uns aus.
Lösungsansätze:
Ich muss meinem Bruder weismachen, dass er ein rundum perfektes Leben führt.
Eine Familie, die sich um ihn sorgt, eine angehende Ehefrau sowie finanzielle Unabhängigkeit in dem Maße, in dem es sich wohl die meisten von uns Wünschen würden.
Die Tatsache, dass diese Dinge für ihn selbstverständlich geworden sind, lassen ihn sein Glück aber nicht einsehen.
Mein Bruder sieht in seinem Handeln keinerlei Mängel und würde dies deswegen auch nicht hinterfragen. Ihm zu raten zum Psychologen zu gehen, würden also nicht wirken, was aber wohl die optimalste Lösung wäre.
Da mein Bruder jedoch von sich aus denkt, er sei ohne soziale Defizite, wird man ihn nicht dazu überzeugen können.
Eine Alternative wäre, ihm klar zumachen, was er alles mit seinem Verhalten aufs Spiel setzt. Seine Freundin und auch wir, seine Familie, sind ihm nicht nachtragend, wenn er wieder eine seiner Phasen hat, aber vielleicht muss ihm
klargemacht werden, dass er das alles auch schnell verlieren kann, wenn er so weitermacht wie bisher.
Fragen, Analysen, Ratschläge sind sehr willkommen. Ich freue mich auf hoffentlich viele Antworten.


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