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Thema: Mein Bruder ist gestorben

  1. #1
    Neuling Avatar von tischbein
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    Unglücklich Mein Bruder ist gestorben

    Mein geliebter "großer Bruder" ist gestorben. Er war fast ein Jahr lang sehr krank. Er hatte Krebs. Er lebte allein. Ich habe eine Familie, Mann und zwei Kinder. Ein jüngerer Bruder ist mir geblieben, ebenfalls mit Familie. Unsere Eltern trennten sich bereits vor 25 Jahren. Unsere Mutter war damals Alkoholikerin. Mein großer Bruder nahm sich eine Studentenwohnung, mein kleiner Bruder ging mit dem Vater, ich ging zu Oma und Opa. Bis vor 12 Jahren hat unsere Mutter noch getrunken. Dann wurde ich schwanger und sie trocken. Tolle Leistung von ihr. Unser Vater hat mit uns nach Heirat (fast 20 Jahre her) kaum noch Kontakt zu uns.
    Nun, mein Bruder hatte sein eigenes Leben. Wir hatten aber immer irgendwie Kontakt. Als Kind durfte ich immer mit in sein Bett, bei den Eltern durften wir es nicht. Als Jugendliche gingen wir mal ins Kino, mal zusammen zur Kirmes, regelmäßig zu den Großeltern zu Mittag. Ich habe mich immer sehr nahe gefühlt, der Rest unserer Familie hat das aber nicht so gesehen. Dann kamen meine Kinder. Mein Mann und ich haben zwei Jungen, 11 und 7 Jahre alt. Mein Bruder hatte vor allen Dingen einen guten Draht zu unserem Großen. Sie waren sich ähnlich, introvertiert, sprachbegabt, das Aussehen auch, und mehrere kleinere Dinge. Er lebte allein, aber hatte immer mal wieder eine Freundin so für ein Jahr. Dann Trennung, zu eng für ihn.
    Dann kam der September letzten Jahres. Er sah krank aus. Ich besuchte ihn öfters mal mit Kindern oder auch allein. Wenn er Zeit hatte, hatte er Zeit. Gut, als er sah krank aus. Er hatte unübersehbar an Gewicht verloren. Ich sprach ihn darauf an. Er meckerte mich am Anfang deswegen an. Ich konnte keine Ruhe geben. Ich besuchte ihn mal morgens allein. Wollte von ihm wissen was mit ihm los ist. Er wollte mich nicht in die Wohnung lassen. Ich stellte meinen Fuß in die Türe und bestand auf ein Gespräch. Es sollte folgen, aber er hörte mir nur zu und sah wie ich weinte vor Sorge. Er wüßte nicht was er hat. Mein Bruder versprach doch einmal zum Arzt zu gehen. Machte er aber erst im November, aber er machte es. Er sah immer schlechter aus. Im Dezember sagte er mir, dass er beim Doc war, aber noch keine Diagnose hat. Unsere gesamte Familie hatte sich große sorgen gemacht. Dann kam Weihnachten. Er wollte zu keinem von uns kommen. Am Heilig Abend rief er morgens an ob mein Mann ihn doch herholen könnte, sein Auto würde aber nicht anspringen. Gut er war da, Mama war da und wir.
    Den ganzen Abend lobte er meine Mühen, wie schön ich hier alles gemacht hätte. Das hat er noch nie gemacht, seit ich ihn kannte.
    Am 5.Januar gab er uns Bescheid, dass er Krebs hat. Darmkrebs. Er würde ggf in Zukunft Hilfe brauchen. Diese hatten wir schon lange angeboten.
    Die Hilfe holte er sich dann von mir. Ich war zu allem bereit, und das sagte ich ihm auch unmissverständlich. So wurde es dann auch. Über viele Monate hinweg. Er wollte keine Hilfe von unserer Mama, auch nicht vom Papa. Mein jüngerer Bruder machte die schrifltichen und geschäftlichen Sachen für ihn. Ich sein Essen, Wäsche, Wohnung und Arztbesuche + Krankenhaus Chemo....
    Ich blieb jeden Tag mind. 2 Std. Manchmal war ich den ganzen Tag unterwegs. AUGEN ZU UND DURCH war meine Devise. Ich hatte immer ein ganz tiefes Gefühl zu ihm, ich fühlte mich ihm sehr nahe. Wir haben tolle Gespräche geführt, sehr innig und persönlich. Er hat mir oft gesagt, dass er nie gedacht hätte, das ich so belastbar wäre. Ich sagte dann nur, dass ich jetzt mal dran bin ihm was Gutes zu tun. Ende August ist er gestorben. Im Krankenhaus durfte nur ich zu Besuch kommen. Die Anderen wollte er nicht da haben. Ein paar Tage vor seinem Tod war ich für ein paar Std bei ihm, er wollte noch alle Mail zwischen uns löschen, falls der Fall der Fälle eintritt.
    Also gut, er wollte den Kontakt zu mir, und auch zu einem sehr hilfsbereiten Kumpel von ihm.
    Meine Familie will das so nicht sehen. Nicht die Qunatität, sondern die Qualität des Kontaktes würde zählen, sagt mein kleiner Bruder. Meine Mutter schaut nur böse wenn ich darüber reden möchte wie viel ich bei ihm war. Aber ich möchte darüber reden. Ich will ja niemandem weh tun. Aber ich will auch die Anerkennung dafür. Ich habe diese Leistung trotz meiner jungen Kinder gebracht, aus Liebe! Jetzt bin ich ALLE, und keiner interessiert sich dafür, keiner will das hören. Ich habe das Gefühl, die gönnen mir den engen Kontakt nicht. Es war nicht meine Entscheidung, es war die meines verstorbenen Bruders. Warum kann meine Mama mich nicht in den Arm nehmen und sagen, dass ich das gut gemacht habe, warum?
    LG tischbein

  2. #2
    Gast784
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    hallo Tischbein,

    das ist eine sehr starke Leistung und eine der tiefsten Erfahrungen, die man machen kann. Ich würde Dir soooo eine Schulter zum anlehnen und Anteilnahme gönnen.

    Du kannst Gleichgesinnte in der Hospizbewegung finden. Die bieten auch Trauerbegleitung an. Vll bist Du da erst mal besser aufgehoben als bei Deiner Familie. Die haben jetzt halt auch mit ihrer eigenen Trauer zu tun und dazu kommt womöglich noch das eigene Unvermögen in jener Situation, das sie sich jetzt nicht eingestehen können.

    Ich wünsch Dir viel Kraft.

  3. #3
    Verleger Avatar von :knuddel:
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    Warum kann meine Mama mich nicht in den Arm nehmen und sagen, dass ich das gut gemacht habe, warum?
    Warum....weil sie nicht Gedankenlesen kann und du sie schon mit der Nase drauf schubbsen musst, in den Arm genommen zu werden.

    Ich finde es sehr schön, das du dir ein Herz gefasst hast und ihn begleitet hast.
    Das ist eine sehr grosse Leistung, die selten honoriert wird. Und schon garnicht von denen, wo wir es am meisten von erwarten.
    Du bist mit deinem Bruder im Reinen und hast keine Gedanken, die dich quälen, nicht alles getan zu haben und alles gesagt zu haben. Das ist ein grosses Geschenk zurück an dich. Leider nur für dich und unsichtbar für andere.

    Das deine Verwandten nicht über deinen Bruder und seine schwere Zeit wissen möchten kann ich aber auch nachvollziehen. Jeder trauert anders und die einen reden sich alles von der Seele, die anderen machen es mit sich aus und andere ignorieren alles, was damit zu tun hat. Jeder wie er kann und muss.

    Hat deine Mama dir jemals Anerkennung für irgendwas gegeben??

    Ein neues Leben kann man nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag!!!!!!!!!!!!

  4. #4
    Neuling Avatar von tischbein
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    Hallo Ihr netten Antworter!

    Ich las gerade meinen Text von gestern Nacht. Vllt hätte ich den noch einen Tag auf Halde legen sollen. Wahrscheinlich habe ich am Schluss die falschen Wörter gewählt. Ich lese anderes, als es gewollt ist. Ich will nicht von den anderen Familiemitgliedern gelobt werden, ich will mit ihnen über Erlebnisse reden. Warum ist da Neid? Das war alles so schwer, ich habe so viel Kraft verbraucht. Ich habe alles gegeben, weil es so richtig war. Er hat es genommen, weil er wußte, dass ich nur das tue was er möchte. Ohne wenn und aber.
    Jetzt habe ich nur das Bedürfnis mich mit der Familie fallen zu lassen, zu reden und zu trauern. Mein kleiner Bruder weint auch viel, wir halten uns, wenn wir uns sehen immer fest in den Armen. Aber reden will mit mir keiner.
    Bin ich da so unsensibel, oder gar egoistisch? Wie gesagt, ich will mich nicht wichtig machen, nicht angeben. Das ist nichts zum Angeben. Ich habe so viel geschluckt und für mich behalten, die anderen wissen überhaupt nicht was da jeden Tag abging. Das ist keine Beschwerde!
    Wenn wir mit anderen zusammen sind, werde ich mit Argusaugen angeschaut, wenn ich erzählen möchte. Ich habe es nun einmal erlebt, und will und werde es nicht verleugnen. Es ist keine Schande, es ist die Entscheidung eines sehr kranken lieben Menschen gewesen. Und es war kein Geschenk an mich, sondern Vertrauen.
    Wieso fragst Du, ob meine Mutter mich je gelobt hat? Sie soll mich nicht loben, sie soll das Gewesene nicht totschweigen, sondern annehmen.d

  5. #5
    Schreibkraft Avatar von Andy Naivpsychologe
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    Mein herzliches Beileid Tischbein!

    Vieleicht ist es wircklich Neid den Du da verspührst, doch dann wahrscheinlich
    eher deswegen weil deine Familie wegen eigener Probleme eure engere Beziehung in der Kindheit nicht wahrgenommen haben.

    Kann sein das Du deswegen deine geschriebene Trauer und Frustration beim zweitnmal lesen anders empfunden hast.

    Ohne jetzt weiter zu gehen oder Dinge zu schreiben die andere schon schrieben, solltest Du ihnen Zeit geben, den wahrscheinlich bist Du nicht nur froh drüber deinen Bruder etwas zurück gegeben zu haben (was ich in der Situation mit dieser Erfahrung nicht als positiv von mir lautend darstellen will),
    nein, sicherlich bist Du mit deiner Trauer auch weiter als deine Familie, da Du mit ihm diesen letzten Weg beschritten hast.

    lg und bleib tapfer

    P.S. Ändere nicht den Text, sondern tausche vieleicht
    einfach nur die zwei Smilies mieinander
    Geändert von Andy Naivpsychologe (18.10.2009 um 22:50 Uhr)

  6. #6
    Neuling Avatar von tischbein
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    Danke Andy,
    Du hast sehr einfühlsam geschrieben. Ich fühle mich direkt angesprochen, und denke über meinen Textinhalt nach.
    LG tischbein

  7. #7
    Schreibkraft Avatar von Andy Naivpsychologe
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    Ach hör auf, sonst werde ich noch rot.
    Versteht sich doch von selbst.
    Und bleib tapfer, naja, aber da kommt mir gerade eine Idee falls es doch zu hart wird oder es doch länger dauern könnte bis Eure Familie wieder richtig draht zueinader hat.
    Schaff Dir vieleicht eine Brücke. Tausch Dich doch dann erst ein bischen mit dem Freund deines Bruders aus. Gut, kann Dir ja auch wiederstreben oder ihm, keine Ahnung. Ist wahrscheinlich ne blöde Idee von mir, aber könntest ihn ja mal zum Essen bei Euch zu Hause einladen als Dankeschön oder so, und vorsichtig nachfragen. Dir fällt bestimmt was ein.

    lG Andy

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