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Thema: Mein Freund hat Psychose...

  1. #1
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    Standard Mein Freund hat Psychose...

    Hallo allerseits

    Ich suche verzweifelt Hilfe, Ratschläge, Hoffnung.
    Mein Freund, mit dem ich seit 6 Jahren zusammen bin und den ich über alles liebe (umgekehrt ist es genauso) hat vor 2 Monaten eine Psychose erlitten - war kurz in der Klinik (wo m.E. sehr wenig für ihn getan wurde) und nimmt inzwischen Medikamente (kleine Dosis), die jedoch nicht zu wirken scheinen. Die Verfolgungsängste bzw. der Verfolgungswahn und das Misstrauen ALLEN (ausser mir) und ALLEM gegenüber lassen nicht nach. Jede Person, jede Situation ist für ihn eindeutig gegen ihn gerichtet und will ihm schaden, ihn beeinflussen. Selbst seiner Familie traut er nicht. Ich weiss nicht mehr weiter - endlose Diskussionen führen zu nichts; er ist überzeugt, dass alles was er erlebt Wirklichkeit ist. Jetzt beginnt er schon, mir zu sagen, ich MÜSSE ihm glauben, sonst könne unsere Beziehung schwer aufrechterhalten werden. Da ich viele Bücher gelesen habe, verhalte ich mich ihm gegenüber vertrauensvoll, höre ihm zu, versuche, ihm Gegenargumente zu liefern usw.
    In 10 Tagen (!!!) hat er einen ersten Besuch bei einem Therapeuten, vermutlich wird er dem eh nichts von seinen Wahnvorstellungen (sorry, seiner Realität) erzählen - da natürlich auch der Therapeut "da mit drin ist".
    Hat jemand einen Rat für mich? Soll ich ihm klipp und klar sagen, dass er Psychose hat, die ihm seine Welt so erscheinen lässt und zwar nur ihm?
    Hoffe auf einen Lichtblick...
    Danke!

  2. #2
    Neuling
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    Hallo Sorgenfalte.

    Was du dort schilderst klingt wirklich wie eine sehr schwierige Situation.
    Sollte dein Freund immer noch in einer floriden Phase sein, d.h. in der die Symptomatik sehr ausgeprägt ist, wirst du ihm mit all deinen Argumenten den Wahn nicht ausreden können. Dies ist der unterschied von Wahn zur Halluzination. Wichtig ist auf jedenfall, dass du ihn nicht in seinem Wahn bestärkst. Wie du schon sagtest, sei verständnisvoll, aber Diskussionen werden nichts bringen wenn dein Freund nicht vernünftig medikamentös eingestellt ist und sich derzeitig in einer Phase mit starker Symptomatik befindet.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig das für dich sein muss!
    Ist die Symptomatik immer noch so stark ausgeprägt, scheint die Medikamentendosis evtl. zu gering zu sein.

    Die Therapie bei einer Psychose baut auf drei Säulen auf: Psychopharmakologische Therapie, Psychotherapie und Sozialtherapie. Wichtig ist natürlich dabei das die Medikamente gut eingestellt sind auf den Patienten. Was den Wahn betrifft, hier ist es die Aufgabe des Psychotherapeuten durch kognitive Umstrukturierung den Wahn für den Patienten erkennbar zu machen. Dies geht aber nur ausserhalb der floriden Episode und hat eher die Funktion eines Frühwarnsystems, sollte dein Freund merken das er irgendwann wieder beginnt, misstrauisch zu werden. In der Sozialtherapie wird dann versucht das soziale Umfeld und deinen Freund im täglichen Umgang mit der Krankheit Hilfen an die Hand zu geben.

    Das der Termin beim Therapeuten noch soweit hin ist, ist natürlich mehr als ärgerlich, liegt aber am System, das sich bisher einfach zu schlecht um psychische Störungen bemüht indem es Therapeutenstellen kürzt.

    Mein Rat ist, in der Zeit bis zur Therapie zu versuchen, sehr vorsichtig mit deinem Freund umzugehen. Mach ihm klar, dass du ihm glaubst, dass ER glaubt, alle um ihn herum steckten unter einer Decke, aber auch das du diese Ansicht nicht teilst. Versuch dich nicht zu sehr in Diskussionen mit ihm versticken zu lassen. Bleibe weiterhin verständnisvoll und emotional unterstützend. Achte aber auch auf Anzeichen, welche auf eine Selbst- oder Fremdgefährdung deines Freundes oder seines Umfeldes schließen lassen.
    Sollte die Symptomatik in den nächsten Tagen weiter ansteigen, solltest du in Betracht ziehen, das dein Freund nicht ausreichend medikamentös eingestellt ist. Zumindest hört es sich bisher so für mich an. Mit einer geringen Restsymptomatik ist aber oft auch mit Medikamenten zu rechnen.

    Du könntest auch versuchen, ihn ein wenig zum Sport zu motivieren (z.b. Joggen wenn möglich), da viele Neuroleptika auch eine starke Gewichtszunahme fördern und damit ein weiteres Gesundheitsrisiko auslösen.

  3. #3
    Roman Verfasser
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    Nagut, der Familie nicht zu trauen ist nicht die schlechteste Idee die man haben kann. Eltern sind ja immer so klassische Dazwischenredner die einen ständig bemeeren und bemuddeln, das kann niemand wirklich brauchen. Ist er denn ansonsten erfolgreich und macht sein Ding oder hängt er nur ab?

    Unabhängig wie man nun nennt was jemand hat, man sollte immer ehrlich sein und sagen was man denkt, wenn das dann zum Konflikt führt dann ist es eben so. Bzw. das spricht ja für sich, daß man bei manchen Leuten einfach die Wahrheit nicht sagen kann weil die damit nicht umgehen können. An sich ist meine Erfahrung, hat es gar keinen Sinn, den Leuten direkt ihre Macke zu sagen, das schnallt nie jemand, man ist dann halt der Böse. Läuft immer gleich ab. Man muß mit seinen Problemen halt selbst erstmal Schiffbruch erleiden bevor man sich ändert. Du kannst im Grunde gar nichts machen. Also, Du kannst versuchen zu sagen daß er da ein Problem hat, aber dann bist Du die Böse. Und eins kann ich sagen, Psychiatrie und Medikamente sind im Grunde alles nur Bestrafungen, wirklich helfen tut das nicht.Also, es gibt auch gute Psychiatrien, aber Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung ist FREIWILLIGKEIT, und wenn das nicht gegeben ist, ist alles zwecklos.
    Manche rennen mit Ihren Problemen eben ein ganzes Leben lang rum und niemand findet was dabei, und manche Eltern sollten sich selbst mal überlegen, inwiefern sie die Psychose Ihres Kindes durch ständiges Dazwischenquatschen von an sich richtigen Tips überhaupt erst mit auslösen. Einfach machen lassen. Das was im Regelfall gut hilft, ist kein Kontakt zu den Eltern, und eigener Arbeit nachgehen, und dann sind die Leute eben wie sie sind. Ob sich da jemand noch mit 3 Kilo Medikamenten den Hirnstamm ramponiert macht an den Symptomen überhaupt keinen Unterschied, und von seinen Problemen kommt man über die Zeit so oder so runter, wenn sich andere Lebensumstände ergeben. Ich finds das schlimmste, was man Angehörigen antun kann, die wegen Psychosen einliefern. Dann lieber Kontakt abbrechen wenn mans selbst nicht mehr aushält, das ist unter Umständen besser für die Personen, man ist schließlich auch nicht für die Macken von anderen verantwortlich.

    Die Sache ist halt, Psychose hin, Psychose her, man ist einfach nur genervt von dem Schwachsinn den der andere von sich gibt, und das zu Recht. Aber es ist nie gut, andere Leute zu Erkentnissen zu zwingen oder zu drängen, damit schadet man immer.

    Fälle die wütend gegen Leute vorgehen, also nach Außen gefährlich wurden, sind oftmals einfach nur lang genug von der Verwandschaft genervt.

    Fühl Dich ruhig frei das anders zu sehen das ist in Ordnung.


    Falls dem nicht so ist, sorgen dafür daß er auszieht, das ist ein wertvoller Dienst den man jemand erweisen kann, für dessen Selbstständigkeit sorgen. Und, nicht überzeugen und ändern wollen sondern den anderen nehmen wie er ist und sich selbst distanzieren wenn es einem zuviel wird.

    Wenn er sich selbst in die Anstalt bringt ist es sein Problem. Im Grunde kann niemand was tun, der Weg den man nimmt ist quasi durch die eigene Erziehung vorgezeichnet. Man kann da nichts grundlegend retten indem jemand gegen seinen Willen eingewiesen wird, aber man kann viel kaputtmachen. Er müßte selbst an der Realität scheitern anstatt sich in sinnlosen Gesprächen mit der Verwandtschaft aufzureiben.
    Geändert von Erwin (10.12.2011 um 12:49 Uhr)

  4. #4
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    Psystudent, danke vielmals für diese konstruktive Antwort. Ich weiss, dass ich nicht viel tun kann aber ich möchte vor allem nichts falsch machen. Ich versuche, meinen Freund in die "normale" Welt zurück zu führen - Kontakte mit Freunden tun ihm auch sehr gut (sie wissen nichts von dem Vorfall). Die Neuroleptika (2,5 mg pro Tag) haben zwar Nebenwirkungen wie Heisshunger, Schwindelgefühle u.ä. und wenigstens sind die Angstzustände gelindert worden. Vielleicht braucht es noch ein bisschen Zeit, bis die Tabletten wirken (er nimmt sie seit ca 10 Tagen, einmal täglich)? Ich hoffe, dass er mit dem Therapeuten spricht und zwar offen - meinst du, ich soll vorher dort anrufen und sagen, was Sache ist? Mein Freund ist übrigens zZ ohne Arbeit, man hat ihn aufgrund Restrukturierungen rausgeworfen - das hat ihn wohl ziemlich mitgenommen, auch wenn er es locker genommen hat. Nun hat er natürlich Angst, dass ihn niemand mehr anstellen will (obwohl er eine Super-Ausbildung hat). Ist wohl alles eine Frage der Therapie... Was verstehst du genau unter Sozialtherapie? Selbsthilfegruppen und so? Da wird er nie hingehen... Danke noch mal!!

  5. #5
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    Hallo Erwin; in diesem Fall ist die Familie nicht schuld - sie hat ihm eine angemessene, freie Erziehung zukommen lassen. Ausserdem ist der "Abnabelungsprozess" problemlos verlaufen. Die Einlieferung in die Psychiatrie hab übrigens ich veranlasst und mein Freund ist mir deshalb nicht böse (auch nie gewesen) - das gibt mir Hoffnung. Und auf die Ratschläge der Ärzte, die mir so wenig gesagt haben (da wir nicht verheiratet sind) pfeife ich - sie haben mir indirekt zu verstehen gegeben, dass ich meinen Freund wohl besser "aufgeben" soll. No way!!

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sorgenfalte für den sinnvollen Beitrag:

    psystud (10.12.2011)

  7. #6
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    Zitat Zitat von Sorgenfalte Beitrag anzeigen
    Hallo Erwin; in diesem Fall ist die Familie nicht schuld - sie hat ihm eine angemessene, freie Erziehung zukommen lassen. Ausserdem ist der "Abnabelungsprozess" problemlos verlaufen. Die Einlieferung in die Psychiatrie hab übrigens ich veranlasst und mein Freund ist mir deshalb nicht böse (auch nie gewesen) - das gibt mir Hoffnung. Und auf die Ratschläge der Ärzte, die mir so wenig gesagt haben (da wir nicht verheiratet sind) pfeife ich - sie haben mir indirekt zu verstehen gegeben, dass ich meinen Freund wohl besser "aufgeben" soll. No way!!
    Ist ok! Es sind einfach meine allgemeinen Gedanken zum Thema.

    Wie gesagt, Du wirst ihn nicht überzeugt bekommen, Du kannst Dich maximal positionieren und für Dich Entscheidungen treffen. Manchmal hat man auch Glück daß einem der Partner vertraut. Solang die Leute freiwillig in Behandlung selbst gehen wollen ist das ok. Ich empfehle mal nach München-Mendterschwaige zu googeln, die sind gut.

  8. #7
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    Standard Vorsicht, nicht die Fakten vergessen!

    Zitat Zitat von Erwin Beitrag anzeigen
    Nagut, der Familie nicht zu trauen ist nicht die schlechteste Idee die man haben kann. Eltern sind ja immer so klassische Dazwischenredner die einen ständig bemeeren und bemuddeln, das kann niemand wirklich brauchen.

    Das was im Regelfall gut hilft, ist kein Kontakt zu den Eltern, und eigener Arbeit nachgehen, und dann sind die Leute eben wie sie sind. Ob sich da jemand noch mit 3 Kilo Medikamenten den Hirnstamm ramponiert macht an den Symptomen überhaupt keinen Unterschied, und von seinen Problemen kommt man über die Zeit so oder so runter, wenn sich andere Lebensumstände ergeben.

    @Erwin: Hier muss ich entschieden, aber wirklich SEHR entschieden widersprechen.
    Zum Einen hat Sorgenfalte ja nicht gesagt ob das Verhältnis zu den Eltern vor der Erkrankung wirklich schlecht war. Das Eltern "bemeeren und bemuddeln" ist ein Ausdruck ihrer Sorge.
    Wissenschaftlich gesehen ist die Beziehung zu den Eltern natürlich ein zweischneidiges Schwert: Zum einen wird vermutet das eine Mutter mit emotionalen Problemen ein erhöhtes Risiko an einer Psychose zu Erkranken darstellen kann, aber die Evidenzen dafür sind widersprüchlich. Zum Anderen muss eindeutig darauf hingewiesen werden, das eine funktionable Familie ein eindeutiger Schutzfaktor ist und den Verlauf der Erkrankung damit positiv beeinflussen kann. Der Abbruch zum Kontakt mit der Familie sollte eindeutig nur geschehen, wenn diese stark dysfunktional ist und tatsächlich Teil der Ursache! Ein soziales, unterstützendes Umfeld sollte auf jedenfall aufrecht erhalten werden! Es werden schon zuviele kranke Menschen allein gelassen mit ihren Problemen und soziale Isolation IST nunmal eine klare Konsequenz des Verfolgungswahn und kann somit als Teil der Symptomatik gewertet werden.

    "Der eigenen Arbeit nachgehen" ist bei Psychosepatienten oft extrem schwer den mit der Erkrankung und oft schon vor dem Ausbruch kommt eine Fülle kognitiver Einschränkungen zum tragen, ein "Leistungsknick". Patienten können dann oft ihrer Arbeit einfach nicht mehr nachgehen!
    Und eine Psychose, sollte es sich nicht um eine einmalige Episode handeln, verschwindet sogut wie nie von allein, es sind auf jedenfall in den meisten Fällen Interventionen notwendig! Ein Kontaktabbruch fördert nur noch mehr die Symptomatik.

    Das Familienangehörige die Betroffenen einweisen passiert oft zum Schutz der Erkrankten selbst, da auch das Suizidrisiko bei Psychosepatienten eindeutig erhöht ist.

  9. #8
    Roman Verfasser
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    Zitat Zitat von psystud Beitrag anzeigen
    ...
    Hauptursache für Kindescharakter und späteres Verhalten ist die Erziehung der Mutter bis zum 3. Lebensjahr. Ganz banal, alles von der neueren Psychologie und Hirnforschung geklärt. Da kann man dann ganze Wissenschaftszweige gründen, alles im Grunde zur Verschleierung, um Simpelstes nicht wahrnehmen zu müssen. Hochinteressante Themen. So ist eben der Mensch, rennt vor sich selbst davon, aus Angst vor dem Schmerz der Selbsterkenntnis.

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