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Thema: Mein Körper - das "Ding"

  1. #9
    Neuling
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    Mir ist aufgefallen, dass die Sportarten, die Du betreibst alle irgendwie "kontrolliert" sind. Das passt zum Gesamtbild, das der Text von dir zeichnet. Beim Kampfsport, aber auch beim HipHip und der Lateinformation geht es um kontrollierte Bewegungsabläufe und Perfektion. Das passt zu dir, macht dich aber scheinbar nicht glücklich und unterstützt deine "Störung" noch. Tanzen würde ich dir grundsätzlich raten, da es dir offensichtlich Freude macht (gemacht hat), aber eben wirkliches Tanzen. Diese Art von Tanzen, wo man in so eine Art "Tunnel" kommt, nur noch die Musik spürt und den Kopf frei bekommt. Ansonsten vielleicht etwas, was nicht so berechenbar ist. Vielleicht klettern, wo man sich immer wieder einen neuen Weg suchen muss. Oder... ich weiß nicht. Skaten, Parcours... wo es keine festen Regeln gibt.

    Außerdem würde ich dir raten, dich einfach mal so zu nehmen wie Du bist. Ich meine nicht deinen Körper, das kannst Du offenbar (noch) nicht. Ich meine deine "Macken". Hast Du halt ne Störung. Und? Es ist doch egal wie das "Baby" heißt. Körperschemastörung oder was auch immer. Du bist doch klug und hast herausgefunden, dass Du sowas wohl hast. Ebenso kannst Du herausfinden, dass jeder Mensch ne Macke hat. Und wenn es dir das nächste Mal die "Kehle zuschnürt" sagst Du dir auf jeden Fall erstmal: "Ha, da isses wieder!" Das ist der erste Weg zur Akzeptanz, dass das irgendwie zu dir gehört. So lange es keine selbstverletzenden Formen annimmt, das Gewicht unter eine gesunde Grenze sinkt und dir das ernsthaft schadet, kannst Du es einfach erstmal noch laufen lassen. Finde ich... Diese Idee kam mir, weil ein Alkoholiker sich auch nicht zu viel vornehmen soll. Er sagt sich: Ich bin Alkoholiker und ich möchte 24 Stunden nichts trinken. Kleine Schritte, nicht zu viel...

    Was Du meiner Meinung nach brauchst, ist etwas Chaos in deinem Leben. Du bist sicher recht ordentlich oder? Nimm ein T-Shirt und wirf es in die Mitte deines Zimmers und da bleibt es liegen. Wie lange schaffst Du das. Kontrollieren ist dein Ding, aber kontrolliere doch mal das Chaos. Das wird dir gut tun, glaube ich.

    Und dann die Party. Du bist keine Partygängerin, schreibst Du. Nee, das glaube ich, weil es ja manchmal auch Kontrollverlust bedeutet. Lieber gepflegt auf dem Sofa sitzen und quatschen. Kann auch schön sein. Aber ganz ehrlich? Die richtig geilen Abende sind die, wo man sich treiben lässt. Wo man keine Pläne hat, jeden Blödsinn mitmacht und auch mal die Sau rauslässt. Du bist neugierig und kindlich, schreibst Du. Das passt dazu. Sei albern, komm aus dir raus, lass die Kontrolle zu Hause bei Mama und Papa. Du bist jung, hab Spaß.

    Ich bin kein Therapeut, aber das sind Dinge, die mir einfallen aus dem Bauch heraus. Vielleicht ist was für dich dabei. Ich hoffe es.

  2. #10
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    Hey Freebee,
    danke für deine Aus-dem-Bauch-heraus-Antwort

    Manches finde ich ein bisschen widersprüchlich. Ich finde, dass jede Sportart auf eine Weise "kontrolliert" ist. Wenn ich danach gehe und sage, dass alle Dinge, die einen Hauch von Kontrolle beherbergen meine Störung unterstützen, dann dürfte ich nicht mehr leben, denn Kontrolle bzw. das Regulieren und Kontrollieren bestimmter Dinge ist nunmal Teil des Lebens. Ich finde das auch gar nicht schlimm. Es geht ja eher um das Prinzip, das dahinter steckt und dass dieses an Überhand gewinnen kann, sodass man eben nicht mehr zufrieden ist.

    Sich "einfach" zu nehmen wie man ist, ist genauso "einfach" wie es sich anhört - gar nicht einfach. Deshalb kann ich das auch nicht so "einfach" und dabei ist es völlig egal, ob es um den Körper geht oder um Eigenschaften. Davon abgesehen hängt sowieso beides zusammen. Ich bin auch bereits in der Lage, es hinzunehmen, zu erkennen, wenn wieder was kommt, was dem Ganzen entspringt. Es ist so, ja. Aber manchmal ist es sehr schlimm und das möchte ich ändern.

    Das mit dem Chaos ist ein gutes Stichwort. Ich hasse Chaos, ja. Ich kann Unordnung bis zu einem gewissen Grad ertragen, dann wirds unerträglich. Äußere Ordnung verhilft mir zu innerer Ordnung.

    Dass ich nicht gerne auf Partys gehe heißt nicht, dass ich nicht das Haus verlasse oder ausgelassen Spaß haben kann. Ich habe nur kein Interesse an, ich sage mal vorsichtig "oberflächlichen" Veranstaltungen, wo man sich sowieso nicht eingehender unterhalten kann. Ich kann auch sehr albern und kindlich sein und das macht mir dann auch Spaß. Die Kontrolle und den ganzen Rest zuhause zu lassen, wäre das Ziel. Aber so leicht ist das nicht. Die Fesseln, die mich halten sind nicht physisch, sondern einprogrammiert - die folgen mir, egal wie weit ich mich auf physischem Wege von meinen Eltern entferne.
    Authority must be obeyed, or it must be overthrown.

  3. #11
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    Hallo liebe Vega,

    ja, ich denke auch, dass wir bei dem Kern angekommen sind.
    Danke, dass du hier so offen mit uns schreibst.

    Du testest ja schon deine Grenzen aus, indem du deine Meinung zeigst, aber leider mit für dich schmerzhaften Ergebnissen.
    Dennoch hast du ja einen oder mehrere Gründe, eben deine Meinung zu haben, die ggf anders ist als die deiner Eltern.
    Du solltest differenzieren zwischen dem emotionalen und dem "realistischen" Anteil:
    Deine Meinung hast du dir gebildet, weil du eine bestimmte Sicht auf diese Welt hast. Und du lässt ja auch andere andere Meinungen haben und hast kein Problem damit.
    Der emotionale Anteil kommt beim Vertreten der Meinung anderen gegenüber und ist natürlich abhängig von der Beziehung zum Gegenüber.
    Wir kommen hier an den emotionalen Wendepunkt, denn die Beziehung deinen Eltern gegenüber steht mit der Meinungsvertretung im Konflikt.
    Ich denke, du solltest deine "Argumente" überprüfen, die deine Meingungen begründen und daraus Sicherheit ziehen.
    Jeder kann unterschiedliche Meinungen haben, und manche sind auch falsch. Fehler sind normal, wir sind alle Menschen, und es ist der Umgang mit ihnen, der wichtig ist.
    Das bedeutet, dass du Fehler machst, genauso wie deine Eltern Fehler machen können oder auch ich falsch liegen kann.
    Wir müssen uns alle auf Fehler oder Misserfolge einstellen, manche tun dies vorher, manche hinterher.

    Mit guten Freunden kannst du auch über Meingungsbildung und das Vertreten in Diskussionen reden,
    ich denke, da kannst du dir auch die Ansichten und den Umgang von anderen mit diesem Thema einmal gut anschauen.
    Du stehst auf jeden Fall nicht alleine da, sondern es ist ein normaler Teil des Erwachsenwerdens, wenn auch bei dir in schwierigerer Form.

    Das mit dem Programmiert-sein ist so eine Sache. Ja, du hast bestimmte Dinge gelernt und auch verinnerlicht.
    Trotzdem bist du ein eigenständiger Mensch, reflektierst, lernst, vergisst, träumst, erfährst. Dein Programm ist in ständigem Wandel und
    du kannst es zu einem bestimmten Grad beeinflussen. Das meinte ich in meinem vorherigen Post mit den Erfahrungen.
    Vielleicht hilft dir ja beim umdenken, dass du immer ein Davor und Danach hast, das ist der Prozess des Lernens.
    Insgesamt braucht so eine Entwicklung natürlich Zeit, und die solltest du dir auch nehmen .

    Mir ist noch der Nebensatz aufgefallen: "das kleine Kind, dass Angst vor der großen weiten Welt hat"
    Dies ist ja nicht direkt auf deine Eltern bezogen, daher wollte ich Fragen, wovor du so etwas wie Angst verspürst? (es gibt da ja viele Themen)

    Ich finde es gut, dass du dich an die Psychologin gewandt hast; wie fühlst du dich damit?

    Viele liebe Grüße
    Farodin

  4. #12
    Neuling
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    Dass ich mich an die Psychologin gewendet habe, war eine gute Entscheidung. Ich fühle mich bekräftigt durch ihren Zuspruch und bin froh, dass ich mich an sie wenden kann, wenn ich es benötige.

    Durch die Arbeit mit ihr habe ich auch einiges über meine inneren Anteile herausfinden können. Das kleine, verängstigte Kind ist einer dieser Anteile... ich habe die Sichtweise verinnerlicht, dass die Welt groß, hart und unfair ist und dass nette Menschen einem direkt etwas Böses wollen. Neue oder andere Meinungen und Lebenssichtweisen als die mir anerzogenen gelten direkt als falsch oder sogar dumm. Dass diese Annahmen mich total blockieren ist ja selbsterklärend...

    Meine größte Angst ist im Grunde genommen, als fühlender Mensch mit meinen Bedürfnissen übergangen zu werden. Nicht gesehen und gehört werden. Denn so habe ich es leider auch oft als Kind erfahren. Ich fühlte mich einsam und auf mich gestellt, als wären alle gegen mich. Wenn ich an meine Versagensängste denke, dann sind es die gleichen Grundängste: Nicht ernst genommen zu werden, belächelt zu werden. Das verletzt sehr.

    Ich weiß zwar nun, dass ich erwachsen bin und selbst die Rolle derjenigen übernehmen kann, die für mich sorgt, aber nunja. Ich muss auch sagen, dass ich innerhalb des letzten Jahres wirklich Fortschritte gemacht habe. Ich weiß, was ich möchte und wie ich mir mein Leben vorstellen kann. Und ich habe mir Meinungen gebildet, die ich guten Gewissens vertreten kann und auch andere damit inspirieren möchte. Was nagt ist diese "Ausbruchsschuld"...

    Ich wohne momentan noch zuhause und werde erst ausziehen können, wenn ich mein Referendariat beginne, also dieses Jahr im Herbst. Ich hoffe, dass der räumliche Abstand und der Einstieg ins Berufsleben mir nochmal zusätzlich Kraft geben wird. Gleichzeitig habe ich aber auch Angst vor diesem Schritt, weil ich im Allgemeinen Angst vor dem Unbekannten habe und vor allem Angst, dem nicht gewachsen zu sein.


    Liebe Grüße,
    Vega
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