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Thema: Mein Körper - das "Ding"

  1. #1
    Neuling Avatar von Beyond Vega
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    Standard Mein Körper - das "Ding"

    Liebe Leute,


    ich weiß nicht in welche Rubrik mein Anliegen am besten hineinpasst. Da ich mein Denken, Fühlen und Handeln diesbezüglich als sehr zwanghaft einstufen würde, fand ich diese Rubrik schlussendlich passend.

    Vorab: Ich hatte niemals in meinem Leben Über- oder Untergewicht und befinde mich eigentlich immer im mittleren bis oberen Bereich des "Normalgewichtes". Ich leide an einer momentan sehr ausgeprägten Körperschemastörung, die in vielen Hinsichten auch der Dysmo-Störung ähnelt. Eine klinische Diagnose habe ich nicht, aber darum soll es auch nicht gehen. Ich sage nur Dysmo/Körperschemastörung, damit ihr vielleicht besser versteht, wie mein "Problem" ungefähr aussieht.

    Ich bin von klein auf mit vielen Beurteilungen bezüglich meines Körpers aufgewachsen. Während andere Mädchen oft sehr dünn waren, war ich immer normal, was meine Eltern wohl dazu anregte, sich um mein Gewicht zu sorgen - sehr unnötig und ungut allerdings, da ich eigentlich ständig das Gefühl hatte und auch immer noch habe, dass mein Körper falsch ist, wie er ist. Im Alter von ca. 17/18 habe ich mal auf 53 Kilo abgenommen bei einer Größe von 1,64 m. Ist zwar kein Untergewicht, aber ich war schon recht dünn.

    Mittlerweile (bin jetzt 24) hat sich mein Gewicht wieder eingependelt auf 62-64 Kilo. Ich weiß, alles nur Zahlen und die meisten würden wohl sagen, dass ich eine tolle Figur habe, was ja eigentlich auch stimmt. Aber mich stört die Zahl auf der Waage so extrem, dass ich mir nicht zu helfen weiß. Ständig habe ich den Zwang wieder abzunehmen, meine 55/56 Kilo zu haben. Ich würde niemals zufrieden sein, aber ich denke, mit einem niedrigerem Gewicht, wäre ich auf der sicheren Seite, was die "Richtigkeit" meines Körpers angeht.

    Ich weiß, dass das alles Muster sind, die aus der Kindheit stammen. Hinzu kommen natürlich gesellschaftliche "Ideale" und dergleichen. Das Problem verschlimmert sich dadurch, dass es in mir drin sehr paradox aussieht. Ich finde beispielsweise explizit Frauen attraktiv, die eine ähnliche Figur haben wie ich (oft sogar Frauen, die eindeutig mehr haben als ich selbst). An mir finde ich es zwar auch attraktiv, aber es fühlt sich an wie etwas Verbotenes. Ich fühle mich unförmig, als würde mein Körper ein "Ding" sein, dass total aus der Kontrolle gerät, wenn ich es nicht mit Diäten etc. im Zaum halte.

    Ich kann meinen Körper nicht "entfernen" und ihn schrumpfen zu lassen finde ich ungesund, da alles im gleichen Muster abläuft. Ich wünsche mir eigentlich nur, meinen Körper endlich akzeptieren zu können wie er ist. Ich will nicht ständig denken, dass ich dünner sein muss, weniger werden muss, damit ich "richtiger" werde. Deshalb bitte ich auch darum, Ratschläge wie "Dann nimm doch einfach 5 Kilo ab und gut ists" zu unterlassen, weil das nicht das Problem lösen würde. Selbst mit 53 Kilo fühlte ich mich noch zu viel und gerade so "ok". Davon abgesehen ist Schönheit und vor allem Gesundheit nicht an irgendwelchen Gewichtsrechnern im Internet abzulesen.

    Ich weiß mir einfach nicht zu helfen und muss mich mitteilen...

    Ich hoffe, dass mich vielleicht einige hier verstehen und mich nicht unter "typisch-medien-gestört-körperprobleme-haben-wir-doch-alle" abstempeln. Ich habe das Gefühl, dass bei mir mehr kaputt ist, als einfach nur eine kleine Unzufriedenheit wegen 2 oder 3 Kilo mehr auf der Waage, die man am Körper selbst wohl gar nicht sehen würde...

    Liebe Grüße,
    Vega
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  2. #2
    Berndchensfrau
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    Ich habe vor vielen Jahren auch an der 50kg-Grenze gekratzt. Mal wog ich 48, mal 50 und mal 52kg. Mittlerweile, ohne Tabletten oder anderes, wiege ich ca. 70 kg. Für mich ist dieser Wert zu viel. Ich denke, 60-65kg sind passend für mich. Es gab auch eine Phase damals, in der ich einfach keinen Hunger hatte. Ich habe mir dann immer gesagt, dass das Gefühl des Sattseins von meiner Psyche kommt bzw. mir diese ein Schnippchen schlagen wollte. Mit diesem Wissen habe ich dann angefangen zu essen, immer nach und nach, und es hat gut geklappt. Während meines letzten Klinikaufenthaltes lernte ich eine junge Frau kennen, die in sich auch den Gedanken, abnehmen bzw. dünner werden zu müssen, trug. Sie wurde ein paar Tage vor mir entlassen. Und ganz ehrlich, diese Frau hätte man in ihrem Zustand niemals entlassen dürfen. Oder man hätte sie wenigstens in ein Krankenhaus zur Überwachung verlegen müssen. Ihr wurde sogar Bettruhe verordnet. So wenig Bewegung wie möglich stand bei ihr ganz oben. Kein Sport, keine Wanderung, nicht in die Stadt, nur mal zum Rauchen durfte sie gehen. Es sollte mit allen Mitteln verhindert werden, dass diese Frau weiter abnimmt. Zu den Mahlzeiten kam eine Schwester mit, um ihre Essgewohnheiten zu kontrollieren. Ständig wurde sie gewogen. Auch nach ihrer Klinikzeit kam sie einmal in der Woche zur Gruppe für Essgestörte. Einmal bat sie mich, ihr eine bestimmte Zeitung aus der Kaufhalle mitzubringen. Dies habe ich auch getan, bis mir aufgefallen war, dass sich in dieser Zeitung viele Tipps zum Abnehmen bzw. für Diäten befanden. Ich fühlte mich mit der Zeitung nicht mehr wohl und hatte dann entschieden, diese im Schwesternzimmer abzugeben. Ihr habe ich dann gesagt, ich habe die Zeitung nicht gefunden. Ich wollte ihren "Wahn", unbedingt abnehmen zu müssen, nicht unterstützen. Ich kenne ihre persönliche Geschichte auch nicht, aber sie hat meines Wissens nach Gewalt erfahren. Sie lag auch auf der Frauenstation. Vielleicht hat dein Denken, das sehr ernst zu nehmen ist, auch einen anderen Grund. Vielleicht einen Grund, der dir jetzt noch nicht bewusst ist. Hast du denn schon einmal darüber nachgedacht, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen? Du sagst ja, du hast das Gefühl, bei dir ist mehr kaputt.

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    Beyond Vega (29.11.2016)

  4. #3
    Roman Verfasser Avatar von Cailynn
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    Hallo Vega,

    du bist ja noch relativ neu hier, darum erstmal herzlich Willkommen hier im Forum von mir.

    Ich hab deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen und in vielem, dass du schreibst, erkenne ich mich selbst auch wieder. Jetzt weiß ich allerdings nicht so recht was ich dir antworten soll. Du scheinst sehr reflektiert zu sein und hast im Prinzip alles wichtigere bereits selbst zusammen gefasst Aber das hilft dir jetzt natürlich wenig^^

    Ich leide seit der Pubertät an einer Essstörung. Ich habe eine Mischform, d.h. bei mir wechseln sich anorektische und bulimische Phasen ab, Atypische Anorexie ist die Diagnose.
    Ich kenne deine Gedankengänge sehr gut und auch das gestörte Körpergefühl ist mein täglicher Begleiter. Mein niedrigstes Gewicht war 38 kg, im Moment habe ich 44-45 kg, es schwankt immer.
    Meine Essstörung und mein gestörtes Körperempfinden (dass sich nicht nur auf das Gewicht bezieht), wurzelt in einem Kindheitstrauma. Die wenigsten mit Essstörung und/oder Körperschemastörung die ich kenne haben dieses Verhalten nur auf Grund des gesellschaftlichen Trends zur Schlankheit entwickelt. Die meisten haben tiefer gehende Probleme und Erlebnisse zu verarbeiten.

    Vielleicht bin ich nicht gerade die beste Ratgeberin für dich. Auf der anderen Seite kann ich dein Empfinden gut verstehen. Was mir hilft ist, wenn ich mir selbst den Duck raus nehme. Ich versuche nicht mehr abzunehmen weil ich weiß es wäre schädlich für mich aber ich versuche auch nicht, zuzunehmen. Mein Ziel ist es, mein Gewicht zu halten. Vielleicht hilft dir das auch? Dass das Ziel einfach ist das Gewicht zu halten und nicht zu-oder abzunehmen?

    Hast du denn jemanden in deinem realen Umfeld mit dem du über diese Gedanken reden kannst? Denkst du denn du kriegst das alleine in den Griff oder hast du Angst in eine Essstörung zu rutschen? Vielleicht würde es dich entlasten wenn du dich irgendwo unverbindlich beraten lässt?

    Ich denke, dass Problem wird nämlich nicht sein dein Körpergefühl zu stärken sondern es sind die tiefer sitzenden Dinge bei denen du Hilfe gebrauchen könntest.

    LG Cailynn
    fairytales don´t always have a happy ending, do they?

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    Beyond Vega (29.11.2016),herr bär (23.11.2016)

  6. #4
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    Hallo liebe Vega,

    ich schalte mich mal als ein bisschen Außenstehender ein.
    Du schreibst sehr schön reflektiert, das ist viel wert!

    Wie schon von dir und Cailynn angesprochen ist wahrscheinlich mehr hinter deinem Unwohlsein/-fühlen.

    Besonders aufgefallen sind mir die Punkte aus deiner Kindheit und deine jetztige Wahrnehmung von Attraktivität und dein Verhältnis dazu.

    Ich würde dir gerne ein paar Fragen stellen, da sie aber persöhnlich sind, musst du sie hier nicht beantworten, wenn du nicht möchtest.
    Was für Hobbies hast du jetzt und was hast du als Kind gerne gemacht/gespielt?
    Machst/hast du Sport gemacht(neben Schulsport)?
    Wie würdest du deine Eltern beschreiben?
    Insbesondere: sind sie(oder einer von beiden)
    -ordentlich
    -genau
    -streng
    -sehr vorsichtig/behütend
    -kontrollierend
    Isst du gerne? Wie fühlst du dich beim essen?
    Fühlst du deinen Körper "nur" als unförmig oder als etwas fremdes?
    wie würdest du dich und deinen Charakter beschreiben?

    Wenn du Rückfragen hast oder mehr Infos möchtest, schreib mir deine Gedanken einfach.

    Zum Schluss möchte ich einmal betonen, wie weit du schon bist.
    Ich lese aus dem Text eine Persönlichkeit, die ihren Weg gefunden hat und um ihre Schwächen weis.
    Dass du diese angehen willst, ist mit viel Stärke verbunden.
    Alles gute und bis bald!
    Farodin

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    Beyond Vega (29.11.2016)

  8. #5
    Neuling
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    Hey ihr Lieben,

    danke erstmal für alle eure Antworten.
    Farodin, deine Fragen finde ich gut zur Reflexion, darum möchte ich sie beantworten:


    Was für Hobbies hast du jetzt und was hast du als Kind gerne gemacht/gespielt?


    Ich schreibe sehr gerne, schon mein Leben lang. Zum Beispiel Tagebuch, Lyrik, Kurzgeschichten aber auch Experimentelles. Malen und Zeichnen habe ich früher gerne gemacht, mache es jetzt aber kaum noch, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge und daher gar nicht erst zu Stift und Papier greife. Nur ganz selten vielleicht mal.

    Machst/hast du Sport gemacht (neben Schulsport)?

    Ich habe schon immer irgendwelchen Sport gemacht. Meistens Kampfsportarten bzw. Kampfkünste. In meiner Jugend auch Lateinformation und Hip Hop. Heutzutage mache ich gerne Yoga, Kraftsport und solche Dinge. Körperliche Bewegung und Herausforderung gibt mir meistens ein gutes Körpergefühl, daher mache ich es auch regelmäßig, leider auch oft mit dem Hintergedanken, Kalorien zu verbrennen... Schulsport fand ich übrigens schon immer furchtbar - ein einziges Zur-Schau-Gestellt-Werden... schrecklich.


    Wie würdest du deine Eltern beschreiben?

    Meine Eltern sind ein großer Knackpunkt bezüglich meiner Probleme. Ich bin 25 und wohne noch zuhause, da ich bis Ende nächsten Jahres aufgrund meines Studiums noch finanziell abhängig bin. Die Abhängigkeit besteht aber viel mehr emotional... Meine Mutter ist sehr verurteilend und wertend, mein Vater ist sehr still und nimmt in Konflikten eigentlich alles persönlich, was dann zu unschönen Situationen führen kann. Zudem herrscht bei meinen Eltern emotionale Kühle und ein überhöhtes Sicherheitsdenken vor. Ich sehe in diesen Eigenschaften oftmals meine eigenen Einstellungen, klar, hab ich mir ja auch so abgeguckt. ich weiß für mich allerdings, dass ich gerne anders leben möchte.

    Insbesondere: sind sie (oder einer von beiden)

    -genau (Vater, Perfektionist würde es noch besser treffen)
    -kontrollierend (Mutter)


    Isst du gerne? Wie fühlst du dich beim essen?

    Ich habe schon immer gerne gegessen und leide unter Appetitlosigkeit im Grunde nur in Momenten/Phasen hoher emotionaler Angespanntheit, was nicht so oft vorkommt. Wenn ich esse habe ich grundsätzlich das Gefühl, zu viel zu essen. Liegt wohl daran, dass mir meine Mutter früher immer auf die Finger geschaut hat, denn ich könnte ja eines Tages dick werden... (zur Info: ich war ganz normalgewichtig und habe mich ganz normal ernährt).


    Fühlst du deinen Körper "nur" als unförmig oder als etwas fremdes?

    Mal so mal so. Das Unförmige überwiegt. Es ist einfach das Gefühl, dass mein Körper permanent eine Grenze überschreitet. Wenn ich es tiefer durchdenke komme ich auf die Tatsache, dass der Körper an sich im Grunde schon zuviel ist, weshalb Abnehmen und solche unsinnigen Dinge auch nichts bringen. Ein starkes Entfremdungsgefühl habe ich nicht. Ich empfinde meinen Körper schon als "meinen", dennoch empfinde ich ihn oft als Problem, Last oder Zielscheibe. Er ist eben eine Art Ding, das permanent den Prüfungen der anderen unterzogen wird (so empfinde ich es öfter).


    Wie würdest du dich und deinen Charakter beschreiben?

    Ich bin sehr kindlich und neugierig. Bin immer auf der Suche nach neuen Dingen, durchdenke gern vieles und entdecke tieferliegende Zusammenhänge. Eine gewisse Wissbegierde ist das auch. Ich bin auch sehr empathisch, gerne im Gespräch mit anderen, aber dann eher mit den engen und guten Freunden. Ein Partymensch bin ich nicht, obwohl ich mich nicht als introvertiert beschreiben würde. Es ist eben paradox. Einerseits weiß ich um meine "Qualitäten", andererseits fokussiere ich meine vermeintlichen Fehler (ich mag das Wort schon nicht..., als ob Menschen "fehlerhaft" seien...).


    So das wars erstmal.
    Liebe Grüße!
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  9. #6
    Neuling
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    Hallo liebe Vega!

    Danke für deine ausführlichen Antworten! Schön, dass dir die Fragen gefallen haben.
    Ich teile deine Ansicht, dass vieles mit deinen Eltern zu tun hat. Darauf will ich gleich eingehen.
    Du wirkst ausgeglichen, überlegt, hast gute Hobbies und eigene Meinungen.
    Nur in ganz bestimmten Punkten hält dich etwas zurück, häufig deinen Körper betreffend, aber nicht immer.

    Um es vorweg zu nehmen, du hast wahrscheinlich nicht nur die Ansichten deiner Eltern zum Teil übernommen, sondern fühlst
    dich vielmehr von ihren Ansprüchen beeinflusst. Gerade mit den Eigenschaften, die ich erfragt habe und die du deinen Eltern
    zuordnen konntest, sind sehr hohe Ansprüche verbunden, die man als Kind einfach versucht so gut es geht umzusetzen.
    Eine eigene Bewertung, wie du sie jetzt vornehmen kannst, ist einem als Kind so gut wie nicht möglich.
    Dies nun zu ändern, ist eine große, aber lösbare Herausforderung.

    Du hast zum Glück ein gesundes Verständnis für die Belange deines Körpers und der "Versorgung" mit Sport und Essen.
    Dass du so sportlich aktiv bist, hat mich sehr positiv überrascht!
    Das ganze ist also wirklich eine Kopfsache und du bist auf dem richtigen Weg.

    Sich permanent überwacht fühlen ist sehr belastend. Auch dass du einen Kontroll"zwang" bezüglich Diäten verspürst ist Teil davon,
    sozusagen die Überwachung durch dich selbst.

    In deinen Antworten lese ich auch viel deine eigene, sehr richtige, Meinung, dass das Gefühl von "Fehlerhaftigkeit" Unsinn ist.
    Dein Bewusstsein ist also schon einen Schritt weiter.
    Du kannst dich selber anlernen, diese Meinung auch zu verinnerlichen, indem du positive Erfahrungen mit ihr verbindest.
    Dazu ist gerade der Sport gut geeignet, ein gutes Körpergefühl und auch das Bewusstsein, etwas mit dem Körper leisten zu können, sind zB solche Erfahrungen.
    Essen kann man natürlich sehr gut genießen, und auch vieles ausprobieren. Um nicht ständig unter den Augen deiner Mutter zu sein, solltest du
    dir andere Orte überlegen, wo du "in Ruhe" essen kannst. Das hat nichts mit Geheimhaltung zu tun, sondern mit dem gesunden Loslösen von den Eltern,
    vor allem wenn man als junge Erwachsene merkt, dass man einen anderen Lebensstil haben möchte.

    Als letztes möchte ich noch auf deine sogenannten Paradoxa eingehen. Hier treffen einfach deine eigenen Ansichten auf die dir vorgelebten.
    Dadurch ergibt sich ein Widerspruch für dich, wobei du schon selber schreibst, wie eben deine Gedanken sind. Du kannst da sehr auf dich vertrauen und
    auf dein Bauchgefühl hören.
    Überleg dir, worauf du dein Selbstbewusstsein weiter aufbauen möchtest. Betrachte auch deine Schwächen, sie sind ein Teil von dir und brauchen ebenfalls
    "Aufmerksamkeit".
    Mein Ziel ist es, dass du dich selber aufbaust und kennenlernst, um den "Kritiken" von außen besser entgegnen zu können.

    Schreib mir ruhig, wenn du weiteres wissen möchtest.
    Viele Grüße
    Farodin

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Farodin für den sinnvollen Beitrag:

    Beyond Vega (03.12.2016)

  11. #7
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    Oh Beyond Vega,

    ich kenne deine Probleme wohl sehr gut.
    Mein Körper ist mir ein Graus, wenn ich ihn mir ansehe (mein Verlobter findet es in Moment richtig toll *seufz*)
    Wie oft stelle ich mir vor, meinen 'angeblichen' Speckfalten einfach rauszuschneiden und den Chirurgen dann die 'feinarbeit' zu überlassen.

    Nun bin ich in Therapie und arbeite daran, dass so etwas nie passiert und ich mich mit meinem Körper 'anfreunde' (zumindest akzeptiere, wie er ist).

    Bist du in Therapie?

    Liebe Grüße
    BlackSun

  12. Der folgende Benutzer bedankte sich bei BlackSun für den sinnvollen Beitrag:

    Beyond Vega (03.12.2016)

  13. #8
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    Hallo Farodin,
    danke für deine Antwort.

    Das Eltern-Thema ist bei mir wohl zentral. Egal, was sich so für Probleme auftun - es führt immer zu diesem Knackpunkt. Du hast Recht damit, dass ich mich sehr von den Erwartungen die ich denke, dass meine Eltern sie an mich haben, unter Druck gesetzt fühle. Ich habe auch richtige Schuldgefühle, weil ich eben dabei bin mich abzulösen und viele Dinge ganz anders sehe und mache als sie und sie das auch teilweise wissen lasse. Ich kann jedem seine Meinung lassen, aber wenn meine Eltern (vor allem mein Vater) eine gegensätzliche Meinung haben und mir ganz klar mit Skepsis gegenübertreten, dann trifft mich das extrem und ich fühle mich wieder wie das kleine Kind, das scheinbar alles falsch macht und deshalb noch tüchtig Ärger bekommen wird.

    Es schnürt mir richtig den Hals zu. Das Schlimmste ist für mich das Gefühl von Schuld und Versagen. Egal um was es geht im Grunde genommen. Mal verschiebt sich die Sorge auf Leistungen, dann auf den Körper, dann auf mich als Mensch. Im Endeffekt kommt es immer alles auf das Gleiche hinaus. Ich fühle mich richtig gefangen dadurch und habe teilweise (in instabilen Phasen wie momentan) schon Schuldgefühle wenn ich mich mal mit Freunden treffe oder sowas. Dabei bin ich doch erwachsen... aber eben nur äußerlich. Innerlich bin ich momentan wieder das kleine Kind, dass Angst vor der großen weiten Welt hat und sich schrecklich schlecht und schuldig fühlt, weil es seine Eltern "verraten" hat...

    Ich glaube, dass meine Eltern sich selbst oft verraten und innerlich verletzt fühlen, wenn ich etwas anders mache oder sehe als sie. Vor allem mein Vater kann das gut. Das versetzt mir dann zusätzlich einen Stich... ich weiß nicht wie ich damit umgehen kann, dass es mich nicht so sehr trifft.


    @ BlackSun: Ich bin bei einer Psychologin an meiner Uni, wo man sich kostenlos beraten lassen kann. Ich kann deine grausigen Gedanken mit dem Herausschneiden schon irgendwie nachvollziehen. Gut, dass du erkennst, dass du Hilfe brauchst. Ich wünsche dir alles Gute dafür und dass du deinen Körper eines Tages annehmen und lieben kannst, wie er ist.


    Hoffnungsvolle Grüße...
    Authority must be obeyed, or it must be overthrown.

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