Hallo Community,
ich war schon immer ein sehr ängstlicher Mensch was gefährliche Krankheiten angeht. Habe mir schon als Kind ständig Sachen eingebildet, die ich haben könnte.
So richtig ernst wurde es aber das erste Mal vor ca. 6 Jahren als ich (damals 14) in meiner Hand plötzlich ein Taubheitsgefühl festgestellt habe. Nach diversen Untersuchungen war klar, dass da nichts ist und so hat mir meine damals behandelnde Ärztin aufgrund meiner sowieso vorhandenen Nervosität (ich kaue z.B. auch an den Fingernägeln) ein homöopathisches Mittel verabreicht. Kurz darauf wurde mir schummrig und ich bin noch in der Arztpraxis kurz weggekippt. Von da an hatte ich panische Angst vor dem Umfallen, die es mir schwierig machte z.B. weiterhin auf der Bühne zu arbeiten (ich war in der Theater AG) oder auch das Fliegen deutlich erschwerten. Die Angst machte sich nur in solchen Situationen bemerkbar, wo ich die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war oder ich genug Zeit hatte alleine nachzudenken. Bald ist dadurch die sogenannte "Angst vor der Angst" entstanden.
Habe dann schon recht bald ein paar Therapiestunden genommen, die mir auch geholfen haben. Allerdings habe ich solche Situationen nach wie vor so gut es ging gemieden bzw. sie nur mithilfe von Beruhigungsmitteln (im Falle des Fliegens) ertragen.
Danach wurde es immer besser, ich habe mich abgelenkt mit Freizeitaktivitäten und "kreativer Arbeit" (ein über Jahre produzierten Independentfilm, den ich Anfang diesen Jahres endlich abgeschlossen habe), habe mein Abitur gemacht und mein Studium begonnen. Zwischendurch gab es immer mal wieder vereinzelte Angstphasen, die aber schnell überwunden waren. Hauptsächlich hatte ich Angst vor Kritik an meiner Arbeit, die sich gottseidank bis jetzt immer als unbegründet herausstellte. Ab und an hatte ich zudem immer meinen Atem beobachtet und halt Angst nicht genügend Luft zu bekommen (wodurch ich ständig tiefe Luftzüge genommen hab).
Im April diesen Jahres (nachdem ich davor längere Zeit mit dem Schmerz über eine zu Ende gegangene Beziehung zu kämpfen hatte) hatte ich dann plötzlich nach einem Shisha-Abend das Gefühl, dass irgendwas in meiner Lunge ist. Nach einiger Zeit bin ich zum Arzt gegangen. Dieser konnte nichts feststellen, außer einen hohen Puls (ich habe ihm dann von meinen Ängsten Krankheiten zu haben erzählt). Nachdem er diesen am nächsten Tag erneut überprüft hat und er sich deutlich normalisiert hatte, und auch die Blutwerte in Ordnung waren, gab es von ärztlicher Seite also nichts mehr zu sagen. Die Gefühle in der Lunge waren daraufhin auch weg, nur dass sich dann in mir langsam panische Angst vor einem möglichen Herzinfarkt oder Herzversagen breitgemacht hat. Hatte auch vor 5 Jahren mal eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung, die aber vollständig ausgeheilt ist) und zusammen mit dem erhöhten EKG hat mir das dann große Sorgen bereitet. Auch das habe ich mittlerweile wieder im Griff, allerdings kommen jetzt wieder die "Atemprobleme" zum Vorschein (z.B. die Angst den nächsten Atemzug zu vergessen). Die Beschwerden machen sich so gut wie nicht im Alltag bemerkbar, nur wenn ich alleine bin und gehäuft natürlich Abends bzw. Nachts (deshalb nehme ich zur Zeit manchmal auch eine Baldrian-Tablette).
Also habe ich beschlossen endlich etwas dagegen zu unternehmen. Ich habe mir dazu das Buch von Dr. Doris Wolf, "Ängste verstehen und überwinden", gekauft. Auch wenn ich bis jetzt erst die ersten 90 Seiten gelesen habe, habe ich doch eine Menge verstanden und begriffen, wie meine Gedanken und Vorstellungen meine Körperreaktionen beeinflussen. Soviel zur Einsicht, nur für das weitere Vorgehen muss eine bestimmte Situation, DIE Situation, gefunden werden, vor der man sich fürchtet und ein Ausweg für den Notfall, sollte man in die Situation kommen, zurechtlegen. An der Stelle komme ich mit meiner Angstsituation nicht weiter. Bis dahin aber ein wirklich großartiges Buch, das mir bis jetzt Mut gibt, leider würde ich gerne weitermachen. Vielleicht gibt es ja hier Kenner des Buches, die mir an dieser Stelle auch weiterhelfen können.
Hier soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass ich von Angst nur so zerfressen bin. Ich bin eigentlich ein recht fröhlicher und offener Mensch. Allerdings gibt es halt diese andere Seite von mir, und wenn diese Ängste wiederkommen (die können auch mal ein/zwei Wochen weg sein) kann es schon mal vorkommen, dass sie mich überwältigen. Meine Familie reist jetzt erst mal für ein paar Wochen in den Urlaub. Einerseits freue ich mich mal das Haus für mich zu haben, andererseits habe ich Angst vor dem Alleinsein, der Hilflosigkeit und meinen Gedanken, also der Angst vor der Angst sozusagen.
So viel zu mir und meinen Ängsten. Ich würde mich freuen hier auf Gleichgesinnte und Helfer in der Not zu treffen.
Viele Grüße
ChrisWalken


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