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Thema: Mein Mann hat Zwänge - ich weiß nicht mehr weiter

  1. #1
    Neuling
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    Beitrag Mein Mann hat Zwänge - ich weiß nicht mehr weiter

    Hallo alle Zusammen!

    Ich bin neu hier und es ist auch das erste Mal, dass ich mich nach solanger Zeit an jemanden wende. Ich weiß zwar nicht, ob es was bringt oder mir jemand ein paar Tipps geben kann, aber ich denke, dass es einen Versuch wert ist!

    Mein Mann und ich kennen uns schon seit 9 Jahren und sind seit 8,5 Jahren zusammen. Kurz nachdem wir ein Paar wurden, war er auch sehr ehrlich zu mir und hat mir von seinen Kontrollzwängen, Grübelzwängen und seiner Prüfungsangst erzählt. Das finde ich nach wie vor sehr lobenswert, denn ich glaube, dass das nicht jeder so einfach zugeben kann und schon gar nicht, wenn man so frisch in einer Beziehung ist.
    Nun haben wir in diesen Jahren schon sehr viel miteinander erlebt (Tod, Krankheit, etc.) und haben auch immer alles zusammen gemeistert. Aber so langsam bin ich wirklich am Ende und weiß selber nicht mehr was ich machen soll.
    Mein Mann ist seit wir zusammen sind, und auch vorher schon, wegen seiner Zwänge in psychologischer Behandlung, aber leider kann und will er diese nicht so recht annehmen. In den schlimmsten Fällen ist er mir gegenüber auch handgreiflich geworden, das nur um einmal darzustellen wie schlimm die Sache ist. Er sagt mir immer, dass er den Teil in seinem Gehirn rausschneiden möchte, der diese Zwänge verursacht. Und dass er am liebesten morgens aufwachen möchte und alles ist weg. Er ist wirklich den ganzen Tag nur damit beschäftigt zu kontrollieren. Er bekommt auch Tabletten. Meiner Meinung nach, ging es ihm mit den Tabletten besser und er war nicht so agressiv. Jetzt nimmt er die Tabletten seit ca. 2 Wochen nicht mehr und es ist wirklich furchtbar. Er ist den ganzen Tag nur agressiv, schreit rum und hat schlechte Laune. Aber nur mir gegenüber, niemand anderem gegenüber.

    Ich weiß einfach nicht mehr was ich machen soll. Er wirft mir immer vor, dass ich kein Verständnis für ihn hätte. Ich habe Verständnis für ihn. Ich habe zu diesem Thema schon soviel gelesen und mich informiert, ich war sogar schon selber beim Arzt um rauszufinden, wie ich ihm helfen kann. Es ist einfach nur furchtbar und ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen und kann sich mit mir austauschen?
    Ich freue mich auf eure Antworten!

    LG, Lisalein

  2. #2
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    Standard Hallo!

    Das klingt sehr traurig. Ihr seid so lange zusammen und es ist kein Fortschritt bei Deinem Mann erkennbar...

    Was mir auffällt: Du schreibst viel davon, welche Krankheit Dein Mann hat und das Du alles zusammen mit ihm durchgestanden hast.

    Dennoch ist keine Besserung feststellbar...

    Offenbar hast Du Dich schon lange in der Rolle der Unterstützerin (Deines Mannes) gefestigt und erkennst jetzt, dass Du einfach nicht mehr kannst...

    Du willst wahrscheinlich weiter machen und suchst nun nach einer Möglichkeit, besser auf ihn eingehen zu können... belastbarer zu werden?

    Ich will mal ganz vorsichtig formulieren, wie das bei mir ankommt: Es ist ähnlich wie bei einem Suchtkranken, wo die Verwandschaft alles unternimmt, um ihm zu helfen und auch teilweise die Auswirkungen der Sucht verschleiert... um eine "normale" Familie sein zu können. Das ist ein sehr nachvollziebares Bedürfnis, zumal "erschwerend" hinzukommt, dass man diesem Menschen ja auch liebt...

    Doch genau dieses Verhalten ist es letzendlich, welches dem Kranken auch die weitere Ausübung seiner Sucht erleichtert und ab einem gewissen Grad an "Support" sogar fördert...

    Im verzweifeltem Bemühen, ihn zu retten, beschleunigt man seinen Untergang.

    Auch bei euch hat es den Anschein. Welche Motivation hat Dein Mann, seine Krankheit wirklich "anzupacken" (Du schreibst, er werweigert die Medikation.), wenn er mit allem, was er tut, bei Dir "durchkommt"?

    Du bist am Ende und es hat sogar schon Handgreiflichkeiten gegeben... aber Du hälst zu ihm und bestätigst ihn dadurch: "Ich kann nichts dafür, dass ich meine Frau kontrollieren und gängele/handgreifliche werde, ich bin ja krank!"

    Du wirst Deine Kraft aufbrauchen, wirst komplett "verschwinden" (Weist Du, wer Du neben seiner "Krankenschwester" noch bist?)... und er wird seine Krankeit nicht "bearbeiten".
    Warum auch, er hat ja gar keinen Druck, keine Motivation... Er erfährt keine Konsequenzen, wenn er Dich leiden läßt (durch seine Zwänge) oder sogar Gewalt anwendet.

    Was Dich und letzendlich auch ihn wirklich retten kann, ist ein konsequenter und "gesunder" Egoismus deinerseits. Du selbst musst in den Fokus Deiner Betrachtungen rücken, Dein Gedanke muss sein: "Was wünsche ich (!) mir (vom meinem Leben, von meiner Partnerschaft... ec.)?" und nicht "Was kann ich tun, um ihm zu helfen (und somit seine krankheit unterstützen)?"

    Du darfst seine Krankeit und vor allem seine Unwilligkeit zur Genese (Verweigerung der Medikation) nicht länger zu Deinem Problem machen.

    Die konsequente verfolgung dieser Gedanken kann einen tiefen Einschnitt in Eurer Ehe nach sich ziehen...

    Doch ich will es erst mal bei diesem Beitrag belassen und hoffe, das Du damit etwas anfangen kannst...

    LG
    Silent Voice

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Silent Voice für den sinnvollen Beitrag:

    Maeggie (28.11.2011),Thessa (28.10.2011)

  4. #3
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    Standard

    Danke Silent Voice für deinen Beitrag! Und da hast völlig recht, ich stelle meine Bedürfnisse völlig hinten an. Ich versuche es immer ihm recht zu machen, denn er ist ja krank, was er mir ja auch jeden Tag wieder deutlich zu verstehen gibt und auch sagt. Wie ich ja eben schon geschrieben habe: Laut seiner Aussage habe ich kein Verständnis.

    Jedoch versuche ich die Sache nicht zu verschleiern, auch nicht vor anderen! Das Problem ist aber leider, wie du vielleicht auch kennst oder andere Leute hier im Forum, dass die meisten Menschen von so etwas nichts wissen wollen und es auch nicht glauben, dass er sowas hat oder dass so eine Krankheit überhaupt existiert.

    Ich musste mir schon von anderen Leuten anhören, dass ich doch nicht so "hart" mit ihm umgehen soll, schließlich ist er krank! Von außen bekomme ich auch nur Vorwürfe, ich wäre gemein. Aber was er den ganzen Tag so tut oder eher nicht tut, das ist ok... So muss man ja die Worte der Mitmenschen verstehen. Also bin es ja leider nicht ich, die ihn in seiner Krankheit unterstützt, sondern die anderen.

    Und du hast vollkommen recht: Er hat keinerlei Motivation seine Krankheit anzupacken! Er arbeitet in der Firma seiner Eltern, hat keine Ausbildung gemacht (die hat er aufgrund seiner Prüfungsangst abgebrochen) und auch sonst lassen sie so ziemlich alles durchgehen was er tut.
    Es ist wirklich schwierig jemanden zu motvieren, wenn alle anderen immer gegen mich arbeiten und auch mir auch immer wieder sagen, dass ich alles falsch machen würde, wenn ich auf Konfrontation gehe. Aber sie lassen ihm alles durchgehen. Das ist doch sicherlich auch nicht der richtige Weg!


    Auch mit Suchtkranken habe ich in den letzten Jahren meine Erfahrungen gemacht und ich weiß was du meinst. Zum Glück hat diese Person, die Suchterkrankung, die über 20 Jahre hinweg ging, mittlerweile selber in den Griff bekommen. Und wie du auch richtig sagst: Solchen Leuten kann man meistens nicht helfen, da müssen sie selber raus kommen.

    Ich weiß einfach nicht was ich machen soll, wenn alle anderen ihn quasi in seiner Krankheit unterstützten und ich für alle nur die Böse bin! Solange ich meinen Mund halte ist es gut, aber wenn ich einmal etwas sage, dann werde ich allen Seiten schief angeguckt. Und verstehen tut es sowieso keiner.

    LG, Lisalein

  5. #4
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    Standard Ich verstehe Deine Lage

    Hallo nochmal!

    Ich verstehe Deine Lage. Das Bild wird nur noch "abgerundet" vom Verhalten seiner Eltern, so dass ihr Sohn sich in keiner Weise veranlasst sieht, zu handeln... im Gegenteil, auch hier erfährt er Bestätigung!

    Zudem wird hier aber noch ein weiterer Aspekt eröffnet, der Dich zum Schweigen verdonnert: Deine Wahrnehmung wird Dir abgesprochen. Es wird abgeschwächt und relativiert ("So schlimm ist es doch gar nicht") oder es wir Dir gesagt, wie "gemein" Du bist, was einfach eine Schuldzuweisung an Dich darstellt, ebenfalls mit nur einem Ziel:

    Du sollst in der Spur bleiben!

    Auch die Eltern haben sicherlich nicht schlechte Absichten, wenn sie so handeln: Sie lieben ihren Sohn und wollen nicht sehen, was aus ihm geworden ist... und vielleicht wollen sie auch nicht sehen, welchen Anteil sie selbst daran haben... es mag auch für sie eine schmerzhafte Situation sein.

    Doch das, was dort geschieht, kannst Du nicht gewinnen. Hast Du Dich schon dabei ertappt, den Eltern recht zu geben? Denkst Du manchmal: " Ja, irgendwo ist es meine Schuld, ich hätte ihn mehr unterstützen sollen." oder, bei der Handgreiflichkeit: "Ich trage (auch) daran Schuld, habe ihn provoziert / nicht getan, was er wollte..."

    Das sind Anzeichen dafür, wie sehr Dein Selbstbewußtsein und Deine Persönlichkeit bereits untergraben wurden... und natürlich stehst Du alleine da. Denn alle anderen in dieser von falsch verstandener Liebe geprägten Krankheitssituation haben eine Vorteil davon, wenn Du weiter still hälst und auch "dicht" hälst.

    Du kannst Dich mit niemandem in Deinem Umfeld darüber unterhalten? Daran kannst Du erkennen, wie gut dieses "System" bereits funktioniert.

    Du wirst keinen Beifall ernten, wenn Du dagegen aufbegehrst, wenn Du klar machst, dass es nicht Dein Problem ist, wenn Dein Mann sein Leben nicht anpackt.
    Dieses "klar machen" muss sich nicht unbedingt durch Worte äußern, sondern vor allem in einem anderen Verhalten. Du kannst höflich und leise eine Revolution beginnen, in dem Du Dir z.B. Gedanken darüber machst, was Dir gut tut - und dann auch umsetzt, ohne großes Aufhebens davon zu machen.

    Will er Dich mit Anschuldigungen überhäufen, kannst Du ihm freundlich - aber bestimmt - zu verstehen geben: Ja, ich versete Dein Probelm -wie möchtest Du es denn lösen? (Sinngemäß, aber auch ganz direkt möglich...)

    Will er einen Streit vom Zaun brechen, kannst Du ihm sagen, dass Du darüber jetzt nicht reden willst - jeder erwachsene Mensch hat das zu akzeptieren. Gib ihm zu verstehen, dass Du mit ihm reden willst - wenn er etwas kostruktives beizutragen hat und wenn er Dich mit Respekt behandelt!

    Wird die Situation unangenehm oder spürst Du gar, das er Gewalt anwenden wird, um Dich wieder "auf Kurs" zu bringen, hast Du nur eine Möglichkeit: Entziehe Dich ihm!

    Vor allem aber: Schweige nicht länger. Sprich mit Leuten, die Dich verstehen. Das was Du machst, hält niemand auf Dauer durch: Allein in einem repressiven Umfeld.
    Du musst nicht versuchen, Leute zu überzeugen, die im Moment davon profitieren, dass Du in Deiner verzweifelten Lage verbleibst - das ist sinnlos, denn es setzt eine Erkenntnis voraus, die sie einfach (noch) nicht haben...

    Rette Dich erst mal selbst... vielleicht besteht sorgar Hoffnung, dass Du ihm dadurch hilfst - wenn er (zum ersten mal) erfährt, dass sein Handlungen oder auch seine Unterlassungen immer (!) Konsequenzen haben... nur dann kann auch er vielleicht irgendwann verstehen.

    LG
    Silent Voice
    Geändert von Silent Voice (28.10.2011 um 13:39 Uhr)

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Silent Voice für den sinnvollen Beitrag:

    Plaudertasche (09.12.2011),Thessa (28.10.2011)

  7. #5
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    Hallo Lisalein,

    ich kann den Worten von Silent Voice aus vollstem Herzen zustimmen.
    Dein Verhalten ist das einer Co-Abhängigen, die durch ihre Unterstützung den Kranken daran hindert zu gesunden. Sprich, Du selber bist soweit drin und verstrickt, dass Du da unbedingt raus mußt und wenn Du das nicht alleine schaffst, Du Dir Hilfe holen solltest. Was ich da lese, würde ich keine Sekunde mitmachen wollen. Sowas versuchen ja, aber nach wenigen Monaten, wenn man sieht, da will einer nicht und ruht sich auf meine Schultern aus......dafür darfst Du kein Verständnis haben. Und klar sagt das Umfeld, dass Du weiter ausharren mußt, somit müssen sie nichts tun und haben ihn aus dem Kreuz.
    Er kann das nur alleine und dazu muß er wollen. Und wenn er nicht will, kannst Du gar nichts ändern und wenn, dann nur, wenn Du ihn auf sich alleine zurückwirfst und nichts, aber auch rein gar nichts für ihn übernimmst. Das ist wie bei einem Suchtkranken, dem kann man nur helfen, wenn man ihn quasi fallenläßt, so dass er ggf. erst mal ganz unten sein muß - vorher geschieht sonst nichts.

    Denke an Dich und gib auf Dich acht. Du bist durch ihn auch schon angeschlagen und krank und denkst noch, dass Du Schuld hast, es an Dir liegt, was absolut falsch ist.

    LG
    Thessa

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Thessa für den sinnvollen Beitrag:

    Silent Voice (29.10.2011)

  9. #6
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    Hallo Lisalein,

    wollte mal hören, wie es Dir zwischenzeitlich geht? Hast Du an Deinem Verhalten ihm gegenüber etwas ändern können?

    Nimmt dein Freund wieder die Medikamente? Denn die sind sehr wichtig. Dass er sie abgesetzt hat war sicher nicht gut. Und dass er handgreiflich wird, da sind Grenzen schon überschritten worden.

    Ich habe auch Zwangsgedanken, Ängste. Alles in allem eine schizoaffektive Störung. Ich würde mich freuen wenn ich jemand so liebes wie Dich an meiner Seite hätte. Dein Freund weiß bestimmt nicht um sein Glück welches er mit Dir hat!?

    Du darfst Dich nicht runterziehen lassen. Ziehe Dich zurück. Es muß bei Ihm selbst ankommen, dass er sich selbst helfen muß.

    Wünsche Dir ein schönes WE.

    lg Uwe

  10. #7
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    Lisalein, wenn Du wirklich um Dein Leben und Deine psychische Gesundheit fürchten musst, Dich trotzdem nicht von ihm trennen willst, obwohl er Dir fürchterliche Szenen macht, dann musst Du in euerem gemeinsamen Interesse evtl. eruieren, ob Du ihn nicht -in Deinem vitalen eigenen Interesse und aus Fürsorge für ihn- zwangseinweisen lassen müsstest in die Psychiatrie, weil Du um Dein Leib und Leben fürchten müsstest, denn er scheint die Kontrolle über sich verloren zu haben.

    Dort würden sie sicherlich auch eine Kernspintomographie seines Gehirns veranlassen, oder Du müsstest andernfalls Druck machen, denn es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei ihm um eine krankhafte Veränderung seines Gehrins handelt. Zudem ist dort genügend psychiatrisches und psychotherapeutisches Personal für weitere Hilfe vor Ort.


    Angenommen, dieses für Dich entsetzliche Verhalten ist jetzt ein Teil seiner Persönlichkeit geworden, dann hat er sich zu einer anderen Persönlichkeit entwickelt, die Du nicht geheiratet hast. Denn: Hätte er diese Merkmale in dieser jetzt krassen Ausprägung schon bei eurem ersten Treffen gezeigt, ich könnte mir nicht denken, dass Du Dir eine Zukunft mit ihm hättest vorstellen können.
    Geändert von Bertrand (10.11.2011 um 23:19 Uhr)

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Bertrand für den sinnvollen Beitrag:

    Lisalein (28.11.2011)

  12. #8
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    Hallo alle Zusammen!
    Es tut mir leid, dass ich solange nicht geschrieben habe. Ich habe eure Antworten ersteinmal sacken lassen und geschaut was ich daraus für mich positives ziehen kann.

    Ersteinmal nimmt mein Mann wieder seine Medikamente, was sich schonmal sehr, sehr positiv ist, auch für unsere Beziehung. Er ist nicht mehr so agressiv und das Leben scheint wieder einfacher zu werden.
    Wir hatten letzte Woche einen Termin beim Psychologen, auch seine Therapie wird er nächste Woche wieder aufnehmen worüber ich mich sehr freue.
    Ich habe auch nicht versucht weiterhin seine "Krankenschwester" zu spielen, wie es mir empfohlen wurde. Die Medikation hat er von selber wieder aufgenommen, genauso wie seine Therapie.

    Allerdings habe ich noch ein paar andere Baustellen in meinem Leben, die es mir nicht unbedingt leicht machen und so die Probleme mit meinem Mann noch größer werden lassen:

    Als ich 14 Jahre alt war, offenbahrte mein Vater mir, dass ich eine Halbschwester habe, die zu der Zeit 1,5 Jahre alt war. Auf die Frage, die sich in dem Moment als erstes stellt "Warum?" bekam ich zur Antwort: "Weil ich der Vater bin!" Daraufhin stand mein Vater auf und ging weg. Im weiteren Verlauf des Tages stellte sich heraus, dass natürlich auch meine Mutter von dem Kind wusste und auch der ganze Rest unserer Familie (meine Cousine die in all den Jahren für mich immer wie eine Schwester war eingeschlossen). Meine Mutter hat meinen Vater all die Jahre zu Hause einfach geduldet, keiner war ehrlich zu mir. Teilweise blieb mein Vater natürlich auch über Nacht weg, was mir auch aufgefallen war. Wenn ich nachgefragt habe, wurden mir komische Geschichten über seinen Verbleib erzählt. Um so länger ich darüber nachgedacht habe, um so mehr wurde mir bewusst, dass die Beziehung zwischen meinem Vater und seiner neuen Partnerin, schon am Laufen war, seit ich 10 Jahre alt war, und keiner hat etwas gesagt.
    Das Verhältnis zu meinem Eltern wurde durch diese Geschichte natürlich nicht besser. Ich wurde in der Schule schlecht und habe immer nur Ärger zu Hause gehabt, unterschwellig hat man mich immer spüren lassen, dass ich überflüßig bin. Meine Eltern haben gewartet bis ich 18 war, als sie sich haben Scheiden lassen um der Sache mit dem Sorgerecht zu entgehen. Wenn ich nicht gewesen wäre, hätten sie sich eher scheiden lassen können... Meine Mutter hatte auch während all den Jahren schon einen neuen Partner, wenn ich nicht gewesen wäre, hätten meine Eltern beide ihr eigenes Leben leben können.
    Als ich mit der Schule fertig war, war ich 17 und ich musste eine Ausbildung zur Justizfachangestellten machen, weil mein Vater es gerne so wollte. Ich wollte allerdings zu einer Architekturschule gehen. Da verdient man aber ja leider kein Geld... Also musste ich die Ausbildung machen, ich hatte ja keine andere Wahl, da ich mit 17 noch nicht selbst entscheiden konnte.
    Das schlimmste an der Sache war allerdings, dass mein Vater auch dort gearbeitet hat und ich ihn somit fast jeden Tag sehen musste. Als ich meine Ausbildung beendet hatte und einen neuen Job bekommen habe, hatte ich erstmal ein paar Jahre gar keinen Kontakt zu meinem Vater und zu meiner Mutter nur spuradisch, sie waren ja auch beide froh, dass ich endlich weg war und mich endlich um mich selber kümmern konnte. Auch mit dem Rest meiner Familie hatte ich nichts mehr am Hut, zu der Zeit war ich auch schon mit meinem jetzigen Mann zusammen. Mein Vater war zu der Zeit mittlerweile wieder verheiratet und sie hatten ein zweites Kind bekommen. Auch von der Hochzeit und dem zweiten Kind hat er mir nie etwas erzählt....
    Doch dann kam Tag X der wieder mal alles in meinem Leben verändern sollte:
    Ich bekam einen Anruf von dem damaligen Lebensgefährten meiner Mutter. Sie war zu Hause zusammen gebrochen. Als wir eintrafen, lag sie regungslos auf dem Boden. Sie wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte man dann fest, dass sie ein Aneurysma hat, was dazu führte, dass ihr die Schädelplatte halb entnommen wurde und zusätzlich noch ein großer Teil des Gehirns. Das ist jetzt mittlerweile 6 Jahre her. Meine Familie gab mir damals die Schuld daran, dass sie heute im Pflegeheim liegt. Seitdem habe ich auch wieder Kontakt zu meinem Vater...
    Auch mit ihm gab und gibt es natürlich weiterhin Probleme, der Höhepunkt war, als er vor 2 Jahren in die Psychiatrie eingewiesen wurde, weil er Schmerztabletten und Alkohol zusammen eingenommen hat, über Jahre hinweg und dadurch Halluzinationen bekam. Kurze Zeit später wurde er dann ins Krankenhaus eingewiesen, nachdem er wieder zu Hause war, weil er Blut gespuckt hat und Krampfadern in der Speiseröhre hat.
    Soviel zu dazu.

    Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich meinem Mann so gerne helfen möchte und mich an etwas klammere was ich gerne hätte.
    Mein Vater z.B. ruft mich jeden Tag an, was mir fürchterlich auf den Keks geht, aber ich weiß nicht wie ich dagegen ankommen soll.
    Ich fühle mich überfordert.

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