Hi Wolf
Ich denke, es geht - oder ging - jedem Menschen irgendwann mal so ähnlich wie Dir. Du scheinst halt ein sehr kontrollierter Mensch zu sein. Das hat gute Seiten, aber Du solltest darauf achten, dass diese Seite gemäßigt bleibt, sonst kann die Kontrolle auch zum Zwang werden, dann ist sie Dir nicht mehr von Nutzen.
Wir Menschen sind Duale Wesen. Das zeigt schon unsere Anatomie (von vielem z.B. Gliedmaßen, Organe 2 Stück). Wir sind zwischen Himmel und Erde und wir haben solche Sprichwörter wie :"zwei Seiten von einer Medaille" Genauso besteht unser Innenleben nicht nur aus einer Wirklichkeit, sondern wird geprägt von x sinnlichen Wahrnehmungen, die zu subjektiven Wahrheiten verarbeitet werden. Damit das Chaos auch schön spritzig wird, haben wir dann noch Hormoncocktails und weitere Zutaten einer Hexenküche in uns, die auch zum putzigen Gelingen namens Lebendigsein beitragen.
Die Diskrepanz zwischen Helfersyndrom und Schadenfreude könnte ich mir so erklären, dass Du vll doch ziemlich im Vergleich mit anderen Menschen bist. Du interessiert Dich zwar für die Probleme anderer, versuchst zu helfen, aber kann es sein, dass Du das aus einem Überlegenheitsgefühl machst? Dass Du Dich auf die Weise bestätigen willst? Und bei Schadenfreude das selbe. Ich hab auch nicht ganz verstanden, ob Du beides bei ein und dem selben Menschen bzw. Fall empfindest.
Die Kriterien, nach denen Du Deine Entscheidungen ausrichtest finde ich grundsätzlich ganz gut. Trotzdem gibt es auch Situationen, wo Charakterstärke gefordert ist, in dem Sinne: stelle ich meinen Frieden jetzt mal hinten an, weil Loyalität gefragt ist, oder Zivilcourage, oder weil ich das ganze in einen größeren Zusammanhang stellen und entsprechend handeln muss.
Lieber Wolf, wenn ich Deine Beschreibung insgesamt anschaue, frage ich mich, ob Du da ganz versteckt die Frage drin hast, wie Du vll doch zu mehr emotionalem Erleben kommen könntest. Es wirkt auf mich fast, als wäre es Dir da in Deinem kontrollierten ständig arbeitenden Kopf selbst zu einseitig. Und Deinem Zellgedächtnis im Körper zu lauschen wäre ja vll auch mal ganz interessant.
Diese Sache mit dem freien Willen, das ist eine philosophische Frage. Nicht mein Interesse. Nur eines will ich dazu noch anmerken. Ich finde es sehr heikel, so zu argumentieren, dass deshalb keiner was dafür kann. Demzufolge hätten wir alle Narrenfreiheit und keinen Grund uns weiterzuentwickeln. Genauso fatal finde ich auch die andere Argumentation der Esotheriker: Dir passiert das und das, weil du ein Thema damit hast, dein Karma abarbeiten musst usw.. Damit gibt man jedem die Schuld an seinem eigenen Unglück bzw. weil er da nicht mehr raus kommt.
solche Überlegungen sind ein tiefes menschliches Bedürfnis, aber darüber hinaus sollte man nicht vergessen, ab und zu auch mit dem Herzen auf seine Mitmenschen und die Welt zu gucken.
Bei echtem Mitgefühl geht es einem nicht zwangsläufig auch schlecht. Was ich da empfinde geht eher Richtung Zärtlichkeit für denjenigen. So ganz vereinfacht gesagt.
PS: so ganz spontan kommt mir was, das für so einen Kopfmenschen wie Dir helfen könnte, Dich zu entspannen: Fußmassage. Wenn Du niemanden hast:Nimm einen Tennis- oder Massageball und rolle darauf herum, mit der ganzen Fußfläche. Ziemlich lang. Auch immer wieder mal aufn Ball stehen. und danach gucken, wie sich das Stehen dann anfühlt. kannst nebenher ja was anderes machen. Der Hintergrund: ich glaube, dass für Dich Erdung nicht schlecht wäre. Dazu gibt es seeehhr viele Körperübungen, auch Atmung ist hilfreich. Aber so kompliziert wollte ich es nicht machen. Viel Spaß beim Ball-rumkugeln