Hallo,
das ist ein bisher ungeklärtes Thema bei mir.
Ich habe seit ca. 10 Jahren keinen bzw. sehr sehr wenig Kontakt zu ihr - wir reden nicht mehr miteinander (obwohl das konnten wir noch nie, vor allem meine ich "miteinander") - zurzeit ignorieren wir uns. Vor ein paar Tagen habe ich sie gesehen und denke insgeheim: "Das ist doch eigentlich meine Mutter", wische mir eine Träne ab und gehe weiter meinen Weg. Sie kann nicht mehr gut laufen - anscheinend mit Schmerzen, ich denke mir, wer weiß, wie lange sie noch lebt und was dann?
Aber zum Anfang:
Meine Mutter hatte mich als Kind körperlich und seelisch misshandelt, hat mir immer zu verstehen, ich sei nicht gewollt. Wegen mir hat sie meinen Vater heiraten müssen. Ich war ihr Sündenbock, ich war an allem schuld. Mein Bruder war der Prinz und mittlerweile ist er Ersatzmann (sie leben zusammen - er ist 47). Mein Vater mit 56 an Magenkrebs gestorben - er hat alles geschluckt, auch Hochprozentiges.
Dann kam mein Ex-Mann - da hatte er das Regiment über mich. Als meine Ehe geschieden wurde, wollte meine Mutter wieder das Sagen über mich haben.
Ein Fehler von mir war, in mein Elternhaus zu ziehen. Ich habe die Wohnung im Rohbau übernommen und viel Geld reingesteckt.
Sie ist eine Frau, die leicht ausrastet, besonders bei mir. Tropfte mein Wasserhahn, war das Grund genug, die Bude zum wanken zu bringen. Türen zu schlagen (höre ich heute noch nicht gern), rumzuschreien und mich alles Mögliche zusammenzuheißen etc. An dem Tag, als sie sagte, dass sie meinen Sohn totschlägt, weil er einen Schneeball ans Haus geworfen hat, und sie mich samt meiner Brut aus dem Haus werfen wollte, habe ich den verbalen Kontakt abgebrochen. Und ein paar Jahre später, als mein Sohn alt genug war (er wohnt noch da), bin ich ausgezogen. Das war schwer, ein richtiger Abnabelungsprozess.
Immer wieder kommen Zeiten, wo ich am überlegen bin, ob ich etwas an dem Ist-Zustand ändern soll. Mir ist aber nicht wohl bei dem Gedanken. Würde ich wieder Kontakt zu ihr aufnehmen, wäre die alte Situation wieder da und da fühle ich mich immer noch nicht stark genug dafür.
Einer Freundin von mir, die ziemlich esotherisch drauf ist, tut meine Mutter leid. Die Frau könne ja nicht aus ihrer Haut. Das mag ja sein. Meine Mutter ist mit Sicherheit nicht von alleine so geworden. Aber soll ich mir das wieder antun? Ich hab da richtig Angst davor. Wenn sie vor mir steht, komme ich mir wieder vor wie ein kleines Mädchen.
Aber was ist, wie gesagt, wenn sie mal stirbt? Kann man damit klar kommen, dass man sich im Bösen getrennt hat.
Was meint ihr?
Grüße
Maeggie


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- ich kenne ihren Hintergrund nicht und kann auch nicht beurteilen, was sie damit meint, wenn sie sagt, daß deine Mutter nichts dafür könnte, daß sie so sei, wie sie ist. Ich sehe es etwas anders: erstens kannst du auch nichts dafür, daß deine Mutter so ist, wie sie ist - du hast aber bis heute offenbar mit den Folgen zu kämpfen. Zweitens - und das finde ich wichtiger: kein Mensch "kann" zunächst dafür, daß er so ist, wie er ist - bis an den Punkt, wo er registriert, daß etwas mit seinem Leben offenbar nicht so läuft, wie er es möchte. Manche fangen dann an, Verantwortung zu übernehmen - sprich: etwas an ihrer Lebenssituation zu verändern, auf welche Weise auch immer. Du hast das getan, du hast dich nicht damit begnügt, daß du eben so bist, wie du bist, nicht wahr? Deine Mutter hat das offenbar nicht so hingekriegt. Das ist IHR Weg - und wenn der dazu führt, daß sie jetzt eine Tochter hat, zu der die Verbindung unterbrochen ist, ist das Folge IHRES Weges. Dafür bist du nicht zuständig, auch dann nicht, wenn sie irgendwann stirbt.
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