hallo zusammen.
ich bin IeL,weiblich und noch 28 jahre alt/jung.
ich möchte hier ein wenig von meiner oma erzählen,da ich mit ihrem tod absolut nicht zurecht komme.
angefangen hat es letztes jahr im mai.meine oma hatte mit akuter luftnot zu kämpfen.zuerst schoben wir alles auf den pollenflug,damit hatte sie schon immer ihre probleme.als es aber schlimmer wurde,gab uns die hausärztin eine einweisung ins krankenhaus.mitlerweile war es schon juni.
nach einer röntgenaufnahme hieß es ''Schatten auf der Lunge'' und die alarmglocken bimmelten schon.da wusste ich schon,dass das nichts gutes bedeutet und war am boden zerstört.meine oma wurde dann stationär aufgenommen und es folgten weitere untersuchungen.
ct,lungenfunktionstest,bronchioskopie.
nach einer gefühlten ewigkeit,ein paar tage später, kam dann die stationsärztin (ein widerwärtiges und unfreundliches ding) ins zimmer und klärte uns auf.
lungenkrebs,kleinzeller (das sind die agressiven) weit fortgeschritten mit lymphmetastasen.nach der diagnose lagen wir uns in den armen und weinten.
ich konnte und wollte nicht glauben,dass meine oma krebs hat.MEINE oma,die ich mehr liebte als meine mutter,für die ich gestorben wäre,wenn es sein musste.im krankenhaus wurde dann der erste zyklus der chemo gestartet.sie hat die chemo sehr gut vertragen,aber das röcheln hörte nicht auf.eine weitere untersuchung ergab dann,dass sich wasser am rippenfell gebildet hatte.das wurde dann mit einem antibiotikum behandelt.es war nicht viel flüssigkeit.das AB schlug auch gut an.
anfang juli durfte meine oma das krankenhaus verlassen und zog bei meinen eltern ein.das war sicherer und wir waren beruhigter.ich erkundigte mich dann ausführlich im internet über die erkrankung.
der kleinzeller ist sehr agressiv,wächst und streut schnell,lässt sich allerdings gut mit chemo behandeln.die 5-jahres-rate beträgt nur 5%,die meisten sterben innerhalb von 4-12 monaten.DAS hätte ich nicht lesen sollen.auf der anderen seite war ich aber froh,denn so wusste ich was auf uns zukommen KANN.
die weiteren chemos bekam meine oma ambulant in einer onkologischen praxis.
sehr nette ärzte und schwestern.alles wurde immer so erklärt,dass auch nichtmediziner verstanden worum es ging.die ärzte waren einfühlsam,aber ehrlich.und genau das hat uns sehr gefallen.das KH riet zu einer prophylaktischen hirnbestrahlung.davon war der onkologe aber nicht sehr angetan und riet uns davon ab.
meine oma vertrug die chemos meistens gut.hin und wieder gab es tage,an denen sie einfach nur schlapp war.aber das war okay.sie hat sogar während der chemo 14 kilo zugenommen.darauf war sie immer sehr stolz.
im september musste sie zum kontroll-ct.der krebs war weg!er war einfach weg.wir wussten zwar,dass der krebs genauso schnell wieder da sein kann,wie er weg war,aber es war zeit die uns geschenkt wurde.meine oma hatte dann erst mal chemopause.bis zum nächsten kontroll-ct im november.auch da wieder:der krebs war weg.wieder wertvolle zeit die uns geschenkt wurde.
weihnachten uns sylvester wurde gefeiert.ich war so froh,dass meine oma diese zeit noch mit uns verbringen konnte und durfte.
im februar diesen jahres änderte sich alles wieder schlagartig.der krebs war wieder da.diesmal auf der anderen seite,drei kleine tumore.die chemo ging von vorne los.diese chemos vertrug meine oma gar nicht gut.sie musste sich übergeben,hatte darmprobleme und war total schwach.aber sie kämpfte immer weiter,nie ließ sie sich hängen.
um das ganze mal etwas abzukürzen:
im juni diesen jahres fing dann der ganze wahnsinn an.
meine oma wurde immer schwächer,hatte weniger hunger als zuvor.sie befand sich wieder in einer chemopause,da die platinchemo nun mal sehr stark ist und der körper davon einfach eine pause braucht.meine oma fing auch wieder zu röcheln an,wie im letzten jahr.zudem klagte sie ständig über übelkeit und kopfschmerzen.die kopfschmerzen ließen sich aber mit ibuprofen gut behandeln.
es wurde juli,es wurde immer schlimmer,es wurden bei einer späteren untersuchung hirnmetastasen gestgestellt.ab dem 23.07 lag meine oma im sterben und wurde von jetzt auf gleich ein pflegefall.sie musste gewaschen werden,gelagert,die vorlagen mussten wir ihr wechseln.am 23.07 war spät am abend noch der onkologe da und verschrieb uns eine ambulante pflege,die meine oma mit 500 ml kochsalzlösung versorgte.essen und trinken hatte meine oma bis dahin schon komplett eingestellt.nur hin und wieder ließ sie sich mit der spritze etwas flüssigkeit geben.
die belastung wurde immer schlimmer.nein,nicht die belastung der pflege,sondern eher die,dass das ende nah steht,dass ich meine oma verlieren werde und sie sterben muss.das tat weh,so schrecklich weh.
meine oma bekam zu dem zeitpunkt kaum was mit.sie wusste auch nicht,dass sie hirnmetastasen hatte,denn die untersuchung ging auch an ihr vorbei.meine oma war zu diesem zeitpunkt eine ganz andere frau.sie schrie oft nach hilfe,war unruhig und schrie hin und wieder.und immer suchte ich in den müden und leeren augen die oma,die ich kannte.meine oma,meinen schatz.ab und zu fand ich sie auch,wenn sie kurze,klare momente hatte.wer wir waren wusste sie immer,auch wenn sie oft nach ihrer ''mama'' gefragt hat,die seit 12 jahren tot war.
am 29.07 sagte meine oma dann etwas zu mir,was ich niemals vergessen werde:
''XXX ich LIEBE dich!ich werde dich immer lieben.das wirst du auch noch spüren,wenn oma nicht mehr da ist.''
am 02.08.2010 ist meine oma im alter von 77 jahren gestorben,bei uns,mit uns.sie war bis zuletzt nicht alleine.wir alle waren bei ihr.der anblick ihres sterbens war alles andere als schön.und die bilder bekomme ich einfach nicht aus dem kopf.davon hat sie selber aber absolut nichts mehr mitbekommen,da sie da schon bewusstlos war.als ich ihr den letzten kuss gab hörte sie auf zu atmen ... für immer.
meine oma und ich hatten immer ein sehr besonders liebevolles verhältnis zueinander.ich war immer ihr liebling,immer.ich war von klein auf immer ein extremes omakind,war nur bei oma und opa.
ich gönne ihr die ruhe,sie ist jetzt befreit von ihrer last.sie hätte,wenn sie nicht gestorben wäre,noch so viel leid ertragen müssen (lokale chemo in den spinalkanal,bestrahlung) aufgrund der metastasen.
aber ich vermisse sie so sehr.ich vermisse unsere kaffeekränzchen,bei denen wir über alles und jeden gelästert haben.ich vermisse unsere tage,an denen ich sie fotografiert habe und sie blöde grimassen gezogen hat,wenn sie ihre zähne nicht im mund hatte,ich vermisse unsere unterhaltung über alles und jeden,ich vermisse unser stilles zusammensein.ich vermisse ihren duft,die täglichen küsse auf die stirn,oder auf den mund.ich vermisse es zu sagen ''bis morgen.'' ich vermisse die anrufe bei meiner mutter um zu fragen ''was macht oma?ich komm gleich mal rüber.''
manchmal überkommt mich eine sekunde,in der ich bei meiner mutter anrufen will um nach meiner oma zu fragen.
ich kann immer noch nicht begreifen,dass meine oma nicht mehr da ist,dass sie tot ist und ich sie nie wieder sehe.manchmal führe ich in gedanken gespräche mit ihr.
am 11.08 war die beerdigung.das war ganz schlimm.
ich komm damit einfach nicht klar,dass meine oma nicht mehr da ist.
ich danke allen,die diesen langen text bis zum ende hin gelesen haben.


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