Hallo,
darf ich euch um eure Einschätzung und um euren Rat bitten?
Vorab ein paar Informationen zu mir und meinen aktuellen Sorgen sowie meinen emotionalen Nöten, die immer mehr zu einer starken Belastung meiner Ehe führen:
Ich bin 45 Jahre alt und seit sieben Jahren in zweiter Ehe mit meiner Frau verheiratet. Meine Frau hat einen Sohn mit in die Ehe gebracht, der inzwischen aber aufgrund seiner Berufsausbildung nicht mehr bei uns lebt, zu dem ich aber eine hervorragende Beziehung habe. Als selbständiger Kaufmann stehe ich beruflich seit 1995 auf eigenen Beinen, es geht uns wirtschaftlich nicht schlecht, aber ich lebe finanziell letztlich ohne „Netz und doppelten Boden“.
Meine erste Ehe endete vor 10 Jahren. Meine damalige Ehefrau war psychisch krank (Borderline-Syndrom) und letztlich trennte ich mich nach gut neun Jahren von ihr, weil ich einerseits nicht mehr genügend Kraft für die Bewältigung der aus der Krankheit meiner Frau resultierenden Probleme hatte und ich andererseits zunehmend damit konfrontiert wurde, dass meine Frau sich mit anderen Männern traf. Angeblich waren diese Männer nur Freunde, mit denen sexuell keine Kontakte bestanden haben. Ich war mir damals aber nicht sicher, ob das tatsächlich so stimmte.
Nach der Trennung habe ich dann relativ schnell meine derzeitige Frau kennen gelernt und mich, gegen meinen damaligen „Lebensfahrplan“, sehr heftig in sie verliebt.
Meine Frau ist 42 Jahre alt, ist beruflich im sozialen Bereich tätig und studiert parallel an einer Fernuniversität. Meine Frau ist sehr jung Mutter geworden und stammt aus der ehemaligen DDR, aus der sie aber noch vor der Wende als ganz junge Frau ausgereist ist und im Westen mit ihrem Sohn ganz allein da stand. Sie hat von Anfang an immer ein eigenes Leben geführt und immer Verantwortung für sich und ihren Sohn übernommen.
Echte Bindungen ist sie zunächst nie eingegangen, sondern hatte viele Bekanntschaften und mit diesen meist auch sexuelle Kontakte. Später war sie dann acht Jahre mit einem viel älteren Mann liiert, den sie wegen einem anderen Mann verließ, mit dem sie dann vier Jahre eine sehr intensive, aber schwierige Fernbeziehung führte. Nach dem Scheitern dieser Beziehung folgte eine Phase mit einigen losen Liebhabern, bis meine Frau und ich uns dann kennen lernten.
In der Phase der akuten Verliebtheit kam es dann zur ersten heftigen Bewährungsprobe für meine Liebe zu ihr, denn mein gerade gefasstes vertrauen zu ihr wurde schwer erschüttert. Nach anfänglich heftigen Auseinandersetzungen habe ich dann aber langsam wieder Vertrauen zu ihr entwickelt und unsere Beziehung wurde letztlich so stabil und gut, dass wir nach ungefähr drei Jahren geheiratet haben. Die ersten drei, vier Jahre unserer Ehe waren toll.
Eigentlich haben wir allen Grund, ein entspanntes und zufriedenes Leben miteinander zu führen, aber meine Frau ist, anders als ich, ein unglaublich kommunikativer Mensch und liebt lange Diskussionen und Gespräche über „Gott und die Welt“. Ich hingegen bin eher mundfaul und leider oft auch denkfaul und sehr unkritisch mit mir. Meine Frau wirft mir das inzwischen seit gut drei Jahren massiv vor und sie hat lange versucht, mit mir Gespräche über uns zu führen und mich aus der „verbalen Versenkung“ zu locken.
Ganz überwiegend leider ohne Erfolg, weil ich es nicht schaffte, nachhaltiges Interesse für ihre Themen (Beruf/Gesellschaft/Geschichte etc.) zu entwickeln. Während meine Frau intellektuell ist, bin ich eher pragmatisch und an materiellen Dingen interessiert. Wirklich viele Überschneidungen zwischen unseren Interessen gibt es inzwischen nicht mehr.
Sexuell haben wir eine aktive und gute Beziehung miteinander geführt, aber auch hier gibt es inzwischen deutliche Probleme. Wir haben zwar relativ regelmäßig Sex miteinander, aber eigentlich ist der Sex inzwischen nur noch routiniert, ohne intensive Spannung und verschafft nur noch kurze Glücksmomente.
Ich bin nach außen immer lebenslustig gewesen, habe im Inneren aber schon sehr lange auch eine eigentlich augenscheinlich unbegründete Leere und Traurigkeit verspürt. Oft habe ich das Gefühl, mir das Leben schwerer als nötig zu machen und mir selbst im Weg zu stehen. Trotzdem verfüge ich über einen recht großen Bekanntenkreis und zwei, drei enge Freunde, führe ein aktives Leben und vermittele nach außen das Bild eines leidlich glücklichen und erfolgreichen Mannes.
Nach diesem Abriss über mein derzeitiges Leben lasst mich jetzt bitte mein aktuelles „Hauptproblem“ schildern:
Meine Frau pflegt seit jeher Kontakte, die sie Freundschaften nennt, zu meinen Vorgängern, Freunden aus ihrer Jugend und einer Reihe von Männern aus ihrem beruflichen Umfeld. Damit habe ich mich immer sehr, sehr schwer getan, aber in letzter Zeit trifft sie sich in zunehmender Frequenz mit diesen Männern. Diese Treffen finden praktisch ausnahmslos am Abend und vorwiegend in Restaurants, Hotellobbies oder Cafés statt und häufig wird es dann sehr spät, jedenfalls ist sie kaum einmal vor Mitternacht wieder zuhause.
Lange habe ich versucht, das gegen meine eigene Wunschvorstellung zu akzeptieren und ich zweifele bisher nicht wirklich an ihrer körperlichen Treue, die mir persönlich sehr wichtig ist, fühle mich aber zunehmend emotional betrogen und habe Angst, dass sich aus diesen Kontakten mehr entwickeln könnte. Ein echtes Urvertrauen habe ich nicht mehr zu ihr.
Meine Frau, die überall als Traumfrau gilt, geht mir gegenüber offen damit um, dass fast alle ihre Freunde sich auch „mehr“ mit ihr vorstellen können, versichert mir aber immer wieder, dass das für sie bisher und zurzeit überhaupt kein Thema sei. Vielmehr ginge es ihr darum, intellektuelle Gespräche zu führen, die ich ihr nicht biete und eine lockere, unbeschwerte Atmosphäre zu genießen, die ich zuhause inzwischen nicht mehr herstellen könne. Kurz gesagt kompensiert sie so Defizite, die sich für sie in unserer Ehe ergeben haben. Mir erscheint ihr Verhalten außerdem zunehmend wie eine Flucht vor mir.
Nun wird sie demnächst einen alten Freund aus Jugendzeiten, mit dem sie damals auch sexuell verkehrte, für vier Tage besuchen. Mir hat diese Reiseplanung den Boden unter den Füßen weggerissen und ich reagiere inzwischen panisch, unbeherrscht und fast wahnhaft auf sie. Die Situation ist wiederholt vollkommen eskaliert, weil ich dann in meiner Hilflosigkeit und in meiner Angst herumschreie und verletzend werde. Ich bin dann verbal sehr aggressiv ihr gegenüber, bin mir aber parallel absolut sicher, dass es aber bei verbalen Ausfällen meinerseits bleibt.
Ich habe mich nun eine Sackgasse manövriert: Ich wünsche mir so sehr, dass meine Frau wenigstens etwas Rücksicht auf meine Ängste nimmt und die Reise nicht antritt, auch wenn ich mir das durch mein Verhalten im Streit nicht unbedingt "verdient" habe. Wir finden aber keinen Weg mehr zueinander, uns darüber konstruktiv zu unterhalten. Meine Frau fühlt sich von mir in ihrer Autonomie beschnitten und gibt meinem Wunsch, die Reise zumindest aufzuschieben, keinen Jota mehr Platz.
Ich habe große Angst sie zu verlieren. Gar nicht an den Mann, zu dem sie reisen wird, sondern einfach, weil uns mein Desinteresse an ihr und ihre Kontakte, die sie mittlerweile so intensiv pflegt, inzwischen so weit auseinander gebracht haben, dass mir das Scheitern unserer Ehe eigentlich vorgezeichnet erscheint. So, wie unser Leben jetzt verläuft, kann ich jedenfalls nicht mehr lange mit ihr leben.
Inzwischen habe ich mehrfach den Vorschlag gemacht, eine Paartherapie zu beginnen, was meine Frau aber vehement ablehnt. Auch bin ich bereit, nun erstmals ernsthaft, gern auch mit professioneller Hilfe an mir zu arbeiten, Defizite zu verbessern und mich körperlich weder in eine gute Form zu bringen, aber parallel lähmt mich die aktuelle Situation praktisch komplett.
Vielen Dank für das Lesen meines Beitrages, der viel länger wurde, als ich das anfangs erwartet habe. Seht ihr aufgrund dieser Schilderung einen praktikablen Lösungsansatz für uns und könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich aus dieser akut für mich fast unerträglichen Situation wieder heraus komme?
Grüße
SchweigsamEr


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Erwin!
, und habe ihn zur Rede gestellt.
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