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Thema: Menschenkenntnis

  1. #1
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Standard Menschenkenntnis

    Hallo Leute

    Ich bin mir bewusst, dass der Begriff ziemlich veraltet ist. In früheren Tagen hatte der Begriff einen ziemlich hohen Stellenwert.

    Zitat Zitat von Wikipedia
    Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, das Verhalten oder den Charakter eines Menschen aufgrund eines ersten Eindrucks richtig einzuschätzen, zu erkennen und zu beurteilen, und vorherzusagen wie sie denken und wie sie handeln werden.
    Entscheidende Faktoren für diese Fähigkeit sind Lebenserfahrung, Intuition, Intelligenz und Weisheit. Menschenkenntnis ist nicht angeboren, sondern man erwirbt sie durch den häufigen Umgang mit Menschen und durch Erfahrung mit vielen unterschiedlichen Menschen.
    Menschenkenntnis kann genutzt werden, um Menschen richtig zu beurteilen, sie zu motivieren, um anderen Menschen einen guten Rat zu geben, tiefere Beziehungen einzugehen usw. Sie kann aber auch zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden, zum Beispiel, wenn man Menschen überzeugen, sie verführen oder ihnen etwas verkaufen will.
    Das umfasst doch ziemlich viel Lebenserfahrung und ist nach wie vor aktuell, obwohl dieser Umstand z.B. vom Marketing eher verheimlicht wird. Auch innerhalb von privaten Beziehungen spielt dieser Punkt eine gewichtige Rolle, auch wenn dieser Aspekt für viele nicht wirklich fassbar ist. Das Thema hat einerseits viel mit Manipulation zu tun aber auch mit der richtigen Einschätzung der Mitmenschen. Menschenkenntnis führt dazu, dass wir unsere Mitmenschen besser beurteilen aber auch steuern können. Es ist also ein zweischneidiges Schwert und kennt sowohl die positive als auch die negative Dimension.

    Ich betrachte das Thema eher aus der Opferposition, da ich mich sehr lange ziemlich naiv wahrgenommen und verhalten habe. Darum interessiert mich das Thema momentan. Ich bin durch meine Therapie realistischer geworden und mir hilft das Thema, mich in der Welt der Beziehungen zurecht zu finden.

    Mich interessiert der Aspekt darum, weil ich schneller Bescheid haben möchte, wie eine Person tickt. Ich hab keinen Bock, mich manipulieren zu lassen. Wenn ich die entsprechenden Mechanismen verstehe, kann ich mich besser auf die Realität einstellen und adäquater handeln. Das gilt sowohl für engste Beziehungen als auch für oberflächliche Erstkontakte.

    Die Absicht dieses Freds ist, Werkzeuge zu ermitteln, was die Wahrnehmung unserer Mitmenschen vertiefen hilft. Damit die Beschreibung einfacher fassbar wird, beschreibe ich Personen auf vier Ebenen: Ich, Du, Wir (Familie und Gemeinschaft) und Ihr (Andere, dritte Personen).


    Werkzeug 1 - Beziehung
    Ich erlebe das Du, wie es mit dem Ihr umgeht. Das ist sehr aufschlussreich, denn wir können davon ausgehen, dass die Betreffenden auf die genau gleiche Art mit uns umgeht. Wenn wir z.B. sehen, wie Dritte angelogen und manipuliert werden, können wir sicher sein, dass wir selbst von dem Du angelogen und manipuliert werden.

    Werkzeug 2 - Moral
    In der direkten Begegnung bekommen wir immer wieder Wertvorstellungen, Moral und Normen des Du mit. Damit sind wir indirekt selbst angesprochen und eine gesunde Distanz ist in dem Falle angebracht. Jemand kann z.B. vehement einen moralischen Standpunkt vertreten und stellt uns so quasi unbewusst auf die Probe. Sind wir der selben Meinung ist das ok, sind wir anderer Meinung, können wir uns verpissen. Bei solchen Äusserungen ist es nicht direkt klar, dass auch wir in das moralische Szenario integriert worden sind, aber es ist leider so.

    Werkzeug 3 - Verheimlichung
    Das was uns das Gegenüber verheimlicht, sagt oft mehr aus über die Wahrheit als es ihr lieb ist. Angenommen wir leben in einer intimen Beziehung und das Du äussert sich nie über den gemeinsamen Sex, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass da der Hund begraben liegt. Das ist so ein natürlicher Schutzmechanismus, den sich z.b. jeder Verbrecher bedient, ausser er ist ein Psychopath.

    Werkzeug 4 - Macht
    Es kommt doch immer wieder vor, dass eine Person das Wir übertrieben betont. Du kannst dir in solch einem Fall sicher sein, dass du der Person ziemlich egal bist und du bloss eine Marionette innerhalb ihres Theaters bist. Der Chef zum Mitarbeiter: Wir möchten in Zukunft mehr in diese Richtung orientieren und haben darum beschlossen, dies und das zu ändern. In so einem Fall ist unsere Loyalität gefragt, ob wir wollen oder nicht. Letztlich ist das purer Zwang und die Wir-Leute sind sich dessen bewusst und denken, dass sie das Recht dazu haben.

    Ich hab jetzt ein paar Sachen beschrieben. Es wäre super, ihr könnte selbst solche Mechanismen erkennen, wie es die Leute schaffen, euch zu täuschen und zu manipulieren. Eine wichtige Frage ist natürlich die, wie gehen wir mit solchen Erkenntnissen um?
    Geändert von martinspin (04.02.2012 um 22:10 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

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  2. #2
    Neuling Avatar von Hakon
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    Wie ich damit umgeh, ich versuche solche Menschen so gut es geht aus meinem Umfeld fern zu halten.
    Was manchmal nicht ganz möglich ist, da es grade bei "wichtigen" Personen ebenso wichtig ist einen gewissen Status zu halten, vorallem wenn man ihn sich mühsam erarbeitet hat.

    Auf der anderen Seite ist es doch auch so, das man mit 100% Ehrlichkeit auch Menschen tief verletzen können die uns nah stehn.
    Wenn zb meine Freundin grad ne emotionale Krise wegen ihrem Aussehn hat, geh ich doch nicht hin und drück noch einen drauf.

    Das sind meine ersten Gedanken dazu, ..evtl fällt mir noch mehr ein aber das reicht erstmal.

    lg Hakon
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  3. #3
    Roman Verfasser
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    Wenn es um Mechanismen geht, dann unter der Fragestellung was es mit mir selbst zu tun hat und in mir auslöst. Warum wirkt es bei mir, warum steige ich drauf ein.

    Für mich stellt sich aber nicht so sehr die Frage wie die Leute es schaffen mich zu manipulieren, sondern was ich selbst eigentlich will. Weiß ich was ich will und vertrete das auch kann ich nicht manipuliert werden.

    Dann gälte es allerdings auch, gegebenenfalls den Konflikt auszuhalten der sich daraus ergibt.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    martinspin (05.02.2012)

  5. #4
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Mechanismus 5 - Die Projektion
    Ein bisschen schwieriger zu bewerten ist die Projektion. Dabei wird das Ich vom Du immer wieder definiert und es ist gut möglich, dass das Du sich eigentlich nur selbst beschreibt, weil es gewisse Aspekt an sich selbst nicht wahrnehmen will oder kann. Die Projektion hat diesen zwanghaften und wiederholenden Charakter. Leute die sich z.B. zwanghaft immer wieder über schmarotzende Asylbewerber äussern, haben selbst eine schmarotzende Seite, die sie verdrängen.


    Mechanismus 6 - Die Introjektion
    Das ist genau das Gegenteil der Projektion. Da wird Kritik, die eigentlich der Umwelt gelten würde, an sich selbst ausgelassen. "Wie kann man nur so blöd sein", "Ich bin so hässlich", "Ich bin so ein Verlierer", "Ich bin so ein Opfer", usw. Wieder ist hier dieser zwanghafte Touch mit ihm Spiel. Das Ganze ist sehr repetitiv und du kriegst es immer wieder zu hören. Unbewusst ist das Du gemeint und so ist hier eine gewisse Vorsicht angebracht.


    @Hakon
    Mit geht es nicht um 100% Ehrlichkeit, sondern um die Möglichkeit, Manipulation schneller zu erkennen und sich richtig zu verhalten. Wenn dein Freundin eine emotionale Kriese wegen ihrem Aussehen hat, kann das echt sein oder auch eine Täuschung. Es kann sein, dass sie mir Anerkennung braucht. Es kann aber auch ein versteckter Hinweis sein, dass ihr das Aussehen der Welt nicht gefällt und da gehörst du dann letztlich auch dazu.
    Geändert von martinspin (05.02.2012 um 08:30 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

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  6. #5
    Zarte_Seele
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    Ich finde, der Titel des Themas ist nicht passend!
    Menschenkenntnis hat ja nicht zwangsläufig etwas mit Manipulation zu tun!!!

    Ich würde von mir selbst auch behaupten eine Gewisse Menschenkenntnis zu besitzen, jedoch ist sie für mich mitlerweile wesentlich hinderlicher als hilfreich!

    Früher war ich auch manipulativ- ich gebe es sogar zu!
    Aber das hat weniger mit der Menschenkenntnis zu tun, sondern einfach mit dem wie ich in der Kindheit geprägt wurde!
    Gaaanz früher war ich auch das Opfer, aber das Opfer von Mobbing Situationen, das Opfer meiner boshaften Schwester und Mitschülern nach einem Schulwechsel in der dritten Klasse!

    Irgendwann fängt man an sich Schutzmechanismen ausfzubauen!
    Ich habe dabei schon sehr früh (ohne das es mir Bewusst war- da ich von sowas ja überhaupt noch keine Ahnung hatte) auf die Visualisation zurück gegriffen! Habe ohne "real" zu üben Situationen durchgespielt, Sprüche einstudiert und mir Taktiken ausgedacht!
    So wird man vom Opfer zum Manipulativen Menschen- Zwangsweise!!!

    Ich hatte meine "Gabe" zur Manipulation natürlich auch schon OHNE mich zu schützen und ganz zum Eigennutz gebraucht- aber mal ehrlich, welcher heranwachsende Mensch im vergleichbarem Umfeld und Situation würde das NICHT tun?
    Natürlich nie um jemanden zu schaden, eben nur um z.B. etwas zu bekommen!

    Später hat es sich gewandelt...ich brauchte keine Manipulation mehr um mich vor Menschen zu "schützen"!
    Ich brach dann einfach Kontakte ab, von denen ich überzeugt war, sie würden mir nicht gut tun!

    Und da komme ich jetzt zu dem Punkt, wo ich sage, dass mir die Menschenkenntnis - hinter die "Kulissen" schauen zu können - im Leben eher hinderlich ist!
    Denn, es gibt so viele Intriegen, Menschen die unreif sind- sich zusammen tun- um gemeinsam jemanden zu demütigen, beschämen oder eins auszuwischen, weil sie evt. neidisch auf geiwisse Charakterzüge sind, dass kaum noch Menschen übrig bleiben!
    Immer wieder zu durschauen zermürbt einen!

    Es muss noch nicht einmal JEDER dabei in seiner Rolle "schlecht" sein aber es gibt genug 'Mitäufer', Menschen - die sich lieber der 'Masse' anschließen - um nicht mit dem Bekämpften (Opfer mag ich hier nicht nennen - denn als das sehe ich mich nicht - nehmen wir lieber den Begriff 'Bekämpften') allein auf einer seite stehen zu müssen.
    Diese starten dann 'unbeobachtet' kurzzeitige Kontakt und Versöhnungsversuche,..senden 'mitleidsblicke' aus - manche sind in sich so schwach, dass sie evtl. in dieser Rolle noch einen 'besonderen' Status annehmen - jedes Mitleid vergessen, weil sie endlich auch mal anerkannt werden - ich hoffe jemand kann nachvollziehen???

    Jedenfalls fällt es mir schwer Kontakte einzugehen, weil ich immer wieder Muster durschaue! Den Mobbern 'agressiv' Manipulativen gehe ich aus dem Weg, weil ich sie für meiner nicht Wert schätze und die anderen 'Mitläufer' sind mir in sich nicht stark und reif genug um eine Bindung aufzubauen!
    Meine Erfahrung hat gezeigt: Es bleiben nicht viele übrig und ich gehe aus dem weg und stehe weiterhin allein da!
    Geändert von Zarte_Seele (05.02.2012 um 10:44 Uhr)

  7. #6
    Neuling
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    Manipulation wird in der Regel meiner Meinung nach recht schnell durchschaut, nur gibt es Menschen die sich nicht trauen trotzdem zu sich selbst zu stehen und nein dazu zu sagen, die sich nicht getrauen sich da wieder raus zu ziehen, wenn sie in die Falle gegangen sind, sie ziehen es dann wohl oder übel durch.
    Sind sich jedoch meist bewusst, dass sie manipuliert worden sind.

    Ich finde Manipulation widerlich und mache das, was ich für mich richtig halte, egal ob jemand anderes Erwartungen an mich hat, egal ob man sich eigentlich der Norm entsprechend verhält, weil das ist das Kalkül der Manipulierer

  8. #7
    Ste
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    Manipulation ist eigentlich die natürliche Folge und auch der Sinn von Kommunikation.

    Es geht um Beeinflussung des anderen und ohne diese könnte man ja gar nicht sozial leben.

    Erziehung ist z.B. strategische und taktische Dauer-Manipulation. Das Ziel ist es das Kind zu ändern, es soll ja nicht mit 7 auf dem Stand eines 2-jährigen sein. Das wäre ja für das Kind selbst ein Unglück. Kinder lieben es nicht erzogen zu werden, aber sie sind später dankbar dafür.

    Man fragt ja nicht umsonst: "und was springt für mich dabei raus?"

    Grüße

    Ste

  9. #8
    Neuling
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    Menschenkenntnis ist etwas sehr wichtiges, man kann Schwächen und auch Stärken des anderen klar erkennen und danach, je nach dem rechtzeitig im richtigen Maß seine eigenen Grenzen zu den jeweiligen Menschen ziehen.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Kolibri für den sinnvollen Beitrag:

    martinspin (05.02.2012)

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