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Thema: Minderwertigkeitsgefühle in zwei entscheidenden Bereichen

  1. #1
    Neuling
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    Standard Minderwertigkeitsgefühle in zwei entscheidenden Bereichen

    Hallo zusammen (der Text sollte gar nicht so lang werden, sorry),

    ich bin fast 27 Jahre alt, habe seit 1,5 Jahren eine wirklich tolle Beziehung mit einem fast perfekten Mann :-)
    Mein Job macht mir auch Spaß und soweit geht es mir auch finanziell gut.

    ABER meine Minderwertigkeitsgefühle belasten immer mehr und mehr meine Beziehung sowie auch verschiedene Situationen im Job.
    Ich bin eifersüchtig und zwar in dem Maße, dass sich in mir ein so starkes Unwohlsein auftut sobald ich eine hübsche Frau sehe (real oder TV) oder positiv über eine hübsche Frau gesprochen wird. Natürlich betrifft das hauptsächlich meinen Freund. Heißt, wenn wir TV schauen und da ist z. B. eine nackte Frau, könnte ich los heulen. Ich fühle mich dann hässlich, vergleiche alles mit mir und denke, mein Freund findet sie bestimmt besser. Er dementiert das natürlich und viele sagen mir auch, dass ich sehr hübsch bin, tollen Charakter habe etc. Mein Freund beteuert mir immer wieder, dass er nu rmich liebt, ich seine Nr. 1 bin etc. Er ist einfach nur toll. Aber ich könnte in dem Moment vor lauter Angst und Unwohlsein explodieren und würde mir am liebsten selbst weh tun, damit es in mir nicht mehr so weh tut.

    Zweiter Punkt ist, dass ich mittlerweile (das war früher nicht so extrem) sowas von nervös werde, wenn irgendwas ansteht was außer der Reihe ist. Z. B. wenn wir im Büro eine Besprechung haben. Ich bin dann sehr nervös. Oder im Oktober hatte ich eine Fortbildung. Ich bin alleine dahin gefahren und als ich im Eingangsbereich stand, habe ich so sehr gezittert und mir ging es richtig dreckig (Übelkeit/Durchfall). Das hatte sich dann im laufe des Vormittags gelegt. Aber das ist jedes Mal so. Selbst als ich das erste Mal mit meinem Freund in den Urlaub gefahren bin, bin ich fast im Auto gestorben. Wovor ich genau Angst habe weiß ich noch nicht mal. Vielleicht mein vertrautes Umfeld zu verlassen. Aber ich war früher auch nicht so. Da war ich spontan und habe mich auf sowas mehr gefreut als Angst gehabt. Sollte ja auch eigentlich so sein.

    Ein weiteres Bspl.: Wenn wir abends weg gehen, ich mache mich fertig und wenn ich dann fertig bin und in den Spiegel schaue, denke ich "wow -heute siehst du mal richtig gut aus". Mein Freund bestätigt mir das auch immer wieder. Nicht mal durch Worte, sondern mehr, dass er mir auf den Po haut oder wenn ich mal nackig vorbei laufe, kommt er schnell und begrüßt meine div. Körperteile :-) er bleibt dann nicht einfach teilnahmslos auf dem Sofa sitzen und ignoriert mich. Selbst wenn ich in Gammelsachen rum laufe, kommt er immer mal wieder und fühlt, ob noch alles da ist. Er ist wirklich ein Schatz. Das sollte mir eigentlich schon genug zeigen, dass er mich begehrt. Sobald wir aber eine Location betreten und ich die anderen Frauen sehe, fange ich an abzuchecken "wer sieht wie aus", "was haben die an" und prombt ist mein Selbstwertgefühl im Eimer. Ich fühle mich dann so klein und unscheinbar, als könnte ich es nicht mit denen aufnehmen und mein Freund sieht was eigentlich noch viel besseres auf dem Markt so ist... Total krank, wirklich! So kann ich keinen Abend wirklich genießen und mache meistens auch noch den Abend von meinem Freund kaputt, da ich Vrwürfe mache wie "gefällt dir wohl" oder "was guckst du die denn an". Dabei hat er es gar nicht verdient - im Gegensatz zu meinem Exfreund....

    Ich war schon immer mehr eifersüchtig als manche meiner Freundinnen. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie die es "ertragen", dass ihr Freund in Ihrem Beisein Komplimente zu einer anderen machen.

    Wie ihr seht, ist das Hauptproblem die Eifersucht in meiner Beziehung. Aber auch diese Angst und Nervösität in anderen Lebensbereichen wie Job, Alltag werden immer mehr.

    Ich weiß, dass ich mich nicht klein machen darf/soll. Ich bin genauso viel wert wie jeder andere Mensch, aber in den Momenten wo dieses schreckliche, absolut ecklige Gefühl kommt, kann ich nicht anders reagieren außer gereizt, pampig, leidend etc.

    Was kann ich vorübergehend tun, bevor ich wirklich mit der Therapie beginne?
    Hat jemand Tipps?

    Ich bedanke mich für alle, die meine kleine Geschichte gelesen haben und hoffe auf eine Antwort!

    LG, Carrie

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Carrie,

    dass Du da therapeutisch drauf gucken willst, ist schon mal ne gute Idee. Denn wenn ich das richtig lese, hast Du diese Probleme ja nicht erst seit dieser Beziehung, sondern schon lange davor. Da ist Ursachenforschung schon mal ein guter Ansatz. Und Du kannst Dir da auch Handwerkszeug gegen Angstattaken erarbeiten.

    Was bei mangelndem Selbstvertrauen sehr hilfreich ist, sind Erfolge, die auf eigenes Tun basieren. Darum greifen Komplimente nur aufgrund des Aussehens auch nicht wirklich. Allerdings sind die eine gute Übung, um zu lernen, positives feedback überhaupt mal anzunehmen. Oft kommt nämlich erschwerend zu diesen Minderwertigkeitsgeschichten hinzu, dass man schon so selektiv wahrnimmt, so dass eine Anerkennung gar nicht mehr als solche erkannt werden kann.

    Es gibt - zumindest in meiner Stadt - inzwischen auch gute Kurse bei der vhs etc, zum Thema Selbstvertrauen, Kommunikation, Selbstbehauptung etc. Ich selbst halte sehr viel von den Kursen, die auf Theaterarbeit basieren oder mit anderen kreativen Mitteln arbeiten. Denn diese schaffen i.d.R. eine spielerische und wertfreie Athmosphäre - ein Schonraum, den unsichere Menschen brauchen, um es mal zu wagen, sich auszuprobieren.

    Schau Dich mal nach so was um. Und wenn Du die Kursinhalte ansprechend findest, aber Dich nicht traust, dann denk dran, dass es sehr wahrscheinlich allen so geht, die so was machen. Drum machen sie es ja. Und eine Hemmschwelle zu nehmen, ist schon das erste Erfolgserlebnis.

    Falls Du jetzt einen Tipp gegen Deine Eifersucht vermisst: ich denke, da wird sich schon viel geben, wenn Du mal Deinen Blick davon weg nimmst und eher auf Dinge lenkst, die Dich stärken und die Du gern machst. Probleme löst man nicht unbedingt, indem man uf sie starrt und sie ewig herum wälzt, sondern indem man mal auf die weissen Flecken in sich guckt, auf denen nicht "Problem" steht Die sind nämlich meist überraschend schön bunt und wollen gesehen und gepflegt werden

    Als Ergänzung zu den Strategien gegen Angstattaken, die Du vll in der Therapie lernst, bietet sich Körperarbeit an, z.B. progressive Muskelentspannung, Yoga, Qui Gong, Atemarbeit (meist in diesen Körpertechniken integriert), Meditation (falls Du es lieber spiritueller magst). Mit Atmung kannst Du bei Angst und Unsicherheit sehr viel bewirken. Und diese Techniken helfen langfristig, zu mehr Balance zu finden, und Anspannungen früher zu merken und abzubauen.
    Geändert von Gast784 (03.01.2011 um 12:29 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Standard Danke

    Hallo Gaby,

    danke schon mal für deine tolle Antwort.
    Du hast recht, ich kann Komplimente fast nicht mehr annehmen, weil ich denke "klar sagt er das jetzt aber verglichen mit anderen...." usw.

    Ja, bei so einem Kurs hätten wir schon das erste Problem. Ich wäre sicher so nervös, dass ich während der Fahrt umdrehen würde, weil mein Darm verrückt spielen würde

    Ich habe mir jetzt auch mal zwei Bücher bestellt von Rolf Merkle. Vielleicht helfen mir diese schon ein wenig weiter.

    Momentan kann ich mir nicht vorstellen, wie man weniger eifersüchtig werden kann, aber es MUSS irgendwie funktionieren.
    Grundsätzlich bin ich ja auch ein lebensfroher Mensch, aber diese ewigen Selbstzeifel bringen mich noch um den Verstand.

    LG

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    Momentan kann ich mir nicht vorstellen, wie man weniger eifersüchtig werden kann, aber es MUSS irgendwie funktionieren
    sehr oft hilft es, etwas zu verringern, indem man sich etwas Neues hinzu holt. Etwas, das man mag, das einen interessiert und daher Kraft gibt. Dadurch leitest Du nämlich Deine Aufmerksamkeit weg von dem, was Du nicht magst. Während Du es mit dem ständigen Darauf-starren weiter fütterst.

    Du hast recht, ich kann Komplimente fast nicht mehr annehmen, weil ich denke "klar sagt er das jetzt aber verglichen mit anderen...."
    Dabei hat mir ein Bild geholfen: ich hab mir die Komplimente als einen Tropfen Öl vorgestellt, der mir die Kehle runter rinnt, also den Spruch: geht runter wie Öl -bildlich vorgestellt

    Und dabei hab ich mir gedacht: Gaby halte einfach mal die Klappe und nimms

    Inzwischen funktionierts von selbst - naja, das mit der Klappe halten, muss ich mir manchmal schon noch denken

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